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Veröffentlicht am 10.01.2020

Der Schmerz des Erwachsenwerdens

Sweet Sorrow
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Heiter-melancholisch steht in der Kurzbeschreibung, und genau so würde ich den Roman auch zusammenfassen wollen. Was dem Protagonisten Charlie im Sommer 1997 alles passiert, passt wohl eher in die zweite ...

Heiter-melancholisch steht in der Kurzbeschreibung, und genau so würde ich den Roman auch zusammenfassen wollen. Was dem Protagonisten Charlie im Sommer 1997 alles passiert, passt wohl eher in die zweite Kategorie, aber David Nicholls beschreibt es so amüsant dass ich mehrmals ein Lächeln auf den Lippen hatte beim Lesen.
Die Kurzbeschreibung legt zudem großen Focus auf die Liebesgeschichte, doch ist "Sweet Sorrow" so viel mehr. Es ist eine Coming-of-Age-Story eines 16jährigen, dessen Welt sich im kompletten Umbruch befindet (Familie bankrott, Eltern frisch getrennt, Schule zu Ende, die Kumpel gehen eigene Wege) und der sich nun um seinen depressiven Vater kümmern muss, 12 Stunden die Woche an einer Tankstelle jobt und die vielen Stunden dazwischen irgendwie totschlagen muss. Wie gut, dass er da auf eine Theatergruppe stößt. Bei der er absolut nicht mitmachen will. Shakespeare? So ein Quatsch! Aber dann lässt er sich von der hübschen Fran doch überreden, sich die Sache mal anzuschauen und mitzuproben.

Wie schon gesagt hat, hat mich die Geschichte von Charlies sehr gut unterhalten. Nicht zuletzt auch, weil ich mich selbst an den Sommer 1997 noch sehr gut erinnern kann. Auch ich habe im Juni 97 die Schule beendet und dann lagen 2 lange heiße Monate vor mir. Allerdings waren meine Erlebnisse wohl nicht ganz so aufregend. Wobei - aufregend sind sie bei Charlie auch nicht immer. Und am Anfang hatte ich durchaus zu kämpfen, so richtig in die Story reinzufinden. Denn Charlie bzw. David Nicholls macht immer wieder Abstecher zu anderen Themen und unterbricht die Dynamik der Geschichte. Das war stellenweise etwas langatmig. Ab spätestens der Hälfte aber habe ich das Buch kaum noch weggelegt.
Dass das Stück "Romeo und Julia" und die Proben nicht nur Beiwerk sind, sondern wirklich Bestandteil der Handlung werden, hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte die einzelnen Figuren regelrecht vor mir sehen, wie sie ihre jeweiligen Rollen probten und versuchten, das jahrhundertealte Stück zu verstehen. So wurden auch Nebenfiguren, inklusive Charlies Eltern, zu gut herausgearbeiteten Charakteren.

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Veröffentlicht am 08.01.2020

"Lügen zu verbreiten ist einfach, aber die Wahrheit zu sagen ist schwer."

Wir gegen euch
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"Wir gegen euch" ist die Geschichte zweier rivalisierender Kleinstädte, deren Wettstreit durch ihre jeweiligen Eishockeymannschaften ausgetragen wird. Obwohl Backman in fast jedem Kapitel diese Konkurrenz ...

"Wir gegen euch" ist die Geschichte zweier rivalisierender Kleinstädte, deren Wettstreit durch ihre jeweiligen Eishockeymannschaften ausgetragen wird. Obwohl Backman in fast jedem Kapitel diese Konkurrenz der zwei Ortschaften und daraus resultierende Handlungen propagiert und anschaulich darlegt, und man die Spannung und Gewalt förmlich in der Luft spüren kann, so sind doch alle seine Figuren aus Björnstadt. Faszinierend!

Trotz des zentralen Themas der Rivalität ist es für mich vor allem eine Geschichte über Freundschaften. Zerbrechende Freundschaften, neue Freundschaften und Freundschaften, die einiges durchstehen müssen um zu überleben. Es ist aber auch eine Geschichte über Familien, mit denen im Grunde dasselbe passiert wie mit den Freundschaften. Auch sie haben die Wahl zu zerbrechen - oder stärker aus dem Ganzen hervor zu gehen.

Anfangs fühlte ich mich an die Serie "Riverdale" erinnert. Nicht so sehr wegen der eigentlichen Handlung sondern eher allgemein wegen dem Teenagersetting (das in den ersten Kapiteln vorherrschend war) und der Gruppendynamik, die sich entwickelt. Im späteren Verlauf des Buches, und zwar jedes Mal wenn Richard Theo Gegenstand eines Kapitels wurde, musste ich dann unweigerlich an Leland Gaunt aus Stephen Kings "In einer kleinen Stadt" denken. Denn genauso wie der Teufel in Castle Rock versteht sich dieser Kleinstadtpolitiker aus Björnstadt darauf, die Leute zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen so dass am Ende er der lachende Dritte ist.

Auch Vergleiche mit einer griechischen Tragödie schossen mir öfter durch den Kopf, vor allem wenn der Erzähler eingreift (was er sehr häufig tut) und die Geschehnisse kommentiert, über Menschen, ihre Gefühle und daraus resultierende Handlungen sinniert. Ganz besonders aber dann, wenn er Unheilvolles ankündigt (was ebenfalls sehr häufig vorkommt). Dadurch hatte ich die ganze Zeit über ein sehr bedrückendes Gefühl beim Lesen, immer in Erwartung von negativen Geschehnissen. Egal wen es treffen würde - ich hatte mit der Zeit alle lieb gewonnen!

Ein Wohlfühlbuch ist "Wir gegen euch" also sicher nicht. Dafür aber wahrscheinlich ein sehr authentisches, denn das Bild, das Frederik Backman hier von der Dynamik innerhalb Björnstadt zeichnet wirkt sehr real. Was es für mich nur umso erschreckender macht. Es ist ein schonungsloser Blick darauf, wie ein einziger Vorfall - der bereits Gegenstand des ersten Bands über Björnstadt war - eine ganze Stadt verändern kann. Und das, obwohl der Täter besagte Stadt bereits im 1. Kapitel bei Nacht und Nebel verlässt und somit ja eigentlich alles wieder zur Normalität zurückkehren könnte. Tut es aber nicht...
Aber es gibt auch mutmachende Momente geprägt von Loyalität und gegenseitiger Unterstützung, die mich sehr berührt haben.

Aufgrund all dieser Attribute, gepaart mit einem ungewöhnlichen aber guten Schreibstil und der Gabe, selbst aus kleinen Nebenfiguren Personen mit Tiefgang zu erschaffen, machen "Wir gegen euch" zu meinem ersten Lesehighlight 2020.

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Veröffentlicht am 29.12.2019

Briefe an den Weihnachtsmann

Das Weihnachtswunder von Pleasant Sands
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Was macht so ein Laden für Weihnachtsschmuck eigentlich von Silvester bis Halloween? Lange Urlaub? Oder verkauft der auch Valentinsherzen, Osterdeko und Muttertagsgeschenke? Angela Carson jedenfalls schreibt ...

Was macht so ein Laden für Weihnachtsschmuck eigentlich von Silvester bis Halloween? Lange Urlaub? Oder verkauft der auch Valentinsherzen, Osterdeko und Muttertagsgeschenke? Angela Carson jedenfalls schreibt kaum noch schwarze Zahlen mit ihrem kleinen Laden 'Heart of Christmas', den schon ihre Ururgroßmutter eröffnet hat. Als dann noch ein großer Diskounter für Weihnachtskitsch in der selben Kleinstadt seine Pforten öffnet, werden ihre Umsätze kleiner und kleiner...

Dem billigen Plastik-Ramsch von "Christmas Galore", das dann nur ein Weihnachten lang hält, kann ich angesichts der immer wichtiger werdenen Thematik um Nachhaltigkeit nur schwer was abgewinnen. Allerdings würde ich wohl auch kaum nur sehr hochpreisige Dekostücke kaufen wollen und können. Insofern frage ich mich wirklich, wie es Angela so lange geschafft hat, ihren Laden über Wasser zu halten (was sie nach dem Weihnachtsgeschäft im Laden anbietet wird tatsächlich nie erklärt). Aber nun scheint ja wirklich Schluss zu sein mit dem Erbe ihrer geliebten Oma Grace. Oder hat sie doch noch einen Geistesblitz?

Es wird wohl kaum einer Leserin die vielen Parallelen zum Film "E-Mail für dich" entgangen sein, bis hin zum Krankheitsbesuch mit Blumenstrauß. Da ich diesen Film wirklich liebe, haben mich diese auch nicht gestört. Nur haben auch die beiden Charaktere (bzw. deren Darsteller) mit ihren kleinen Eigenarten einen großen Teil des Charmes der Geschichte ausgemacht - und genau diesen habe ich bei Angela und Geoff ein bisschen vermisst. Dennoch waren sie beide sehr sympathische Figuren, nur eben ein bisschen fad. Auch die Geschichte zog sich in der ersten Hälfte des Buches extrem hin, ohne dass groß etwas voran ging in der Handlung. Das ist im Grunde auch mein größter Kritikpunkt an diesem Roman, der zu Sterneabzug führte.

Ansonsten ist es eine weitere nette Weihnachtsromanze aus der Feder von Nancy Naigle, die das Thema "Liebe an Weihnachten in einer US-Kleinstadt" immer wieder neu variiert, und - trotz der Kritik - mich ganz gut unterhalten konnte.

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Rapunzel mit verfilzter Story

Rapunzel, mein (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 2)
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Ich habe den Vorgängerband nicht gelesen, was für das Verständnis für diesen Fall auch nicht notwendig ist. Es würde aber sicher helfen, um die beiden Protagonisten Rabea Wyler und vor allem Jan Grall ...

Ich habe den Vorgängerband nicht gelesen, was für das Verständnis für diesen Fall auch nicht notwendig ist. Es würde aber sicher helfen, um die beiden Protagonisten Rabea Wyler und vor allem Jan Grall (und seine derzeitige Situation) besser zu verstehen.

Der Fall um das ermordete Rapunzel-Mädchen, und auch das Verschwinden von Rabeas Schwester vor vielen Jahren, ist sehr spannend. Die Hintergründe, die sich im Folgenden entspinnen, sind eine ganz neue Herangehensweise im Krimibuch-Genre. Das gibt schon mal einen Pluspunkt.

Nur war mir die Story an sich zu vollgepackt mit Charakteren bzw. auch "Parteien", die irgendwie alle involviert waren, obwohl es sie für meinen Geschmack nicht alle gebraucht hätte. Manche Verwicklungen wirken auch ein bisschen an den Haaren herbei gezogen (als Jan im Archiv überrascht wird zB). Ebenso das Motiv für die Tat, um die es hier hauptsächlich geht.

An einigen Stellen agiert mir Rabea zu unbedacht und sorglos, ohne ihren kriminalistischen Spürsinn einzusetzen, den sie an anderer Stelle ja schon hervorragend unter Beweis gestellt hat. Dazu kommen dann noch diverse Rückblenden, die der Leser an der Stelle noch nicht einordnen kann (wer? was? wieso?). Statt die Spannung zu fördern hat mich das eher ratlos in der Luft hängen gelassen.

Insgesamt also ein durchwegs spannender Thriller aus deutschen Landen, deren Umsetzung aber hier und da Schwächen hatte.

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Schön für Erstleser

LEGO® Jurassic World™ – Retter in der Not
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Ein Buch perfekt für Erstleser. Denn sowohl der Textanteil pro Seite, Länge der Kapitel als auch die Geschichte an sich sind perfekt für diese Altersgruppe. Es ist spannend, aber nicht zu aufregend und ...

Ein Buch perfekt für Erstleser. Denn sowohl der Textanteil pro Seite, Länge der Kapitel als auch die Geschichte an sich sind perfekt für diese Altersgruppe. Es ist spannend, aber nicht zu aufregend und am Ende geht es natürlich alles gut aus. Die Kapitel sind an sich jeweils abgeschlossen, so dass man problemlos eine Pause machen kann. Das nächste Kapitel knüpft dann aber nahtlos an die Geschehnisse an, so dass sich am Ende eine runde Geschichte ergibt.

Das Buch ist durchgehend illustriert, was für die Visualisierung immer sehr hilfreich ist. Die Charaktere kennen erfahrene Lego Fans schon von den Spielsets oder auch der kleinen Serie im Fernsehen. Ansonsten werden sie am Ende des Buches auch noch einmal kurz vorgestellt. Dort findet sich auch ein Quiz zur Geschichte sowie eine Leseurkunde.

Ein super Bonus für uns war, dass man diverse Szenen mit den Lego Sets, die wir schon zu Hause haben, durchaus nachstellen kann.

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