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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Nachdenkliche Geschichte mit ein paar Schwächen

Das Jahr des Dugong – Eine Geschichte für unsere Zeit
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Gerade war Toby Markham, Chef einer Investmentfirma, auf einer Skipiste in Val-d-Isere damit beschäftigt, sich von den jüngeren Kollegen nicht allzu sehr abhängen zu lassen. Nun wacht er an einem wahrhaft ...

Gerade war Toby Markham, Chef einer Investmentfirma, auf einer Skipiste in Val-d-Isere damit beschäftigt, sich von den jüngeren Kollegen nicht allzu sehr abhängen zu lassen. Nun wacht er an einem wahrhaft seltsamen Ort auf. Was er zunächst für ein Krankenhaus hält, erweist sich als Gefängnis und er sieht sich einer Anklage wegen Komplizenschaft bei Terrazid und Genozid gegenüber. Die dafür vorgesehene Strafe soll der langsame Tod sein. Zunächst denkt er noch an einen schlechten Scherz einer fanatischen Gruppe von Klimaaktivisten. Die Wahrheit ist aber noch weitaus überraschender und verstörender.

Diese nur ca 140 Seiten lange Geschichte befasst sich mit ebenso aktuellen wie brisanten Themen und lotet die Folgen von Klimawandel und Artensterben aus. Sie regt daher durchaus zum Nachdenken an.
„Handwerklich“ finde ich sie aber trotzdem nicht wirklich gelungen. Das hier entworfene Szenario wirkt unrealistisch und ist auch in sich oft unlogisch, und das Verhalten einiger Personen nicht nachvollziehbar. Auch finde ich die Wahl des Protagonisten nicht gerade ideal. Toby ist zu unsympathisch, als dass man sich mit ihm identifizieren könnte, aber auch nicht unsympathisch genug, um einen passablen Anti-Helden abzugeben, und außerdem nicht wirklich repräsentativ für einen Menschen seiner Zeit und seiner Position.
Lesenswert ist das Ganze dennoch, es wäre allerdings mehr drinnen gewesen.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Über Fehlanpassungen und Dysevolution

Unser Körper
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Daniel Lieberman, Professor für Paläoanthropologie und Biologie, untersucht hier, welche Lehren wir aus der Evolutionsgeschichte des menschlichen Körpers für unsere Gesundheit ziehen können. Ausgehend ...

Daniel Lieberman, Professor für Paläoanthropologie und Biologie, untersucht hier, welche Lehren wir aus der Evolutionsgeschichte des menschlichen Körpers für unsere Gesundheit ziehen können. Ausgehend von der Beobachtung, dass zwar die Mortalität (Sterblichkeit) in modernen Gesellschaften sinkt, an ihre Stelle jedoch eine höhere Morbidität (schlechter Gesundheitszustand) tritt, kommt er zu dem Schluss, dass viele Menschen heute an vermeidbaren Krankheiten leiden. Ob Diabetes des Typ 2, Osteoporose, Arterienverhärtung, Allergien oder Kurzsichtigkeit – letztlich handelt es sich bei all diesen und zahlreichen weiteren Beschwerden um Fehlanpassungskrankheiten, die dadurch entstehen, dass unser steinzeitlicher Körper nur schlecht oder unzureichend an bestimmte moderne Verhaltensweisen und Bedingungen angepasst ist.
Doch bevor er diesen Gedanken anhand zahlreicher Beispiele näher ausführt, überlegt der Autor zunächst, woran wir eigentlich angepasst sind. Er verfolgt dazu die verschiedenen Etappen der menschlichen Evolution und zeigt, dass sowohl lang zurückliegende Faktoren, wie die Ernährungsvorlieben der Australopithecinen als auch relativ neue Entwicklungen wie die Erfindung er Landwirtschaft unseren Körper prägten.
Daraufhin beschreibt er typische Ursachen für Fehlanpassungskrankheiten, die er in drei Kategorien unterteilt: Krankheiten, die durch ein Zuviel eines früher seltenen Reizes entstehen, Krankheiten durch Nichtgebrauch und Krankheiten infolge von Neuerungen und Annehmlichkeiten.
Besonders interessant fand ich außerdem das Konzept der Dysevolution. Darunter versteht er einen schädlichen Rückkopplungskreislauf, der sich daraus ergibt, dass die eigentlichen Ursachen für Fehlanpassungskrankheiten nicht bekämpft werden (müssen), weil die kulturelle Evolution erfolgreiche Behandlungsmethoden für einmal eingetretene Krankheiten entwickelt hat. Sodass beispielsweise ungesunde Ernährungsweisen von Generation zu Generation weitergegeben werden können, weil es Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck oder Zahnbehandlungen gegen Karies gibt.
Von diesem wirklich erhellenden Gedanken abgesehen bewegt sich ein Großteil des Inhalts im Rahmen des üblichen. Zwar gibt es auch ein paar (für mich) neue Informationen, wenn der Autor beispielsweise für häufigeres Barfußgehen plädiert oder überlegt, ob sich Kurzsichtigkeit bei Kindern durch anders gestaltete Bücher vermeiden ließe.
Die meisten Ausführungen laufen aber letztlich darauf hinaus, dass wir zu viel vom Falschen essen und uns zu wenig bewegen. Auch wenn dies zweifellos richtig ist, klang es für mich doch öfters zu sehr nach erhobenem Zeigefinger, erst recht im letzten Kapitel, wo mögliche Lösungsansätze erörtert werden.
Weiters ist zu bedenken, dass sich der Autor bei seinen Aussagen und den von ihm präsentierten Statistiken hauptsächlich auf die Situation in den USA bezieht. Wenngleich die Ergebnisse natürlich auch auf andere Länder übertragbar sind.
Insgesamt ist dies dennoch eine lesenswerte Abhandlung zum Zusammenspiel zwischen Evolution und Medizin, die dazu animiert, über die wahren Ursachen vieler Krankheiten nachzudenken, aber auch manche allzu plakativen Behauptungen darüber, welche Lebensweise der menschlichen „Natur“ entspricht, zu hinterfragen.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Schauergeschichte mit reichlich unrealistischen Handlungselementen

Der Tod und das dunkle Meer
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Ich hatte während des Lesens dieses Buches ständig den Eindruck, dass es Teil einer Reihe ist. Grund dafür ist, dass die Hauptfiguren Arent Hayes und Samuel Pipps eine längere gemeinsame Vorgeschichte ...

Ich hatte während des Lesens dieses Buches ständig den Eindruck, dass es Teil einer Reihe ist. Grund dafür ist, dass die Hauptfiguren Arent Hayes und Samuel Pipps eine längere gemeinsame Vorgeschichte haben, auf die immer wieder Bezug genommen wird. Meine Internet-Recherche hat jedoch ergeben, dass es sich um einen Einzeltitel handelt.
Schauplatz ist die Saardam, ein Schiff der Niederländischen Ostindien Kompanie, das sich von Batavia aus auf den Weg nach Amsterdam macht. Doch neben Passagieren wie dem Generalgouverneur samt Frau, Tochter und Geliebter, einer aus diversen Schurken zusammengewürfelten Mannschaft und einigen Musketieren scheint sich auch ein „Teufel“ an Bord zu befinden, der weitere Anhänger gewinnen und den Rest der Anwesenden ins Verderben führen möchte.

Diese Ausgangslage wäre durchaus vielversprechend. Jedoch wirkt die Darstellung sowohl der generellen Verhältnisse auf dem Schiff als auch der handelnden Personen von Beginn an unglaubwürdig - und dies wird im weiteren Verlauf immer schlimmer. Zwar betont der Autor, dass es sich weder um einen historischen Roman noch um ein Buch über Schiffe handeln soll. (Ein Krimi ist es übrigens ebenso wenig.) Wenn es auf Schiffen der Ostindien Kompanie aber tatsächlich so zugegangen wäre, wie hier beschrieben, wäre wohl kein einziges jemals in den Niederlanden angekommen.
Auch wird kaum Spannung aufgebaut. Über weite Strecken passiert so ziemlich genau das, was zu erwarten oder sogar explizit angekündigt war. Erst gegen Ende gibt es ein paar kleinere Überraschungen. Die Auflösung wirkt dann allerdings sehr weit hergeholt. Die Motivation der Täter ist nicht wirklich nachvollziehbar, hätten sie ihr Ziel doch auch mit deutlich geringerem Aufwand erreichen können. Außerdem basiert sowohl die Tatsache, dass ihnen vieles gelungen ist, als auch die Art, wie sie schließlich überführt wurden, auf diversen Zufällen.
Zumindest treten ein paar grundsätzlich interessante Charaktere auf, wie Arent als Ermittler wider Willen mit schillernder Vergangenheit oder die hochbegabte Tochter des Gouverneurs. Diese kommen allerdings nicht richtig zur Geltung.

Insgesamt trotz einiger gelungener Ansätze also eine eher enttäuschende Lektüre. Das beste daran ist noch das Nachwort, wo der Autor in lockerem Tonfall einige Worte an die Leser richtet.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Über die Folgen des Wassermangels

Die Geschichte des Wassers
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Dieser zweite Teil des Klimaquartetts von Maja Lunde umfasst zwei Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden: Im Norwegen des Jahres 2017 macht sich die 70-jährige Signe mit einem Boot auf den Weg ...

Dieser zweite Teil des Klimaquartetts von Maja Lunde umfasst zwei Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden: Im Norwegen des Jahres 2017 macht sich die 70-jährige Signe mit einem Boot auf den Weg nach Frankreich. Sie ist entsetzt über eine großformatige Zerstörung des Fjords, an dem sie aufgewachsen ist, und möchte deren Urheber, ihren Jugendfreund Magnus, aufrütteln.
Mehr als 20 Jahre später finden sich David und seine kleine Tochter Lou in einem Flüchtlingslager ganz in der Nähe von Magnus ehemaligen Wohnhaus wieder. Sie mussten vor einem verheerenden Feuer fliehen und sind auch jetzt von Dürre, Wassermangel und Hunger bedroht.

Der Erzählstil hat mir grundsätzlich gut gefallen, das Buch liest sich flott. Beide Handlungsstränge sind in Ich-Form geschrieben, der in der Gegenwart spielende im Präsens, jener aus der Zukunft im Imperfekt, was einen interessanten Kontrast ergibt.
Bei Signes Geschichte sind jedoch vor allem die Rückblicke in ihre Jugend interessant. Das Motiv für ihre Bootsfahrt ist nicht wirklich nachvollziehbar und das Ende ihres Handlungsstrangs wirkt unrealistisch. Mit David konnte ich mich schon besser identifizieren und bei seinen Erlebnissen wird auch mehr Spannung aufgebaut. Mögliche Folgen des Klimawandels und der damit einhergehenden Änderungen von Niederschlagsmustern werden an seinem Beispiel ganz gut veranschaulicht.

Insgesamt legt dieser Roman den Finger auf relevante Probleme, wenn auch bisweilen zu plakativ. Er ist daher durchaus lesenswert, obwohl man aus der Grundidee mehr hätte machen können.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Fundierter Überblick zur Quantenphysik

Warum wir nicht durch Wände gehen
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Die Quantenphysik ist in aller Munde: Sowohl in (populär)wissenschaftlicher Literatur verschiedener Qualität als auch unter Esoterikern aller Arten. Mit kaum einer wissenschaftlichen Theorie wird so viel ...

Die Quantenphysik ist in aller Munde: Sowohl in (populär)wissenschaftlicher Literatur verschiedener Qualität als auch unter Esoterikern aller Arten. Mit kaum einer wissenschaftlichen Theorie wird so viel Schindluder getrieben, was auch daran liegt, dass die Verhältnisse in der Welt der allerkleinsten Teilchen selbst in an sich seriösen Veröffentlichungen bisweilen als übertrieben mysteriös dargestellt werden.
Es ist daher gut, dass der Physiker und Publizist Florian Aigner hier einige Dinge zurechtrückt – und das auf allgemein zugängliche Weise. Er geht von der Feststellung aus, dass man nicht krampfhaft versuchen sollte, die Quantenphysik mit Begriffen und Konzepten aus der Alltagserfahrung zu beschreiben. Daraufhin erklärt er, was mit Schlagworten wie Doppelspaltexperiment, Verschränkung oder „Schrödingers Katze“ gemeint ist und dass dabei vieles längst nicht so rätselhaft ist, wie immer wieder behauptet wird (obwohl dennoch genug Rätsel bleiben) Außerdem überlegt er unter anderem, wie man die Quantentheorie philosophisch interpretieren kann und inwiefern der Wunsch nach derartigen Interpretationen überhaupt sinnvoll ist.
Dies alles geschieht in einem flotten Ton, der manchmal auch mit ein bisschen Humor gewürzt ist. Die Ausführungen sind klar gegliedert und anschaulich. Auch Einsteiger werden sich hier gut zurechtfinden. Zusätzlich gibt es eigens markierte Abschnitte mit weiterführenden Informationen, die aber ebenfalls nicht übermäßig kompliziert sind.
Ich kann dieses Buch daher allen empfehlen, die sich für Quanten interessieren und das eine oder andere Thema in diesem Zusammenhang vertiefen oder aus einem neuen Blickwinkel betrachten wollen.