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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2019

Berührt und regt zum Nachdenken an

Das Weihnachtswunder von Hope Street
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Ruth Ryans ist in ihrer Stadt schon fast eine kleine Berühmtheit, denn sie führt eine äußerst erfolgreiche Kolumne, in der sie Menschen berät. Der erfolgreiche Job, die Anerkennung, ständige Einladungen ...

Ruth Ryans ist in ihrer Stadt schon fast eine kleine Berühmtheit, denn sie führt eine äußerst erfolgreiche Kolumne, in der sie Menschen berät. Der erfolgreiche Job, die Anerkennung, ständige Einladungen zu Partys, ein Haufen Leute, die sich um sie scharen und ein wunderschönes Haus, wecken den Anschein, dass Ruths Leben einfach perfekt ist. Doch hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. Ruth ist verzweifelt, da der Todestag ihres geliebten Vaters sich zum ersten Mal jährt. Sie droht in ein ganz tiefes Loch zu fallen und würde Weihnachten in diesem Jahr deshalb am liebsten ganz ausfallen lassen. Doch dann erfährt sie, wie sie im Jahr zuvor ein Leben verändert hat und beschließt, in diesem Jahr Weihnachten mit fremden Menschen zu feiern, die einsam und verzweifelt sind.....

Der Einstieg in diesen weihnachtlichen Roman gelingt mühelos, denn die Autorin versteht es hervorragend, Ruths Geschichte vom ersten Moment an so authentisch zu erzählen, dass man sofort mitten im Geschehen ist. Da das Ganze aus der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Ruth, betrachtet wird, erlebt man ihre Gefühle hautnah und bekommt dadurch einen ungeschminkten Blick hinter Ruths Fassade. Dabei stellt sich schnell heraus, dass Ruth sich lieber mit den Problemen fremder Leute befasst und versucht, ihnen zu helfen, als ihre eigenen in den Griff zu bekommen. Ruth ist ein herzensguter Mensch, der sehr sympathisch wirkt und deshalb beobachtet man das Geschehen von Anfang an mit großem Interesse.

Die Geschichte liest sich wunderbar leicht. Man kann sich sowohl die Protagonisten, als auch die Handlungsorte lebhaft vorstellen und deshalb ganz in den weihnachtlichen Roman eintauchen. Es gelingt der Autorin dabei mühelos, die Atmosphäre, die zwischen den Zeilen schwebt, den jeweiligen Szenen anzupassen. Dadurch kann man in die Gefühle eintauchen und die Einsamkeit, Trauer und Hoffnungslosigkeit, von denen manche Protagonisten schier erdrückt werden, nachvollziehen. Es gibt aber auch schöne Momente, in denen man unverhofft schmunzeln kann oder gemeinsam mit den Protagonisten Hoffnung, Nächstenliebe, pure Freude und grenzenlose Dankbarkeit verspürt. Dieser Roman berührt und regt ganz nebenbei zum Nachdenken an. Damit bietet er viel mehr, als ein ganz normaler romantischer Winterroman. Liebe und Romantik kommen keinesfalls zu kurz, drängen sich aber nicht zu sehr in den Vordergrund. Zugegebenermaßen wirken manche Ereignisse etwas klischeehaft und schon fast zu dick aufgetragen. Doch insgesamt gesehen kann man darüber großzügig hinwegsehen, sich zurücklehnen und die Lesestunden einfach genießen.

"Das Weihnachtswunder von Hope Street" ist ein Weihnachtsroman, der wundervoll geschrieben ist, einem die wirklich wichtigen Dinge des Lebens in Erinnerung ruft und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Spannende Cold-Case-Ermittlungen

Wisting und der Tag der Vermissten
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Katharina Haugen ist seit 24 Jahren spurlos verschwunden. Dieser ungeklärte Fall lässt Kommissar William Wisting keine Ruhe. Deshalb wälzt er immer wieder die Ermittlungsakten und hofft darauf, dass ihm ...

Katharina Haugen ist seit 24 Jahren spurlos verschwunden. Dieser ungeklärte Fall lässt Kommissar William Wisting keine Ruhe. Deshalb wälzt er immer wieder die Ermittlungsakten und hofft darauf, dass ihm irgendetwas auffällt, was zur Lösung des Falls beitragen könnte. In all den Jahren ist es zu einem festen Ritual geworden, dass Wisting sich am Tag von Katharinas Verschwinden mit ihrem Ehemann Martin, der damals zunächst als Hauptverdächtiger galt, trifft. In diesem Jahr steht Wisting allerdings vor verschlossener Tür. Martin ist nicht da. Das kommt Wisting merkwürdig vor. Als dann noch Wistings Osloer Kollege Adrian Stiller anreist, weil er in einem weiteren Cold Case auf Martin Haugens Fingerabdrücke gestoßen ist, gerät Bewegung in den alten Fall....

Die Krimi-Reihe um Kommissar William Wisting gibt es bereits seit über 10 Jahren. "Wisting und der Tag der Vermissten" ist allerdings der erste Band der Wisting-Reihe, der zur Cold-Case-Serie gehört. Deshalb kann man diesen Krimi auch dann problemlos lesen, wenn man noch keinen anderen Band der Reihe gelesen hat. Man wird hier nach und nach mit dem Hauptprotagonisten und seinem Umfeld vertraut gemacht, sodass man nicht das Gefühl hat, dass wichtige Vorkenntnisse fehlen.

Der Einstieg in diesen Krimi gelingt deshalb mühelos, denn das Interesse an dem alten Fall wird sofort geweckt. Die Handlung wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, was dafür sorgt, dass das Tempo manchmal eher gemächlich wirkt, dann aber plötzlich wieder steigt. Dadurch kann man sich ganz auf das Gelesene einlassen und gerät bereits früh in den Sog der Ereignisse. Auch wenn die Ermittlungen manchmal etwas gemächlich voranschreiten, versteht Jørn Lier Horst es trotzdem, so fesselnd zu erzählen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Da es stellenweise recht kurze Kapitel gibt, unterstützen diese die Sogwirkung zusätzlich.

Die Protagonisten wirken sehr lebendig, sodass man das Geschehen lebhaft nachvollziehen und sich mit ihnen identifizieren kann. Da die Handlungsorte ebenfalls so authentisch beschrieben werden, dass man sie mühelos vor Augen hat, fällt es leicht, sich auf die Ermittlungen in diesem alten Fall einzulassen. Es liegt ja in der Natur der Dinge, dass ein Cold Case nicht so spannend sein kann, wie ein brandaktueller Fall. Doch das, was hier an Spannung geboten wird, da man gemeinsam mit Wisting und seinem Team ermitteln kann, ist einfach enorm. Auch wenn man ahnt, was sich damals zugetragen haben könnte, kann man sich doch nicht sicher sein und beobachtet deshalb fasziniert, wie die ersten Puzzleteilchen an die richtigen Stellen fallen.

Ein spannender Fall, den man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen mag. Hier kommen Krimifans voll auf ihre Kosten!

Veröffentlicht am 23.10.2019

Überraschende Fortsetzung

Postscript - Was ich dir noch sagen möchte
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Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen, seit Hollys Ehemann Gerry viel zu früh an Krebs verstarb und ihr, als Zeichen seiner Liebe, wunderbare Briefe hinterließ, mit denen sie Stück für Stück ihre Trauer ...

Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen, seit Hollys Ehemann Gerry viel zu früh an Krebs verstarb und ihr, als Zeichen seiner Liebe, wunderbare Briefe hinterließ, mit denen sie Stück für Stück ihre Trauer verarbeiten konnte. Inzwischen scheint ihr dies gelungen zu sein. Denn Holly hat sich ein neues Leben aufgebaut. Als sie sich von ihrer Schwester dazu überreden lässt, in einem Podcast zum Thema "Tod" mitzuwirken und über ihre damalige Situation und die Rolle, die Gerrys Briefe beim Umgang mit der unermesslichen Trauer gespielt haben, zu sprechen, ahnt Holly nicht, was dieser Podcast auslösen wird. Denn plötzlich wird sie von einem Club angesprochen, der aus Menschen besteht, die unheilbar krank sind und die Gerrys Idee für ihre Hinterbliebenen gerne aufgreifen würden. Sie hoffen darauf, dass Holly ihnen helfen wird, individuelle Botschaften zu verfassen. Doch will und kann Holly das überhaupt?


"Postscript - Was ich dir noch sagen wollte" ist die Fortsetzung von "P.S. Ich liebe dich". Man kann diesen Folgeband allerdings auch dann problemlos lesen, wenn man den ersten Teil nicht kennt. Denn wichtige Hintergrundinformationen aus dem Vorgänger werden in die Handlung eingeflochten. Diese sind auch dann hilfreich, wenn es schon eine Weile her ist, dass man "P.S. Ich liebe dich" gelesen hat.


Die Handlung wird in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Holly, geschildert. Dadurch kann man ganz in ihre Gedanken und Gefühle eintauchen. Cecelia Ahern hat einen wundervollen Schreibstil, denn sie versteht es nicht nur hervorragend, ihren Protagonisten Leben einzuhauchen, sondern schafft es außerdem mühelos, sie tiefsinnige Gespräche führen zu lassen, die mitten ins Herz treffen und zum Nachdenken anregen. Man kann ganz in die Handlung eintauchen und alles auf sich wirken lassen.


Holly hat sich weiterentwickelt. Sie ist nicht mehr die Frau, die im ersten Teil die Herzen der Leser berührt hat. Doch diese Weiterentwicklung wirkt äußerst glaubhaft, denn Gerrys Tod ist mittlerweile sieben Jahre her. Holly wirkt sehr sympathisch und es ist schön zu sehen, dass sie ihr Leben wieder im Griff zu haben scheint. Die Idee, nun wieder von ihr zu lesen, ist wirklich interessant. Doch leider hapert es am Anfang ein wenig an der Umsetzung. Denn das, was man von Holly erfährt, ist zwar interessant und durchaus flüssig zu lesen. Doch es ist etwa bis zur Hälfte der Erzählung nicht so emotional wie der erste Band. Denn man hat zunächst das Gefühl, dass nichts richtig voran geht und man auf der Stelle tritt. Dabei kann man Hollys Gefühle zwar meistens nachvollziehen, allerdings gehen sie einem nicht richtig nah. Man beobachtet das Ganze eher distanziert. In der zweiten Hälfte ändert sich das dann allerdings komplett. Hier gelingt es Cecelia Ahern wieder hervorragend, die Gefühle so zu vermitteln, dass sie mitten ins Herz treffen und tief berühren.

Veröffentlicht am 08.10.2019

Durchgehend spannend und kaum vorhersehbar!

Helle und die kalte Hand
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Helle Jespers leitet die Polizeistation in Skagen. Die Anzahl der Kollegen ist überschaubar und auch sonst geht es am nördlichsten Zipfel Dänemarks eher beschaulich zu. Das ändert sich allerdings abrupt, ...

Helle Jespers leitet die Polizeistation in Skagen. Die Anzahl der Kollegen ist überschaubar und auch sonst geht es am nördlichsten Zipfel Dänemarks eher beschaulich zu. Das ändert sich allerdings abrupt, als in der Nähe der beliebten Wanderdüne Rabjerg Mile eine verschüttete Frauenleiche gefunden wird. Es scheint sich um eine Asiatin zu handeln, doch mehr lässt sich zunächst nicht herausfinden. Denn niemand kennt die Frau. Deshalb liegt der Verdacht nah, dass sie illegal im Land war. Doch Helle gibt nicht auf, sie setzt alles daran, mehr über die Frau und die qualvollen Umstände ihres Todes zu erfahren....

"Helle und die kalte Hand" ist nach "Helle und der Tote im Tivoli" der zweite Fall für die sympathische Kommissarin Helle Jespers aus Skagen. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man dem aktuellen Geschehen auch dann problemlos folgen, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Es wird zwar immer mal wieder kurz Bezug auf die damaligen Ereignisse genommen, doch dabei wird nicht zu viel verraten. Man kann den ersten Fall also auch nach der Lektüre des zweiten Bandes lesen, ohne sich die Spannung zu verderben.

Der Einstieg in diesen Krimi gelingt mühelos, denn die Autorin versteht es von Anfang an, das Interesse an der Handlung zu wecken. Diese wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Zunächst ahnt man nicht, wie sich diese Stränge miteinander verknüpfen werden, doch nach und nach läuft alles schlüssig zusammen. Die Ermittlungen sind durchgehend interessant. Man stellt beim Lesen eigene Vermutungen an und hofft, den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Dabei gibt es einige Wendungen, die dafür sorgen, dass der Krimi nicht so leicht zu durchschauen ist. Dadurch fiebert man mit und gerät früh in den Sog der Ereignisse.

Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Judith Arendt beschreibt Handlungsorte und Protagonisten so lebendig, dass man beinahe meint, selbst vor Ort zu sein und die Ermittlungen zu beobachten. Helle Jespers wirkt sehr sympathisch und bodenständig. Es macht einfach Spaß, sie und ihre Kollegen zu beobachten und die spannenden Ermittlungen zu verfolgen.

Ich habe bereits den ersten Fall mit Begeisterung gelesen und auch dieser Band konnte mich wieder durch lebendige Charaktere, authentisch beschriebene Handlungsorte und einen durchgehend spannenden Fall überzeugen. Ich hoffe deshalb sehr, dass Helle Jespers bald wieder ermitteln wird und werde ihr auf jeden Fall die Treue halten.

Veröffentlicht am 07.10.2019

Spannender Pageturner!

Die Gaben des Todes
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Der kleinen Tochter von Oberkommissarin Marie Winter geht es immer schlechter. Sie liegt im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben. Ausgerechnet jetzt bekommt Marie Winter einen rätselhaften Fall zugeteilt. ...

Der kleinen Tochter von Oberkommissarin Marie Winter geht es immer schlechter. Sie liegt im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben. Ausgerechnet jetzt bekommt Marie Winter einen rätselhaften Fall zugeteilt. In einer Schaufensterauslage wird die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Der Mörder will offensichtlich ein perfides Spiel mit den Ermittlern treiben, denn er fordert Marie Winter dazu auf, den exzentrischen BKA-Hauptkommissar Daniel Parkov hinzuzuziehen. Der Killer kennt keine Skrupel und scheint den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.....

"Die Gaben des Todes" ist der Auftakt der Thriller-Reihe mit den Ermittlern Marie Winter und Daniel Parkov. Ohne langatmiges Vorgeplänkel befindet man sich von Anfang an mitten im Geschehen und beobachtet im Prolog eine Szene, die sofort für ein mulmiges Gefühl sorgt. Das Interesse an der Handlung wird dadurch unmittelbar geweckt.

Das Ermittlerteam, das sich in diesem Auftaktband erst kennenlernt, ist zwar ungewöhnlich, doch es wirkt vom ersten Moment an sympathisch. Daniel Parkov erinnert ein wenig an James Bond. Das mag zwar ein wenig übertrieben wirken, doch es passt einfach gut zu dieser Figur. Marie Winter ist eine wirklich hartnäckige Ermittlerin, die sich, trotz der Warnungen ihrer Kollegen, auf die eigenwilligen Methoden von Daniel Parkov einlässt. Beide Hauptprotagonisten haben nicht nur Ecken und Kanten, sondern, jeder für sich, einschneidende Erlebnisse in der Vergangenheit erlitten, die ihnen noch nachgehen. Das alles lässt diese Protagonisten lebendig wirken, sodass man gerne mit ihnen ermittelt und dabei richtig mitfiebern kann.

Der Fall ist äußerst rätselhaft und nicht so leicht zu durchschauen. Es gelingt Martin Krüger hervorragend, falsche Spuren auszulegen, denen man nur allzu bereitwillig folgt, um dann schließlich festzustellen, dass es sich um eine Sackgasse handelt. Hier ist zunächst nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Spannung ist von Anfang an spürbar und kann sich im Verlauf der Handlung sogar noch steigern. Dadurch entwickelt sich das Buch bereits früh zu einem Pageturner, den man nur ungern aus der Hand legen mag. Allzu zartbesaitet sollte man beim Lesen allerdings nicht sein, da der Autor auch brutale Szenen so lebendig beschreibt, dass man alles lebhaft vor Augen hat.

Krimis und Thriller sind ja meine absoluten Favoriten und bei diesem Exemplar habe ich mich ausgesprochen gut und spannend unterhalten. Bereits nach kurzer Zeit geriet ich in den Sog der Handlung und mochte das Buch erst aus der Hand legen, als ich am Ende angekommen war. Ich werde diese Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen.