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Veröffentlicht am 20.04.2026

Zeitreisen Chick-Lit mit einem neuen Kniff

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Es gibt ja so einige Bücher (und auch Filme) in denen Zeitreisen vorkommen. Dann steckt man plötzlich in seinem jüngeren (oder manchmal auch älteren) Ich und agiert an dessen Stelle. Noch nie habe ich ...

Es gibt ja so einige Bücher (und auch Filme) in denen Zeitreisen vorkommen. Dann steckt man plötzlich in seinem jüngeren (oder manchmal auch älteren) Ich und agiert an dessen Stelle. Noch nie habe ich jedoch gelesen, dass jemand in dieser Situation nur als "Beifahrer" zusätzlich zur eigentlichen Person in diesem Körper steckt und einiges an Energie aufbringen muss, um die Kontrolle über Gedanken, Worte und Taten zu erlangen. Diese Darstellung einer Zeitreise fand ich grundsätzlich schon mal spannend, weil es auch eine völlig neue Sicht auf das Thema ermöglicht hat. Ebenso die Idee der Multiversen, die ich derart nur aus einem Spider-Man Film kannte, aber noch nie in einem Roman begegnet bin.

Alt bekannt ist hingegen die Tatsache, dass man bei solchen Zeitreisen nichts, aber auch wirklich gar nichts ändern darf, dass in irgendeiner Weise die Zukunft beeinflussen könnte. Gar nichts. Und ebenso bekannt ist es, dass selbstverständlich trotzdem immer irgendwas passiert. Das fängt harmlos an mit so etwas kleinem, unbedeutsamen wie Bart vs. kein Bart. Und endet dann... Das kann ich hier natürlich nicht verraten.

Leider kann ich auch nicht wirklich viel darüber sagen, welche "Moral" dieser Roman für mich am Ende hat, ohne viel zu spoilern. Außer vielleicht, dass er mir wirklich was zu Denken mitgegeben hat für meine eigene Lebenssituation, die in Punkto Familiengefüge, Länge der Beziehung, Alltagstrott, Verlust der Eltern etc. nicht so weit entfernt ist von Adam & Jules.

Was ich aber verraten kann ist, dass mir das Buch wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Ganz in der Tradition des britischen Chick-Lit-Genres, das dieses Autorenduo vor 25 Jahren mit groß gemacht hat. Aber mit neuen Ideen, die ich nicht so schon mehrfach woanders gelesen habe!

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Frühling liegt in der Luft

Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam
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Das Buch hat für mich perfekt in die Jahreszeit gerade gepasst. Es gab zwar immer wieder mal Schnee, aber doch auch schon erste Sonnenstrahlen, der Wind draußen fühlte sich schon wärmer an, ein Versprechen ...

Das Buch hat für mich perfekt in die Jahreszeit gerade gepasst. Es gab zwar immer wieder mal Schnee, aber doch auch schon erste Sonnenstrahlen, der Wind draußen fühlte sich schon wärmer an, ein Versprechen von Frühling liegt in der Luft und in meiner Vase befinden sich von Januar bis April immer ein Strauß Tulpen.


Ich konnte Rosies Liebe für Blumen und Pflanzen sehr gut nachvollziehen, auch wenn ich niemals so mutig gewesen wäre, in einem fremden Land (dessen Sprache ich nicht spreche) mir so ganz spontan ein Geschäft aufzubauen wenn ich vorher noch nie eines besessen habe. In dem Punkt kann man Rosie nur bewundern, und auch dass sie bei den ersten (natürlich) aufkommenden Schwierigkeiten nicht gleich wieder kehrt macht und nach London zurück kehrt.


Anfangs spielte sich die Geschichte hauptsächlich entweder auf dem Hausboot oder dem Blumenmarkt ab, aber später gewinnen auch wir Leser tolle Eindrücke vom schönen Amsterdam und es kommt ein bisschen Flair auf.


Die Liebesgeschichte mit dem grummeligen Nachbar, der sich dann aber doch als ganz nett und hilfsbereit herausstellt, aber eben auch so seine eigenen Probleme aus der Vergangenheit mit sich herumträgt, ist sehr nach dem klassischen Muster derlei Liebesromane gehalten. Aber die Figuren haben durchaus ihre eigenen Charakteristika und sind vor allem auch ganz sympathisch (zumindest wenn man auch ihn dann mal kennenlernen durfte).

Ebenso lösen sich Probleme dann doch recht schnell für Rosie, bzw. gewinnt sie auch im Handumdrehen mit Emma eine tolle neue beste Freundin. Das ist alles doch recht "magisch", aber man liest ja solche Bücher eben auch genau deshalb weil man was zum 'wohlfühlen' will. Und das geht mit diesem Buch ganz wunderbar.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Die drei Hauptmahlzeiten des Tages

Hensslers Schnelle Nummer - morgens, mittags, abends
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In seiner neuesten "Schnelle Nummer" Rezeptesammlung widmet sich Steffen Henssler den drei Hauptmahlzeiten Frühstück, Mittagessen und Abendessen.

Der erste Block zum Thema "Morgens" beginnt mit einem ...

In seiner neuesten "Schnelle Nummer" Rezeptesammlung widmet sich Steffen Henssler den drei Hauptmahlzeiten Frühstück, Mittagessen und Abendessen.

Der erste Block zum Thema "Morgens" beginnt mit einem Spiegelei, wo ich mir eigentlich denke "na das kann ich ja wohl, brauch ich kein Rezept für". Allerdings habe ich noch nie das Brot in der Pfanne angeröstet! Man lernt also doch immer noch was dazu.

Steak Tatar und alles was mal im Wasser gelebt hat ist nichts für mich. Ein Omlett und vor allem die Tortilla schon eher. Eggs Benedict habe ich zum ersten Mal dieses Jahr im Urlaub gegessen, und habe auch gedacht dass die Kombination mit Sauce Hollandaise eine Spezialität dieses Kochs oder der Region ist. Aber anscheindend werden die wohl auch woanders so gegessen und das werde ich definitiv in den Weihnachtsferien mir mal gönnen, denn das war unglaublich lecker. Vom Confierten Eigelb hab ich noch nie vorher gehört.

Crazy hört sich auch das Rösten von Cornflakes an (hat mich aber sehr neugierig gemacht, vor allem welche anderen Zutaten da noch dazu kommen!) und French Toast mit Bacon erscheint mir auch eher wie ein Mutprobe? Aber vielleicht lass ich die einfach erstmal weg und mach mir nur ein French Toast.

Das Rezept für Brötchen wirkt auch relativ einfach und auch für Nicht-Profis machbar. Allerdings nicht für unter der Woche wenn es wirklich schnell gehen muss sondern das ist mehr was fürs Wochenende. Und dazu vielleicht dann auch die Marmelade! Mangels zu geringer Ernte aus dem eigenen Garten mach ich ja fast nie Marmelade selbst, die paar Himbeeren bei uns werden immer direkt vom Strauch gegessen. Aber die Kombi mit der weißen Schokolade hört sich soo lecker an, die mach ich wohl einfach mit gekauften Himbeeren nach.

Auch beim Mittagessen fand ich einige Gerichte dann doch aufwendiger als ich es bei einer "Schnellen Nummer" erwartet hätte. Davon abgesehen sahen die Bilder dazu aber alle sehr appetitanregend aus. Mir haben es ja vor allem Pastagerichte angetan, und Rezepte wo man einfach alles zusammenschmeißt finde ich auch immer gut, insofern sind die One-Pot-Pasta Gerichte definitiv meine Welt! Und der "Eisbergsalat in lecker" war ziemlich kreativ.

Beim Abschnitt zum Abendessen waren so einige Dinge dabei, die sich für mich - und vor allem auch die ganze Familie, da ich zu dieser Mahlzeit nie nur für mich koche - sehr lecker anhören. Allen voran wieder Pasta Rezepte, aber in abgewandelter Form (auf dem Blech oder auch als Auflauf) so dass alte Klassiker wieder einen neuen Twist bekommen.

Ich fand den Mix der Rezepte sehr ausgewogen, die Erklärungen absolut ausreichend und vor allem die Fotos der Gerichte waren wirklich klasse. Das macht so richtig Appetit. Nur das mit dem "schnell" war in meinen Augen nicht immer ganz erfüllt, wobei ich komplett einsehe dass man ein wirklich gutes Gericht nicht in 5min hinzaubern kann.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Pip will endlich auf eigenen Beinen stehen dürfen

Ein Herz aus Papier und Sternen
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Gleich in der ersten Szene des Buches werden die "Machtverhältnisse" in der Familie klar: die Großmutter fährt das Auto, Enkelin Isabella auf dem Beifahrersitz und Mutter Pip auf der Rückbank.
Zurückgesetzt ...

Gleich in der ersten Szene des Buches werden die "Machtverhältnisse" in der Familie klar: die Großmutter fährt das Auto, Enkelin Isabella auf dem Beifahrersitz und Mutter Pip auf der Rückbank.
Zurückgesetzt wurde Pip schon ihr ganzes Leben. Oder spätestens seit sie mit 16 schwanger wurde und ihre Mutter fortan jegliche Entscheidung für sie übernahm. Sie wurde regelrecht kleingehalten von ihren Eltern (im Grunde von ihrer Mutter, aber ihr Vater wehrte sich nie gegen deren Entscheidungen und setzte sich mal für seine Tochter ein).

Das war manchmal schon recht schwer zu hören musste ich gestehen, weil ich regelrecht mitgelitten habe mit Pip. Sie war keinerlei körperlicher Gewalt ausgesetzt und hatte eigentlich auch alles was man zum Leben braucht. Aber diese jahrelange Einmischung und Manipulation ihrer Mutter ist in meinen Augen schon als psychische Gewalt einzustufen.

Irgendwann fällt das auch Pip auf, und bestärkt vom Ratschlag eines neuen Freundes (jeden Tag nur eine Kleinigkeit ändern und besser machen) versucht sie endlich, aus ihrem Hamsterrad auszubrechen. Allerdings wird das kein Spaziergang werden...

Das Hörbuch ist ganz wunderbar eingesprochen worden von Sandra Voss, ich habe mich total in die Welt von Pip und all den anderen einfühlen können. Nachdem bei Cecelia Ahern auch nicht immer alles mit Friede Freude Eierkuchen endet, wusste ich auch tatsächlich nicht was mich am Ende erwarten würde. Aber selbstverständlich habe ich mit Pip mitgebangt und auf ein besseres, selbstbestimmtes Leben für sie gehofft.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Die Liebe einer Mutter

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Im Vorwort erklärt Autorin Vea Kaiser, wie sie auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Er beruht auf einer wahren Begebenheit, die vor ein paar Jahren Schlagzeilen in Österreich gemacht hat. Auch mir ...

Im Vorwort erklärt Autorin Vea Kaiser, wie sie auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Er beruht auf einer wahren Begebenheit, die vor ein paar Jahren Schlagzeilen in Österreich gemacht hat. Auch mir kam der Fall bekannt vor, ich musste aber doch erstmal kurz nach betreffenden Zeitungsartikeln googeln.

Vea Kaiser hat aber noch mehr als nur gegoogelt. Offensichtlich hat sie die Protagonistin auch mehrfach besucht und mit ihr über ihre Geschichte gesprochen. Dennoch denke ich, dass wohl so etwa 80% des Romans aus Fiktion besteht, die sich um das vorgegebene Grundgerüst rankt. Denn Vea Kaiser beschreibt in ihrem ziemlich umfangreiches Werk (wenn das die Geschichte einer ganzen Familie wäre, würde ich es fast "episch" nennen) sehr detailliert und genau die Geschehnisse und die Empfindungen der einzelnen Personen. Durch dieses Liebe fürs Detail kommt man anfangs nur sehr langsam in der Zeit voran (die erste Hälfte des Buches verbringen wir in 1989, erst danach gibt es dann auch mal Zeitsprünge) aber es wird nie langweilig. Zu gut kann Vea Kaiser einfach ihre Personen und vor allem auch die damalige Zeit beschreiben. Für mich war das auch eine Reise in ein Wien, das ich noch nicht kannte. Umso mehr freute ich mich, wenn ich hier und dort Lokalitäten wiedererkannte, besonders nachdem Angelika Moser in die Fleischmanngasse zog, also direkt in das Viertel in dem auch ich fast 15 Jahre gewohnt hatte. Bei der Beschreibung ihrer Wohnung dort fühlte ich mich sofort an meine erste Wohnung nur ein paar Straßen weiter erinnert, und hatte diese ab da an immer vor Augen.

Indem die Autorin mit ihrer Geschichte, dessen Ende durch das Vorwort ja bereits vorweg genommen wurde, so weit ausholt und die Protagonistin Angelika Moser nicht nur skizziert sondern in allen Farben (die hellen und auch die dunklen) ausmalt, lernt man sie wirklich gut kennen und vor allem auch verstehen. Das wird wohl so auch beabsichtigt worden sein von der Autorin. Ich für meinen Teil war jedenfalls oft Team Angelika. Nicht nur weil meine Mutter auch so hieß, sondern weil sie im Grunde ihres Herzens eigentlich korrekt sein wollte aber es irgendwann nicht mehr konnte. Zumindest war es anfangs so, als sie ihre Betrügereien tatsächlich aus (überlebens-)notwendigen Gründen beging. Später wurde es doch auch oft sehr verschwenderisch und in meinen Augen oft unnötig, aber anscheinend hatte sich Angelika auch an einen gewissen Lebensstil gewöhnt gehabt.

PS: Ich konnte, nach über 20 Jahren in Österreich, das Buch problemlos lesen. Ich mag es, wenn umgangssprachliches und Dialekt vorkommt, das macht für mich ein Buch oftmals noch authentischer.
Für alle nicht-österreichischen LeserInnen aber der Hinweis, dass sich hinten im Buch ein Glossar mit vielen Begriffen befindet, die für das Verständnis hilfreich sein können!

PPS: Nach der Lektüre habe ich nochmals die alte Berichterstattung gegoogelt, und da fielen mir doch viele Unterschiede zu der Geschichte im Roman auf. Gleichzeitig stieß ich auf ein Interview mit der Autorin, in der sie sagt dass sie keinen Kontakt zu der betroffenen Dame und deren Familie gesucht hat. Es gab also auch keine Besuche im Gefängnis, und sie hat sich lediglich die Grundfakten dieses Falls "geborgt" und ihre ganz eigene Biografie einer Buchhalterin eines Luxus-Hotels ersonnen.

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