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Veröffentlicht am 18.07.2021

Spannender Reihenauftakt

Die Verlorenen
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Jonah Colley gehört einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei an. Als er mit seinen Kollegen den Feierabend genießt, erhält er einen Anruf von seinem ehemals besten Freund Gavin. Der Kontakt ...

Jonah Colley gehört einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei an. Als er mit seinen Kollegen den Feierabend genießt, erhält er einen Anruf von seinem ehemals besten Freund Gavin. Der Kontakt zwischen den beiden ist seit Jahren abgebrochen, doch nun scheint Gavin in Schwierigkeiten zu stecken. Er bittet Jonah um ein mitternächtliches Treffen am Schlachter-Kai. Als Jonah dort ankommt, ist von Gavin nichts zu sehen. Jonah macht sich auf die Suche und setzt dadurch Ereignisse in Gang, die er nicht vorhersehen konnte...

Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos. Ohne langatmiges Vorgeplänkel, befindet man sich sofort mitten im Geschehen und beobachtet gespannt die Szenen am Schlachter-Kai. Dieser rasante Start weckt sofort die Neugier auf die geheimnisvollen Vorgänge. Denn das, was im alten Lagerhaus passiert ist, ist nicht  so leicht zu durchschauen. Da Jonah den ermittelnden Polizisten kaum Informationen liefern kann, gerät er selbst ins Visier der Kollegen. 

Der Fall ist rätselhaft. Gemeinsam mit Jonah versucht man die Puzzleteilchen an die richtige Stelle zu setzen. Doch hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Dadurch wird man durchgehend dazu angeregt, eigene Ermittlungen anzustellen. Allerdings sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man nicht sicher sein kann, was wirklich gespielt wird. Das macht einen großen Reiz der Handlung aus und sorgt dafür, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legen mag. Das große Finale hält Spannung und einige Überraschungen bereit. Es bleiben zwar offene Fragen, doch diese werden sicher in den folgenden Bänden geklärt. 

Ein gelungener Auftakt, der neugierig auf weitere Bände mit Jonah Colley macht. 

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Veröffentlicht am 17.07.2021

Wundervoller Roman, der zum Nachdenken und Erinnern anregt

Kinder ihrer Zeit
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Rosa flieht im Winter 1945 mit ihren Zwillingstöchtern Emma und Alice aus Ostpreußen. Dabei wird Alice von Mutter und Schwester getrennt. Obwohl Rosa Alice verzweifelt sucht, geht sie schließlich davon ...

Rosa flieht im Winter 1945 mit ihren Zwillingstöchtern Emma und Alice aus Ostpreußen. Dabei wird Alice von Mutter und Schwester getrennt. Obwohl Rosa Alice verzweifelt sucht, geht sie schließlich davon aus, dass ihre Tochter nicht überlebt hat. Rosa und Emma wagen in West-Berlin einen Neuanfang. Der Verlust von Alice setzt den beiden stark zu. Emma glaubt daran, dass ihre Schwester noch lebt, doch Rosa will nichts davon hören. Zu groß ist der Schmerz, den die Erinnerung an ihre Tochter hervorruft. Zwölf Jahre später stellt sich heraus, dass Alice doch überlebt hat. Sie ist in einem Kinderheim in der DDR aufgewachsen und lebt nun im Ostteil von Berlin. Die Kluft zwischen den Schwestern ist groß...

Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos, denn Claire Winter versteht es vom ersten Moment an, die Geschichte der Zwillinge, die im Verlauf der Handlung zwischen die Fronten der Geheimdienste geraten, so fesselnd und anschaulich zu erzählen, dass man sofort mitten im Geschehen ist. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Dadurch stehen die Protagonisten abwechselnd im Zentrum der Ereignisse. 

Man merkt, dass die Autorin die geschichtlichen Hintergründe hervorragend recherchiert hat. Denn sie bilden eine glaubwürdige Hintergrundkulisse für diesen Roman. Man kann die angespannte Atmosphäre im damaligen Berlin, kurz vor dem Bau der Mauer, förmlich spüren. Die Geheimdienste scheinen ihre Augen und Ohren überall zu haben. Man weiß deshalb beim Lesen nicht, wem man eigentlich vertrauen oder glauben kann. Die Charaktere wirken unglaublich lebendig. Man hat sie vor Augen und fiebert mit jedem einzelnen Protagonisten mit. Deshalb gerät man früh in den Sog der Ereignisse. Dieser Roman ist nicht nur spannend, sondern regt außerdem zum Nachdenken und Erinnern an. 

Ein wundervoller Roman, der durch lebendige Charaktere und eine authentische Hintergrundkulisse überzeugt. Einmal angefangen, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Konnte mich leider nicht überzeugen

Eine Frau bei 1000°
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Die 80-jährige Herbjörg Maria Björnsson ist aus dem Altersheim getürmt und verbringt die letzten Tage ihres Lebens in einer Garage. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, denn Herbjörg ist vom Krebs zerfressen. ...

Die 80-jährige Herbjörg Maria Björnsson ist aus dem Altersheim getürmt und verbringt die letzten Tage ihres Lebens in einer Garage. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, denn Herbjörg ist vom Krebs zerfressen. Sie wird vom Pflegedienst betreut und vertreibt sich ihre verbliebene Zeit im Internet. Dabei verdreht sie mit gefakten Profilen Männern den Kopf oder spioniert ihrer Familie hinterher. Außerdem bucht sie schon einmal den Termin für ihre eigene Einäscherung. Dann beginnt sie, in Gesellschaft einer alten Handgranate, ihr Leben Revue passieren zu lassen...

Herbjörg Maria Björnssons Geschichte wird in der Ich-Form erzählt. Dabei stellt man sich allerdings keinen Moment vor, am Bett einer alten, netten Dame zu sitzen und ihren Erinnerungen zu lauschen. Denn Herbjörg stellt von Anfang an klar, dass die keine nette alte Dame ist. Zu erzählen hat sie allerdings viel, denn Herbjörg hat einiges erlebt. Der Zweite Weltkrieg hat ihr Leben entscheidend geprägt. Und so springt sie bei ihrer Erzählung durch Zeiten und Länder. Manchmal kann man ihr nur schwer folgen, denn einen roten Faden, der durch die Handlung führt, sucht man leider vergeblich. Sie spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Dabei hat man manchmal das Gefühl, dass ein Mann diese Geschichte erzählt, denn Herbjörgs Ausdrucksweise ist oft derb und wenig damenhaft. 

Gerade die Aussicht, dass eine grantige alte Frau, die mit einer Handgranate in einer Garage lebt und sogar den Termin ihrer eigenen Einäscherung selbst vereinbart, unverblümt aus dem Nähkästchen des Lebens plaudert und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, hat mich an diesem Buch gereizt. Denn ich habe vor einigen Jahren "Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen" von Hallgrimur Helgason gelesen und war von dem tiefschwarzen Humor, mit dem der Profikiller Toxic durch die Geschichte führt, begeistert. Das, zumindest in ähnlicher Form, hatte ich mir von Herbjörgs Schilderungen auch erhofft.

Meine Erwartungen wurden allerdings nur bedingt erfüllt, denn leider wurde ich mit der Hauptprotagonistin überhaupt nicht warm. Deshalb habe ich ihre Erzählung auch eher distanziert betrachtet. Der Schreibstil konnte mich bei diesem Buch leider auch nicht überzeugen. Die Geschichte wirkte auf mich viel zu sprunghaft und ausschweifend erzählt, um mich fesseln zu können. Obwohl Herbjörg wirklich viel erlebt hat, habe ich schon bald das Interesse verloren. Ich habe zwar bis zum Schluss durchgehalten, da ich immer die Hoffnung hatte, dass mich dieses Buch noch "packt", doch diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. 

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Faszinierender Auftakt

Water Rising (Band 1) - Flucht in die Tiefe
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Nach einer verheerenden Naturkatastrophe steht die Welt unter Wasser. Die 16-jährige Leyla kennt nur dieses Leben. Als ihr Vater verhaftet wird, glaubt Leyla an einen schrecklichen Irrtum. Sie nimmt Kontakt ...

Nach einer verheerenden Naturkatastrophe steht die Welt unter Wasser. Die 16-jährige Leyla kennt nur dieses Leben. Als ihr Vater verhaftet wird, glaubt Leyla an einen schrecklichen Irrtum. Sie nimmt Kontakt zu Anwälten auf und versucht dem Vater auf diesem Weg zu helfen. Doch die Regierung blockt alle Versuche ab. Schließlich bleibt Leyla keine andere Wahl, als sich selbst auf die Suche nach ihrem Vater zu machen. Dabei kommt sie einer unfassbaren Verschwörung auf die Spur...

"Flucht in die Tiefe" ist der Auftaktband der Water-Rising-Dilogie. Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht der Hauptprotagonistin Leyla, geschildert. Die dystopische Welt, die in diesem Buch die Hintergrundkulisse bildet, unterscheidet sich deutlich vom Leben in der heutigen Zeit. Der Gedanke, dass wirklich alles überflutet ist und dass sich das gesamte Leben unter Wasser abspielt ist gewöhnungsbedürftig. Deshalb braucht man auch einen Moment, um sich in dieser Welt zu orientieren. 

Der Einstieg in die Handlung verläuft deshalb zunächst etwas gemächlich. Die Unterwasserwelt wird allerdings so faszinierend beschrieben, dass man, im wahrsten Sinne des Wortes, mühelos in die Geschichte eintauchen kann. Leyla ist eine sympathische Hauptprotagonistin. Durch die gewählte Erzählperspektive kann man ihre Gedanken und Gefühle hautnah miterleben und spürt deshalb von Anfang an, dass Leylas Vater die wichtigste Rolle in ihrem Leben spielt. Ihr Entschluss, ihn um jeden Preis zu befreien, ist deshalb nachvollziehbar. 

Als Leyla schließlich aufbricht, um ihren Vater zu suchen, steigt die Spannung stetig an. Eine abenteuerliche Reise, bei der es einige Überraschungen gibt, beginnt. Man gerät förmlich in den Sog der Ereignisse und mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Das Finale ist unglaublich spannend und endet mit einem Cliffhanger, der dafür sorgt, dass man es kaum erwarten kann, die Fortsetzung zu lesen. 

Ein faszinierender Auftakt, der dafür sorgt, dass man am liebsten sofort weiterlesen möchte!

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Veröffentlicht am 11.07.2021

Konnte mich leider nicht ganz überzeugen

Der Zwillingscode
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München, im Jahre 2058: Der Sozialpunktestand ist für die Menschen, die in dieser Zukunft leben, entscheidend. Vincent ist 17 Jahre alt, doch mit seinem niedrigen Doppel-C-Stand ist für ihn nicht an ein ...

München, im Jahre 2058: Der Sozialpunktestand ist für die Menschen, die in dieser Zukunft leben, entscheidend. Vincent ist 17 Jahre alt, doch mit seinem niedrigen Doppel-C-Stand ist für ihn nicht an ein Studium oder eine gut bezahlte Arbeitsstelle zu denken. Deshalb hält er sich mühsam damit über Wasser, illegal mechanische Haustiere der Firma Copypet zu reparieren. Als eine alte Frau ihm eines Tages eine Katze bringt, gerät Vincents Leben aus den Fugen...

In dieser Dystopie nimmt die KI entscheidenden Raum ein. Beinahe unbemerkt scheint sie die Kontrolle über die realen Lebewesen übernommen zu haben. Der Sozialpunktestand ist für die Bewohner immens wichtig, denn er entscheidet über ihr gesamtes Leben. 

Der flüssige Schreibstil sorgt für einen schnellen Start ins Buch. Man wird sofort mitten ins Geschehen geworfen und lernt Vincent und seine Sorgen kennen. Dabei fehlen einem allerdings die Hintergrundinformationen zu Vincents Welt, wodurch man zunächst alles als gegeben hinnimmt und  gespannt abwartet, wohin die Geschichte steuern wird.

Der Plot ist interessant und dadurch entwickelt sich die Story schon bald rasant weiter. Leider bleiben dabei die Charaktere ein wenig auf der Strecke, denn sie wirken eher blass und beliebig austauschbar. Man beobachtet sie deshalb eher distanziert. Dennoch bleibt die Geschichte, nachdem sie Fahrt aufgenommen hat, durchgehend spannend. Durch den flüssigen Schreibstil fliegt man förmlich durch die Seiten und beobachtet den Kampf gegen die KI fasziniert. Das Ganze gipfelt in einem rasanten Finale, das zum Nachdenken anregt. 

Obwohl ich das Buch quasi in einem Rutsch verschlungen habe, konnte es mich leider nicht ganz überzeugen. Denn die Charaktere wirkten auf mich zu blass. Ich konnte deshalb, trotz der spannenden Story, nicht richtig mit ihnen mitfiebern. Deshalb vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch "nur" drei von fünf möglichen Sternchen. 

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