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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Kurzweilige Reise durch das Mittelalter

Mittelalter. 100 Seiten
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Das ganze Mittelalter auf nur 100 Seiten unterzubringen, ist keine leichte Aufgabe, die der Autor aber hervorragend erfüllt. Anstatt zu versuchen, sämtliche irgendwie wichtigen Begebenheiten zu erwähnen, ...

Das ganze Mittelalter auf nur 100 Seiten unterzubringen, ist keine leichte Aufgabe, die der Autor aber hervorragend erfüllt. Anstatt zu versuchen, sämtliche irgendwie wichtigen Begebenheiten zu erwähnen, konzentriert er sich auf wesentliche Ereignisse, Persönlichkeiten und Entwicklungslinien, und lässt auch immer wieder interessante oder überraschende Details einfließen. Außerdem schlägt er einen lockeren Ton an, sodass er nicht belehrend wirkt und die Lektüre sich unterhaltsam gestaltet.
Vieles musste dabei natürlich unter den Tisch fallen. Karl der Große kommt etwa kaum vor, die Pest wird in ein paar Nebensätzen abgehandelt.
Ein umfassender Überblick über diese Epoche wird daher nicht gegeben, dies kann aber auch nicht das Ziel eines solchen Formats sein. Es gelingt jedoch sehr gut, die Begeisterung für das „echte“ Mittelalter (jenseits von Historienfilmen und Mittelaltermärkten) zu wecken und auch aufzuzeigen, wie es bis heute nachwirkt - sei es in Institutionen wie der Stadt oder der parlamentarischen Demokratie, sei es in Wörtern, geographischen Bezeichnungen oder Redewendungen.
Obwohl ich schon viele andere (und ausführlichere) Bücher zum Thema gelesen habe, konnte ich hier doch noch etwas Neues erfahren.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Interessante, aber sich wiederholende Gedanken

Lauter Lügen
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Dieses Buch versammelt diverse Essays, Kolumnen und Glossen des Philosophen Konrad Paul Liesmann, die zwischen 2016 und 2022 in verschiedenen Zeitungen und Magazinen erschienen sind, und gibt so Einblicke ...

Dieses Buch versammelt diverse Essays, Kolumnen und Glossen des Philosophen Konrad Paul Liesmann, die zwischen 2016 und 2022 in verschiedenen Zeitungen und Magazinen erschienen sind, und gibt so Einblicke in seine Gedankenwelt. Die meist zwei Seiten langen, manchmal auch etwas längeren, Beiträge befassen sich mit unterschiedlichen Themen, vom Bildungswesen bis zum Klimaschutz und von der Corona-Krise bis zum Ukraine-Krieg.
Einige Aussagen kommen dabei (natürlich in leicht unterschiedlicher Formulierung) immer wieder vor. Dies war bei einem derartigen Format jedoch zu erwarten.
Der Autor scheut nicht davor zurück, auch kontroverse Fragen anzusprechen. Manche seiner Überlegungen sind durchaus interessant. Wenn beispielsweise die aus diversen Richtungen kommenden Bedrohungen von Meinungsfreiheit und Demokratie aufgedeckt werden oder eine Trennung von Dichter und Werk gefordert wird. Anderes wie die beinahe zwanghafte Ablehnung aller Neuerungen der digitalen Welt oder die häufige Kritik an der „Jugend von heute“ wirkt dagegen eher altbacken und nicht gerade originell. Auch sind seine Ausführungen nicht frei von Widersprüchen.
Man muss daher sicher nicht all seinen Ansichten zustimmen. Sie sind es aber auf jeden Fall wert, sich mit ihnen auseinander zu setzen und über sie nachzudenken.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Ergreifender Roman, der jedoch etwas zu viel will

Die verschwindende Hälfte
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Mallard im ländlichen Louisiana ist ein seltsamer Ort: Seine Bewohner haben es sich gewissermaßen zum Ziel gesetzt, die „weißesten“ Schwarzen der Welt zu werden und konkurrieren darum, wer die hellhäutigsten ...

Mallard im ländlichen Louisiana ist ein seltsamer Ort: Seine Bewohner haben es sich gewissermaßen zum Ziel gesetzt, die „weißesten“ Schwarzen der Welt zu werden und konkurrieren darum, wer die hellhäutigsten Kinder hat. (Ich habe bei manchen der hier geschilderten Konstellationen allerdings gewisse Zweifel, ob sie den Regeln der Vererbungslehre entsprechen.)
Nicht verwunderlich daher, dass die 17jährigen Zwillinge Stella und Desiree 1954 plötzlich verschwinden, um der Enge ihrer Heimatstadt zu entfliehen.
Überraschender ist da schon, dass Desiree 14 Jahre später wieder in Mallard auftaucht, auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann und begleitet von ihrer erstaunlich dunkelhäutigen Tochter.
Doch noch überraschter wären die Einwohner Mallards, wenn sie wüssten, was aus Stella geworden ist: Diese gibt sich kurzerhand als Weiße aus und erreicht so einen ungeahnten gesellschaftlichen Aufstieg.
Auch Desiree sucht lange vergeblich nach ihrer Schwester und erst ein Zufall wird dazu führen, dass sie einander nochmal begegnen.

Der Erzählstil ist angenehm und das Buch liest sich flott. Ich konnte mich gut in die Protagonistinnen hineinversetzen (neben Desiree und Stella treten in der sich über Jahrzehnte erstreckenden Handlung auch deren Töchter auf) und, obwohl ich manche ihrer Gedankengänge und Aktionen nicht ganz nachvollziehen konnte, mit ihnen mitfühlen. Eine gewisse Konzentration ist beim Lesen dennoch erforderlich, es gibt ziemlich viele Zeitsprünge und Rückblenden.
Vor allem aber befasst sich dieser Roman mit mehreren brisanten Themen. Es treten einige Personen auf, die jemand anders sein wollen – weiß statt schwarz oder auch Mann statt Frau. Weiters werden Vorurteile hinterfragt und die Konsequenzen der objektiv betrachtet ziemlich unsinnigen Definition von „schwarz“ ausgelotet, wonach das äußere Erscheinungsbild oder die Hautfarbe als solches keine Rolle spielen und auch ein blondes, hellhäutiges Mädchen „schwarz“ sein kann. Daneben werden noch Beziehungsprobleme aller Arten, das Verhältnis zwischen eineiigen Zwillingen oder die Folgen von Armut beleuchtet.
Genau hierin liegt jedoch ein Problem: Jedes dieser Themen würde für sich allein genügend Stoff für einen eigenen Roman hergeben. Die Autorin verzettelt sich gewissermaßen, will alle möglichen Komplikationen ansprechen oder auch den Großteil des Lebenswegs jeder einzelnen Protagonistin verfolgen. Es wäre besser gewesen, sich auf weniger zu konzentrieren und diese Geschichte dann gründlicher auszuarbeiten. Manche Handlungselemente wirken doch arg plakativ.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Informative Reise durch das Universum

Die Geheimnisse des Universums in 21 Sternen (und drei Schwindlern)
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In 24 Kapiteln besucht der Autor hier 21 Sterne plus drei Objekte, die man für Sterne halten könnte.
Zunächst gibt es jeweils eine genaue Anleitung, wie der betreffende Himmelskörper am Firmament lokalisiert ...

In 24 Kapiteln besucht der Autor hier 21 Sterne plus drei Objekte, die man für Sterne halten könnte.
Zunächst gibt es jeweils eine genaue Anleitung, wie der betreffende Himmelskörper am Firmament lokalisiert werden kann. Die meisten sind (in einer ausreichend dunklen Nacht) sogar mit freiem Auge sichtbar oder es reicht ein Fernglas oder kleines Fernrohr. Dass die Leser auf diese Weise miteingebunden und zum „Mitmachen“ aufgefordert werden, finde ich schonmal schön.
Jeder „Stern“ ist dann der Ausgangspunkt für Betrachtungen zu einem bestimmten Aspekt der Astronomie. So erfährt man hier unter anderen, wo unser Platz im Universum ist, welche verschiedenen Typen von Sternen es gibt und wie ihr Lebenszyklus aussieht oder was es mit dunkler Materie und dunkler Energie auf sich hat. Dabei werden nicht nur die Ergebnisse beschrieben, sondern vor allem auch der Weg dahin einschließlich der beteiligten Personen.
Die Ausführungen sind in lockerem Ton gehalten und Großteils allgemein verständlich. Bisweilen nimmt aber das Drumherum in Relation zu den harten Fakten zu viel Raum ein.
Dennoch gelingt es dem Autor gut, die Faszination der Sternenbeobachtung greifbar zu machen und es ist spannend zu beobachten, wie sich die Methoden der Astronomen im Lauf der Jahrhunderte verbessert haben und wie es gelang, immer mehr Informationen aus dem bisschen Licht (bzw anderer Strahlung) abzuleiten, das uns aus unvorstellbar großen Entfernungen erreicht.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Politthriller vor interessantem Hintergrund

State of Terror
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Passend für einen Roman, bei dem eine ehemalige US-Außenministerin als Co-Autorin fungiert, spielt hier eine US-Außenministerin die Hauptrolle: Ellen Adams ist erst seit kurzen im Amt. Sie muss sich mit ...

Passend für einen Roman, bei dem eine ehemalige US-Außenministerin als Co-Autorin fungiert, spielt hier eine US-Außenministerin die Hauptrolle: Ellen Adams ist erst seit kurzen im Amt. Sie muss sich mit außenpolitischen Krisen herumschlagen, welche die Vorgänger-Regierung hinterlassen hat, und hat auch nicht das volle Vertrauen des Präsidenten. Als sich innerhalb kurzer Zeit drei Terroranschläge in verschiedenen europäischen Städten ereignen und sich die Hinweise mehren, dass Anschläge in den USA unmittelbar bevorstehen, muss sie über sich hinauswachsen, um eine Bedrohung abzuwehren, die, wie sich immer mehr zeigt, ihren Ursprung innerhalb ihres eigenen Landes hat.

Die hier beschriebe Ausgangssituation ist interessant und verbindet dramatische Szenen (beispielsweise geheime Treffen oder Verfolgungsjagden) mit Nachforschungen zu politischen Intrigen.
Hillary Clinton konnte sicher einige Hintergrundinformationen zur internationalen und US-Politik beisteuern. Trotzdem wirkt manche Beschreibung von Zusammenkünften mit Repräsentanten anderer Staaten eher so „wie sich der kleine Maxi die große Politik vorstellt.“ (Was natürlich auch bedeuten könnte, dass der kleine Maxi tatsächlich recht hat.)
Am Beginn wird viel Spannung erzeugt. Mit der Zeit hat die Geschichte jedoch ihre Längen. Eine Auslandsreise der Außenministerin reiht sich an die nächste, ohne dass sich die Handlung dadurch wesentlich weiterentwickelt. Andere Protagonisten, aus deren Perspektive in den ersten Kapiteln noch öfters erzählt wurde und bei denen es sich um vielversprechende Charaktere handeln würde, kommen dagegen immer seltener vor. Dies trifft insbesondere auf die am Anfang noch ziemlich präsente Anahita Dahir zu, deren brisante Familienkonstellation mehr Potential gehabt hätte.
Die Auflösung ist in ihren Grundzügen vorhersehbar (vor allem ist bald klar, wer der eigentliche „Hauptbösewicht“ ist), die konkreten Ausmaße der dahinterstehenden Verschwörung wirken jedoch übertrieben und weit hergeholt. Auch bleiben die Motive für manche Aktionen unklar.

Fans politischer Thriller (und Gegner von Donald Trump) werden hier
dennoch gut unterhalten.