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Veröffentlicht am 17.03.2025

Für Vegetarier oder Veganer leider nur bedingt geeignet, eher etwas für Mischköstler

Anti-Heißhunger
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In diesem kleinen Kochbuch von Matthias Riedl geht es darum, Blutzuckerspitzen und damit Heißhunger zu vermeiden. Die Rezepte sind in drei Kategorien eingeteilt: Vegetarisch, Fisch & Meeresfrüchte, Geflügel ...

In diesem kleinen Kochbuch von Matthias Riedl geht es darum, Blutzuckerspitzen und damit Heißhunger zu vermeiden. Die Rezepte sind in drei Kategorien eingeteilt: Vegetarisch, Fisch & Meeresfrüchte, Geflügel & Fleisch. Davon sind 15 Rezepte vegetarisch, 6 mit Fisch und 8 mit Fleisch. Da ich kein Fleisch esse und Milchprodukte nicht vertrage, mittlerweile auch nicht mehr mag, kann ich nur eine kleine Auswahl der Gerichte ausprobieren. Bei einigen Rezepten kann ich Zutaten gut austauschen, so beispielsweise bei der Kohlrabi-Lasagne. Statt Rinderhackfleisch kann ich das Gericht mit Soyahack zubereiten, und auch einige Milchprodukte lassen sich gut austauschen. Hauptsächlich von den vegetarischen Gerichten sprechen mich einige an. Den Hirse-Kokos-Brei mit Orange kann ich gut so zubereiten, statt Skyr nehme ich hier eine vegane Alternative. Auch die Auberginen-Pilz-Schnitten klingen gut, hier muss ich nur für Quark eine andere Lösung finden und den Feta gegen eine vegane Variante austauschen. Leider ist nur ein einziges veganes Gericht dabei, das sind die asiatischen Linsen-Pfannkuchen. Allerdings mag ich keinen Koriander, und bei diesem Gericht wird sowohl mit gemahlenem Koriander als auch mit Koriandergrün gearbeitet. Ich werde es wohl mal ohne Koriander ausprobieren und hoffen, dass es dann schmeckt. Besonders gut gefallen mir die Quinoa-Bowl mit Ofenkürbis und die Ofenchampignons mit Räuchertofu. Auch hier muss ich jeweils Zutaten austauschen, aber es hält sich in Grenzen. Ich muss gestehen, wenn in einem Gericht zwei bis drei verschiedene Milchprodukte und dann noch Eier verwendet werden, dann lasse ich lieber ganz die Finger von diesen Rezepten, denn das Endergebnis hat nur noch wenig mit dem Original-Gericht zu tun.
Für Menschen, die sich mischköstlich ernähren und keine Verträglichkeits-Probleme haben, ist dieses Büchlein jedoch durchaus gut geeignet, denn dann ist die Auswahl doch gut, zum Beispiel Sesam-Zander mit Spinatnudeln, Lachsgratin mit Rosenkohl, Rotbarsch mit Pfifferlingen oder Hähnchen-Gemüseauflauf. Alle Gerichte sind für zwei Personen gerechnet, und die Nährwerte sowie die Zubereitungs-Dauer sind immer angegeben, wobei die Nährwerte natürlich nur stimmen, wenn man die angegebenen Zutaten verwendet. Recht hilfreich finde ich die Eiweiß-Tabelle hinten im Buch, so dass man sich auch bei anderen Gerichten gut ausrechnen kann, ob man genügend Eiweiß bekommt, denn gerade die gute Versorgung mit Proteinen ist eine wirksame Maßnahme gegen Heißhunger.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Wenn Betrüger zu Betrogenen werden...

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Juno ist Performancekünstlerin. Im Alltag kümmert sie sich um ihren Mann Jupiter, der schwer an MS erkrankt ist. Ihre Nächte sind schlaflos, und sie verbringt die Zeit, indem sie im Internet mit Love-Scammern ...

Juno ist Performancekünstlerin. Im Alltag kümmert sie sich um ihren Mann Jupiter, der schwer an MS erkrankt ist. Ihre Nächte sind schlaflos, und sie verbringt die Zeit, indem sie im Internet mit Love-Scammern chattet. Allerdings durchschaut sie die Masche der Betrüger und erzählt ihnen alle möglichen Geschichten über sich. Dabei lügt sie das Blaue vom Himmel herunter. Als sie von Benu angeschrieben wird und ihm ebenfalls eine ihrer verrückten Geschichten auftischt, durchschaut er sie. So sind zwei Betrogene gleichzeitig Betrüger. Nun können sie mit offenen Karten spielen und ihr wahres Gesicht zeigen. In diversen Videochats zeigt ihr Benu seine reale Umgebung. Er lebt in Nigeria, und Juno beginnt, sich für das Land und die Situation der Menschen dort zu interessieren. Sie liest immer mehr Bücher über Nigeria, und die Videochats werden immer vertrauter. Und doch spielt Juno eine Rolle.
Ihrem Mann Jupiter erzählt sie nichts von ihren nächtlichen Chats. So ganz habe ich die Beziehung der beiden nicht verstanden, denn Jupiter bleibt für mich in der ganzen Erzählung eher verschwommen. Man erfährt, dass er ein Pflegebett zuhause hat und unterwegs auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Aus Juno bin ich nicht schlau geworden. Sie stellt sich den Kämpfen des Alltags. Da geht es um Geld, von dem immer zu wenig vorhanden ist, um Transporthilfen für ihren Mann, die sie organisieren muss und darum, wie sie ihm kleine Wünsche erfüllen möchte, was seine Essensvorlieben betrifft. Ihre wahre Leidenschaft gehört dem Tanzen, und manchmal fährt sie in die Berge, in ihre Heimat, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Juno ist anders, und ich habe den Eindruck, sie möchte gerne mit ihrem Aussehen provozieren. Sie hat einen außergewöhnlichen Kleidungsstil, auf ihre langen, schlanken Beine scheint sie stolz zu sein, denn diese finden mehrfach Erwähnung, und sie beginnt, sich Tattoos stechen zu lassen, wobei sie immer wieder auch mit ihrem Alter kokettiert. Da habe ich ab und zu Zweifel herausgehört, ob sich ihr Verhalten für ihr Alter noch schickt. Andererseits hat sie dann auch oft trotzig reagiert. Irgendwie passt das gar nicht zu ihr, diese Zweifel und dass sie sich von der Meinung anderer abhängig macht. Zwischendurch hat Juno auch ganz banale Träume oder freut sich an den kleinen Dingen des Lebens, so zum Beispiel, wenn sie zusammen mit Jupiter eine kleine Wildbiene beobachtet, die in das Insektenhotel vor dem Fenster eingezogen ist oder wenn sie sich vorstellt, einen Hund zu haben.
Stellenweise hatte ich ein Problem, Junos Chats mit Benu zu folgen. Die Antworten der beiden werden abgesetzt und zum Teil eingerückt gedruckt. Da jedoch nie der Name voransteht, konnte ich manchmal nicht wirklich zuordnen, wer nun welche Bemerkung gemacht hat. Vielleicht ist das im gedruckten Buch besser ersichtlich, im eBook waren gerade die Chat-Passagen eher verwirrend und abgehackt.
So richtig klar war mir auch die Situation mit Jupiter nicht, denn einerseits musste Juno immer zur Stelle sein, für ihn einkaufen, ihn begleiten, und wenn ich das richtig verstanden habe, bekam das Paar auch Pflegegeld. Andererseits lässt Juno ihren Mann dann tagelang allein, wenn sie in die Berge fährt, was ja eine gewisse Selbständigkeit seinerseits voraussetzt.
Der Roman hat einige Preise bekommen, so auch den Deutschen Buchpreis 2024 als bester Roman des Jahres. Ich persönlich bin hier etwas zwiegespalten. Der Schreibstil der Autorin ist schön und tiefgründig, und ich habe das Buch gerne gelesen und mit Faszination verfolgt. Es werden viele Themen angerissen, die zum Nachdenken anregen, so zum Beispiel Kolonialismus aber auch die Gefahr durch Betrüger im Internet. Aber vieles bleibt offen, und von der Handlung her hat mich der Roman nicht ganz überzeugen können, da hat mir irgendwie ein "roter Faden" gefehlt.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Amüsant und immer auch ein klein wenig spitzfindig

Miss Merkel: Mord in der Therapie
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Die Altkanzlerin ist niedergeschlagen und mit sich unzufrieden, denn immer wieder gehen ihr Ereignisse aus der Zeit ihrer Regentschaft durch den Kopf, die sie, im Nachhinein betrachtet, nicht zufriedenstellend ...

Die Altkanzlerin ist niedergeschlagen und mit sich unzufrieden, denn immer wieder gehen ihr Ereignisse aus der Zeit ihrer Regentschaft durch den Kopf, die sie, im Nachhinein betrachtet, nicht zufriedenstellend lösen konnte. Ihr Mann und ihre Freunde raten ihr daher zu einer Therapie. Als sie zu ihrem ersten (und zugleich letzten) Termin bei Dr. Felix Fenstermacher erscheint, stellt sie zu ihrem Schrecken fest, dass es sich um eine Gruppentherapie handelt. Mit in der Gruppe sind eine Klimaaktivistin, ein Wutbürger, eine Katzenliebhaberin, eine Frau mit einer Virenphobie und ein Pantomime. Kurz nach der ersten Sitzung kommt der Therapeut bei einem Anschlag ums Leben; er wird samt seines Hausboots in die Luft gesprengt. So schnell wie die Therapie begonnen hat, endet sie auch wieder, aber dafür gibt es einen neuen Kriminalfall in Klein-Freudenstadt, um den sich Angela kümmern kann, und das tut sie wieder mit vollem Elan.

Von den ersten beiden Bänden der humorvollen Krimireihe um Miss Merkel habe ich die Verfilmungen gesehen, die mir recht gut gefallen haben, Band 3 kenne ich überhaupt nicht, und den vierten Band habe ich nun gelesen. Zwar bauen die Bände im Zeitablauf aufeinander auf, aber ich habe mich problemlos in der Handlung zurecht gefunden. Wichtige Details zur Vorgeschichte werden kurz erwähnt, und die grundlegende Situation hatte ich ja durch die beiden Filme bereits kennengelernt.

Die Charaktere, sowohl in Angelas privatem Umfeld als auch bei ihrer Therapie sind sehr verschieden und meist ziemlich überspitzt dargestellt, und es werden häufig Klischees bedient, die m. E. zum Teil etwas plump wirken. Bei Miss Merkel hatte ich weniger unsere Altkanzlerin vor Augen, sondern ich habe eher Katharina Thalbach vor mir gesehen, die Miss Merkels Rolle ja in den Filmen inne hat. Viele der Aktionen möchten auch so gar nicht zur ehemaligen Kanzlerin passen. Nur häufige Hinweise auf ihre Regierungszeit haben mir immer vor Augen geführt, wer für Miss Merkel (wie man ja auch schon am Namen sieht) Pate stand. Der Autor hat auch immer wieder kleine humorige oder spitzfindige Hinweise auf politische Ereignisse in die Geschichte eingefügt. Bei allem was Miss Merkel hier erlebt, wie auch schon in den vorherigen Bänden, habe ich mich gefragt, ob Frau Merkel diese Bücher selbst gelesen hat oder die Filme kennt. Da würde mich schon interessieren, was sie von dieser Darstellung hält. Zwar wurde nicht immer mein Humor getroffen, aber das Buch liest sich durchaus amüsant und kurzweilig. Spontan ging mir durch den Sinn, dass eigentlich alle Charaktere, die hier versammelt sind, eine Therapie bräuchten, wenn auch nicht bei Dr. Fenstermacher, denn das ist ja nicht mehr möglich.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Ein toller kulinarischer und veganer Reiseführer durch Europa, da stimmt einfach alles

The Vegan Taste of Europe
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Dies ist bereits das dritte Buch des Autors. Nach einer Krebserkrankung mit gerade mal 21 Jahren begann er, sein Leben zu überdenken und neu zu ordnen. Seine heutige Sicht auf das Leben ist von großer ...

Dies ist bereits das dritte Buch des Autors. Nach einer Krebserkrankung mit gerade mal 21 Jahren begann er, sein Leben zu überdenken und neu zu ordnen. Seine heutige Sicht auf das Leben ist von großer Klarheit und beruht auf einem tiefen, spirituellen Verständnis. Dem gelernten Koch ist Nachhaltigkeit (nicht nur) beim Kochen sehr wichtig, und er hat hier ein wunderbares Koch- und Reisebuch zusammengestellt. Die Reise führt uns quer durch Europa, und in allen europäischen Ländern hat der Autor Rezepte für vegane Gerichte gesammelt, die ohne exotische Zutaten auskommen, sondern sich auf Regionalität und Einfachheit stützen.
Es beginnt mit einer soliden Vorratsliste der Lebensmittel, die man nach Möglichkeit zu Hause haben sollte. Hier geht es hauptsächlich um Trockenvorräte, Pflanzenöle, Gewürze und eine Grundausstattung an Senf, Tomatenmark, Sirup, Zwiebeln etc.
Es folgen einige gute Tipps und Tricks für den Küchenalltag sowie einige Grundrezepte, die man immer braucht, zum Beispiel für diverse Salat-Dressings und Saucen aber auch für eine vegane Mayonnaise, die ohne Ei super funktioniert und sehr wohlschmeckend ist.
Und dann geht es auch schon los mit unserer kulinarischen Europareise. Sie beginnt in Frankreich, und hier treffen wir auf viele tolle Klassiker, vegan interpretiert, so zum Beispiel Zwiebelsuppe, Ratatouille, Nizzasalat, Elsässer Flammkuchen oder Zwiebelkuchen nach Nizza-Art. Etwas Süßes am Schluss geht immer, und das ist hier eine köstliche Schokoladentarte.
Unsere kulinarische Expedition führt uns weiter nach Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Malta, und für jedes Land gibt es typische Gerichte, die alle eines gemeinsam haben: sie verzichten komplett auf tierische Zutaten.
Die Reise führt uns weiter in den Balkan bis in die Türkei. Auf dieser Wegstrecke gibt es Djuvec-Reispfanne, gefüllte Paprikaschoten und vieles mehr, bis hin zu geschmorten Auberginen oder Pilaw mit Datteln und Rosinen. Osteuropa hat wieder ganz andere Spezialitäten zu bieten, und hier lernen wir Sauerkrautsuppe, Kohlrouladen oder Brotteigtaschen mit Kartoffelfüllung kennen. Als Dessert bieten sich hier süße Kartoffelknödel mit Pflaumen an.
Natürlich darf auch die mitteleuropäische Küche nicht fehlen, da steht zum Beispiel eine Appenzeller Hafer-Lauchsuppe für die Schweiz, in Österreich gibt es unter anderem gebratene Serviettenknödel mit Pilzsauce oder Kartoffelgulasch Wiener Art, und in Deutschland treffen wir auf bayerischen Krautsalat mit Kartoffeln und Joghurtdip oder Kirschenmichel mit Vanillesauce. Und schließlich kommen wir in den Norden Europas, wo wir uns durch Leckereien wie Dänischen Apfelkuchen im Glas, Skandinavische Dillkartoffeln, Cornish Pasties und Shephard's Pie schlemmen können. Auch ein Dessert mit einem so lustigen Namen wie "Trollkrem" aus Norwegen darf probiert werden. Darunter versteht man eine süße Creme mit Preiselbeeren, die ich unbedingt ausprobieren muss, denn ich liebe Preiselbeeren! Salzige Scones mit Apfelchutney aus Schottland beschließen den Rezeptteil.
Dieses Buch ist wirklich ein wahrer Schatz für alle, die gerne Rezepte aus anderen Ländern ausprobieren und dabei vegan kochen möchten. Ich konnte nur einige Gerichte nennen, die mir persönlich besonders ins Auge gefallen sind, aber da gibt es so viel mehr zu entdecken. Das Besondere an diesem Buch ist aber auch, dass es zugleich ein Bildband und Reiseführer ist, denn es überzeugt nicht nur durch vielfältige, tolle Rezepte mit aussagekräftigen Bildern, es besticht auch durch seine schöne Aufmachung, die jeweils landestypischen Aufnahmen und die Beschreibungen dazu. Es ist ein Buch, das ich künftig immer wieder gerne nutzen werde, denn schon das Durchblättern macht viel Freude und das Kochen nach den Rezepten noch viel mehr.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Spannender, historischer Krimi mit düsterer Atmosphäre

Der Herzschlag der Toten
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Die Protagonisten dieses ersten Krimis aus einer neuen Reihe sind Hermann Rieker, der gerade zum Criminalcommissar befördert wurde und für diesen Posten noch erstaunlich jung ist. Das nehmen ihm auch einige ...

Die Protagonisten dieses ersten Krimis aus einer neuen Reihe sind Hermann Rieker, der gerade zum Criminalcommissar befördert wurde und für diesen Posten noch erstaunlich jung ist. Das nehmen ihm auch einige seiner Kollegen übel, und er muss sich ständig mit Behinderungen seiner Arbeit herumschlagen. Nach dem brutalen Mord an einer jungen Frau begegnet Rieker der Tochter des Richters Ahrens, weiß jedoch erst einmal nicht, mit wem er es zu tun hat, denn Johanna gibt nichts über ihre Identität preis. Johanna unterrichtet heimlich im Gängeviertel Frauen, denen eine wahre Chance im Leben bisher verwehrt war, weil sie arm sind. Nun stellt sich heraus, dass es sich bei dem Mordopfer um eine von Johannas Schülerinnen handelt. Johanna ist ein Freigeist und hat eine sozialistische Ader, muss sich aber oft den Wünschen ihrer Frau Mama beugen, die alles daran setzt, einen Ehemann für die einzige Tochter zu finden. So laufen Johannas Aktivitäten heimlich ab, was auch der Grund ist, dass sie sich sehr geheimnisvoll gibt, wenn es um ihre Person geht. Indem sie selbst nach dem Mörder ihrer Schülerin forscht, bringt sich die junge Richterstochter selbst in Gefahr. Auch gerät sie mit Rieker aneinander, da dieser der Meinung ist, sie würde seine Arbeit behindern. Aber immer wieder muss er feststellen, dass Johanna wertvolle Hinweise für ihn hat. Da er von seinem Vorgesetzten zeitlich unter Druck gesetzt wird, prescht er etwas unbedacht vor und verdirbt sich durch seine spontane Aktion die Chance, den Mörder zu fassen. Über Johanna lernt er einen Totenfotografen kennen, dessen Entdeckungen ein völlig neues Licht auf den Mordfall werfen. Es kommt zu einem Showdown, mit dem ich ganz und gar nicht gerechnet hätte. Am Ende gibt es noch einen Cliffhanger, der bereits auf den zweiten Fall von Rieker und Ahrens hinweist. Auch wird ein interessanter und sehr raffinierter Bezug zu anderen Mordfällen dieser Zeit angefügt.

Die Handlung entwickelt sich sehr spannend, und es gibt immer wieder überraschende Wendungen bzw. Ereignisse. Die Kulisse, die der Autor hier von Hamburg im 19. Jahrhundert zeichnet, ist zum Teil sehr düster, vor allem eben die Szenen im Gängeviertel. Die Armut der Menschen dort ist geradezu spürbar und manchmal auch der Auslöser für Verzweiflungstaten. Interessant fand ich auch Riekers Lebensstil und die kurzen Rückblicke auf seine Vergangenheit. Da erfährt man so einiges, das gar nicht zum Bild eines Criminalcommissars passen möchte. Auf jeden Fall ist er ein interessanter, facettenreicher Charakter. Manche seiner Aktionen, die nicht immer das bewirken, was er sich davon erhofft, sind sicher seiner noch sehr jungen Polizeikarriere und damit mangelnder Erfahrung geschuldet.
Johanna, nach außen hin brave Tochter, muss vieles heimlich unternehmen. Sie ist eine beherzte junge Frau, die aber auch oft leichtsinnig handelt und sich damit in Gefahr bringt.
Es gibt noch einen weiteren Charakter, der Faszinierendes offenbart, und das ist der Totenfotograf Jakob Eilers. Man erfährt viel über seine Arbeit, die zur damaligen Zeit sehr gefragt war. Ich habe mir solche Fotografien angesehen und muss sagen, ich finde es etwas gruselig, wie bereits verstorbene Menschen abgelichtet wurden, als würden sie noch leben. Im Buch wird sehr detailliert erzählt, wie ein Totenfotograf damals vorging, um realistische Bilder zu machen. Auch der Titel des Krimis "Der Herzschlag der Toten" hat etwas mit der Arbeit des Fotografen zu tun.
Ich muss gestehen, dass ich zwar fasziniert war, dass mich aber manche Betrachtungen der Mordopfer (ja, es geschieht ein weiterer Mord) schon belastet haben, denn sie sind doch ziemlich blutig und schaurig dargestellt.
An manchen Stellen wurde auch der Zufall für meinen Eindruck zu sehr bemüht, so dass für mich einige Szenen nicht hundertprozentig glaubwürdig erschienen. Aber das konnte meinen Lesefluss und auch die Spannung nicht bremsen, und alles in allem fand ich den Krimi richtig gut.

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