Cover-Bild Unser Körper
24,99
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 560
  • Ersterscheinung: 23.04.2015
  • ISBN: 9783100022233
Daniel E. Lieberman

Unser Körper

Geschichte, Gegenwart, Zukunft
Sebastian Vogel (Übersetzer)

+++ Das Standardwerk über den menschlichen Körper +++ – »MONUMENTAL.« Neil Shubin

Wir leben in einer widersprüchlichen Zeit: Einerseits sind wir so gesund und wohlgenährt wie nie zuvor, andererseits leiden wir unter einer Flut von vermeidbaren chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Rückenleiden und vielen mehr. Der Schlüssel zu einer besseren und vor allem gesünderen Zukunft liegt, so der führende Evolutionsbiologe und Harvard-Professor Daniel E. Lieberman, in der Vergangenheit. In diesem einzigartigen Buch stellt er erstmals dar, wie unsere Geschichte und unsere Lebensbedingungen unseren Körper geprägt haben und bis heute bestimmen. Lieberman zeigt unterhaltsam und konkret, wie wir aus der Vergangenheit lernen, um unser zukünftiges Befinden beeinflussen zu können. Denn die Evolution geht weiter…

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Über Fehlanpassungen und Dysevolution

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Daniel Lieberman, Professor für Paläoanthropologie und Biologie, untersucht hier, welche Lehren wir aus der Evolutionsgeschichte des menschlichen Körpers für unsere Gesundheit ziehen können. Ausgehend ...

Daniel Lieberman, Professor für Paläoanthropologie und Biologie, untersucht hier, welche Lehren wir aus der Evolutionsgeschichte des menschlichen Körpers für unsere Gesundheit ziehen können. Ausgehend von der Beobachtung, dass zwar die Mortalität (Sterblichkeit) in modernen Gesellschaften sinkt, an ihre Stelle jedoch eine höhere Morbidität (schlechter Gesundheitszustand) tritt, kommt er zu dem Schluss, dass viele Menschen heute an vermeidbaren Krankheiten leiden. Ob Diabetes des Typ 2, Osteoporose, Arterienverhärtung, Allergien oder Kurzsichtigkeit – letztlich handelt es sich bei all diesen und zahlreichen weiteren Beschwerden um Fehlanpassungskrankheiten, die dadurch entstehen, dass unser steinzeitlicher Körper nur schlecht oder unzureichend an bestimmte moderne Verhaltensweisen und Bedingungen angepasst ist.
Doch bevor er diesen Gedanken anhand zahlreicher Beispiele näher ausführt, überlegt der Autor zunächst, woran wir eigentlich angepasst sind. Er verfolgt dazu die verschiedenen Etappen der menschlichen Evolution und zeigt, dass sowohl lang zurückliegende Faktoren, wie die Ernährungsvorlieben der Australopithecinen als auch relativ neue Entwicklungen wie die Erfindung er Landwirtschaft unseren Körper prägten.
Daraufhin beschreibt er typische Ursachen für Fehlanpassungskrankheiten, die er in drei Kategorien unterteilt: Krankheiten, die durch ein Zuviel eines früher seltenen Reizes entstehen, Krankheiten durch Nichtgebrauch und Krankheiten infolge von Neuerungen und Annehmlichkeiten.
Besonders interessant fand ich außerdem das Konzept der Dysevolution. Darunter versteht er einen schädlichen Rückkopplungskreislauf, der sich daraus ergibt, dass die eigentlichen Ursachen für Fehlanpassungskrankheiten nicht bekämpft werden (müssen), weil die kulturelle Evolution erfolgreiche Behandlungsmethoden für einmal eingetretene Krankheiten entwickelt hat. Sodass beispielsweise ungesunde Ernährungsweisen von Generation zu Generation weitergegeben werden können, weil es Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck oder Zahnbehandlungen gegen Karies gibt.
Von diesem wirklich erhellenden Gedanken abgesehen bewegt sich ein Großteil des Inhalts im Rahmen des üblichen. Zwar gibt es auch ein paar (für mich) neue Informationen, wenn der Autor beispielsweise für häufigeres Barfußgehen plädiert oder überlegt, ob sich Kurzsichtigkeit bei Kindern durch anders gestaltete Bücher vermeiden ließe.
Die meisten Ausführungen laufen aber letztlich darauf hinaus, dass wir zu viel vom Falschen essen und uns zu wenig bewegen. Auch wenn dies zweifellos richtig ist, klang es für mich doch öfters zu sehr nach erhobenem Zeigefinger, erst recht im letzten Kapitel, wo mögliche Lösungsansätze erörtert werden.
Weiters ist zu bedenken, dass sich der Autor bei seinen Aussagen und den von ihm präsentierten Statistiken hauptsächlich auf die Situation in den USA bezieht. Wenngleich die Ergebnisse natürlich auch auf andere Länder übertragbar sind.
Insgesamt ist dies dennoch eine lesenswerte Abhandlung zum Zusammenspiel zwischen Evolution und Medizin, die dazu animiert, über die wahren Ursachen vieler Krankheiten nachzudenken, aber auch manche allzu plakativen Behauptungen darüber, welche Lebensweise der menschlichen „Natur“ entspricht, zu hinterfragen.