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Veröffentlicht am 18.01.2026

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Half His Age
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Oha - das nenne ich einen unangenehmen Coming-of-Age-Roman.
Man kann sich ja grob vorstellen, in welche Richtung diese Geschichte geht, und auch das Cover gibt einen deutlichen Vorgeschmack auf ihre Kompromisslosigkeit. ...

Oha - das nenne ich einen unangenehmen Coming-of-Age-Roman.
Man kann sich ja grob vorstellen, in welche Richtung diese Geschichte geht, und auch das Cover gibt einen deutlichen Vorgeschmack auf ihre Kompromisslosigkeit. Genau so fühlt sich das Lesen an: wütend, lustig, traurig und heftig zugleich. Es zieht einen in diesen atemlosen Lesestrudel, aus dem man einfach nicht mehr herauskommt. Ich habe 'Half His Age' von Jennette McCurdy innerhalb von 24 Stunden verschlungen.

Zum Inhalt selbst gibt es gar nicht so viel zu erzählen: Die 17-jährige Schülerin Waldo entwickelt eine obsessive Fixierung auf ihren Lehrer für kreatives Schreiben, Mr. Korgy. Er weckt in ihr ein Begehren, das sie selbst kaum begreifen kann. Vielleicht ist es seine anfängliche Offenheit, diese beinahe spießige Normalität oder seine vermeintliche Weisheit eines erwachsenen Menschen - all das, was Waldo in ihrem eigenen Umfeld schmerzlich vermisst. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beziehung zu ihrer Mutter, ein Handlungsstrang, der mich stellenweise sogar noch stärker gefesselt hat als die zentrale Dynamik.

McCurdy erfindet mit dieser Geschichte das Rad sicherlich nicht neu, und doch hält sie einen als Leser*in unnachgiebig fest. Vor allem Waldo selbst lässt einen nicht los: Sie ist vielleicht nicht das typische Opfer, aber trotz allem ist sie eine junge Frau, gefangen im misogynen Machtgefälle - die einfach nur gesehen werden möchte und die ihre innere Leere mit überbordendem Massenkonsum kompensiert.

Wie bereits erwähnt: Erzählerisch wird hier nichts revolutionär Neues geboten. Doch der Schreibstil hat mich derart gefesselt, dass ich diesen Roman eine klare Leseempfehlung aussprechen kann.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Rückblicke

Man müsste versuchen, glücklich zu sein
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Nach meinem ersten Lese-Highlight folgte nun leider mein erstes Lowlight.

'Man müsste versuchen glücklich zu sein' von Julia Holbe klang zunächst nach einer vielschichtigen und emotionalen Familiengeschichte. ...

Nach meinem ersten Lese-Highlight folgte nun leider mein erstes Lowlight.

'Man müsste versuchen glücklich zu sein' von Julia Holbe klang zunächst nach einer vielschichtigen und emotionalen Familiengeschichte. Die Schwestern Flora und Millie treffen nach langer Zeit - und nach dem Tod ihrer Eltern - im gemeinsamen Elternhaus wieder aufeinander. Sie versuchen, sich einander anzunähern, Vergangenes aufzuarbeiten und gegenseitiges Verständnis zu entwickeln.

Keine leichte Aufgabe, wenn man mit einer exzentrischen Mutter und einem Vater aufgewachsen ist, der unter anderem durch Affären 'glänzte'. Unterstützung erhalten die Schwestern durch Floras Tochter, die Freundin der Mutter und weitere Wegbegleiter, sodass eine Zeitreise in die Vergangenheit beginnt, die eigentlich Potenzial für Tiefe und Emotionen bietet.

Leider wurde diese Rückschau sehr langatmig erzählt. Viele Wiederholungen und eine für erwachsene Frauen erstaunlich kindliche Sprache haben mich zunehmend genervt.
Eine der Schwester ist wütend, weil sie am Ende alles alleine regeln musste, doch warum Millie so lange abwesend war, bleibt weitgehend ungeklärt. Auch ihre Gedankenwelt bleibt fremd, da ihr ständig Erinnerungen fehlen - ein Umstand, der eher Distanz als Verständnis erzeugt.

Ich begann recht schnell, querzulesen, und habe bis jetzt nicht wirklich verstanden, was mir dieser Roman vermitteln sollte.

Schade, denn die Geschichte hatte durchaus Potenzial. Wer vom Klappentext angesprochen wird, kann gerne selbst hineinlesen - der Lesegeschmack ist ja schließlich sehr subjektiv. Eine Empfehlung kann ich jedoch leider nicht aussprechen.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Wer bin ich

Mutters Sprache
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Ich liebe es, wie mein Lesejahr 2026 beginnt. 😏
Gleich zum Auftakt steige ich mit einer Cover-Schönheit ein - und dann ist es auch noch inhaltlich ein Volltreffer.
Ich bin echt zufrieden.

In 'Mutters ...

Ich liebe es, wie mein Lesejahr 2026 beginnt. 😏
Gleich zum Auftakt steige ich mit einer Cover-Schönheit ein - und dann ist es auch noch inhaltlich ein Volltreffer.
Ich bin echt zufrieden.

In 'Mutters Sprache' von Wlada Kolosowa begleiten wir drei Frauen mit russischen Wurzeln auf ihrem Weg zur und durch gewollte wie ungewollte Mutterschaften. Der Roman erzählt von Tragödien und Entwurzelung, von queerer Sehnsucht, tiefer Liebe und stellt immer wieder die großen Fragen: Woher komme ich? Und wo gehöre ich hin?
Dabei werden sowohl die politische Lage in Russland als auch das Thema Mutterschaft ohne Beschönigung und fernab der rosarote Brille beleuchtet.

Lisa ist frischgebackene Mutter - und plötzlich beginnt ihre bis dahin so fest verankert 'deutsche' Fassade zu bröckeln. Die lange verdrängten russischen Wurzeln kommen wieder zum Vorschein. Ihre Hebamme Aljona spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie vermittelt Lisa ein Gefühl von Heimat und weckt zugleich eine bislang unbekannte Begierde. Aus unterschiedlichen Motiven heraus begeben sich die beiden gemeinsam auf eine Reise zurück nach Nikel, Lisas Geburtsort jenseits des Polarkreises - dorthin, wo um Soldaten geworben wird.

Parallel dazu erfahren wir von Aljonas Vergangenheit, und auch Taja, Lisas Mutter, konfrontiert uns mit ihrer eigenen Geschichte - eine die sprachlos macht. Umso schmerzhafter ist es, dass Taja diese Sprachlosigkeit gegenüber ihrer Tochter und deren Herkunft bewahrt.

Dieser Roman spiegelt eindrücklich die Zerrissenheit mehrerer Generationen von Frauen wider, denen durch politische Umstände und nicht zuletzt durch patriarchale Strukturen und Denkweisen ihre Identität genommen wurde.

Ein beeindruckendes Buch, dem ich aus voller Überzeugung eine ganz klare Leseempfehlung ausspreche.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Gruselgeschichten

Schaurige Nächte
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Der erste Band der Schaurige-Geschichten-Reihe aus dem Dumont Verlag reiht sich nahtlos in das bewährte Konzept ein: acht Autor*innen, acht düstere Kurzgeschichten und viel Atmosphäre für lange, dunkle ...

Der erste Band der Schaurige-Geschichten-Reihe aus dem Dumont Verlag reiht sich nahtlos in das bewährte Konzept ein: acht Autor*innen, acht düstere Kurzgeschichten und viel Atmosphäre für lange, dunkle Abende.

Auch wenn mich 'Schaurige Nächte' gut unterhalten hat, muss ich ehrlich sagen, dass er für mich der bisher schwächste Teil der Reihe ist. Die Geschichten sind durchweg solide geschrieben und stimmungsvoll, konnten mich aber nicht so nachhaltig packen wie im zweiten und dritten Band. Der eine oder andere Gruselmoment blieb etwas zu zahm oder wollte sich nicht ganz entfalten. Am besten gefallen haben mir die Geschichte rund um "Chillingshams Rollstuhl" und "Die Aal-Sänger".

Langweilig wurde es nie, dafür sorgt schon die Vielfalt der Erzählungen. Wer die Reihe mag, wird auch hier fündig - nur eben mit etwas weniger Gänsehaut als gewohnt. Ein gutes Buch für zwischendurch, aber kein Highlight der Reihe.


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Veröffentlicht am 27.12.2025

Weihnachts-Highlight

Wunder einer Winternacht
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Ich dachte wirklich, ich hätte meinen Favoriten unter den Weihnachtsbüchern bereits vorher gefunden - doch ich wurde eines Besseren belehrt.
'Wunder einer Winternacht' von Marko Leino ist in Sachen Gefühl ...

Ich dachte wirklich, ich hätte meinen Favoriten unter den Weihnachtsbüchern bereits vorher gefunden - doch ich wurde eines Besseren belehrt.
'Wunder einer Winternacht' von Marko Leino ist in Sachen Gefühl und Sinn der Weihnacht kaum zu übertreffen. Zum Jahresende nochmal ein absolutes Highlight - und das ist keineswegs übertrieben. 🥹

Der kleine Nikolas steht nach einem schweren Schicksalsschlag im Alter von gerade einmal fünf Jahren ganz alleine da. Wie schön, dass es die warmherzige Dorfgemeinschaft des kleinen Fischerörtchens Korvajoki gibt. Obwohl jede Familie selbst von Jahr zu Jahr ums Überleben kämpft, treffen sie gemeinsam eine ungewöhnliche Entscheidung: Nikolas soll jeweils ein Jahr bei einer Familie leben und immer an Weihnachten weiterziehen.

Anfangs leidet der Junge sehr unter dieser Situation, doch mit der Zeit helfen ihm die liebevollen Menschen, Vertrauen zu fassen und langsam zu heilen. Als stillen Dank schnitzt Nikolas jedes Jahr kleine Holzgeschenke für die Kinder seiner jeweiligen Gastfamilie - eine liebevolle Geste , die zeigt, wie viel Wärme und Mitgefühl trotz aller Entbehrungen in ihm stecken.

Nach einigen Jahren jedoch kommt ein wirtschaftlich besonders schlechtes Jahr - und der einzige, der Nikolas aufnehmen kann, ist der mürrische, eigenbrötlerische Tischler Iisakki. Für ihn ist Nikolas zunächst nichts weiter als eine billige Arbeitskraft. Doch dann geschieht ein kleines Weihnachtswunder.

Mehr möchte ich gar nicht verraten, denn gerade die leisen, überraschenden Momente machen diese Geschichte so unglaublich zauberhaft.
Während des Lesens war ich traurig, freudig überrascht, voller Mitgefühl und mehrfach zu Tränen gerührt - ein Wechselbad der Gefühle.

Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte, die sich tief in mein Herz eingebrannt hat. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung.

Den Film habe ich mir im Anschluss ebenfalls angesehen, doch für mein Empfinden fehlt dort einiges. Vor allem konnte das besondere Gefühl des Buches bei Weitem nicht so intensiv transportiert werden.

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