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Veröffentlicht am 07.08.2022

Einfühlsame Darstellung einer Dichterliebe

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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1958 trifft Max Frisch, bekannter deutschsprachiger Nachkriegsautor, auf die Dichterin Ingeborg Bachmann. Schon beim ersten Treffen entsteht eine intensive Liebesbeziehung, die bis 1962 andauert. Im Buch ...

1958 trifft Max Frisch, bekannter deutschsprachiger Nachkriegsautor, auf die Dichterin Ingeborg Bachmann. Schon beim ersten Treffen entsteht eine intensive Liebesbeziehung, die bis 1962 andauert. Im Buch werden beider Sichten deutlich: Die Autorin schildert die Geschichten von Max und Ingeborg im Wechsel. Dafür hat sie zahlreiche Quellen genutzt, die teilweise erst vor kurzen zugänglich wurden. Eine umfangreiche Literaturliste gibt es im Anhang. Die Phasen der Beziehung sind mit „Liebesanflug“, „Liebesflüge“, „Sturzflug“ und „Gebrochene Flügel“ betitelt, die Berichte der Liebenden mit Zeitangaben versehen.

Sehr dicht an Bachmann und Frisch entsteht ein Porträt zweier ungleicher Persönlichkeiten. Beide sind erfolgreich und im Literaturbetrieb etabliert, dennoch leben und arbeiten sie sehr unterschiedlich. Frisch ist als Prosaautor straff durchorganisiert, Bachmann aber bringt mit ihrer Lyrik die Dinge auf den Punkt und muss sich dafür teilweise nächtelang quälen. Für Bachmann kommt hinzu, dass sie als Frau ganz anderen Erwartungen ausgesetzt ist als Frisch, was sie deutlich erkennt und formuliert.

Die Sprache ist flüssig und angenehm zu lesen. Sie ist gespickt mit Zitaten aus Briefen und anderen Texten. Es ist eine ganz besondere Liebe, das spürt man beim Lesen. Das macht auch das Buch zu etwas Besonderem. Was fehlt, sind Fotos, aber anscheinend gibt es keine, auf denen beide zu sehen sind. Doch Liebe macht ohnehin blind, wie Bachmann in „Reigen“ beschreibt. Und die Liebe ist in diesem Buch sehr präsent. Ein Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 31.07.2022

Spannende Unterhaltung für jugendliche Leserinnen

Als das Böse kam
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Die sechzehnjährige Juno lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Boy (12) allein auf einer Insel in einem See. Die Außenwelt ist gefährlich, das haben sie von klein auf gelernt. Niemals verlassen sie ihre ...

Die sechzehnjährige Juno lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Boy (12) allein auf einer Insel in einem See. Die Außenwelt ist gefährlich, das haben sie von klein auf gelernt. Niemals verlassen sie ihre Insel. Sie leben naturverbunden, ohne Fernsehen und Internet. Alles scheint in bester Ordnung, doch die Idylle bröckelt. Juno will mehr wissen. Sie lernt einen jungen Mann von außerhalb kennen und plötzlich wird ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Sie gerät in Lebensgefahr.

Juno ist eine sympathische Heldin, die den Dingen auf den Grund gehen will. Ihre Ideen und Pläne sind nicht immer zielführend und selten erfolgreich, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Das wird schnell sehr spannend. Der Hintergrund ist etwas abstrus, aber nicht unmöglich. Es fließt Blut und es gibt Tote, aber nicht allzuviel für einen so spannenden Thriller. Wegen der jungen Hauptperson ist das Buch für jugendliche Leserinnen besonders interessant.

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Veröffentlicht am 28.07.2022

Belanglos bis zum Tod

Meine verlorene Freundin
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Eine namenlose Ich-Erzählerin lebt mit ihren zwei halbwüchsigen Söhnen in Barcelona. Eines Tages überfällt sie plötzlich eine Kindheitserinnerung. Sie versucht, ihr nachzugehen und trifft Schulfreundinnen ...

Eine namenlose Ich-Erzählerin lebt mit ihren zwei halbwüchsigen Söhnen in Barcelona. Eines Tages überfällt sie plötzlich eine Kindheitserinnerung. Sie versucht, ihr nachzugehen und trifft Schulfreundinnen wieder. Doch alle erinnern sich in anderer Weise an die verstorbene Mitschülerin Gema. Aber eigentlich geht es gar nicht um Gema, sondern um den Tod selbst. Deshalb schildert die Autorin alles, was die Protagonistin erlebt und tut, als oberflächlich und willkürlich. Zum Schluss erhält sie ausführliche Information über Gemas Familie. Plötzlich wird ihr Handeln zielstrebig.

Im Alltag der Erzählerin sind Äußerlichkeiten wichtig. Nicht zufällig ist sie mit einem Schauspieler befreundet. Kleidung, Modegetränke, angemessenes Verhalten bestimmen ihren Alltag. Das liest sich ausgesprochen uninteressant. Die Erzählerin ist uninteressant, ihr Leben plätschert belanglos vor sich hin. Man hat auch nicht den Eindruck, dass sie unter der Oberflächlichkeit ihres Lebens leiden und sich mehr Tiefe wünschen würde. Doch zum Schluss ändert sich etwas. Zum ersten Mal besucht sie aufmerksam eine Beerdigung. Warum?

Nicht überzeugend.

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Veröffentlicht am 22.07.2022

Spannende Unterhaltung und starke Frauen

Tief in den Wäldern
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Die sechzehnjährige Hailey hat ihre Eltern verloren. Ihre Mutter starb vor Jahren an Krebs, ihr Vater vor kurzem bei einem Verkehrsunfall. Nun lebt sie bei Onkel und Tante, und der Onkel benimmt sich mehr ...

Die sechzehnjährige Hailey hat ihre Eltern verloren. Ihre Mutter starb vor Jahren an Krebs, ihr Vater vor kurzem bei einem Verkehrsunfall. Nun lebt sie bei Onkel und Tante, und der Onkel benimmt sich mehr als merkwürdig. Hailey forscht nach und hat schließlich allen Grund, sich bedroht zu fühlen.
In Anlehnung an die wahre Geschichte des „Highway of Tears“ in Kanada erzählt die Autorin aus einem Dorf in den kanadischen Wäldern. Hier leben ganz normale Menschen. Jeder kennt jeden, man hilft einander. An der Tankstelle stoppen LKW-Fahrer, am See campen Jugendliche und Familien. Und irgendwo ist ein Killer unterwegs. Immer wieder sind junge Frauen verschwunden, an dieser Landstraße, in diesen Wäldern.

Gekonnt wird eine Atmosphäre erzeugt, in der jeder verdächtig sein könnte. Die Bedrohung ist ständig gegenwärtig. Doch die Frauen in diesem Buch sind keine Opfer. Sie wollen ihr Leben trotz aller Schwierigkeiten selbst leben, und sie wollen den Killer zur Strecke bringen. Sie entwickeln überraschende Fähigkeiten, gehen Risiken ein und müssen auch ganz schön „einstecken“. Genreübliche Widerwärtigkeiten fehlen ganz.
Damit ist dieser Thriller ausnehmend angenehm zu lesen. Ein spannendes Abenteuer.

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Tee aus Japan

Der Duft der Kirschblüten
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Berlin, 1870: Clara Winterfeld betreibt mit ihren Eltern und Geschwistern ein Teehaus. Neu ist ein grüner Tee aus Japan, das sich allmählich auch der westlichen Welt öffnen will. Die japanische Kultur ...

Berlin, 1870: Clara Winterfeld betreibt mit ihren Eltern und Geschwistern ein Teehaus. Neu ist ein grüner Tee aus Japan, das sich allmählich auch der westlichen Welt öffnen will. Die japanische Kultur und der Japaner, der den Tee vorstellt, wecken Claras Gefühle. Doch Akeno reist wieder ab und Clara kann sich mit ihrem Wunsch, den grünen Tee im Teehaus anzubieten, nicht durchsetzen. Zu exotisch, zu anders.
Das Leben geht weiter. Faktisch ist Clara längst die Geschäftsführerin des Teehauses, doch man erwartet eine Heirat von ihr. Was wird sie tun?

Clara ist eine sympathische Heldin in einer Zeit, in der nur Männer Helden sind. Sie hat ihren eigenen Kopf, möchte aber auch nicht anecken. Es gibt keine Perspektivwechsel; wir lernen Clara und ihre Mitmenschen nur aus ihrer eigenen Sicht kennen. Das und der angenehme, flüssige Stil machen es ausgesprochen leicht zu lesen. Ein unkomplizierter Schmöker ohne allzu tiefe Konflikte. Es gibt eine Fortsetzung.

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