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Veröffentlicht am 03.10.2021

Intim, schonungslos, schockierend- 50 Frauen* reden über Sex

Was wir lieben
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Das Sprechen über Sex stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabu dar. Oft ist das Wissen oder eher die Vorstellung geprägt durch Pornos oder Halbwissen, was hinter vorgehaltener Hand flüsternd weiter ...

Das Sprechen über Sex stellt immer noch ein gesellschaftliches Tabu dar. Oft ist das Wissen oder eher die Vorstellung geprägt durch Pornos oder Halbwissen, was hinter vorgehaltener Hand flüsternd weiter gegeben wird. Auch Zuhause und in der Schule ist es ein Thema, was nur selten in voller Bandbreite besprochen.
Das Buch „Was wir lieben. 50 Frauen sprechen über Sex“ schließt damit eine Lücke und bietet statt trockener Theorie eine Sammlung von kurzen Erfahrungsberichten, deren Erzählerinnen so vielfältig sind wie ihr Sex. Es kommen Frauen vor die hetero, pan- oder bisexuell sind. Frauen die sich als cis, trans oder non- binary identifizieren, aus allen möglichen Ländern rund um den Globus stammen und sich auch hinsichtlich ihres Alters unterscheiden, da das Buch so aufgebaut ist, dass zu Beginn die jüngste Frau zu Wort kommt und zum Schluss die älteste.
Jede einzelne circa zwei Seiten lange Erzählung ist unglaublich intim. Offen erzählen die Frauen
über ihre Kindheit, wie sie aufgewachsen sind, ihren Körper und ihre Sexualität und über Missbrauch, den erschrecklich viele erlebt haben und damit, die traurige Realität wiederspiegeln. Durch die Vielfältigkeit der Erzählerinnen und der Berichte wird schnell deutlich, wie unglaublich viele Facetten Sex hat und dass es keinen „normalen“ Sex gibt, sondern jede Person individuelle Bedürfnisse hat und wie sich diese Bedürfnisse auch mit dem Alter verändern, die einen verschwinden und andere plötzlich wichtig werden. Das Buch zeigt, was Sex sein kann. Sex kann Schmerz bedeuten, sowohl psychischen, als auch physischen, Spaß, Nähe und vieles mehr. Einige der Berichte können schmerzhaft für dendie Leserin sein und triggern, da gerade Missbrauch ein sehr präsentes Thema ist. Dennoch geben die Geschichten Hoffnung und Mut, seinen eigenen Körper und Bedürfnisse zu entdecken und Sexualität auszuleben.
Bereichert werden die Berichte von wunderschönen Illustrationen, gemalt von Künstler
innen aus aller Welt, die die Inhalte der Berichte aufgreifen und grafisch umsetzten. Jede einzelne Geschichte, all dieser unterschiedlichen Frauen*, habe ich als unglaubliche Bereicherung wahrgenommen. Sie waren lehrreich und haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf seine eigenen Bedürfnisse und die Dinge, die man selber mag zu achten und diese offen zu kommunizieren.
So go, and let’s talk about Sex! ;)

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Gute Ideen, aber einfach too much

The promises we made. Als wir uns wieder trafen
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Viele Jahre haben sich Dessie und Sam nicht mehr gesehen. Ihre junge Liebe wurde in einer einzigen, verhängnisvollen Partynacht zerstört. Mittlerweile sind beide erwachsen. Sam, der sich ein Hotelimperium ...

Viele Jahre haben sich Dessie und Sam nicht mehr gesehen. Ihre junge Liebe wurde in einer einzigen, verhängnisvollen Partynacht zerstört. Mittlerweile sind beide erwachsen. Sam, der sich ein Hotelimperium aufgebaut hat und aufgrund seiner iranischen Herkunft rassistischen Drohungen ausgesetzt ist, entschließt sich dazu, sich an eine Sicherheitsfirma zu wenden, bei der jedoch ausgerechnet Dessie angestellt ist. Sie wird Sams Bodyguard, beide kommen sich näher und merken, dass die damalige Anziehungskraft nicht verloren gegangen ist. Doch die Vergangenheit lässt beide nicht los.
Dessie ist eine unabhängige und selbstsichere Hauptprotagonistin. Sie ist stark und hat sich selber aus einer schweren Phase ihre Lebens herausgekämpft. Sie ist oft sehr ernst, hochintelligent und würde alles tun für die Menschen, die sie liebt. Schwer hat sie jedoch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen und dem, was sie damals getan hat. Aufsteigende Erinnerungen lösen deshalb immer wieder heftige Panikattacken aus.
Sam ist aus dem Iran geflüchtet und in Schweden ohne Privilegien aufgewachsen. Motiviert durch seine Kindheit setzt er sich selber für eingewanderte Jugendliche, den Schutz der Umwelt und Chancengleichheit ein. Als (erfolgreicher) Mann iranischer Herkunft gerät er jedoch immer wieder in den Fokus von Rechtsextremisten und ist antiislamischem Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ausgesetzt, was ihm sehr zu schaffen macht.
Die Autorin spricht in ihrem Buch Themen an, die mir bis jetzt selten oder gar nicht in einem Liebesroman begegnet sind. Dazu gehören Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Rassismus und auch Feminismus und Androzentrismus.
Der Schreibstil ist teilweise sehr ausschweifend und blumig, für mich jedoch leicht und angenehm lesbar. Manchmal ist er jedoch auch stockend und gerade in Gesprächen gibt es Sprünge, die einen aus dem Lesefluss bringen.
Die Vielfältigkeit der Themen hat mich von Beginn an begeistert; es hat mich sehr gefreut, dass so viele gesellschaftlich relevante Themen, die leider Alltag vieler Menschen sind, auch im New Adult Bereich immer mehr ankommen.
Dadurch, dass im ersten Abschnitt des Buches, sehr viele Handlungsstränge angelegt werden, hatte ich die Befürchtung, dass die Geschichte zu überladen wird. Das hat die Autorin relativ gut gelöst, indem nicht alles am Schluss aufgeklärt wird, sondern peu à peu im Lauf der Erzählung.
Schweden ist ein Land, das man gut aus Kriminalromanen kennt. Bei Simona Ahrnstedt ist das typisch schwedische Flair leider gar nicht wahrnehmbar, so dass die Geschichte auch in jedem beliebigen anderen Land hätte spielen können. Wie die schwedische Atmosphäre mich nicht erreichen konnte, so gelang es der Autorin auch nicht, mich jene Emotionen spüren zu lassen, die sie beim Leser wecken möchte. Die Gefühle und die Anziehungskraft zwischen Dessie und Sam werden so beschrieben, dass sie den Leser kaum berühren, geschweige denn ergreifen. Am Ende verliert die gesamte Story jeden Bezug zur Realität. Gerade der Höhepunkt wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.
Die Idee der Geschichte und auch die vielen Themen haben mich sehr begeistert. Die Umsetzung ist für mich jedoch eine Enttäuschung, da es am Ende einfach too mich für ein Buch mit nicht mal 400 Seiten war.

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Ein offenes Gespräch über Männlichkeit

Bock
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Wenn von Feminismus die Rede ist, verfallen Männer häufig in eine Abwehrhaltung und verkennen dabei, wie sehr das Patriachat auch das Leben von Männern prägt und beeinflusst. In ihrem Buch „Bock. Männer ...

Wenn von Feminismus die Rede ist, verfallen Männer häufig in eine Abwehrhaltung und verkennen dabei, wie sehr das Patriachat auch das Leben von Männern prägt und beeinflusst. In ihrem Buch „Bock. Männer und Sex“, beschäftigt sich die Autorin Katja Lewina, wie im Titel schon deutlich wird, nicht mit ihrem eigenen Geschlecht, sondern mit Männern und männlichen Stereotypen. Welche gesellschaftlichen Erwartungen werden an Männer gestellt? Welchen Normen unterliegen sie und wie sind die sozialisiert? Um diesen Fragen nachzugehen, sucht die Autorin selber das Gespräch mit Männern, die jeweils ihre völlig eigene Geschichte mitbringen, sei es durch ihre Herkunft, ihren Beruf oder ihre Sexualität, die über ihre persönlichen Erfahrungen berichten oder sich selber mit dem Thema bpsw. Aufgrund ihres Berufes beschäftigen.
Von der Geburt bis ins hohe Alter greift Katja Lewina eine große Vielzahl von Themen auf und setzt sich mit Stereotypen und Normen auseinander. Dazu gehören Rasur, Selbstbefriedigung, durch Sexualkontakte übertragbare Krankheiten, allgemein die gesellschaftlichen Idee, was als „richtige“ Männlichkeit zu gelten hat und vieles mehr. Männer berichten über ihre eigene Wahrnehmung und ihre Erfahrungen, reflektieren über ihr eigenes Verhalten und liefern einen Blickwinkel, der ihnen oft selbst nicht bewusst war. Dabei lernen sie selber, ihr erlerntes Rollenverhalten zu hinterfragen. Stereotype werden aufgebrochen, wiederlegt, und es wird deutlich, was vielen nicht klar zu sein scheint: Es gibt eben nicht die eine richtige und einzige Form oder den einen richtigen Ausdruck von Männlichkeit. Was Männer ausmacht, ist so vielfältig, wie Menschen vielfältig sind. Die auferlegten Stereotypen und Normen schränken ein und führen nur zu psychischen Problemen und Leid.
Dabei ist die Autorin schonungslos ehrlich, und man:frau spürt, dass sie auch selber durch die Gespräche mit den vielen , unterschiedlichen Männern einiges gelernt und selber reflektiert hat. Der Schreibstil ist an den meisten Stellen umgangssprachlich, Katja Lewina verwendet Begriffe, die dem Leser mitunter unpassend erscheinen, erreicht damit aber genau das, was sie erreichen will: sie bricht Tabus, lässt hinterfragen und regt zum Nachdenken an. Das passt zu ihr, und es passt zum Buch. Die Ergebnisse der Gespräche fließen an den genau richtigen Stellen in der Form von wörtlichen Zitaten ein und spiegeln sich auch in dem Rest des Buches wieder. Die persönlichen Erfahrungen und Erzählungen der Männer werden durch Studien oder die Expertise von Expert:innen wissenschaftlich untermauert. Die Quellen finden sich am Ende des Buches in einem Literaturverzeichnis.
Während des Lesens habe ich unzählige Klebezettel verbraucht und damit viele Sätze und teilweise ganze Absätze markiert, ein untrügliches Zeichen dafür, wie gut ich das Buch fand. Ich konnte selber unglaublich viel mitnehmen, und mir ist einiges nochmal selber bewusster geworden.
Lest dieses Buch! Es regt einen Diskurs an, der noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen ist. Aber das Thema ist wichtig, und wir alle sollten darüber sprechen. Denn das Patriachat kann nur von allen gemeinsam besiegt werden.

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Veröffentlicht am 12.09.2021

Zykluswissen auf einen Blick

Kenne deinen Zyklus
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In „Kenne deinen Zyklus“ von Petra Schenke, liefert die Autorin Grundlagenwissen über alles, was es rund um den Zyklus zu wissen gibt.

Zyklusphasen, Menstruation, der Einsprung, Befruchtung und Zyklusschwankungen ...

In „Kenne deinen Zyklus“ von Petra Schenke, liefert die Autorin Grundlagenwissen über alles, was es rund um den Zyklus zu wissen gibt.

Zyklusphasen, Menstruation, der Einsprung, Befruchtung und Zyklusschwankungen werden auf den knapp 170 Seiten einfach und leicht verständlich erläutert. Das schmale und handliche Buch präsentiert das wichtigste Wissen schön und übersichtlich grafisch aufbereitet, sodass man neben den Text noch Grafiken hat, die das Geschriebene darstellen. Da der Text unkompliziert und leichtverständlich ist, ermöglicht es, dass Buch ohne Vorwissen zu lesen, schließlich soll es als Einstieg in die Thematik dienen. Gibt es dann doch mal einen unbekannten Begriff, kann man diesen im angehängten Glossar nachschlagen. Da das Buch wie schon beschrieben, nur eine Einstieg, in ein sehr komplexes Thema darstellt, kratzt vieles nur an der Oberfläche. Durch weitere Literaturempfehlungen am Ende des Buches, kann man jedoch sein Wissen noch weiter vertiefen und auf dem schon gelernten aufbauen. Des weiteren geht/ benennt die Autorin kurz das Thema Endometriose, eine Krankheit, die leider noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält.
Kenne deinen Zyklus ist ein wunderbarer Einstieg, in das Wissen über Zyklus und Menstruation und ich kann es allen, unabhängig vom Alter, ans Herz legen, die Anfang wollen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, wenn sie noch nicht wissen wo.
Leider bewegt sich die Autorin in ihrem Buch jedoch nur im Binären Geschlechtersystem.

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Veröffentlicht am 12.09.2021

Ein guter Ratgeber zum Absetzen der Pille

Bye, bye Pille
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Die Pille ist eines der bekanntesten und meist genutzten Verhütungsmittel. Doch da es ein hormonelles Verhütungsmittel ist gehen mit einer Einnahme oft, so einige Nebenwirkungen einher. Das Bewusstsein ...


Die Pille ist eines der bekanntesten und meist genutzten Verhütungsmittel. Doch da es ein hormonelles Verhütungsmittel ist gehen mit einer Einnahme oft, so einige Nebenwirkungen einher. Das Bewusstsein über die Auswirkungen, die die Pille auf den Körper haben kann, veranlasst immer mehr Personen dazu, die Pille abzusetzen. Doch wie kann man seinen Körper unterstützen, zurückzufinden zu einem ausgeglichenen Hormonhaushalt, wie sieht ein Normaler Zyklus aus und welche alternativen Verhütungsmethoden gibt es? All diesen Fragen widmet sich die Autorin Isabel Morelli in ihrem Buch „Bye Bye Pille“.
Die Inhalte des Buches sind graphisch sehr schön aufbereitet, sodass es wirklich Spaß macht, die Informationen sich durchzulesen und durch eine klare Strukturierung es leicht fällt den Überblick zu behalten und sich zu orientieren. Die wissenschaftlichen Informationen sind einfach und klar formuliert, Fachbegriffe werden zumeist erläutert, sodass alle für jede*n leicht verständlich ist und man nicht umständlich weitere Erklärungen googleln muss.
Das Buch war einfach unglaublich interessant und lehrreich. Gerade der Abschnitt zu Ernährung hat mir nochmal wiederholt gezeigt, welche Auswirkungen unser Essverhalten auf unseren Körper haben kann. Die Autorin rät desweiteren immer wieder davon ab etwas zu überstürzen, sondern verweist darauf kleine Schritte zu gehen. Die Buchtipps am Ende geben noch Anstoß, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen und das erhaltene Wissen zu vertiefen.
Dass Isabel Morellie auch alternative Verhütungsmethoden aufzeigt hat mir sehr gut gefallen. Ich hätte mich hier nur eine höhere Ausführlichkeit und Informationen zu den Risiken gewünscht.
Ansonsten habe ich eigentlich nichts an dem Sachbuch auszusetzten. Ich kann es allen empfehlen, die vorhaben, die Pille abzusetzen und ihren Körper dabei unterstützen und ihm etwas Gutes tun wollen!

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