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Veröffentlicht am 21.01.2019

Nach einem starken Anfang noch stärker abgefallen...

Jetzt gehörst du mir (Ein Marina-Esposito-Thriller 8)
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Beginnend ab Band 6 hätte ich die Brennan/Esposito-Reihe eigentlich links liegen lassen können: Seither machten mir die Bände schon keinen so rechten Spaß mehr, waren eher solide Durchschnittsware, aber ...

Beginnend ab Band 6 hätte ich die Brennan/Esposito-Reihe eigentlich links liegen lassen können: Seither machten mir die Bände schon keinen so rechten Spaß mehr, waren eher solide Durchschnittsware, aber in meinen Augen keine echten Knüller vonwegen „diese ganze Reihe ist der Burner; ein absolutes must read bei den Thrillern“.
„Jetzt gehörst du mir“ ist mit „ein packendes Finale“ gelabelt und mich lässt das ausgelesene Buch nur ratlos zurück: Soll das tatsächlich der Schluss der kompletten Reihe gewesen sein; ist das Finale nur auf den zuvor schon begonnenen Fiona-Welch-Strang bezogen und ach, Fiona Welch… die halte ich für einen äußerst seltsamen Reihenbestandteil; mal falsch, mal echt, dann doch noch eine Andere… ich dachte nun ständig: „Falles es noch einen weiteren Band der Reihe geben sollte, taucht in dem bestimmt prompt die Nächste auf, die behauptet, Fiona Welch zu sein.“ In „Jetzt gehörst du mir“ wird übrigens an meiner Stelle auch zurückgeblickt, Vergangenes neu hervorgeholt; generell sollte man die Reihe aber schon kennen, um tatsächlich durchblicken zu können und grade eingangs war ich sehr versucht, diesen Teil erst ruhen zu lassen und wenigstens die letzten zwei Bände nochmals zu lesen, um mich nahtloser in die jetzige Handlung einfinden zu können. (Generell würde ich das auch empfehlen!)

Die vorgebliche „Fiona Welch“ fand ich in dieser Geschichte irgendwie deplatziert; das habe ich in diesem Fall eher als Namedropping empfunden. Ansonsten fand ich die Hintergrundgeschichte der „Bösewichtin“ extrem interessant; deren Biografie fand ich sehr spannend, aber irgendwie blieb es mir nun völlig egal, ob man ihr das Handwerk würde legen können. Sie löste in mir nicht das Gefühl eines Feindes aus, sondern nur ganz oberflächlich das Gefühl, von einer leidlich Wahnsinnigen zu lesen – und das, obschon echt viel gefoltert und gemetzelt wird. Doch hatte ich einfach nicht den Eindruck, von einer kaltblütigen Serienkillerin zu lesen.
Die Ermittler müssen auch in diesem Band wieder ordentlich leiden und Federn lassen, aber es war mir echt noch nie bei einem Thriller/Krimi so gleichgültig, wie er letztlich ausginge. Zwischendurch dachte ich: „Zum Schluss wird womöglich das komplette Team tot sein, aber das ist dir dann auch wurscht.“ Die Geschichte hat mich nicht recht berührt und ich habe einfach nicht mitfiebern können, zumal fand ich die Handlung gen Ende sehr langgezogen. An den letzten 20% des eBooks habe ich soooo unfassbar lange gelesen; die ersten 80% hatte ich in der gleichen Zeitspanne durchschmökern können. Da wäre „Jetzt gehörst du mir“ für mich kurz vor Schluss tatsächlich noch zu einem Abbruchbuch geworden; eigentlich wollte ich schließlich nur wissen, wer überlebt, ob überhaupt irgendwer überlebt, und habe nur deswegen weitergelesen.

Wie gesagt: Den Ermittlern wurde mitunter sehr, sehr übel mitgespielt (und Profi und Berufserfahrung hin oder her: In manchen Fällen blieb es mir einmal mehr ein Rätsel, wieso nicht in eine traumatisierte Schockstarre verfallen wurde), es war alles sehr dramatisch, ein Hammer folgte auf den Nächsten… dass ich den endgültigen Schluss dann echt enttäuschend fand. Da verpuffte all die Dramatik, die ganze Action irgendwie plötzlich ins Nichts, dass ich nur hoffen kann, das „packende Finale“ soll nicht wirklich die komplette Brennan/Esposito-Reihe einstampfen, denn unwürdiger hätte man die Serie in jenem Fall kaum beenden können.
Insgesamt mag „Jetzt gehörst du mir“ ein netter Thriller gewesen sein; der große Wurf war er halt nicht und für mich nun halt eben nichts, was groß „internationaler Bestseller“ oder „eine der besten Thrillerreihen weltweit“ schreien würde. Simple Hausmannskost, mit der man sich mal mehr Mühe gegeben hat, weil die anspruchsvollen Schwiegereltern sich, „aber nur keine Umstände!“, selbst zum Essen eingeladen haben, aber nix, wofür es Gault-Millau-Punkte geben täte. Ein Roman für die ganz eingefleischten Fans der Reihe, den man aber als Reihe-nur-ganz-gerne-Haber nicht lesen muss. In meinen Augen war „Jetzt gehörst du mir“ da leider nicht mehr als reines Mittelmaß.

[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 17.11.2018

Eine ordentliche Portion Unterhaltung, garniert mit etwas Ernst

Sowas kann auch nur mir passieren
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Wer hat denn diese Buchbeschreibung fabriziert, die so klingt als würde Robin ganz plötzlich und unerwartet dank Georginas alten Tagebüchern Karriere machen?! Nicht nur, dass Robin sich als Komiker zu ...

Wer hat denn diese Buchbeschreibung fabriziert, die so klingt als würde Robin ganz plötzlich und unerwartet dank Georginas alten Tagebüchern Karriere machen?! Nicht nur, dass Robin sich als Komiker zu diesem Zeitpunkt durchaus schon einen Namen gemacht hatte: Dieser Teil der Geschichte spielt sich erst im letzten Romanviertel ab und ist auch recht schnell aberzählt – angesichts des Kurzbeschriebs hatte ich ja erwartet, dass dieser Strang schon frühzeitig beginnen und sich quer durch den ganzen Roman ziehen würde. So habe ich nun aber sehr viel Lesezeit damit verbracht darauf zu warten, dass diese Robin-story endlich mal zur Sprache käme, bis ich letztlich gar dachte: „Hm, sollte er nicht noch…? Oder doch nicht; geht die Beschreibung da nu völlig am Inhalt vorbei?“ Für mich wäre es eindeutig besser gewesen, wenn man davon in der Beschreibung noch gar nichts erwähnt haben würde, zumal diese Erwähnung letztlich nur ein Spoiler zum Ende des Romans hin war; ich habe echt auf einen „Tagebuch-Kleinkrieg“ gelauert und lag da schließlich recht ungeduldig auf der Lauer und fühlte mich irgendwann eher für blöd verkauft, dass das immer noch kein Thema war als dass ich noch gespannt darauf gewesen wäre, wie sich das nun entwickelte.

Ansonsten ist „Sowas kann auch nur mir passieren“ in schöner, aber nicht schönster, Bridget-Jones-Manier gehalten, dabei aber eher holprig übersetzt: Native Speaker, billingual aufgewachsene Menschen und auch Leute, die Englisch absolut flüssig sprechen, werden hier wiederholt über Sätze und Ausdrücke stammen, die viel zu gewollt ins Deutsche übersetzt worden sind; da sind manchmal Redewendungen äußerst genau übertragen worden, obschon es bekannte deutsche Entsprechungen gibt… irgendwie wirkten die Sätze teils auf mich viel zu bemüht und es gab kein einziges Kapitel ohne mindestens einen Satz, bei dem mir die höchstwahrscheinliche englischsprachige Originalaussage prompt durch den Kopf schoss. Letztlich war die Übersetzung gut, aber nicht vollkommen rund(um gelungen).
Von Mhairi McFarlane habe ich bisher ansonsten nur „Vielleicht mag ich dich morgen“ gelesen, das ich vom Inhalt her sehr viel öder und auch dröger als jetzt „Sowas kann auch nur mir passieren“ fand, aber: Die Übersetzung war in meinen Augen da klar besser gelungen.
Hier würde ich nun eher dazu raten, bei vorhandenen Sprachkenntnissen lieber die englischsprachige Ausgabe zu lesen.

Wie gesagt: Hier ist alles klar in Richtung Bridget Jones‘ gehend; die Figuren bleiben eher an der Oberfläche und sind zumeist überzogen gezeichnet; Georgina fand ich persönlich zwar eine recht amüsante Figur, aber zum Einen blieb um sie herum doch alles ein wenig blass und zum Anderen hatte ich nach der letzten Seite auch genug von ihr gelesen; es war zwar nicht so, dass sie mich als Protagonistin während des Lesens nervte, aber halt auch nicht so, dass ich nach dem Beenden des Buchs dachte: „Oh, schade, du hättest nun doch noch zu gerne Georginas Leben ein wenig weiterverfolgt.“
Als es vorbei war, war es halt auch gut. ;)

Das ist jetzt kein Buch, das ich unter „must read“ einstufen würde; ich würde da auch nicht gaaaaaanz unbedingt eine Kauf- und Leseempfehlung abgeben wollen, „Sowas kann auch nur mir passieren“ versetzte mich nun weder in Verzückung noch ins Schwärmen; es ist halt ein solider „heiterer Frauenroman“, und da ist auch das Ende ganz typisch, an dem hier aber zumindest doch noch tiefschürfendere (Selbst)Reflektion zum Vorschein kommt, der sich doch eben leicht mal weglesen lässt.

Veröffentlicht am 05.11.2018

Ziemlich durchschnittliche Kriminellengeschichten

Gangsterblues
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Bevor das eBook als Rezi-Ex auf meinem Kindle Einzug hielt, war mir bereits eine Leseprobe bekannt, welche die erste enthaltene „Geschichte“ (das Buch besteht aus diversen Episoden aus Bauschs Berufsalltag ...

Bevor das eBook als Rezi-Ex auf meinem Kindle Einzug hielt, war mir bereits eine Leseprobe bekannt, welche die erste enthaltene „Geschichte“ (das Buch besteht aus diversen Episoden aus Bauschs Berufsalltag in der JVA, auf wahren Begebenheiten fußend, aber wohl immer leicht verfremdet) umfasste und theoretisch lässt sich der Eindruck, den ich dadurch vom Buch gewonnen hatte, für mich nun quasi auch weiter auf das Gesamtwerk übertragen.
Der große Aufmacher an diesem Buch war für mich nun definitiv der Autor, auch mir längst aus dem Kölner „Tatort“ bekannt (den ich auch grad deswegen schätze, weil die Rolle des Rechtsmediziners dort eben mit Joe Bausch mit einem echten Gefängnisarzt besetzt worden ist), der neben dem Münsteraner „Tatort“ der Einzige ist, den ich wirklich gerne sehe.

Die „harten Geschichten“ waren nun allesamt ganz interessant (wobei die erste Geschichte letztlich gar die war, die mich am Wenigsten ansprach); völlig Fachfremden und gänzlich Außenstehenden bietet sich hier ein Einblick in die „Vielfalt“ der Verurteilten, von mutmaßlich unschuldig bis hin zu absolut skrupellos. Alle Erzählungen sind völlig unterschiedlich; ich hatte nie den Eindruck, dass sich eine (Lebens)Geschichte wiederholen würde, und Bausch selbst beurteilt die Aussagen der Straftäter eher vorsichtig bis verhalten, in jedem Fall professionell distanziert. Teilweise lässt sich erahnen, was er über einen bestimmten Fall denkt, aber im Allgemeinen ist der „Gangsterblues“ doch sehr objektiv gehalten.
Für Menschen, die selbst mit diversen Straftätern zu tun haben/hatten, dürfte das Buch jedoch keine überraschenden Inhalte bieten, sondern vermutlich lediglich das beruhigende Gefühl, dass man nicht als Einziger von teils heftigen Biografien weiß. Ich habe, zunächst im Hauptberuf und später noch auf ehrenamtlicher Basis, lange mit schwerstabhängigen verurteilten Kriminellen zu tun gehabt, im Rahmen von deren Bewährungsauflagen: Irgendwie waren Bauschs in „Gangsterblues“ erzählten Geschichten vielfach auch für Jene absolut typisch und nun so beliebig, dass mir dauerhaft vermutlich keiner der im Buch nu thematisierten Straftäter mittelfristig im Gedächtnis bleiben wird.

Wobei: Wenn man sich bislang eher nur in einem Heile-Welt-Szenario aufgehalten hat, werden viele von Bauschs Erzählungen wiederum sehr heftig und unfassbar wirken (obschon ich mir ganz, ganz sicher bin, dass er dabei hier über die krassesten Fälle nicht ein einziges Wort verliert); ganz sensiblen und besonders empathischen Personen würde ich von der Lektüre vermutlich eher abraten, man sollte schon bereit sein, in etwas tiefere, menschliche Abgründe zu blicken und sich generell eben für die Geschichten von Kriminellen, bei denen es sich halt nicht unbedingt um den kleinen Ladendieb handelt, sondern die echt was auf dem Kerbholz haben, interessieren.


[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 25.09.2018

Herbert und "das Übliche"

Profipfuscher
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Dem Menschen, der mich damals auf einer langen, laaaaangen Fahrt mein erstes „Herbert“-Buch hören hat und so auf diese Reihe überhaupt erst hat aufmerksam werden lassen, in ewiger Dankbarkeit verbunden: ...

Dem Menschen, der mich damals auf einer langen, laaaaangen Fahrt mein erstes „Herbert“-Buch hören hat und so auf diese Reihe überhaupt erst hat aufmerksam werden lassen, in ewiger Dankbarkeit verbunden: Ich.
Inzwischen bin ich sehr verliebt in die Art, die Stimme, wie und mit der die Hörbücher eingesprochen sind; da sollte man unbedingt mal reinhören!, aber als sich mir nun die Möglichkeit auftat, den sechsten Band noch vor der offiziellen Veröffentlichung lesen zu können, konnte ich selbstverständlich dem geschriebenen Wort ebensowenig wie ansonsten dem Gesprochenen, nicht widerstehen.

Herbert und Anja sind nun also stolze Hausbesitzer, wobei noch Einiges umgebaut, renoviert, saniert… werden soll und muss, während Anja zeitgleich in ihrem Café stark eingespannt ist und Herbert doch auch noch seinen Foodtruck betreiben muss: Der Stress ist also enorm und der Zeitdruck auch nicht weniger, zumal die aktuelle Wohnung wohl allzu übermütig gekündigt worden ist und der Familie der Einzug auf einer (dys)funktionalen Baustelle droht.
Ich kann bzw. ich will natürlich nun auch nicht spoilern; insgesamt war „Profipfuscher“ nun aber wieder ein „altbewährter“ Herbert-Roman. Im Gegensatz zum familienzentrierten Vorgänger „Gipfelträumer“ war in „Profipfuscher“ einmal mehr Hans eine der zentralen Figuren; er unterstützte Herbert tatkräftig und trat letztlich nicht minder, sondern eher mehr, in „echte“ Erscheinung als Anja, die hauptsächlich eh mit ihrer Arbeit beschäftigt war. Da ging die Rollenpräsenz hier wieder etwas mehr in Richtung „Männerferien“, was ich sehr begrüßte, denn die für Herbert und Hans typischen Frotzeleien und Schlagabtäusche haben mir in „Gipfelträumer“ doch klar gefehlt; in dieser Hinsicht fand ich die neuen Männerbekanntschaften Herberts im Hotel einen eher lahmen Abklatsch, obschon ich es zugleich als angenehme Abwechslung innert der Reihe empfunden hatte, dass Hans‘ und Herberts „Bromance“ mal nicht so arg im Fokus gestanden hatte. Im „Profipfuscher“ wuselt nun also Hans aber wieder neben Herbert umher und insgesamt fand ich diese Geschichte einmal mehr sehr amüsant und unterhaltsam. Als tolles Easter Egg empfand ich zudem, dass in einer Szene Herbert auch mal ein von ihm gelesenes Buch erwähnte und kurz beschrieb, zwar ohne viel zu sagen, aber doch so, dass man genau erkannte, dass er von einem der Nicht-Herbert-Bücher Kalpensteins redete; jenes hatte mich zwar nicht so sehr angesprochen, aber dieser kleine Cameo-Auftritt gefiel mir dann doch auch sehr.

Der ahnungslose Elektriker, der sich ständig als absoluter Experte präsentierte, und im Prinzip nur engagiert worden war, weil er direkt verfügbar gewesen war, nervte mich als dieser running gag zwar bald ein wenig; andererseits erhielt der gute Mann so auch ein wenig die Spannung, weil ich eigentlich ständig damit rechnete, dass er als Nächstes versehentlich das ganze Haus explodieren lassen würde. Dennoch: irgendwann wünschte ich mir den Austausch dieses Handwerkers. Der war dann irgendwann doch ein kleiner Nervfaktor, weil sich sein Witz einfach abnutzte und ich mich irgendwann nur noch fragte, wie man diesen Kerl noch länger als Handwerker beschäftigen können sollte; in ein Haus ohne Strom einzuziehen und auf einen freien fähigen Elektriker zu warten erschien mir irgendwann sehr viel sinniger als in ein Haus einzuziehen, dessen Leitungen von diesem „Experten“ gelegt worden waren.

Insgesamt war das Lesen vom „Profipfuscher“ aber wieder mal ein ganz, ganz großer Spaß und ich hoffe inständig, dass diese Reihe noch lange nicht zum Ende kommt!


[Ein Rezensionsexemplar war mir im Vorfeld der Veröffentlichung, via NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]

Veröffentlicht am 24.09.2018

Spannend erzählt, aber es war halt doch auch ein üblicher Thriller-plot...

Blutrausch - Er muss töten (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 9)
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Auch der neunte Band der Hunter-Reihe ließe sich ganz gut lesen, wenn man zuvor noch keinen anderen Teil der Reihe kannte oder „Leselücken“ im Reihenverlauf hätte; so habe ich selbst zwischendrin auch ...

Auch der neunte Band der Hunter-Reihe ließe sich ganz gut lesen, wenn man zuvor noch keinen anderen Teil der Reihe kannte oder „Leselücken“ im Reihenverlauf hätte; so habe ich selbst zwischendrin auch mal einen Band ausgelassen, ohne nun über offensichtliche Hintergrundwissenslücken zu stolpern. Lediglich das allerletzte Kapitel, das vermutlich (hoffentlich!) einen fließenden Übergang in den nachfolgenden Band bieten soll, könnte es von minimalem Vorteil sein, zumindest „Die stille Bestie“, den sechsten Band der Reihe, zu kennen; von weitaus größerem Vorteil wird es jedoch wohl sein, den zu kennen, ehe man einen entsprechenden Nachfolgeband lesen wird. Prinzipiell muss man, um „Blutrausch“ (wobei im Buch selbst eigentlich nur ein Mord beschrieben wird, den man auf gewisse Weise als „Blutrausch“ bezeichnen könnte; der deutsche Titel klingt sehr viel mehr nach wildem Gemetzel, das es so aber gar nicht gibt) lesen und verstehen zu können, noch nichts Anderes aus dieser Buchreihe kennen.

„Blutrausch – Er muss töten“ fand ich nun einen sehr gelungenen Thriller; dieses eBook zu lesen hat mir sehr großen Spaß gemacht und ich habe auch kaum mal pausieren mögen, weil die Geschichte mich so einsog und ich häufig dachte: „Ach komm, ein Kapitel liest du nun noch; so lang sind die ja eh nicht“, bis ich doch vier, fünf, sechs weitere Kapitel gelesen hatte, ehe ich den Kindle tatsächlich mal zur Seite legte.
Dabei ist die Handlung sogar eher thrillertypisch; was für mich hier einmal mehr den ganz großen Reiz ausmachte, war der mit Wechseln der Perspektive verbundene Erzählstil; mal wurde von der Ermittlungsarbeit berichtet, dann gab es kurze Ausflüge in Hunters Privatleben (der übrigens in diesem Band generell eher kurz kam und als „Reihen-Hauptfigur“ kaum auszumachen war), plötzlich schwenkte man zum Täter und mit einem Male wurde von einer Unbekannten erzählt, hinter der man ein mutmaßliches Opfer vermuten konnte… da blieb ich einfach stets neugierig auf die Verbindungen, auf die Fortsetzung des entsprechenden Strangs: Würden die Ermittler nun bei ihrer Arbeit einen Durchbruch erzielen, wäre diese Person nun das letzte Opfer, würde tatsächlich jetzt dieser eine Mensch getötet werden oder würde diese Figur nur ein Ablenkungsmanöver Chris Carters sein…? Wäre die Handlung einfach nur geradeaus herunter erzählt worden, hätte sich meiner Meinung nach nicht mehr als ein durchschnittlicher Spannungsroman aus ihr ergeben, zumal ich den ganz großen „Oh meine Güte, wir haben das völlig falsch verstanden!“-Moment bei der zweiten gefundenen Leiche in der Kombination von Inszenierung/Spruch schon recht hervorstechend fand und mich ab da regelmäßig fragte, warum das noch keinem aufgefallen zu sein schien.

Insgesamt blieb „Blutrausch“ aber ein fesselnder, weil einfach toll geschriebener, Thriller, der mich keinesfalls enttäuschte – aber eben auch nicht der ganz große Wurf mit allzu überraschenden Enthüllungen und Wendungen war.

[Ein Rezensionsexemplar war mir, via #NetGalley, unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden.]