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Veröffentlicht am 23.02.2023

Spannend und kaum vorhersehbar

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
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Damit, dass ihn ausgerechnet die Polizeirätin Eslem Keskin, die nun wirklich kein Fan von ihm ist, um Hilfe bittet, hat Fallanalytiker Max Bischoff nicht gerechnet. Doch sie bittet ihn tatsächlich darum, ...

Damit, dass ihn ausgerechnet die Polizeirätin Eslem Keskin, die nun wirklich kein Fan von ihm ist, um Hilfe bittet, hat Fallanalytiker Max Bischoff nicht gerechnet. Doch sie bittet ihn tatsächlich darum, in den kleinen Weinort Klotten zu reisen und dort inoffiziell Nachforschungen in einem ungelösten Vermisstenfall anzustellen, der sich vor über zwanzig Jahren zugetragen hat. Eine gute Freundin von Keskin, die gerade an Krebs verstorben ist, hat ein Tagebuch hinterlassen. Max Bischoff soll sich die Eintragungen ansehen und versuchen, damit den alten Fall zu lösen. Doch in dem Weinort stößt Bischoff nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern schon bald auf eine Leiche...

"Mit den Augen des Opfers" ist nach "Die Spur der Mädchen" und "Die Macht des Täters" der dritte Band der Mörderfinder-Reihe, in der der ehemaliger Ermittler Max Bischoff versucht, Mördern in den Kopf zu schauen und so die Fälle zu lösen. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man dem aktuellen Geschehen sicher auch dann folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat. Wenn man allerdings an der beruflichen und privaten Weiterentwicklung der Hauptcharaktere interessiert ist, sollte man die Reihenfolge einhalten. Dann kann man auch besser nachvollziehen, warum Max Bischoff so überrascht ist, dass ihn ausgerechnet Eslem Keskin um Hilfe bittet. 

Dieses Mal hat es Max Bischoff mit Cold-Case-Ermittlungen zu tun. In dem kleinen Ort stößt er allerdings auf beharrliches Schweigen, Lügen und Ausflüchte. Arno Strobel versteht es hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, Max bei seiner Spurensuche zu begleiten. Die Atmosphäre im Ort wirkt irgendwie unheimlich und bedrohlich. Dadurch kann man sich ganz auf diesen Thriller einlassen. Dass es hier ein altes Geheimnis gibt, das im Verborgenen bleiben soll, wird früh klar. Man weiß deshalb nicht, wem man vertrauen kann. Dadurch baut sich die Spannung nicht nur früh auf, sondern kann durchgehend gehalten werden. 

In diesem Band spielt Max Bischoffs ehemaliger Kollege Böhmer zunächst nur eine Nebenrolle. Doch dafür steht ihm Dr. Marvin Wagner zur Seite. Wagner ist ein herrlicher Charakter, der äußerst sympathisch wirkt und die Handlung durch seine wortgewandten Dialoge auflockert. Durch die lebendigen Charaktere, die durchgehende Spannung und die bedrohliche Atmosphäre gerät man in die Sog der Ereignisse, wodurch sich dieser Thriller quasi von selbst liest. Überraschende Wendungen sorgen außerdem dafür, dass die Auflösung kaum vorhersehbar wirkt. 

Spannende Ermittlungen, die durch eine einzigartige Atmosphäre, lebendige Charaktere und überraschende Wendungen überzeugen. 

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Veröffentlicht am 22.02.2023

Spannender Reihenauftakt

Forsberg und das verschwundene Mädchen
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Trotz guter Prognosen nutzt der Sexualstraftäter Carl Kroon seinen Freigang aus dem Gefängnis zur Flucht. Erste Spuren führen auf die Schäreninsel Kalvsund. Dort treffen die Bewohner gerade Vorbereitungen ...

Trotz guter Prognosen nutzt der Sexualstraftäter Carl Kroon seinen Freigang aus dem Gefängnis zur Flucht. Erste Spuren führen auf die Schäreninsel Kalvsund. Dort treffen die Bewohner gerade Vorbereitungen für das Mittsommerfest. Plötzlich ist die kleine Lisbet verschwunden. Kommissar Frederik Forsberg nimmt mit seinem neu zusammengestellten Team die Ermittlungen auf. Der Fall scheint klar zu sein, dennoch fehlt von Lisbet jede Spur. Doch Forsberg gibt die Hoffnung nicht auf, dass Lisbet rechtzeitig gefunden wird...

"Forsberg und das verschwundene Mädchen" ist der erste Band einer Krimireihe, die in Schweden angesiedelt ist. Privat und beruflich hat Forsberg einiges durchgemacht. Nun wird ihm ein neues Team an die Seite gestellt. In diesem Auftakt lernt man Forsberg und seine neuen Kollegen näher kennen. Alle scheinen beruflich aufgefallen zu sein und nur noch diese Chance zu haben, um sich bei der Polizei zu bewähren. Diese Tatsache gibt dem Krimi einen zusätzlichen Reiz. 

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der zunächst nicht mit den folgenden Ereignissen in Zusammenhang gebracht werden kann. Es gibt außerdem immer wieder kurze Einschübe, die offenbar die Geschichte aus dem Prolog fortsetzen. Da diese Einblicke düster und beklemmend wirken, behält man sie beim Lesen der aktuellen Szenen im Hinterkopf und versucht sie mit dem Verschwinden von Lisbet in Verbindung zu bringen. 

Die Ermittlungen wirken authentisch. Gemeinsam mit Forsberg und seinen neuen Teammitgliedern versucht man die Puzzleteilchen zusammenzusetzen und das Rätsel um Lisbets Verschwinden zu lösen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn bei diesem Fall ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gibt immer wieder Wendungen, die für Überraschungen sorgen. Da man immer daran denkt, dass für Lisbet jede Minute zählt, baut sich die Spannung früh auf. 

Der Handlungsort wird detailliert beschrieben. Man hat das Gefühl, selbst auf der kleinen Schäreninsel zu sein und die Sonne auf der Haut zu spüren. Dabei trifft man auf ganz unterschiedliche Protagonisten, die Sympathien oder spontane Abneigungen wecken. Dadurch kann man sich ganz auf den Krimi einlassen und bei der Suche nach Lisbet mitfiebern. 

Ein spannender Reihenauftakt, der die Neugier auf weitere Fälle weckt. 

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Veröffentlicht am 22.02.2023

Spannende Ermittlungen

Enna Andersen und die verlorene Zeit
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Mittlerweile sind über zwanzig Jahre vergangen, seit die Eltern von Hauptkommissarin Enna Andersen brutal ermordet wurden. Ronald Grothe wurde für die Tat verurteilt. Doch er beteuerte stets seine Unschuld ...


Mittlerweile sind über zwanzig Jahre vergangen, seit die Eltern von Hauptkommissarin Enna Andersen brutal ermordet wurden. Ronald Grothe wurde für die Tat verurteilt. Doch er beteuerte stets seine Unschuld und strebt eine Wiederaufnahme des Verfahrens an. Enna Andersen geht der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, dass Grothe tatsächlich unschuldig sein könnte. Denn das würde bedeuten, dass der wahre Täter ungeschoren bleibt. Da sie offiziell keine Ermittlungen aufnehmen kann, nimmt sie sich Urlaub, um auf eigene Faust zu nachzuforschen. Dabei stößt sie auf etliche Ungereimtheiten...

"Enna Andersen und die verlorene Zeit" ist bereits der fünfte Band der Serie und der persönlichste Fall für die sympathische Hauptkommissarin. Denn diese Ermittlungen stellt sie privat an, bekommt allerdings Unterstützung von ihrem Team. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man dem aktuellen Geschehen auch dann problemlos folgen, wenn man bisher keinen Teil der Serie gelesen hat.

In den vorherigen Bänden deutete sich allerdings schon an, dass Enna langsam daran zweifelt, dass damals der richtige Täter für den Mord an ihren Eltern verurteilt wurde. Der Einstieg in diesen Krimi gelingt mühelos, da man Ennas Beweggründe glaubhaft nachvollziehen kann und gespannt ist, wo sie ansetzen wird, um die offenen Fragen zu klären.

Handlungsorte und Protagonisten werden so lebendig beschrieben, dass man alles mühelos vor Augen hat und sich dadurch ganz auf diese Cold-Case-Ermittlungen, die unter dem Radar laufen müssen, einlassen kann. Die Ermittlungen werden authentisch beschrieben. Doch der Fall ist nicht so leicht zu lösen, denn es gibt einige Spuren, denen es zu folgen gilt. Dennoch scheinen die Puzzleteilchen, die Enna nach und nach zusammenträgt, kein stimmiges Bild zu ergeben. Deshalb wird man dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Im Verlauf der Ereignisse kommt es zu einigen Wendungen, wodurch die Auflösung kaum vorhersehbar wirkt. Dadurch bleibt die Spannung durchgehend erhalten.

Enna Andersens persönlichster Fall überzeugt durch Spannung und authentische Ermittlungen.

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Nicht so spannend wie erhofft

Die andere Schwester
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Die Schwestern Stella und Alicia haben eine neue, sehr erfolgreiche Dating-App auf den Markt gebracht. Während Alicia sich auf die Entwicklung und die Programmierung konzentriert, ist Stella für die Vermarktung ...

Die Schwestern Stella und Alicia haben eine neue, sehr erfolgreiche Dating-App auf den Markt gebracht. Während Alicia sich auf die Entwicklung und die Programmierung konzentriert, ist Stella für die Vermarktung zuständig. Als Stella ermordet wird, gerät Alicias Leben völlig aus den Fugen. Sie erkennt zwar den Täter auf einem Überwachungsvideo, verschweigt das allerdings dem Ermittler John Adderley. Adderley kann den Ermittlungen nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken, da ihn seine Vergangenheit mit tödlicher Vehemenz einholt....

"Die andere Schwester" ist nach "Der andere Sohn" bereits der zweite Fall für John Adderley. Obwohl die Bände in sich abgeschlossen sind, ist es ratsam, die Reihe chronologisch zu lesen, da man im ersten Teil die Hintergründe erfährt, die dazu geführt haben, dass der ehemalige FBI-Agent unter falschem Namen im schwedischen Karlstadt ermittelt. 

Der aktuelle Fall wirkt zunächst spannend, da man nicht ahnt, warum Alicia dem Ermittler verschweigt, dass sie den Mann auf dem Überwachungsvideo erkennt. Alicias Leben gerät nach dem Mord an ihrer Schwester völlig aus den Fugen. Sie wirkt sehr labil und ist nur noch selten nüchtern anzutreffen. Adderley ist nicht so konzentriert, wie man das eigentlich erhoffen dürfte, da er von seiner Vergangenheit eingeholt wird und mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen hat. Das alles wirkt durchaus realistisch und nachvollziehbar. Dennoch hat man das Gefühl, dass der Mord an Stella zur Nebenhandlung degradiert wird. Adderley manövriert sich in Situationen, die beim Lesen für hochgezogenen Augenbrauen und Kopfschütteln sorgen. Die Ereignisse wirken dadurch arg konstruiert. Dennoch schafft es das Autorenduo letztendlich alle Fäden miteinander zu verknüpfen und dabei für die ein oder andere Überraschung zu sorgen. 

Leider arg konstruiert und längst nicht so spannend wie der Auftakt.

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Überzeugt durch lebendige Charaktere

Morgen, morgen und wieder morgen
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Mitte der 90er Jahre trifft Sam seine frühere Super-Mario-Partnerin Sadie wieder, die mittlerweile Informatik studiert und angehende Spieledesignerin ist. Sam ist begeistert von einem Spiel, das Sadie ...

Mitte der 90er Jahre trifft Sam seine frühere Super-Mario-Partnerin Sadie wieder, die mittlerweile Informatik studiert und angehende Spieledesignerin ist. Sam ist begeistert von einem Spiel, das Sadie programmiert hat und kann sie schließlich dazu überreden, mit ihm gemeinsam ein Spiel zu entwickeln. Die beiden sind ein hervorragendes Team und das Spiel wird ein Erfolg. Doch der Erfolg hat nicht nur positive Seiten, denn ihre Freundschaft wird dadurch auf eine harte Probe gestellt...

"Morgen, morgen und wieder morgen" ist ein Roman über eine ganz besondere Freundschaft. Sam und Sadie lernen sich bereits in ihrer Kindheit kennen. Sofort entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Dennoch trennen sich ihre Lebenswege dann voneinander. Denn bereits früh ist ihre Freundschaft davon geprägt, nicht genug mit dem anderen zu kommunizieren, Missverständnisse nicht aus dem Weg zu räumen, trotzig zu reagieren und sich zu verschließen. Probleme werden nicht angesprochen, sondern möglichst ignoriert.

Die Charaktere haben ihre Stärken und Schwächen, Probleme, Sorgen und Nöte, können aber auch die Freude miteinander teilen. Dadurch wirken sie alle lebendig, wodurch man sich ganz auf die Geschichte einlassen kann. Man möchte sie zuweilen schütteln und dazu auffordern, einfach vernünftig miteinander zu reden. Dass dieses Gefühl beim Lesen ausgelöst wird, zeigt, wie realistisch die Protagonisten wirken.

Die Entwicklung der Spiele fließt hervorragend in die Handlung ein. Man merkt sofort, mit welcher Leidenschaft Sam und Sadie vorgehen und kann sich die durchwachten Nächte und die Hektik lebhaft vorstellen. Selbst wenn man kein Gaming-Fan ist, kann man diese Szenen genießen, da alles nachvollziehbar erklärt wird.

Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Nicht immer wird alles chronologisch erzählt, denn es gibt zuweilen Rückblicke in die Vergangenheit oder Ausblicke in die Zukunft. Dennoch verknüpft sich alles hervorragend miteinander, sodass man nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Da die Charaktere so lebendig beschrieben werden und man sich dadurch auf ihre Probleme einlassen kann, gerät man bereits früh in den Sog der Handlung. Man hat das Gefühl, die beiden wirklich zu kennen und sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten.

Ein Roman über eine ganz besondere Freundschaft, der durch eine großartige Hintergrundkulisse und lebendige Charaktere überzeugt.

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