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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2025

Anspruchsvolles Gesellschaftsporträt

Ginsterburg
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Der Aufbau des Romans hat mir sehr gut gefallen; er zeigt die Entwicklung verschiedenster Charaktere von 1935, über die Kriegsjahre hinweg bis zum Kriegsende 1945.
In drei Abschnitten lässt Arno Frank ...

Der Aufbau des Romans hat mir sehr gut gefallen; er zeigt die Entwicklung verschiedenster Charaktere von 1935, über die Kriegsjahre hinweg bis zum Kriegsende 1945.
In drei Abschnitten lässt Arno Frank den kleinen Ort Ginsterburg exemplarisch für viele deutsche Dorfgemeinschaften diese dunklen Jahre durchleben. Wie immer gibt es auch in Ginsterburg Menschen, die sich die Situation zunutze machen, finanziell profitieren oder ihre gesellschaftliche Stellung aufpolieren. Dem gegenüber stehen andere, die den Veränderungen entweder vordergründig gleichgültig gegenüber stehen oder ängstlich die Augen vor allem verschließen.
Während zum Beispiel die Buchhändlerin Merle, die dem Nationalsozialismus nichts abgewinnen kann, hilflos akzeptieren muss, dass ihr Sohn Lothar, der nichts anderes im Kopf hat als Fliegen zu lernen, in der Gemeinschaft der Hitlerjugend völlig aufgeht, schwingt sich Blumengroßhändler Gürckel zu neuen politischen Höhen hinauf.

Arno Frank ist es wirklich sehr gut gelungen, ein Gesellschaftsporträt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges zu entwerfen und mit seiner sehr besonderen Schreibweise zu überzeugen. Diese führt allerdings auch dazu, dass der Roman nicht nur anspruchsvoll zu lesen ist, sondern zum Teil auch anstrengend wird, da die Szenen und Perspektiven wild hin und her springen, was bei der hohen Anzahl an Protagonisten schon einiges an Konzentration verlangt.
Ein Personenverzeichnis wäre hier sehr hilfreich gewesen.
In meinen Augen hat Arno Frank ein Händchen dafür, auch einmal länger an einer Stelle zu verharren und diese auszukosten; Situationen bildhaft zu beschreiben, sodass man sie quasi fühlen kann.
Was mir bei „Seemann vom Siebener“ so sehr gefallen hatte, dass es zu einem meiner Buchhighlights geworden ist, habe ich in diesem Roman etwas vermisst. Zwar gibt es Passagen, die ich erzählerisch wunderbar fand, die in der Fülle der Ereignisse und Personen aber für meinen Geschmack zu sehr untergegangen sind.
Alles in allem ist „Ginsterburg“ ein sehr guter historischer Roman, den ich gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Einblick in eine niederrheinische Dorfgemeinschaft

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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In der kleinen Gemeinde Alpen am Niederrhein steht das Spargelfest an. Die Freude darauf wird allerdings getrübt, als Raffaella, ein Mädchen, das seit einem Unfall geistig behindert ist, bewusstlos aufgefunden ...

In der kleinen Gemeinde Alpen am Niederrhein steht das Spargelfest an. Die Freude darauf wird allerdings getrübt, als Raffaella, ein Mädchen, das seit einem Unfall geistig behindert ist, bewusstlos aufgefunden wird. Keiner weiß, ob es ein Unfall war oder ein Verbrechen, das Mädchen liegt jedenfalls im Koma. Der Pastorin Anna geht der Fall sehr zu Herzen, zumal es auch noch Familienangelegenheiten gibt, die ihr Kopfzerbrechen bereiten.



Das war mein erstes Buch der Autorin und irgendwie hatte ich mir wohl etwas anderes vorgestellt bzw. einfach mehr erwartet.Ein bisschen Krimi und Dramatik, ein wenig Humor und Familiengeschichte; von all dem gibt Anne Gesthuysen hier eine Prise dazu, was mal mehr mal weniger unterhaltsam ist.

Das Schicksal der kleinen Raffaela ist tragisch und die Rückblicke, in denen der Umgang der Familie mit der neuen Lebenssituation geschildert werden, berühren tatsächlich sehr. Der „Kriminalfall“ in der Gegenwart ist auch gar nicht schlecht gelungen, da man bis zum Schluss rätselt, was passiert sein könnte.

Ansonsten lässt sich der Roman leicht lesen, bietet für meinen Geschmack aber auch nicht mehr als wirklich leichte Unterhaltung. Die Pastorin Anna konnte mich zum Beispiel kaum überzeugen, genauso wie ihr Freund und Ermittler Volker.

Die Dorfgemeinschaft ist schön politisch korrekt zusammengewürfelt und auch das Thema Diskriminierung darf natürlich nicht fehlen. Die Diskussion der Dorfbewohner hierzu fand ich allerdings ziemlich realistisch dargestellt.

Fazit

Wer auf der Suche nach leichter Lektüre ist, die aber ein durchaus ernstes Thema behandelt, ist hier sicher gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Mystische Spannung im Graphischen Viertel

Das Haus der Bücher und Schatten
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Auf zwei verschiedenen Zeitebenen lässt uns der Bestsellerautor in eine Welt voller Geheimnisse, Eigennutz und Verschwörungen eintauchen, in der Bücher eine tragende Rolle spielen.



Im Jahr 1913 reist ...

Auf zwei verschiedenen Zeitebenen lässt uns der Bestsellerautor in eine Welt voller Geheimnisse, Eigennutz und Verschwörungen eintauchen, in der Bücher eine tragende Rolle spielen.



Im Jahr 1913 reist die Lektorin Paula zusammen mit ihrem Lebensfährten ins winterliche Livland, um den berühmten Autor Aschenbrand zu treffen, den sie betreut. Dieser wohnt in einer komplett abgelegenen Villa, und was anfangs noch inspirierend und idyllisch wirkt, wird bald zum Albtraum. Im Jahr 1933 befinden wir uns in Leipzig, wo Kommissar Cornelius Frey den Selbstmord eines Mädchen verhindert, nur um am nächsten Tag den Mord an ihr und einem seiner Kollegen beobachten zu müssen.



Wieder einmal schafft es Kai Meyer zwei spannende Erzählstränge lange Zeit nebeneinander herlaufen zu lassen, um sie irgendwann geschickt miteinander zu verknüpfen.

Mir persönlich haben die Geschehnisse im einsamen Livland besonders gut gefallen. Die große Villa voller Bücher und fast ohne Bewohner hat schon eine besondere Ausstrahlung.

Auch die Handlung in Leipzig hat mich zunächst sehr gefesselt, die Ausflüge in den Bereich der Geisterbeschwörung hätte es jedoch nicht unbedingt gebraucht.

Dies ist ja bereits das dritte Buch des Autors, das im graphischen Viertel in Leipzig spielt und wieder einmal kommt die besondere Atmosphäre dieses Ortes, an dem sich alles um das gedruckte Wort dreht, sehr schön rüber. Die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten und die Zensur machen jedoch auch vor diesem Ort nicht Halt.

Wie immer liest sich auch dieser Roman von Kai Meyer hervorragend, thematisch war er mir allerdings etwas zu überladen. Einige Nebenhandlungen haben wenig zum Spannungsaufbau beigetragen, sondern eher für Verwirrung gesorgt. Im Nachhinein wirkt manches einfach zu konstruiert.

Fazit

Ein spannender und atmosphärisch dichter historischer Roman.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Sehr lesenswerter historischer Roman

Die Tochter der Drachenkrone
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In „Die Tochter der Drachenkrone“ erzählt die Autorin Sabrina Qunaj sehr anschaulich vom Leben der walisischen Fürstentochter Gwenllian. Als ihr Vater Anfang des 12. Jahrhunderts stirbt, stehen sich Gwenllians ...

In „Die Tochter der Drachenkrone“ erzählt die Autorin Sabrina Qunaj sehr anschaulich vom Leben der walisischen Fürstentochter Gwenllian. Als ihr Vater Anfang des 12. Jahrhunderts stirbt, stehen sich Gwenllians Brüder Gruffyd und Maelgwyn unversöhnlich gegenüber und sie muss sich für eine Seite entscheiden. Es sind unruhige Zeiten in Wales, ständig ist das Volk Übergriffen ausgesetzt. Alles, was Gwenllian tut hat den Hintergrund ihre Heimat zu schützen und zu erhalten, weshalb sie auch in die Zweckehe mit einem Krieger des walisischen Fürsten Llewelyn einwilligt. Doch schon bald spürt Gwenllian, dass ihr Zukünftiger deutlich mehr sein könnte als ein Verbündeter gegen die Feinde.



Das äußerst ansprechende Cover dieses historischen Romans und das eher ungewöhnliche Setting hatten mich neugierig gemacht. Über die politischen Verhältnisse und die Lebensumstände im mittelalterlichen Wales zu lesen hat mir viele schöne Lesestunden verschafft, auch weil die Autorin diese Zeit mit ihrer schönen Schreibweise sehr gut aufleben lässt.

Die vielen Charaktere, deren Namen für uns doch sehr fremd klingen, machen es anfangs nicht leicht, den Überblick zu behalten, doch ein Personenregister und ein Stammbaum am Ende des Buches erleichtern den Einstieg sehr.

Wie so oft in der Geschichte sind es neben tapferen Kämpfern mutige Frauen, die die Geschicke eines Volkes mitprägen. Gwenllian trägt mit ihren Entscheidungen dazu bei, ihr Volk zu verteidigen, was mir sehr imponiert hat.



Ich bin ein großer Fan historischer Romane mit vielen Seiten, doch hier hätte man vielleicht auf einige zu ausschweifende Details verzichten können, dann wäre es für mich ein perfektes Leseerlebnis geworden.



Fazit

Ein wirklich lesenswerter historischer Roman mit interessanten Charakteren, der vielleicht die ein oder andere Kürzung ganz gut vertragen hätte.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Paul Schwartzmüller ist zurück

Tödlicher Winter
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In „Tödlicher Winter“ lässt die Autorin Lioba Werrelmann ihren eigenwilligen Protagonisten Paul nach Rumänien zurückkehren, an den Ort, an dem er seine Kindheit verbracht und sich im Jahr zuvor schwer ...

In „Tödlicher Winter“ lässt die Autorin Lioba Werrelmann ihren eigenwilligen Protagonisten Paul nach Rumänien zurückkehren, an den Ort, an dem er seine Kindheit verbracht und sich im Jahr zuvor schwer verliebt hat.
War der erste Band noch im sommerlichen Siebenbürgen angesiedelt, begleiten wir Paul diesmal in sein tief verschneites rumänisches Heimatdorf, in dem einiges passiert zu sein scheint, nach seiner Rückkehr nach Deutschland.
Eigentlich ist Paul nach Siebenbürgen zurückgekehrt, um Maia wiederzusehen, in die er sich Hals über Kopf verliebt hatte. Doch als er an ihre Tür klopft, öffnet ihm ein anderer Mann und Paul muss erfahren, dass Maia in der Zwischenzeit geheiratet hat. Und würde nicht allein das reichen, um Paul in die Verzweiflung zu treiben, wird Maias Mann kurze Zeit später tot im Wald aufgefunden. Der Verdächtige - Paul.

Wieder einmal ist es der Autorin gelungen, mich komplett mitzunehmen in die für mich so unbekannte Welt der siebenbürgischen Landbewohner. Sehr angetan war ich wieder von der gemütlichen Herzlichkeit und den geselligen Runden, bei denen viele lokale Speisen serviert werden.
Paul schafft es erneut, sich in die unmöglichsten Situationen hineinzumanövrieren, aus denen er oft nur mithilfe anderer oder mit mehr Glück als Verstand herauskommt.
Genau das macht ihn für mich so sympathisch, auch wenn sein Verhalten einen manchmal in den Wahnsinn treibt.
Richtig schön winterlich ist die Stimmung diesmal. Klirrend kalt mit viel Schnee geht es mitten in die Karpaten hinein, ein wunderschönes und mystisches Szenario.
Der Kriminalfall, in den Paul verwickelt wird, passt sehr gut zum Setting, ist nicht zu blutrünstig, sondern genau richtig für entspannte und trotzdem spannende Lesestunden.

Fazit
Ein Siebenbürgen-Krimi, der mich wieder einmal bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon auf weitere Fälle für Paul Schwartzmüller.

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