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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2025

Bedrückend-aber sprachlich wunderschön

Unmöglicher Abschied
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Die Künstlerin Inseon kontaktiert eines Tages ihre Freundin Gyeongha und bittet sie, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu fahren. Inseon liegt verletzt im Krankenhaus in Seoul, und ohne die Hilfe von Inseon ...

Die Künstlerin Inseon kontaktiert eines Tages ihre Freundin Gyeongha und bittet sie, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu fahren. Inseon liegt verletzt im Krankenhaus in Seoul, und ohne die Hilfe von Inseon würde ihr kleiner weißer Vogel dort verhungern.

Also macht Gyeongha sich auf den Weg und kämpft sich durch einen verheerenden Schneesturm zum Haus ihrer Freundin. Dort findet sie nicht nur den Vogel, sondern auch die Arbeit, mit der Inseon vor ihrem Unfall beschäftigt war: die Erinnerungen ihrer Mutter an ein sehr dunkles Kapitel koreanischer Geschichte.



Für mich ist „Unmöglicher Abschied“ ein Buch der Gegensätze. Eine wunderschön poetische Sprache trifft auf großes Leid und unfassbare Brutalität. Äußerst bildhaften, detaillierten Beschreibungen folgen nebulöse Sequenzen, bei denen man nicht genau sagen, was real ist und was nicht. Mit ihrer Sprache hat mich Han Kang regelrecht verzaubert, Gyeonghas Weg durch den Schnee zu Inseons Haus ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Über die Gräuel, die sich nach dem zweiten Weltkrieg auf der koreanischen Insel Jeju abgespielt haben zu lesen, ist allerdings schwer auszuhalten. Auch insgesamt strahlt dieser Roman für mich soviel Bedrückendes aus, dass es mir nicht leicht fiel, ihn bis zum Ende zu lesen.

Fazit

„Unmöglicher Abschied“ ist thematisch und literarisch eine Herausforderung, für die es vielleicht den richtigen Zeitpunkt braucht, um sich damit auseinanderzusetzen.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Dieses Buch ist eine große Bereicherung

Kronsnest
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Mit seinem Cover, das einem Landschaftsgemälde nachempfunden ist, kommt „Kronsnest“ zunächst eher schlicht daher. Auch der Inhalt, das Leben auf dem Land in den 1920er Jahren, lässt erst einmal nicht erahnen, ...

Mit seinem Cover, das einem Landschaftsgemälde nachempfunden ist, kommt „Kronsnest“ zunächst eher schlicht daher. Auch der Inhalt, das Leben auf dem Land in den 1920er Jahren, lässt erst einmal nicht erahnen, welche Kraft sich im Innern verbirgt.

Hannes wird schon früh in die Arbeit auf dem elterlichen Hof in Schleswig Holstein miteinbezogen. Doch es sind nicht die körperlichen Aufgaben, die es ihm schwer machen, sondern die unberechenbaren Wutanfälle seines Vaters. Schweigsam erträgt Hannes die Demütigungen, flüchtet sich stattdessen in Bücher oder in Gedanken an Mara, ein Mädchen aus dem Dorf, das ihn mit ihrer besonderen Art so fasziniert.

Florian Knöppler zeichnet ein detailliertes Bild einer Dorfgemeinschaft in all ihrer Zerrissenheit aufgrund politischer Ereignisse, aber auch in der Gemeinschaft, die es so vielleicht nur auf dem Land gibt.

Durch feine Figurenzeichnung und eine starke Sprache gelingt es dem Autor eine Atmosphäre zu erzeugen, die wirklich begeistert. Hannes sitzt mit Mutter und Vater am Tisch, man schweigt, dann fallen ein paar Worte, es wird wieder geschwiegen. Und doch sind so viele Emotionen zu spüren, die man mit vielen Worten nicht besser hätte ausdrücken können.

Hannes Entwicklung zu verfolgen ist mal spannend, mal herzzerreißend und einfach immer intensiv.

Mit Aktionen der Landvolkbewegung werden auch politische Geschehnisse in die Geschichte eingebunden, die großen Einfluss auf die Beziehung der Charaktere zueinander haben.

„Kronsnest“ ist Florian Knöpplers Debütroman, der mit „Habichtsland“ bereits seine Fortsetzung bekommen hat.



Fazit

Dieses Buch ist so bereichernd, dass ich es wirklich jedem nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Frau sein im Irland der 1990er

Coast Road
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In seinem Debütroman macht Alan Murrin auf die Situation der Frauen in Irland aufmerksam, wo Scheidung noch bis Mitte der 1990er Jahre verboten war.

Colette Crowley ist den für viele unfassbaren Weg der ...

In seinem Debütroman macht Alan Murrin auf die Situation der Frauen in Irland aufmerksam, wo Scheidung noch bis Mitte der 1990er Jahre verboten war.

Colette Crowley ist den für viele unfassbaren Weg der Trennung gegangen, doch kehrt nach dem Scheitern ihrer neuen Beziehung nun in die kleine Stadt Ardglas zurück. Um näher bei ihren Kindern zu sein, die sie damals bei ihrem Mann zurücklassen musste, zieht sie in ein kleines Cottage und versucht sich mit Schreibkursen über Wasser zu halten. Von vielen argwöhnisch betrachtet, ist es hauptsächlich die Frau eines lokalen Politikers, Izzy Keaveney, mit der sich Colette etwas anfreundet.



Was diesen Roman ausmacht sind eindeutig die Frauenfiguren, die sehr verschieden sind, aber alle mit mehr oder weniger großen Problemen in ihrer Ehe zu kämpfen haben.

Izzy fehlt die Beachtung ihres Mannes, Dolores zudem noch Wertschätzung und Respekt. Ganz wunderbar versteht es der Autor, die Figuren zum Leben zu erwecken, ihr Leben und ihre Beziehungen zu beleuchten.

Ausgerechnet Colette allerdings, die es geschafft hat auszubrechen und jetzt verzweifelt versucht, Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen, ist mir leider bis zum Schluss relativ fremd geblieben . Ihr Verhalten konnte ich oft nicht nachvollziehen, weshalb sich wohl mein Mitleid auch in Grenzen hielt.

Der Roman ist sehr schön zu lesen, auch die Atmosphäre dieses Städtchens, wo jeder jeden irgendwie beobachtet, kam sehr gut rüber. Zum Schluss kommt dann sogar noch Spannung auf, womit ich gar nicht gerechnet hatte.

Und obwohl das Thema Scheidung, das im Klappentext so hervorgehoben wird, nicht in dem Ausmaß im Vordergrund steht, wie ich gedacht hatte, setzt sich „Coast Road“ auf eindrucksvolle Weise mit dem Frausein im Irland der neunziger Jahre auseinander.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Gut konstruierter Thriller

Anna O.
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Seit vier Jahren liegt die Hauptverdächtige eines Doppelmordes in tiefem Schlaf und keine Behandlungsmethode hat daran bisher etwas ändern können. Anna Ogilvie wurde mit einem Messer in der Hand schlafend ...

Seit vier Jahren liegt die Hauptverdächtige eines Doppelmordes in tiefem Schlaf und keine Behandlungsmethode hat daran bisher etwas ändern können. Anna Ogilvie wurde mit einem Messer in der Hand schlafend neben den Leichen ihrer engen Freunde auf einer Farm gefunden. Seitdem rätseln Experten, Angehörige und das ganze restliche Land, was an diesem Tag geschehen sein könnte. Alles spricht dafür, dass Anna im Schlaf zwei Menschen ermordet hat.

Da der Psychologe Benedict Prince eine Methode kreiert hat, um Menschen aus solchen Tiefschlafzuständen herauszuholen, wird er mit dem Fall Anna O. betreut und ahnt nicht, dass er sich selbst damit in größte Gefahr bringt.



Das Thema „Verbrechen, die im Schlaf begangen werden“ fand ich sehr interessant und es wird im Buch auch einiges Wissenswertes vermittelt. Was passiert eigentlich genau, wenn wir schlafen und kann man für etwas bestraft werden, das man nicht bewusst getan hat?

Die Spannung ist meist unterschwellig spürbar, steigert sich ab und zu, flacht dann wieder ab. Sehr geschickt führt Matthew Blake den Leser immer wieder in die Irre, bis man irgendwann tatsächlich überhaupt nicht mehr weiß, wem man denn jetzt glauben soll.

Ich bin mir nicht sicher, ob mir dieser Thriller in Buchform genauso gut gefallen hätte, da er doch auch ein paar Längen aufweist. Oliver Siebeck und den anderen drei Sprecherinnen zuzuhören hat mir jedenfalls großen Spaß gemacht.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Kurzweiliges Thrillerdebüt

Die Schanze
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In seinem ersten Thriller beschert Lars Menz seiner Protagonistin Ellen ein unheimliches Willkommensgeschenk. Nach vielen Jahren kehrt die Ärztin in ihr Heimatdorf zurück, um dort eine Praxis zu übernehmen. ...

In seinem ersten Thriller beschert Lars Menz seiner Protagonistin Ellen ein unheimliches Willkommensgeschenk. Nach vielen Jahren kehrt die Ärztin in ihr Heimatdorf zurück, um dort eine Praxis zu übernehmen. Nach einem traumatischen Erlebnis in ihrer Jugend wollte sie eigentlich nie wieder zurück, doch nicht nur ihre Schwester Saskia, die immer noch hier lebt, glaubt, dass es an der Zeit ist, sich dem Ganzen zu stellen. Doch kaum ist Ellen angekommen, wird die Leiche eines Mannes gefunden, der für sie wahrhaftig kein Unbekannter ist. Er schwebt hoch oben an der Skisprungschanze an einem Seil.

Mich hat Lars Menz mit seinem Debüt wirklich gut unterhalten, schon nach kurzer Zeit hatte ich das Buch beendet.
Die Charaktere im Buch sind alle ziemlich authentisch, vor allem der ehemalige Polizist Haußer und sein Hund Connor haben mir gut gefallen.
Der Roman beginnt mit einem Mord, danach werden erst einmal die Charaktere eingeführt und die Hintergründe beleuchtet. Dieser Aufbau gefällt mir meistens gut und auch hier fand ich das Vorgehen gelungen.
Die Spannung hält sich zwar in Grenzen, zieht aber gegen Ende nochmal an.
Hier geht es nicht um atemlose Action, sondern unter anderem um das Verhalten einiger Verantwortlicher, die eine sowieso schon schreckliche Tat in der Vergangenheit noch viel grausamer gemacht haben.

Fazit
Ein gelungenes Thrillerdebüt

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