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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2025

Rauschhaft

Top Girls
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Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten ...

Den Debütroman 'Top Girls' von Ana Drezga kann man schwer anhand einer Story beschreiben, sondern als Gefühl oder noch eher als Rausch.
Wir begleiten Liv und ihre Mitbewohner Dana und Nore durch den kalten November in Wien. Hin und wieder eine wilde Party mit offenem Ende - ekstatisch.
Liv ist Tänzerin am Theater, aber es ist nicht ihre Passion. Sie ist eine Suchende, verloren gegangen in dieser großen Stadt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, nach Schlaf, nach Liebe und nach ihren Gefühlen. Bindungs- und Existenzängste machen ihr das Leben schwer.
Nach einem Schicksalsschlag in der Familie besucht sie ihre alte Heimat und findet auch dort keine Ruhe.
Die Top Girls in Livs Straße sind Spiegel ihrer Seele und repräsentieren für mich die Vergänglichkeit der schillerndsten Momente.
Ein Buch, das einen durch die Seiten treibt, wie der harte Bass durch eine Clubnacht.
Meine Lesevorliebe hat es nicht ganz getroffen - das Tempo war mir persönlich zu schnell und ich damit leicht überfordert.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Zeitgeschichte

Treppe aus Papier
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Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist ...

Mit dem Roman 'Treppe aus Papier' hat Henrik Szántó ein beeindruckendes Werk geschaffen, das durch seine erzählerische Tiefe und seine vielschichtige Thematik besticht.
Das besondere an diesem Buch ist die Erzählung, die sich um ein Mehrfamilienhauses dreht und die vielfältigen Geschichten und Ereignisse, die dieses Haus im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat.
Da ein Haus Erinnerungen anders speichert als ein Mensch, sind die Erzählungen oft vielschichtig und überlagert.
Dies macht das Lesen manchmal herausfordernd, da man gelegentlich einen Moment zurückblättern muss, um den zeitlichen Kontext besser zu erfassen.
Der Roman spannt den Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart und schildert die Geschichte der Bewohner*innen sowie die Zeitgeschichte, die das Haus geprägt hat.
Irma, die 90 Jahre alt ist, hat vieles miterlebt.
Sie lebte bereits während der Hitlerzeit mit ihren regimegetreuen Eltern in diesem Haus und kehrte später zurück - getragen von einer schweren Schuld, die sie nie ganz loslassen konnte.
Nele, die im vierten Stock wohnt - ehemals die Wohnung der jüdischen Familie Sternheim - lernt durch Irma viel über diese dunkle Zeit.
Durch die Erzählungen der Zeitzeugin wird Nele neugierig und vertieft sich in die Geschichte, insbesondere in die Familiengeschichte ihrer eigenen Vorfahren.
Mich hat der poetische Schreibstil von Szántó sehr fasziniert.
Trotz gelegentlicher Unterbrechungen im Lesefluss hat mich die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, tief berührt.
Besonders begeistert hat mich die originelle Idee eines erzählenden Hauses, das die Geschichte seiner Bewohner lebendig werden lässt.
Ich kann Euch 'Treppe aus Papier' nur ans Herz legen und finde, dass es ein berührendes Buch ist, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Eine verhängnisvolle Affäre

Bittersüß
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Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin ...

Einmal schon vorweg mein Fazit - der Roman 'Bittersüß', geschrieben von Hattie Williams, ist so gut und intensiv, ich hätte noch weiterlesen können.
Charlie ist Anfang 20 und arbeitet als Presseassistentin in einem renommierten Londoner Verlag.
Es ist definitiv ihr Traumjob und mit viel Engagement erarbeitet sie sich die Anerkennung ihrer Vorgesetzten Cecile und bekommt immer mehr Verantwortung übertragen.
Einen absoluten Fangirl-Moment hat Charlie, als sie auf den berühmten Autor Richard Aveling trifft.
Sie bewundert und schwärmt schon seit Jugendtagen für ihn und sein stetig steigendes Interesse an ihr lässt sie quasi schweben.
Der verheiratete und dazu noch 30 Jahre ältere Richard wickelt die junge Charlie um den Finger und eine Affäre, basierend auf psychischer Abhängigkeit, Machtmissbrauch und bittersüßen Momenten, beginnt.
Das Setting rund um das Verlagswesen hat mir sehr gut gefallen und lässt wahrscheinlich das Herz eines jeden Bookies höher schlagen.
Dieser starke und eindringlich geschriebene Roman aus Charlies Sicht lässt einen ganz tief eintauchen in ihre Gefühlswelt.
Entgegen einigen Meinungen empfand ich Charlie nicht als naiv, sondern als sehr authentisch beschrieben.
Ich finde, mit Anfang 20 ist es doch recht realistisch, dass man sich noch nicht zur Gänze gefunden hat und ein 30 Jahre älterer und voll im Leben stehender Mann einen durchaus stark beeinflussen kann.
Sie selbst sieht sich schon von Geburt an als nicht wie andere, mit einem Hang zum Düsteren.
Kein Wunder - dadurch, dass sie im Alter von 16 Jahren ihre Mutter verliert und auch andere negative Erfahrungen macht, trägt sie einige Traumata mit sich herum.

"Es war sehr niedlich, ihn so glücklich zu sehen, selbst für mich, die ich nichts spürte."

Auch diese toxische Beziehung sieht sie sehr realistisch, ist aber einfach nicht in der Lage auszubrechen.
Ich liebe alle Charaktere in dem Roman - Charlie mit ihren tollen Freunden Ophelia und Eddy, ihre Vorgesetzte Cecile, Charlies Familie, Finn etc. Und natürlich empfand ich große Abneigung Richard gegenüber.
Dieses Buch ist bitter, es bewertet zwar nicht, aber es erzählt, zeigt auf und tut weh.
Es beschönigt nicht, sondern lässt auch das Hässliche zu.
Auf der anderen Seite ist es süß, da es auch von schönen Momenten, wertvollen Freundschaften und unerwarteter Unterstützung voller Verständnis erzählt.
Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung, ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Freundschaft

Der Weg nach Hause
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Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in ...

Ein relativ unaufgeregtes Buch über eine Freundschaft und eine tiefe Sehnsucht über viele Jahre hinweg hat die Autorin Sofia Lundberg mit ihrem Roman 'Der Weg nach Hause' geschaffen.
Wir begleiten in zwei Zeitebenen die Freundinnen Viola und Lilly durch ihr Leben.
Beginnend am 12. August 1948 in Gotland/Schweden als fröhliche kleine Mädchen in schönen Zeiten. Es folgen auch schwierige Zeiten, einschneidende Erlebnisse, Geburten und Karrieren, bis wir im Jahr 2019 ankommen.
Die Geschichte handelt von einer starken Freundschaft, die trotz Jahren der Entfremdung bestehen bleibt.
Ich habe am liebsten über die jungen Freundinnen gelesen, es war so schön, dieser liebevollen Verbindung beizuwohnen.
Im Laufe des Buches ist Lilly mir etwas fremd geworden, und ich habe vieles nicht nachvollziehen können.
Der Roman hat jetzt nicht das Rad neu erfunden - aber das muss es auch nicht immer.
Ich bin einfach der Erzählung von Lilly und Viola gefolgt und hatte eine entspannte Lesezeit.
Der Schreibstil ist schön und klar und lässt einen nur so durch die Seiten fliegen.
Wer einfach mal etwas abschalten will und Familien- und Freundschaftserzählungen mag, der kann gerne zu diesem Buch greifen und wird nicht enttäuscht werden.






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Veröffentlicht am 08.08.2025

Die Bewertung

Standing Ovations
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Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die ...

Das auffällige Cover, das auf eine gewisse Aufmüpfigkeit hinweist, sowie der ansprechende Klappentext haben mich sofort neugierig auf 'Standing Ovations', von der Autorin Charlotte Runcie, gemacht.
Die Handlung spielt beim Fringe Festival in Edinburgh, wo die junge Künstlerin Hayley ihre erste Live-Performance präsentiert.
Der Kritiker Alex Lyons, der seiner Berufsbezeichnung alle Ehre macht, bewertet Hayleys Show äußerst kritisch - sie erhält nur einen Stern.
Das Schicksal nimmt jedoch eine unerwartet Wendung, als die beiden wenige Stunden später im Bett landen, ohne das Hayley ahnt, mit wem sie es zu tun hat.
Alex bleibt dabei auch erstmal passiv und sagt nicht das er in Hayley's Show war.
Es kommt, wie es kommen muss ... Alex fliegt auf und Hayley nimmt Rache und zwar ordentlich.
Sie wirft ihr komplettes Programm über den Haufen und ruft die Kampagne 'Die Sache mit Alex Lyons' ins Leben.
Auf einmal wendet sich das Blatt und der Kritiker gerät plötzlich selbst in die Kritik und erlebt die unangenehmen Seiten der sogenannte "Cancer Culture" hautnah.
Das Buch thematisiert auf eindrucksvolle Weise die Folgen dieses gesellschaftlichen Phänomens.
Während ich natürlich größtenteils auf Hayley Seite stand, wurde mir ihr Racheakt im Verlauf der Geschichte jedoch irgendwann zu viel.
Dieses öffentliche Denunzieren wurde so auf die Spitze getrieben, dass ich irgendwann dachte - jetzt langt es aber bald mal.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Alex' Kollegin Sophie, die ebenfalls mit ihren Gefühlen gegenüber Alex ringt. Der Roman hat mich von Anfang an gut unterhalten und gefesselt, doch in der zweiten Hälfte verlor die Geschichte an Tempo.
Dadurch wurde sie leider etwas langatmig.
Insgesamt bietet das Buch eine interessante Thematik und einen angenehmen Schreibstil, bleibt jedoch, meiner Meinung nach, etwas hinter seinem Potenzial zurück.
Gerade wegen des aktuellen Themas und der sehr guten ersten Hälfte, hatte ich ein paar nette Lesestunden.



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