Reise in die Eisenzeit
SalzberggöttinDas heutige Hallstatt um 600 vor Chr.: Tolan kehrt nach einem längeren Aufenthalt im Süden nach Hause zurück. Sehr zur Freude seiner Familie: Seiner Mutter Sina, die als Bergherrin die weltliche und religiöse ...
Das heutige Hallstatt um 600 vor Chr.: Tolan kehrt nach einem längeren Aufenthalt im Süden nach Hause zurück. Sehr zur Freude seiner Familie: Seiner Mutter Sina, die als Bergherrin die weltliche und religiöse Führungsrolle in der Gemeinschaft innehat, seines Vaters Hiram, der als Priester für die Berggöttin tätig ist, und seiner Schwester Renis. Auch Tolans Begleiter Arnu, Sohn eines mächtigen Fürsten aus dem heutigen Italien, wird herzlich aufgenommen. Er findet sich gut ins Dorfleben ein, kommt Renis näher und entdeckt nebenbei, dass hier vieles anders läuft als er es aus seiner Heimat gewohnt ist.
Tolan jedoch ist unzufrieden, da er gern mehr aus dem Bergwerk herausholen möchte. Dies würde allerdings dem Willen der Göttin widersprechen. So kommt es schließlich zum Bruch mit dem Rest der Familie.
Dieser Roman ist in der Hallstattzeit (also der älteren Eisenzeit) angesiedelt, einer Epoche, aus der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt, weshalb das Wissen darüber allein auf archäologischen Funden beruht. Die Autorin, Historikerin und Sammlungsleiterin am Oberösterreichischen Landesmuseum, konnte und musste daher häufig auf Spekulationen zurückgreifen bzw ihre Phantasie spielen lassen. Etwa was die damalige Lebensweise, Gesellschaftsstruktur, religiösen Vorstellungen oder auch die erstaunlich weitreichenden internationalen Beziehungen betrifft. An einigen Stellen habe ich mich schon gefragt, ob da nicht ihre feministische Ader und/oder die Begeisterung für ihr Forschungsgebiet mit ihr durchgegangen ist. Insgesamt wirkt die Darstellung aber doch fundiert und es werden viele interessante Informationen eingeflochten.
Die Handlung als solches konnte mich jedoch weniger begeistern. Sie plätschert eher so dahin, ohne besondere Höhepunkte oder echte Spannung. Erst gegen Ende gibt es eine überraschende Wendung. Probleme treten zwar auf, werden aber nicht wirklich vertieft und sind oft relativ schnell wieder abgehakt. Gerade aus Tolans Kritik an den althergebrachten Gebräuchen hätte man mehr machen, eventuell eine echte Diskussion darüber zulassen oder ihm ein paar Mitstreiter zur Seite stellen können. Vielleicht hätte die Geschichte auch einfach mehr als 280 Seiten gebraucht, um sich richtig zu entfalten.
Die Protagonisten sind ganz sympathisch, haben allerdings wenig Persönlichkeit und wirken eher wie Prototypen. So richtig mitfühlen konnte ich mit ihnen jedenfalls nicht.
Wegen des interessanten und in historischen Romanen selten behandelten Themas vergebe ich dennoch vier Sterne. Für die geplante Fortsetzung ist aber definitiv noch Luft nach oben.