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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2026

Highlight!

Niemands Töchter
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Darum geht es:
Der Roman erzählt von zwei Frauen, deren Leben von einer gemeinsamen Leerstelle geprägt ist. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf. Sie ist klug und neugierig, fühlt sich jedoch ...

Darum geht es:
Der Roman erzählt von zwei Frauen, deren Leben von einer gemeinsamen Leerstelle geprägt ist. Alma wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf. Sie ist klug und neugierig, fühlt sich jedoch fremd in ihrer Familie. Über ihre Herkunft wird geschwiegen. Fast vierzig Jahre später lebt Isabell in Berlin. Auch sie trägt einen Verlust in sich, der ihr Denken, Fühlen und ihr eigenes Familienleben nachhaltig prägt.

Alma und Isabell spiegeln gemeinsam das Suchen nach Zugehörigkeit, die Sehnsucht nach Nähe und die Frage nach dem eigenen Platz im Leben. Zwischen Erinnerungen, Bildern und leisen Momenten der Begegnung entsteht ein dichtes Gewebe aus Vergangenheit und Gegenwart. Der Roman zeigt, wie eng Herkunft, Verlust und Selbstfindung miteinander verbunden sind.

Mein Leseeindruck:
Dieses Debüt von Judith Hoersch war für mich ein echtes Highlight. Ein Roman, der mich nicht nur während des Lesens begleitet hat, sondern darüber hinaus. Die Geschichte ist zart und zugleich von großer innerer Kraft. Sie entfaltet sich ruhig, aber mit einer Intensität, die lange nachwirkt.

Im Zentrum stehen Alma und Isabell, zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, deren Leben von Verlust, Schweigen und einer schmerzhaften Leerstelle geprägt ist. Die Autorin erzählt ihre Geschichten mit großer Genauigkeit und einem feinen Gespür für Zwischentöne. Besonders die innere Gefühlswelt von Alma und Isabell wird mir sehr nah gebracht. Ihre Gedanken, ihre Unsicherheiten und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit sind klar spürbar, ohne je überzeichnet zu wirken.

Schon mit den ersten Seiten bin ich in diesen Roman eingetaucht. Ich habe mich schnell mit den Figuren verbunden und mich ihnen emotional sehr nahe gefühlt. Es war eines dieser Bücher, bei denen man liest und merkt, dass man angekommen ist. Die Geschichte trägt, sie hält, und sie lässt nicht mehr los.

Besonders eindrücklich zeigt der Roman, welche Auswirkungen familiäres Schweigen haben kann. Das Ungesagte steht zwischen den Generationen und formt Biografien, oft leise, aber nachhaltig. Der frühe Tod von Isabells Mutter hinterlässt bei ihr eine große Lücke, die ihr Denken, Fühlen und ihr eigenes Familienleben prägt. Diese Leerstelle zieht sich durch den Text und verleiht ihm eine stille Schwere.

Die wechselnden Perspektiven empfand ich als große Stärke. Sie sind klar geführt und fein aufeinander abgestimmt. Dadurch konnte ich mich immer wieder neu in die Figuren hineinversetzen und ihre jeweiligen Sichtweisen verstehen. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander und verdichten sich zu einem stimmigen Gesamtbild.
Für mich ist dieser Roman anspruchsvolle Literatur, die keine lauten Mittel braucht. Er erzählt ruhig, präzise und mit großer emotionaler Tiefe. Ein Buch, das mir im Gedächtnis bleibt und eines der stärksten Leseerlebnisse für mich war.


Fazit:
5/5 ⭐️ Ein leiser, tiefgehender Roman, der mit großer Klarheit von Verlust, Herkunft und der Suche nach Zugehörigkeit erzählt und lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Jahreshighlight!

Die Nachtigall
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Jahreshighlight!
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Vianne versucht verzweifelt, ihre Familie durch Hunger, Angst ...

Jahreshighlight!
Der Roman erzählt die Geschichte zweier Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Vianne versucht verzweifelt, ihre Familie durch Hunger, Angst und Unterdrückung zu bringen und im Grauen des Krieges irgendwie zu überleben. Isabelle, jung, rebellisch und mutig, schließt sich der Résistance an und hilft über den geheimen Fluchtweg der Nachtigall Menschen über die Pyrenäen in die Freiheit. Zwei Schwestern, zwei völlig unterschiedliche Wege und doch getragen von derselben Liebe und Menschlichkeit.

Zu Beginn war ich mir erstaunlicherweise nicht sicher, was ich von der Geschichte halten soll. Auf Seite 101 habe ich noch kommentiert, dass ich sie bisher nicht schlecht, aber auch nicht gut finde. Was danach folgte, hat mich jedoch emotional vollkommen überwältigt. Die Geschichte gewann zunehmend an Tiefe, Härte und Intensität und ließ mich nicht mehr los.

Vianne und Isabelle sind zwei wundervoll gezeichnete Protagonistinnen, so grundverschieden, so echt, so menschlich. Beide kämpfen auf ihre Weise, leise oder laut, im Inneren oder im offenen Widerstand. Sie sind tapfer, mutig, entschlossen, widerständig und zutiefst menschlich. Gerade diese Gegensätzlichkeit macht ihre Geschichte so eindringlich und schmerzhaft.

Die Nachtigall ist kein leichtes Buch. Es ist schwer erträglich, aber genau deshalb so notwendig, gerade in der heutigen Zeit. Die Geschichte ist grausam, unmenschlich, barbarisch und verstörend. Beim Lesen war ich verzweifelt, gelähmt und hoffnungslos. Mir war schlicht elendig zumute. Kristin Hannah scheut sich nicht, die grausame Realität des Krieges brutal und ehrlich darzustellen, ohne sie zu beschönigen oder zu romantisieren. Der Schreibstil der Autorin ist dabei außergewöhnlich gelungen. Sie trifft genau die richtigen Töne für diese Geschichte, eindringlich, emotional, schonungslos und gleichzeitig voller Würde. Alles wirkt authentisch, nichts überzogen. Besonders die letzten 150 Seiten haben mich vollkommen gebrochen. Ich habe so viel geweint wie noch nie zuvor bei einem Buch, und genau in diesem Moment stellte sich mir eine Frage, die mich bis heute begleitet: Wie oft kann ein Herz beim Lesen innerhalb einer einzigen Geschichte brechen?

Fazit: 5+/5 ⭐️
Die Nachtigall ist ein Roman, der unter die Haut geht, der schmerzt, der erschüttert und der dennoch Hoffnung trägt. Ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern erträgt, durchlebt und lange mit sich trägt.
JAHRESHIGHLIGHT ❤️❤️❤️

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Ein klug beobachteter, sprachlich brillanter Roman, der trotz kleiner Schwächen zum Nachdenken über Liebe, Freiheit und Selbstgenügsamkeit anregt.

Ja, nein, vielleicht
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Der Titel „Ja, nein, vielleicht“ hat mich sofort angesprochen. Er beschreibt dieses Zögern sehr genau, das den Roman durchzieht. Auch das Cover ist außergewöhnlich schön und traumhaft gestaltet, ein echtes ...

Der Titel „Ja, nein, vielleicht“ hat mich sofort angesprochen. Er beschreibt dieses Zögern sehr genau, das den Roman durchzieht. Auch das Cover ist außergewöhnlich schön und traumhaft gestaltet, ein echtes Lieblingsbuch für das Regal. Nach einer Lesung mit Doris Knecht in Hamburg im vergangenen September habe ich den Roman nun endlich gelesen.

Im Zentrum steht eine Frau, deren Kinder ausgezogen sind. Zum ersten Mal seit Langem stellt sich Ruhe ein, ein gutes Leben zwischen Großstadt und Landleben. Doch kleine Störungen bringen dieses Gleichgewicht ins Wanken. Eine Schwester, die sich in der Wohnung breitmacht, ein Zahn, der Probleme bereitet, und plötzlich ist auch die eigene Endlichkeit präsent. Als die Erzählerin im Supermarkt einem Mann aus ihrer Vergangenheit begegnet, stellt sich erneut die Frage, ob ein erfülltes Leben eine Liebesbeziehung braucht oder ob das Alleinsein nicht längst trägt.

Die erste Hälfte des Romans hat mich sehr überzeugt. Die Ich-Erzählerin ist klar, reflektiert und nahbar, ihre Gedanken zu Freiheit und Selbstgenügsamkeit wirken ehrlich und lebensnah. Sprachlich ist der Roman eine große Freude. Doris Knecht schreibt mit viel Humor, Ironie und Sarkasmus. Ich musste häufig schmunzeln und erinnerte mich an das Lachen bei der Lesung. Auch Freundschaft nimmt einen wichtigen Platz ein, als verlässlicher Gegenpol zur romantischen Liebe.

In der zweiten Hälfte verliert der Roman für mich etwas an Tiefe. Die Erzählerin wird weniger greifbar, die Spannung lässt nach. Dennoch bleibt Ja, nein, vielleicht ein kluger, sprachlich starker Roman über das Leben als Frau und über die Frage, wie viel Nähe ein gutes Leben braucht.

Fazit:
3,5/5 ⭐️
Ein klug beobachteter, sprachlich brillanter Roman, der trotz kleiner Schwächen zum Nachdenken über Liebe, Freiheit und Selbstgenügsamkeit anregt.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Ein stimmungsvoller, gefühlvoller Abschluss der Reihe, der Herz und Seele wärmt.

Liebesglück in der Bergpraxis
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Darum geht es:

Im dritten Band der Bergpraxis Reihe steht die Versorgungsassistentin Mila Abendroth aus der Bergpraxis Waldkirch im Mittelpunkt. Geprägt von einer belastenden Kindheit auf einem Bauernhof ...

Darum geht es:

Im dritten Band der Bergpraxis Reihe steht die Versorgungsassistentin Mila Abendroth aus der Bergpraxis Waldkirch im Mittelpunkt. Geprägt von einer belastenden Kindheit auf einem Bauernhof hat Mila dieses Leben bewusst hinter sich gelassen und verfolgt klare Vorstellungen von Unabhängigkeit und persönlicher Selbstverwirklichung.

Als sie nach einem Unfall den Bio Landwirt Jonas Wolff betreut, wird sie erneut mit dem ländlichen Alltag konfrontiert. Die regelmäßigen Besuche auf seinem Hof führen dazu, dass Mila sich nicht nur mit ihrer Abneigung gegenüber bäuerlichen Lebensformen auseinandersetzen muss, sondern auch Gefühle entwickelt, die sie verunsichern. Zusätzlich begegnet sie Leon, einem erfolgreichen Anwalt aus München, der für ein Leben steht, das Milas bisherigen Zielen entspricht. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, Vertrautem und Verlockendem muss Mila entscheiden, welcher Lebensweg wirklich zu ihr passt.

Mein Leseeindruck:
Mit diesem dritten und letzten Band der Bergpraxis Reihe habe ich mich sofort wieder zu Hause gefühlt. Die Rückkehr in die Allgäuer Hochalpen, nach Waldkirch und in die vertraute Atmosphäre der Bergpraxis war wie ein heimlicher Kurzurlaub für Herz und Seele. Ich habe es geliebt, bekannte Figuren wiederzutreffen und gleichzeitig Milas ganz persönliche Geschichte zu begleiten.

Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch und einfühlsam Milas innerer Konflikt dargestellt wird. Ihr Ringen mit der eigenen Vergangenheit, das Wiederfinden auf einem Bauernhof, den sie eigentlich hinter sich lassen wollte, und die aufkeimenden Gefühle für Jonas sind sehr glaubwürdig und emotional mitreißend erzählt. Die Entwicklung ihrer Beziehung zu Jonas ist zart und realistisch, ohne überschnappende Dramatik, genau richtig für diese Art von Wohlfühlroman. Der Schreibstil von Jana Lukas ist wie immer erstklassig: leicht, humorvoll und romantisch, dabei nie kitschig. Die Figuren wirken lebendig, die Dialoge natürlich, und die Landschaftsbeschreibungen entführen einen direkt ins Allgäu. Besonders die Mischung aus Humor, Romantik und emotionalen Momenten macht das Lesen zu einem echten Vergnügen.

Fazit:
4/5⭐ Ein stimmungsvoller, gefühlvoller Abschluss der Reihe, der Herz und Seele wärmt. ❤️

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Ein stimmiger und nachhallender Roman über das Leben in der Mitte

Zurück zu ihr
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Darum geht es:
Jan ist gerade fünfzig Jahre alt geworden und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in München. Sein Alltag ist geprägt von Verantwortung und einer scheinbaren Zufriedenheit, ...

Darum geht es:
Jan ist gerade fünfzig Jahre alt geworden und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern in München. Sein Alltag ist geprägt von Verantwortung und einer scheinbaren Zufriedenheit, die kaum Raum für Zweifel lässt. Die Einladung zum 30. Klassentreffen bringt diese Ordnung ins Wanken. Erinnerungen an seine Jugend und an eine frühere Liebe drängen in die Gegenwart. Auf der Suche nach Klarheit macht sich Jan allein auf den Weg in den Norden. Unterwegs gerät er immer wieder ins Stocken, nicht nur durch Pannen, sondern auch durch Gedanken an verpasste Möglichkeiten.

Mein Leseeindruck:
Schon auf den ersten Seiten hat mich der flüssige Schreibstil des Autors abgeholt. Ich war sofort bei Jan und Svenja in München mitten in einem Alltag, der vertraut und geordnet wirkt. Schnell wurde deutlich, dass diese Familie scheinbar alles hat, nur sich selbst nicht mehr richtig spürt.
Die Reise zum Klassentreffen bringt Vergangenheit und Gegenwart zusammen und zwingt Jan, sein Leben, seine Beziehungen und sein Selbstbild zu hinterfragen. Dabei geht es weniger um das Ziel der Reise als um die Frage, zu welchem Mann er geworden ist und was er wirklich will.
Trotz der ernsten Themen wie Familie, Identität und Verantwortung schreibt der Autor mit viel Situationskomik, sodass ich oft schmunzeln musste. Das Ende habe ich so nicht erwartet und genau das hat mir sehr gut gefallen.

Fazit:
4/5 ⭐️ Ein stimmiger und nachhallender Roman über das Leben in der Mitte und darüber, wie wichtig es ist, sich selbst nicht zu verlieren.

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