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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.11.2023

Düster und spannend, aber arg konstruiert

Hope's End
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Kit ist seit einigen Jahren Pflegerin. Doch dann unterläuft ihr ein Fehler, woraufhin sie ein halbes Jahr freigestellt wird. Diese Zeit ist um. Ihr alter Chef bietet ihr eine Stelle auf Hope's End an. ...

Kit ist seit einigen Jahren Pflegerin. Doch dann unterläuft ihr ein Fehler, woraufhin sie ein halbes Jahr freigestellt wird. Diese Zeit ist um. Ihr alter Chef bietet ihr eine Stelle auf Hope's End an. Hier soll sie Lenora Hope betreuen, die rund um die Uhr Pflege benötigt. Kit hat arge Bedenken. Denn Lenora Hope soll 1929 ihre gesamte Familie umgebracht haben. Obwohl ihre Schuld nie zweifelsfrei bewiesen werden konnte, geht die Allgemeinheit davon aus, dass es nur Lenora getan haben kann. Mittlerweile ist Lenora über 70 Jahre alt und kann nur eine Hand bewegen. Da Kit keine andere Stelle findet, ist sie gezwungen, in das alte Herrenhaus, das direkt an einer Steilküste liegt, zu ziehen, um die Betreuung zu übernehmen. Lenora beginnt mit ihr mithilfe einer Schreibmaschine zu kommunizieren. Sie verspricht Kit, ihr die gesamten Ereignisse, die sich damals wirklich auf Hope's End zugetragen haben, zu schildern. Schon bald weiß Kit nicht mehr, wem sie auf dem alten Herrensitz, der täglich immer mehr verfällt, trauen kann....

Die Handlung trägt sich auf zwei Zeitebenen zu. In der Gegenwart erzählt die junge Pflegerin Kit ihre Sicht der Dinge in der Ich-Form. Außerdem gibt es Schreibmaschinentexte, in denen die Pflegebedürftige ihre Erinnerungen an die damaligen Ereignisse teilt. 

Der Autor beschreibt die Charaktere und den Handlungsort so anschaulich, dass man das Gefühl hat, selbst in dem alten Herrenhaus zu sein. Die einst so prächtige Villa verfällt und die Protagonisten sind nicht so leicht zu durchschauen. Hier scheint jeder ein Geheimnis zu hüten. Dadurch ist von Anfang an eine düstere und bedrohliche Atmosphäre spürbar. Gemeinsam mit Kit stellt man sich die Frage, was in dem alten Herrenhaus vorgeht und wem man Vertrauen kann. Immer, wenn man meint, dass man der Lösung einen Schritt näher kommt, sorgen unerwartete Wendungen für Überraschungen. Denn auf Hope's End ist nichts so, wie es scheint. Dadurch gerät man früh in den Sog der Ereignisse. 

Dennoch hat man zuweilen das Gefühl, dass man auf der Stelle tritt und dass sich nichts richtig zusammenfügen will. Doch immer wieder kommt es zu spannenden Szenen, die durch die bedrohliche Atmosphäre unter die Haut gehen und zum Weiterlesen animieren. Zum Ende hin steuert man auf ein geradezu spektakuläres Finale hin, das zwar arg konstruiert, aber unheimlich spannend wirkt. 

Obwohl mich die düstere Atmosphäre und die unerwarteten Wendungen in ihren Bann ziehen konnten, vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala drei von fünf Sternen, da auf mich das Ganze zu konstruiert wirkte. 

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Veröffentlicht am 15.11.2023

Weihnachtlicher Wohlfühl-Roman

Weihnachten kann kommen
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Die Werbefachfrau Lucy liebt ihren Job. Doch als der Agentur, bei der sie angestellt ist, plötzlich zwei Großkunden abspringen, müssen Lucy und ihre Kollegen um ihre Arbeitsplätze bangen. Lucy hat eine ...

Die Werbefachfrau Lucy liebt ihren Job. Doch als der Agentur, bei der sie angestellt ist, plötzlich zwei Großkunden abspringen, müssen Lucy und ihre Kollegen um ihre Arbeitsplätze bangen. Lucy hat eine Idee, zu einer Kampagne, die für Ross Miller interessant sein könnte. Doch der Unternehmer ist schwer zu erreichen. Deshalb beschließt sie, ihn kurz vor Weihnachten bei seiner Familie aufzusuchen, um ihm die Unterlagen persönlich zu übergeben. Als sie dort eintrifft, wird sie von den Familienangehörigen irrtümlich für seine Freundin gehalten und damit nimmt das Weihnachtsfest der Familie Miller einen überraschenden Verlauf...

Der Einstieg in den diesjährigen Weihnachtsroman von Sarah Morgan gelingt mühelos. Denn sie versteht es wieder hervorragend, eine lebendige, schottischen Hintergrundkulisse zu erschaffen, in der man sich sofort wohlfühlt. Das festlich geschmückte Haus der Millers, prasselnde Kaminfeuer und eine verschneite Außenwelt sorgen dafür, dass man sich mit diesem Roman perfekt auf die Weihnachtszeit einstimmen kann. 

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet, wobei der Fokus nicht nur auf Ross und Lucy liegt. Denn auch den anderen Mitgliedern der Miller-Familie steht ein ereignisreiches Weihnachtsfest bevor. Die Charaktere wirken alle so lebendig, dass man sie sofort vor Augen hat. Die Sorgen und Nöte der unterschiedlichen Familienmitglieder wirken authentisch, wodurch man sich ganz auf die Handlung einlassen kann. Da es in der Familie an diesem Weihnachtsfest etwas chaotisch zugeht, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte liest sich dadurch quasi von selbst. Denn man identifiziert sich mit den Protagonisten und fiebert mit. 

Ein wundervoller Familienroman, der durch authentische Charaktere und eine eindrucksvoll beschriebene Hintergrundkulisse überzeugt und damit perfekt auf Weihnachten einstimmt. 

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Veröffentlicht am 12.11.2023

Intensiv erzählt, stellenweise aber etwas langatmig

Und plötzlich warst du fort
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Die Schwestern Kathy und Sally haben einige innige Beziehung zueinander. Sally bewundert ihre ältere Schwester sehr, denn Kathy scheint alles zu wissen. Als Kathy beginnt, für ihren späteren Freund Billy ...

Die Schwestern Kathy und Sally haben einige innige Beziehung zueinander. Sally bewundert ihre ältere Schwester sehr, denn Kathy scheint alles zu wissen. Als Kathy beginnt, für ihren späteren Freund Billy zu schwärmen, hört Sally beeindruckt zu und beginnt ebenfalls ihn heimlich anzuhimmeln. Doch plötzlich stürzt Sallys heile Welt zusammen, denn Kathy stirbt bei einem Autounfall und Billy wird dafür verantwortlich gemacht. Doch ausgerechnet Billy kann am besten verstehen, welche Lücke Kathy hinterlässt und was das für Sally bedeutet. Obwohl ihre Eltern ihr den Kontakt mit Billy verbieten, lässt Sally ihn nie ganz abreißen....

Sally erzählt diese Geschichte selbst und spricht dabei ihre Schwester Kathy an. Dadurch bekommt man von Anfang an einen hervorragenden Eindruck, wie intensiv die Beziehung der beiden war. Sally schildert die Ereignisse so lebhaft, dass man alles mühelos vor Augen hat und sich vorstellen kann, wie sehr der Verlust nicht nur Sally, sondern die ganze Familie und natürlich auch Billy getroffen hat. Denn nach Kathys Tod ist nichts mehr so, wie es vorher war. Diese Tatsache schwebt immer zwischen den Zeilen. Doch Sally gelingt es auch, ihren ganz besonderen Humor aufblitzen zu lassen, wodurch die Geschichte zwar emotional, aber nicht zu schwermütig wirkt. 

Obwohl Sally anschaulich erzählt, hat man zuweilen das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sie beschreibt alles ausufernd, wodurch die Geschichte relativ geruhsam dahinplätschert und stellenweise sogar etwas langatmig wirkt. 

Eine emotionale Geschichte, die zwar intensiv erzählt wird, aber stellenweise etwas langatmig wirkt. 

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Veröffentlicht am 11.11.2023

Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite

The Institution
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Die hochschwangere Krankenschwester Tara Cameron arbeitet in der geschlossenen Station eines Hochsicherheitsgefängnisses. Hier betreut sie psychisch kranke Verbrecher, die unvorstellbar grausame Taten ...

Die hochschwangere Krankenschwester Tara Cameron arbeitet in der geschlossenen Station eines Hochsicherheitsgefängnisses. Hier betreut sie psychisch kranke Verbrecher, die unvorstellbar grausame Taten begangen haben. Eines Morgens wird ihre Leiche gefunden. Das Baby wurde aus ihrem Leib geschnitten und von der kleinen Tochter fehlt jede Spur. Die forensische Profilerin Dr. Connie Woolwine und ihr Partner werden in das Hochsicherheitsgefängnis eingeschleust, um verdeckt zu ermitteln. Denn für die brutal dem Mutterleib entrissene Tochter zählt jede Sekunde. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos, denn die Autorin versteht es von Anfang an, eine beklemmende Atmosphäre heraufzubeschwören, der man sich nur schwer entziehen kann. Das Hochsicherheitsgefängnis wird eindrucksvoll beschrieben. Die Aussichtslosigkeit, dass es sich hier um die Endstation der Insassen handelt, schwebt förmlich zwischen den Zeilen. Am Ende des Buchs befindet sich eine Karte der Station, auf der sich die Haupthandlung zuträgt, damit kann man sich den eingeschränkten Handlungsort noch besser vorstellen. 

Die Anzahl der Charaktere ist ebenfalls überschaubar. Bei den Insassen handelt es sich um äußerst gefährliche Männer, doch auch die Angestellten wirken nicht vertrauensvoll. Man ahnt nicht, wem die Profilerin trauen kann. Da dem Baby nur wenig Zeit bleibt, ist der Druck, unter dem Connie Woolwine steht, konstant spürbar. Man fiebert durchgehend mit, versucht eigene Schlüsse zu ziehen, doch es gibt einige Wendungen, die für Überraschungen sorgen. Hier ist definitiv nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die früh aufgebaute Spannung kann sich im Verlauf der Handlung stetig steigern und gipfelt in einem atemberaubenden Finale. 

Hochspannung von der ersten bis zur letzten Seite!

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Veröffentlicht am 09.11.2023

Hochspannung vom Feinsten

NACHT
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An einem eisigen, verschneiten Tag beschließt Karl, nach seinen Nachbarn zu schauen, da er schon knapp eine Woche nichts mehr von der Familie gehört und gesehen hat. Er klopft an die Tür, doch niemand ...

An einem eisigen, verschneiten Tag beschließt Karl, nach seinen Nachbarn zu schauen, da er schon knapp eine Woche nichts mehr von der Familie gehört und gesehen hat. Er klopft an die Tür, doch niemand öffnet. Als Karl den Briefschlitz in der Haustür öffnet, um nach der Familie zu rufen, nimmt er einen schrecklichen Geruch wahr. Karl ist sich sicher, dass im Haus etwas Totes liegt. Schließlich ringt er sich dazu durch, das Haus zu betreten und findet die Familie ermordet vor. Der Polizist Týr nimmt mit seinen Kollegen die Ermittlungen auf...

Die Handlung trägt sich in einem abgelegenen Fjord in Island zu. Es ist Winter, die Temperaturen sind eisig und es schneit. Es gelingt der Autorin hervorragend, die eisige und winterliche Atmosphäre zu beschreiben. Dadurch, dass man am Anfang Karl begleitet, der auf dem Hof nach den Nachbarn schauen will, ist man sofort mitten im Geschehen.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Im aktuellen Strang verfolgt man die Ermittlungen, bei denen der Polizist Týr im Zentrum der Ereignisse steht. In einem weiteren Handlungsstrang steht die Haushaltshilfe Sóldis im Mittelpunkt, die nur wenige Tage vor den Morden ihre Stelle bei der Familie antritt. Durch diese Sicht bekommt man einen Einblick in die Ereignisse, die sich vor dem Mord zugetragen haben, um schließlich in der Bluttat zu gipfeln.

Durch die unterschiedlichen Perspektiven, die häufig an entscheidenden Stellen wechseln, wird ein hohes Tempo aufgebaut, dem man sich nur schwer entziehen kann. Gemeinsam mit den Ermittlern versucht man herauszufinden, was auf dem Hof geschah und wer dafür verantwortlich ist. Die Spurensuche wirkt authentisch und man wird dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Obwohl man durch die Rückblicke in die Vergangenheit nach und nach mehr erfährt, lässt sich der Täter nicht so leicht in die Karten schauen.

Die Szenen, in denen die Haushaltshilfe Sóldis im Mittelpunkt steht, wirken düster und bedrohlich. Da man weiß, was passieren wird, vermutet man in jeder dunklen Ecke eine Bedrohung. Dadurch entwickelt sich das Buch schon früh zu einem echten Pageturner, den man nur ungern aus der Hand legen mag. Es kommt zu einigen Gänsehautmomenten, bei denen die eisige, verschneite Hintergrundkulisse zum Leben erwacht. Obwohl man weiß, wie es endet, fiebert man mit Sóldis mit.

Hochspannung vom Feinsten, die für einige Gänsehautmomente sorgt!

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