Zeiten der Erinnerung und des Vergebens...
Der Sommer, der uns blieb„Der Sommer, der uns blieb“ ist ein Sommer voller Sehnsucht, über Freundschaft, Liebe und den Mut, zu sich selbst zu finden. Es ist zugleich zart und kraftvoll – ein hinreißender Coming-of-Age-Roman über ...
„Der Sommer, der uns blieb“ ist ein Sommer voller Sehnsucht, über Freundschaft, Liebe und den Mut, zu sich selbst zu finden. Es ist zugleich zart und kraftvoll – ein hinreißender Coming-of-Age-Roman über das Erwachsenwerden, das Schweigen der Erwachsenen und die laut schlagenden Herzen einer Jugend zwischen Aufbruch und Abschied.
Am Anfang steht ein wahres Zitat, über das was ein jeder sucht und es gibt ausnahmslos immer etwas.
Der Roman beginnt in der Gegenwart bei den 3 Protagonisten und ihren unterschiedlichen Lebenswege. Martin, Britta und Pia waren einst Freunde, bis sich ihre Weg trennten. Nun 20 Jahre später führt sie ihr Weg wieder in die alte Heimat , in die Vergangenheit und in all die unausgesprochenen Konflikte. Die Gegenwart spielt sich im Jahre 2020 ab, zum Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland. Daneben gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit der 90er Jahre und den vielen unvergleichlichen Sommern. Martin leitet heute die Firma seiner Eltern, alles dreht sich um Schuhe. Britta hat es damals nach Frankurt/Main verschlagen und ihrer Ausbildung zur Krankenpflegerin und Pia ging hinaus in die große, freie Welt, die sie mit unzähligen Fotos einfing.
Alle drei bringt es zurück zu ihrer Kindheit, ihrer Jugend und ihres jungen Erwachsensein. Es ist eine Reise in die Vergangenheit mit den entsprechenden Rückblenden, ein Kampf gegen eine Schuld, Zeit des Verzeihens und ein wirklicher Blick auf alles Geschehene.
Das Buch endet in einem Epilog
Diese Geschichte hat einen ganz leichten unerklärlichen Sog und irgendwie möchte man gar nicht, das sie zu Ende geht. Trotz der mitschwebenden Melancholie, der Traurigkeit, der schweren Ernsthaftigkeit, gleiten die Zeilen ganz leicht und einfach einnehmend an einem vorbei. Es gibt schöne Momente, Erinnerungen, erschreckende Erlebnisse und eine erschütternde Hintergrundgeschichte. Dafür gibt eigenwillige Zeitzeugen, liebenswerte Charaktere , viele Gegenstände sowie Orte, die etwas zu erzählen haben. Im Roman finden sich aber auch amüsante Momente, viele gefühlvolle und vor allem echte Momente, emotionale Augenblicke, leichte verstohlene Zeiten und authentische Charaktere mit all ihren Fehlern und Entscheidungen.
Für mich war es ebenso ein Rückblick in meine Zeit der Jugend und jungen Heranwachsens. Viele Gemeinsamkeiten habe ich gefunden oder wurde wieder an diese unvergleichbare Zeit erinnert. Auch weiß ich was es heißt mit diesen beiden Krankheiten, die im Buch mit thematisiert werden, umzugehen, zu Leben und Verluste zu verarbeiten. Vielleicht weil gerade die Gemeinsamkeiten mich noch mehr berührt haben, habe ich schon lange nicht mehr so emotional auf ein Buch reagiert, aber es hilft auch ein Stück sich selbst zu reflektieren und zu heilen.
Die mitwirkenden Charaktere habe alle ihre eignen Päckchen zu tragen und mussten mit ihren Entscheidungen leben und selbst zurechtkommen. Verschiedene Wegen zeigen auch verschiedene Sichtweisen auf und mit dem Blick zurück und in die jetzige Zeit, kann man für sich seine weitere Zukunft bestimmen. Es wird nicht immer geradlinig laufen, doch Stolpersteine sind dazu da, um sie zu überwinden, ob nun allein oder gemeinsam.
Alle mitwirkenden Charaktere geben der Handlung ihren eigenen Elan. Einige von ihnen sind zeigen sich auch nicht gänzlich, aber dennoch reicht ihre Darstellung für den Handlung völlig aus und lassen Raum für eigene Spekulationen.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen und die Liebe zum Wort und ihrer Ausdrucksweise ist spürbar. Er wandelt auch zwischen den Zeiten in seiner Art und macht es noch greifbarer. Es liest sich einfach nur sehr angenehm, stilsicher und ist mit einer leichten Brise Humor, selbstironischen Zügen, einer verletzlichen und emotionalen, aber fesselnden Leidenschaft versetzt. Die einzelnen Leseabschnitte tragen nur kleine Zitate und haben überwiegend gleichbleibende kurze Leselängen. Die Geschichte wird im Erzählstil aus den drei wechselnden Sichtweisen wiedergegeben.
Die gebundenen Ausgabe ist unheimlich schön. Es bleibt leichtfüssig, dennoch nostalgisch. Der Einband findet sich auch auf dem Hardcover wieder, im Farbschnitt und einem wunderschönen Page Overlay. Dazu die Innengestaltung macht es rundherum zu einem Gesamtschmuckstück.
Mein Fazit: Für mich war es ein sehr bewegender, berührender und ernsthafter Roman über die Schicksale eines Lebens, seine Auswirkungen und seine Wendungen.