Berührend, ja, aber Hape Kerkeling ist mir auch unsympathisch geworden
Der Junge muss an die frische LuftIch hatte den Film gesehen und nach dieser bereits berührenden Draufsicht hatte mich die von Hape Kerkeling vermittelte Einsicht interessiert. Diese habe ich in der Tat bekommen und die von ihm persönlich ...
Ich hatte den Film gesehen und nach dieser bereits berührenden Draufsicht hatte mich die von Hape Kerkeling vermittelte Einsicht interessiert. Diese habe ich in der Tat bekommen und die von ihm persönlich erzählte Geschichte wirkte auf mich deutlich weniger positiv als der Film. Das hatte ich bereits erwartet und ich hätte mich gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Wie verzweifelt der kleine Peterhansel in den letzten Jahren, wo er fast allein mit seiner kranken Mutter war, gewesen war, und auch seine Trauer nach ihrem Tod war anrührend. Allerdings nahm der Autor einen Kilometer Anlauf, um die Geschichte seiner Kindheit zu erzählen. Er brauchte einen "Gruß an die Leser" und drei ganze Kapitel, um zu schildern wie es kommt, dass er davon sprechen möchte. Dieser lange Anfang liest sich wie eine Bewerbung oder eine Dankesrede - was habe ich alles Tolles gemacht, wenn kenne ich alles Wichtiges. Im weiteren Verlauf gibt es immer wieder diese Einschübe und die wenigsten sind so interessant wie der, als der Autor einmal hinter der Schauspielerin Barbara Valentin im Laden stand und überlegte, sie zu bitten seine Mutter zu werden. Auch die Oma wusste schon immer, dass aus dem Hans-Peter was ganz Großes wird. Dann aber kontrastrierend seine Bescheidenheit: "Ich kann mir selbst kaum vorstellen, dass ich dem (beinahe vermessenen Anspruch) immer gerecht geworden bin." Die kommt mir dann irgendwie unehrlich vor. Zudem entstand bei mir der Eindruck, dass der Autor von sich glaubt, die Menschen und die Welt in hohem Maße durchschaut zu haben. Insgesamt wurde mir durch dieses Buch Hape Kerkeling unsympathisch. Ich schätze durchaus den gewährten Einblick in die Familie. Aber mich hat an dem Buch zuviel gestört z. B. auch die Sprache. Die war für mich überfrachtet mit Adjektiven und Adverben und wirkte bemüht. Die vielen Einschübe waren oft auch störend für mich. Drei Sterne von mir für das Buch.