Profilbild von Karschtl

Karschtl

Lesejury Star
offline

Karschtl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karschtl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2024

Perfekte Lektüre - nicht nur an Silvester

Fake Dates and Fireworks
0

Im Klappentext wird ja schon so einiges verraten. Somit konnte ich mich gar nicht so richtig auf Nils als potentiellen Freund von Becca einlassen. Dabei tut diese (bzw. Kyra Groh) ihr bestes, diesen "1x ...

Im Klappentext wird ja schon so einiges verraten. Somit konnte ich mich gar nicht so richtig auf Nils als potentiellen Freund von Becca einlassen. Dabei tut diese (bzw. Kyra Groh) ihr bestes, diesen "1x im Jahr Silvester-Date und ansonsten besten Long-Distance-Freund" im besten Licht zu präsentieren. Und ich hätte ihr auch alle Daumen und sonstigen Finger gedrückt, damit sich ihre intensive Vorbereitung auf diesen ganz besonderen Urlaub auch auszahlt.

Aber zum Glück gibt es da ja auch noch jemand anderen auf der Bildfläche. Typisch für dieses Genre ist der zum Anfang auch eher unsympathisch. Es dauerte bei mir auch einige Zeit, bis ich von Raphael ein Bild vor Augen hatte. Nicht so lange dauerte es bei der Location, die konnte ich mir gleich gut vorstellen. Vielleicht auch, weil ich gerade erst "Der Spitzname" im Kino gesehen habe und dass in einem ähnlichen Setting spielt. Vielleicht hatte 'meine' Raphael-Version dann auch ein bisschen Ähnlichkeit mit Florian David Fitz.

Der Schreibstil von Kyra Groh ist wie immer ganz tadellos. Ich lese und liebe ihre Romane seit vielen Jahren, und es sind eigentlich immer volle 5 Sterne für mich. Ihre Figuren sind immer sehr authentisch, mit einer ganze eigenen Biografie: die Geschichte und das Setting auch immer universell (auch wenn es gewissen Mustern folgt).

Für einige wenige Bücher von Kyra Groh fühle ich mich vielleicht schon etwas zu alt, aber dieses hier war wieder mal genau das richtige für mich. Und dass das Thema hier mal nicht die Weihnachtszeit sondern Silvester ist fand ich auch super. Ich liebe Weihnachtsbücher und -filme auch sehr, aber davon gibt es halt auch hunderte! Eines das an Silvester spielt fällt mir spontan gar nicht ein. Insofern war dieses Buch doppelt schön und wichtig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2024

Haig meets King

Die Unmöglichkeit des Lebens
0

Die Bücher von Matt Haig sind immer sehr ungewöhnlich, aber dieses hier ist bisher das ungewöhnlichste. Hier kann ich mich selbst noch nichtmal auf ein Genre einigen.

Es fängt schon damit mal an, dass ...

Die Bücher von Matt Haig sind immer sehr ungewöhnlich, aber dieses hier ist bisher das ungewöhnlichste. Hier kann ich mich selbst noch nichtmal auf ein Genre einigen.

Es fängt schon damit mal an, dass die komplette Handlung in Form eines Briefes einer pensionierten Mathelehrerin an ihren ehemaligen Schüler erzählt wird. Oftmals vergaß ich das beim Lesen, doch Haig streut immer kleine Momente ein, wo die Erzählerin Grace ihren Adressaten direkt anspricht.

Dann wirkte es für ca. das erste Viertel des Buches wie ein Drama, verwoben mit der Lebensgeschichte von Grace, die vor vielen Jahren einen tragischen Verlust erlitten hat, worauf sie immer wieder Bezug nimmt.

Doch dann wirkte das Buch auf einmal wie etwas, was Stephen King aus den Finger schütteln würde. Denn "la presencia" betritt die Bühne, und bringt eine bahnbrechende Veränderung für Grace mit sich. Und nebenbei ist es auch ein bisschen Detektiv-Thriller, denn sie will ja nach wie vor rausfinden was genau nun mit ihrer Freundin Christina geschehen ist (und wieso diese sich nach so langer Zeit überhaupt an sie erinnert hat).

Ich mag es, wenn ich beim Lesen überrascht werde. Und ich mochte Grace sehr. Ein bisschen hat mir der "Fluss" in der Geschichte gefehlt. Es ist zwar alles zusammenhängend erzählt, aber dann schweift sie doch immer wieder ab, greift etwas Nebensächliches auf - wie z.B. Orangensaft oder Lichtteilchen und die Quantenphysik - und referiert etwas darüber. Für mich stoppte das die eigentliche Erzählung immer ein bisschen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2024

"Cosy" Roman über Freundschaften

Das Buch der neuen Anfänge
0

"Das Buch der neuen Anfänge" hat selbst einen ganz interessanten Anfang. Ich liebe ja Bücher, die in Buchhandlungen spielen. Hier handelt es sich zur Abwechslung mal um einen ganz neuen Schauplatz (zumindest ...

"Das Buch der neuen Anfänge" hat selbst einen ganz interessanten Anfang. Ich liebe ja Bücher, die in Buchhandlungen spielen. Hier handelt es sich zur Abwechslung mal um einen ganz neuen Schauplatz (zumindest für mich): einen Schreibwarenladen. Zwar ist er nur winzig klein, aber er besteht immerhin schon seit Jahrzehnten und nun wird er von lieben Jo vorübergehend geführt.

Nach dem Anfang verläuft die Geschichte aber ähnlich schleppend wie die Geschäfte im kleinen Laden laufen. Es passiert zwar was, aber eben nichts großes, was die Geschichte entscheidend vorantreibt.
Jo lernt (wahnsinnig schnell übrigens) neue Freunde kennen, allesamt Kunden oder Nachbarn ihres kleinen Ladens. Sie denkt aber auch noch sehr häufig an ihren Ex-Freund James und ihre beste Freundin Lucy von zu Hause, die ihr durch die Beziehung mit James allerdings ein wenig entfremdet ist.

Die Erinnerungen an James wurden mir mit der Zeit ein bisschen langweilig, weil es doch immer wieder dasselbe war. Und Lucy konnte ich lange Zeit gar nicht richtig greifen und "sehen" vor meinem inneren Auge, denn sie wird zwar erwähnt aber immer nur indirekt. Erst als sie höchstpersönlich auftaucht in der zweiten Hälfte des Buches wurde sie zu einem Charakter in dieser Geschichte für mich.

So viel Jo an ihre eigene Vergangenheit denkt, so wenig erfahren wir davon von ihren 2 neuen Freunden Malcolm und Ruth. Ruth wird sehr rasch zu einer Freundin für Jo, die sich lange fragt, wieso die flüchtige Vikarin denn überhaupt geflüchtet ist, es aber genauso wenig erfährt wie wir LeserInnen. Genauso wenig was in Malcolms 73 Lebensjahren schon so alles passiert ist.
Die Buchidee von Malcolm mit den 'Bewohnern' vom Friedhof find ich jedoch ganz bezaubernd, derlei Gedankenspiele hätten die drei ruhig mehr anstellen können.

Alles in allem ein ruhiges, 'cosy' Roman über Jo, ihre Liebe zu Schreibwaren und die diversen Freundschaften, die sie dadurch knüpft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2024

Öffentlicher Bücherschrank als Briefkasten

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
0

4,5 Sterne

Ein Buch über Buchliebhaber ist ja wie geschaffen für mich. Ich kannte auch alle Bücher, die Erin und James gemeinsam gelesen und besprochen haben. Ein bisschen lässt uns Tessa Bickers auch ...

4,5 Sterne

Ein Buch über Buchliebhaber ist ja wie geschaffen für mich. Ich kannte auch alle Bücher, die Erin und James gemeinsam gelesen und besprochen haben. Ein bisschen lässt uns Tessa Bickers auch teilhaben an ihrem Austausch, das hätte aber ruhig auch mehr sein können für meinen Geschmack.

Sehr schnell hat mich die Geschichte an "E-Mail für dich" erinnert. Zwei Menschen, die sich im wahren Leben kennen aber nicht ausstehen können. Die sich in der anonymen Welt aber schreiben, perfekt auf einer Wellenlänge sind und sich gegenseitig bei Problem bestärken.
Das eine Postkarte mit einem Kalenderspruch, an seine Träume zu glauben, so eine Wirkung auf James hat, dass er beschließt nun doch wieder mit dem Schreiben zu beginnen, klingt zwar etwas zu romantisierend, aber sei es drum.

Ich mochte beide Hauptcharaktere und habe beide Sichtweisen gleich gern gelesen. Das passiert mir ja auch nicht oft bei den Büchern, die von zwei gleichberechtigten Hauptpersonen erzählt werden. Aber hier war ich in beide gleichermaßen interessiert, was in ihren jeweiligen Leben so passiert und auch wie es gemeinsam für sie weitergeht.

Wieso es im wahren Leben zu einem Zerwürfnis kam wird lange verschwiegen. Ist ok, wenn das von der AutorIn hinausgezögert wird. Aber nervig finde ich dann, wenn es dennoch alle paar Seiten mal angesprochen wird, um es die Leserschaft ja nicht vergessen zu lassen, es dann aber trotzdem nicht aufgelöst wird.

Alles in allem ein sehr schönes Buch, und für einen Debütroman umso beachtlicher. Den deutschen Titel finde ich übrigens viel passender als den englischen Originaltitel, der einfach nur "The Book Swap" lautet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2024

Abschied nehmen

Das späte Leben
0

Bernhard Schlink erzählt hier aus der Ich-Perspektive von einem todkranken Mann, der gerade erst die Diagnose Krebs im Endstadium erhalten hat und nun völlig planlos dasteht, wie er die letzten Wochen ...

Bernhard Schlink erzählt hier aus der Ich-Perspektive von einem todkranken Mann, der gerade erst die Diagnose Krebs im Endstadium erhalten hat und nun völlig planlos dasteht, wie er die letzten Wochen oder vielleicht Monate seines "späten Lebens" gestalten soll.

Etwas Besonderes machen? Aber was?
Zeit mit Frau und Kind verbringen? Ja, das klingt gut, das will er machen. Aber gleichzeitig auch so weit wie möglich den Alltag weiterlaufen lassen. Besonders für seinen Sohn, der erst 6 Jahre alt ist, und den er nicht verschrecken will. Was kann er ihm noch mit auf den Weg geben an guten Ratschlägen, was kann er ihm vielleicht noch beibringen, welche bleibenden Erinnerungen kann er mit ihm zusammen noch erschaffen?

"Das späte Leben" ist ein sehr berührender und emotionaler Roman, sicher nichts "nettes" für Zwischendurch. Wer leicht von den Themen um Krebs, Tod und Vater-Kind-Beziehungen getriggert wird, sollte sich überlegen, ob das Buch wirklich was für ihn/sie ist.

Ich fand die Story ohne den Twist um Martins Ehefrau schon ausreichend. Es war aber auch ok so, wie es sich Schlink schlussendlich erdacht hat.

Ich hab jetzt erst im Zuge der Rezension nochmal im Klappentext gelesen, wie alt Martin eigentlich ist. 76. Er wirkte auf mich eher wie Mitte 60. Wahrscheinlich wurde ich da auch von der Stimme von Ulrich Noethen beeinflusst, und auch der Tatsache dass sein Sohn erst 6 Jahre alt ist.

Alles in allem ein sehr gutes, und eben auch sehr emotionales Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere