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Veröffentlicht am 04.01.2026

Reise in die Eisenzeit

Salzberggöttin
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Das heutige Hallstatt um 600 vor Chr.: Tolan kehrt nach einem längeren Aufenthalt im Süden nach Hause zurück. Sehr zur Freude seiner Familie: Seiner Mutter Sina, die als Bergherrin die weltliche und religiöse ...

Das heutige Hallstatt um 600 vor Chr.: Tolan kehrt nach einem längeren Aufenthalt im Süden nach Hause zurück. Sehr zur Freude seiner Familie: Seiner Mutter Sina, die als Bergherrin die weltliche und religiöse Führungsrolle in der Gemeinschaft innehat, seines Vaters Hiram, der als Priester für die Berggöttin tätig ist, und seiner Schwester Renis. Auch Tolans Begleiter Arnu, Sohn eines mächtigen Fürsten aus dem heutigen Italien, wird herzlich aufgenommen. Er findet sich gut ins Dorfleben ein, kommt Renis näher und entdeckt nebenbei, dass hier vieles anders läuft als er es aus seiner Heimat gewohnt ist.
Tolan jedoch ist unzufrieden, da er gern mehr aus dem Bergwerk herausholen möchte. Dies würde allerdings dem Willen der Göttin widersprechen. So kommt es schließlich zum Bruch mit dem Rest der Familie.

Dieser Roman ist in der Hallstattzeit (also der älteren Eisenzeit) angesiedelt, einer Epoche, aus der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt, weshalb das Wissen darüber allein auf archäologischen Funden beruht. Die Autorin, Historikerin und Sammlungsleiterin am Oberösterreichischen Landesmuseum, konnte und musste daher häufig auf Spekulationen zurückgreifen bzw ihre Phantasie spielen lassen. Etwa was die damalige Lebensweise, Gesellschaftsstruktur, religiösen Vorstellungen oder auch die erstaunlich weitreichenden internationalen Beziehungen betrifft. An einigen Stellen habe ich mich schon gefragt, ob da nicht ihre feministische Ader und/oder die Begeisterung für ihr Forschungsgebiet mit ihr durchgegangen ist. Insgesamt wirkt die Darstellung aber doch fundiert und es werden viele interessante Informationen eingeflochten.
Die Handlung als solches konnte mich jedoch weniger begeistern. Sie plätschert eher so dahin, ohne besondere Höhepunkte oder echte Spannung. Erst gegen Ende gibt es eine überraschende Wendung. Probleme treten zwar auf, werden aber nicht wirklich vertieft und sind oft relativ schnell wieder abgehakt. Gerade aus Tolans Kritik an den althergebrachten Gebräuchen hätte man mehr machen, eventuell eine echte Diskussion darüber zulassen oder ihm ein paar Mitstreiter zur Seite stellen können. Vielleicht hätte die Geschichte auch einfach mehr als 280 Seiten gebraucht, um sich richtig zu entfalten.
Die Protagonisten sind ganz sympathisch, haben allerdings wenig Persönlichkeit und wirken eher wie Prototypen. So richtig mitfühlen konnte ich mit ihnen jedenfalls nicht.
Wegen des interessanten und in historischen Romanen selten behandelten Themas vergebe ich dennoch vier Sterne. Für die geplante Fortsetzung ist aber definitiv noch Luft nach oben.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Geschichte aus der Perspektive der Biologie

Being Human
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Der Biologe Lewis Dartnell zeigt in diesem Buch, dass Eigenschaften des menschlichen Körpers und Geistes einen größeren Einfluss auf die Weltgeschichte hatten, als den meisten bewusst ist.
Er erzählt ...

Der Biologe Lewis Dartnell zeigt in diesem Buch, dass Eigenschaften des menschlichen Körpers und Geistes einen größeren Einfluss auf die Weltgeschichte hatten, als den meisten bewusst ist.
Er erzählt beispielsweise davon, wie Aufstieg und Niedergang mächtiger Dynastien wie der Habsburger davon beeinflusst wurde, dass unsere Vorfahren kooperieren mussten, um ihre Kinder aufzuziehen, welchen Einfluss diverse epidemische oder endemische Krankheiten darauf hatten, wie unterschiedlich die Besiedlung durch Europäer und der Kolonialismus in verschiedenen Ländern verliefen, warum ein fehlendes Enzym für die Vitamin-Produktion über Sieg oder Niederlage in Seekriegen entschied oder wie ein Denkapparat, der sich in einer steinzeitlichen Umgebung entwickelt hatte, heute zu folgenschweren kognitiven Verzerrungen führt.
Auch wenn mir ein großer Teil der hier präsentierten Überlegungen und Fakten bereits bekannt war, finde ich die Zusammenstellung doch sehr gelungen, vor allem, weil viele verschiedene Aspekte in einem einzigen Buch behandelt werden.
Die Ausführungen sind in einem angenehmen, leicht lesbaren Stil verfasst. Zahlreiche Beispiele machen das Ganze anschaulich und lebendig. Manches wird dabei vielleicht ein bisschen zu sehr vereinfacht und es hat sich auch der eine oder andere Fehler eingeschlichen. Doch es gelingt dem Autor gut, auch komplexere Themen leicht verständlich darzustellen.
So werden hier diverse historische Ereignisse und Entwicklungen aus einer interessanten Perspektive betrachtet und es wird deutlich, dass wir nicht so abgekoppelt von der Natur und unserer evolutionären Vergangenheit sind wie wir gerne glauben wollen. Auch heute noch werden wir von ihr beeinflusst, wenn es etwa um Zivilisationskrankheiten oder um die Leugnung des Klimawandels geht.
Ich kann diese spannende Verbindung von Geschichte und (Evolutions)biologie daher nur weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 14.09.2025

Packender Ausflug ins angelsächsische England

Rabenthron
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Beststeller-Autorin Rebecca Gable entführt die Leser diesmal ins englische Frühmittelalter, in eine Zeit, als Angelsachsen und Dänen um die Vorherrschaft ringen:
1013: Aelfric of Helmsby reist gemeinsam ...

Beststeller-Autorin Rebecca Gable entführt die Leser diesmal ins englische Frühmittelalter, in eine Zeit, als Angelsachsen und Dänen um die Vorherrschaft ringen:
1013: Aelfric of Helmsby reist gemeinsam mit seinem kleinen Sohn Penda nach London, um dort seinen dänischen Gefangenen Hakon abzugeben. Überraschend werden die drei zu einem Teil der Eskorte, welche Königin Emma und ihre Kinder in die Normandie begleiten soll, wohin sie vor den Angriffen der dänischen Wikinger fliehen müssen.
Der Roman begleitet Aelfric, Emma und Penda über die nächsten 28 Jahre, im Verlauf derer die Herrschaft über England, aber auch über die Normandie, mehrfach wechselt. Kaum einer dieser Wechsel geht reibungslos über die Bühne und auch sonst sind Konflikte und
Intrigen keine Seltenheit.

Wie immer gelingt es der Autorin wunderbar, reale und fiktive Personen und Ereignisse zu einer packenden Geschichte zu verschmelzen. Der historische Hintergrund hat auch diesmal einiges zu bieten. Es ist eine turbulente Zeit, in der einige Weichen für die politischen Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte gestellt werden.
Dabei treten zahlreiche Haupt- und Nebendarsteller auf, die allesamt lebendig gezeichnet und mit ihren eigenen Charakteristiken ausgestattet sind. Vor allem bei Emma, der Ehefrau von zwei Königen und Mutter von zwei Königen, handelt es sich um eine interessante Persönlichkeit, die eine für eine Frau der damaligen Zeit ungewöhnlich einflussreiche Stellung innehatte. Ich fand es schön, mehr über sie zu erfahren und in ihre Welt einzutauchen.
Auch die fiktiven Protagonisten Aelfric und Penda sind sympathische Personen, mit denen ich gerne mitgefiebert habe. Vor allem mit Aelfrics Charakter hatte ich jedoch auch meine Probleme. Er wirkt bisweilen zu „gut für diese Welt“ oder zumindest für diese Zeit.
Auch sonst hat die fiktive Handlung ein paar Schwächen, es ist unrealistisch, wie glatt viele Dinge im Leben unserer Helden verlaufen und wie sie diversen gefährlichen Situationen immer wieder im letzten Moment entkommen.
Die realen Ereignisse sind da schon spannender, wobei der grobe Handlungsverlauf natürlich bereits durch die Geschichtsbücher vorgegeben ist. Gegen Ende ging mir jedoch einiges zu schnell, die Gründe für manche Entscheidungen sind nicht nachvollziehbar. Es wäre wohl besser gewesen, hier noch ein paar (Dutzend) Seiten mehr zu investieren (was bei einer Gesamtlänge von fast 900 Seiten auch nicht mehr ins Gewicht gefallen wäre).

Der Roman ist gründlich recherchiert. Die Überlieferungen aus dem Frühmittelalter weisen jedoch zahlreiche Lücken auf, welche die Autorin mit ihren eigenen Interpretationen von Persönlichkeiten und Ereignissen füllen konnte. Was Wahrheit und was Fiktion ist, wird dann in einem ausführlichen und informativen Nachwort erläutert.

Insgesamt kann ich dieses Buch allen, die sich für echte Geschichte, für historische Zusammenhänge und Entwicklungen interessieren, weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 24.08.2025

Eintönige Reise nach Santiago

Die sieben Monde des Jakobus
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Dieser zweite Teil der Jakobsweg-Saga von Brigitte Riebe ist ca 300 Jahre nach dem ersten Teil („Die Straße der Sterne“) angesiedelt. Er startet im calvinistischen Genf und endet (wieder) in Santiago de ...

Dieser zweite Teil der Jakobsweg-Saga von Brigitte Riebe ist ca 300 Jahre nach dem ersten Teil („Die Straße der Sterne“) angesiedelt. Er startet im calvinistischen Genf und endet (wieder) in Santiago de Compostela.
1563: Die Witwe Clara muss gemeinsam mit ihrem Sohn Jakob aus Genf fliehen. Sie entschließt sich zu einer Pilgerreise ans Grab des von ihr verehrten Heiligen. Dabei begegnen die beiden diversen Menschen, insbesondere dem Lautenspieler und Feuerspucker Bruno, den seine Vergangenheit nicht loslässt, und der jungen Camille, die nicht weiß, wer ihre Mutter war.
Daneben wird auch die Geschichte eines jungen Mannes aus Peru erzählt, der als Sohn einer Inka und eines Konquistadors von klein auf mit Anfeindungen zurechtkommen und um seine Identität ringen muss.

Dieser Roman hat mir weniger gut gefallen als sein Vorgänger. Anders als der Klappentext suggeriert spielt dessen Inhalt hier übrigens keine besonders große Rolle. Pilar und Blanca werden hin und wieder mal erwähnt, aber ohne Details über ihre Lebenswege. Erst ganz am Ende tut sich ein gewisser Zusammenhang auf. Dies hat immerhin den Vorteil, dass es keine Spoiler gibt und die beiden Bände unabhängig voneinander gelesen werden können.
Der historische Hintergrund (die Verfolgung von Hexen und „Ketzern“, die Stellung des Scharfrichters in der Gesellschaft, die Eroberung des Inkareiches durch die Spanier etc) wäre interessant und einige der Denk- und Verhaltensweisen, die hier portraitiert werden, regen zum Nachdenken an.
Die Handlung fließt jedoch weitgehend ohne besondere Höhepunkte dahin und ist im Wesentlichen vorhersehbar. Auch sind die Protagonist(inn)en eher langweilig und schablonenhaft gezeichnet. Trotz ihrer grundsätzlich ergreifenden Schicksale konnte ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen, weshalb mich beispielsweise die (ohnehin wenig überraschenden) Enthüllungen aus Brunos und Camilles Vergangenheit nicht wirklich berührten.
Die einzige Ausnahme bildet Luis, dessen übersinnliche Fähigkeiten zwar unrealistisch wirken, der aber ein spannender Charakter ist. Die Schilderungen aus seiner Jugend in Peru bilden außerdem einen interessanten Kontrast zum frühneuzeitlichen Europa.
Alles in allem trotz des grundsätzlich interessanten Settings kein Buch, das man gelesen haben muss, sondern eher ein uninspirierter Abklatsch des Vorgängers. Vielleicht wollte die Autorin zu sehr an dessen Erfolg anknüpfen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessanter Schauplatz, der jedoch zu wenig zur Geltung kommt

Im Schatten des Turms
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Wien, 1787: Der Medizinstudent Alfred Wagener sieht sich aus finanziellen Gründen gezwungen, eine Stelle als Hauslehrer der Komtesse Helene von Weydrich anzunehmen. Obwohl er große Vorbehalte gegen alle ...

Wien, 1787: Der Medizinstudent Alfred Wagener sieht sich aus finanziellen Gründen gezwungen, eine Stelle als Hauslehrer der Komtesse Helene von Weydrich anzunehmen. Obwohl er große Vorbehalte gegen alle Adeligen hegt, ist ihm Helene überraschend sympathisch. Doch ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern. Erst recht, als Helenes Vater stirbt und ihre Tante das Regiment auf Schloss Weydrich übernimmt.

Am Anfang wirkt das Ganze eher wie ein typischer Liebesroman. Doch bald nimmt die Sache Fahrt auf, einige Ereignisse überschlagen sich und vor allem Alfred gerät in große Gefahr. Die Geschichte ist packend und liest sich flott. Es wird einige Spannung aufgebaut, schon allein dadurch, dass abwechselnd aus den Perspektiven von Alfred und Helene (und manchmal auch der Tante) erzählt wird. Die beiden sind weitgehend sympathisch, ich konnte gut mit ihnen mitfiebern.
Aufgrund all dessen fiel es mir auch leichter, über einige Schwächen hinwegzusehen: Schon allein der Titel ist nicht ganz passend. Der Narrenturm ist zwar im Hintergrund immer wieder präsent, es ist jedoch nur ein relativ kleiner (wenngleich wichtiger) Teil der Handlung tatsächlich dort angesiedelt. Schade, ich hätte gern mehr darüber erfahren, wie damals mit den „Irren“ umgegangen und wie sie behandelt wurden.
Außerdem wirkt vieles an der Handlung ziemlich unrealistisch. Beispielsweise soll Helenes Tante eine ganz Wien und die halbe Monarchie umfassende Verschwörung anführen (wobei unklar bleibt, was diese ihr persönlich eigentlich bringt), trotzdem gelingt es Helene scheinbar mühelos, sie auszutricksen. Auch häufen sich die (glücklichen) Zufälle.
Insgesamt ist der Roman dennoch lesenswert und ein interessanter Ausflug ins Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ein bisschen mehr Hintergrundinformationen zum Narrenturm wären aber eben schön gewesen.