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Veröffentlicht am 19.02.2024

Unterhaltsamer Start einer Krimireihe im Hamburger Hafen

Tatort Hafen - Tod an den Landungsbrücken
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„Tod an den Landungsbrücken“ ist ein sehr unterhaltsamer Start in eine neue Krimireihe, die im Hamburger Hafen spielt. Der besondere Kniff dabei: die zentrale Rolle spielt Wasserwachtler Tom, der es schafft, ...

„Tod an den Landungsbrücken“ ist ein sehr unterhaltsamer Start in eine neue Krimireihe, die im Hamburger Hafen spielt. Der besondere Kniff dabei: die zentrale Rolle spielt Wasserwachtler Tom, der es schafft, tief in die Ermittlungen einbezogen zu werden. Dabei können die Autoren aus dem Wissensschatz eines echten Hafenkenners schöpfen und lassen immer wieder kleine Alltagsgeschichten der Wasserschutzpolizei einfließen. Dies ist unglaublich charmant und lässt einen tief eintauchen in den Hamburger Hafen. Auch die Erfahrungen der Psychologin im Autorenduo fließen direkt in den Krimi ein. Mit Charlotte wird eine einfühlsame Polizistin geschaffen, die in Krisen hinzugezogen wird. Das Überbringen der Todesnachricht wird hier fast zu einer Lehrstunde für Krisenintervention.
Und es sind genau diese kleinen, fein und detailliert ausgearbeiteten Szenen, die den Krimi für mich so lesens- und die Figuren so liebenswert macht.
Ein schlüssiger Fall, der mir Raum zum miträtseln lässt und in dem die losen Fäden am Ende zusammengefügt werden (das ist bei einigen neuen Reihen gar nicht mehr der Fall, sondern es bleiben häufig Handlungsstränge fürs nächste Buch offen). Cliffhanger gibt’s dagegen im Privatleben der Ermittler – nicht nur deswegen ist der 2. Band für mich ein MUSS.
Und was mir noch gefällt: das Format des Buchs ist endlich mal wieder ein ganz normales Taschenbuch.

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Veröffentlicht am 31.01.2024

Spannend, irreführend und doch mit kleinen Schwächen

Gestehe
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Henri Faber ist für mich verknüpft mit überraschenden Wendungen, ungewöhnlichen Settings und einer ganz feinen Sprache. So hatte ich eine hohe Erwartungshaltung, die das Buch nicht ganz erfüllen konnte.
Gefühlt ...

Henri Faber ist für mich verknüpft mit überraschenden Wendungen, ungewöhnlichen Settings und einer ganz feinen Sprache. So hatte ich eine hohe Erwartungshaltung, die das Buch nicht ganz erfüllen konnte.
Gefühlt hat das Buch für mich drei Teile. Im ersten Teil lernen wir den Helden Inspektor Jacket kennen. Großspurig, oberflächig und scheinbar mit ganz schön vielen Psychosen belastet. Er wird mit einer ironischen Art beschrieben, die mir überhaupt nicht liegt. Sein Gegenspieler ist Mo, ein junger österreichischer Polizist, der sich selbst auf sein fremdländisches Aussehen reduziert und alles aus dieser Brille wahrnimmt. Wenngleich diese einseitige Darstellung absolut ihren Zweck erfüllt, bleibt der Charakter dadurch erstmal sehr blass.
Beide bearbeiten mysteriöse Tötungsfälle, die alle irgendeinen Bezug zu Inspektor Jacket und dem Fall haben, mit dem er berühmt wurde. Das Buch nimmt im zweiten Teil richtig Fahrt auf. Und hier sind sie dann auch wieder, die Faber-typischen Sätze. Die so punktgenau Situationen beschreiben, so dass ich sie mit Begeisterung zweimal lese. Und hier tauchen auch die ersten sichtbaren Widersprüche in den Figuren auf, die mich miträtseln lassen und bei denen ich mich immer wieder frage, wer hier eigentlich wen hinters Licht führt.
Der dritte Teil des Buches lässt dann die Figuren richtig stark werden. Hintergründe werden klar und jetzt bekommt alles die Tiefe, die mir anfangs fehlte. Dennoch hadere ich mit diesem Teil ein wenig. Zu detailverliebt sind mir Ortsbeschreibungen, zu ausufernd Verfolgungsjagden.
Die Auflösung ist wieder typisch für Faber. Überraschungen bis zum Schluss, manche hatte ich im Hinterkopf, aber dann doch wieder verworfen. Manches kommt ganz ohne Vorwarnung, macht aber viel Sinn.
Mir gefällt sehr, dass die Faber-Bücher so einen hohen optischen Wiedererkennungswert haben, obwohl sie alle für sich stehen. Für mich ist das nicht das stärkste Buch von Henri Faber, aber wieder sehr lesenwert.

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Veröffentlicht am 20.01.2024

Fesselnd. Informativ. Absolut lesenswert.

Die Spiele
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Als Kriminalroman würde ich Stephan Schmidts Buch „Die Spiele“ nicht bezeichnen. Für mich ist es viel mehr eine faszinierende Beobachtung internationaler Verwicklungen.
Stephan Schmidt spannt den Bogen ...


Als Kriminalroman würde ich Stephan Schmidts Buch „Die Spiele“ nicht bezeichnen. Für mich ist es viel mehr eine faszinierende Beobachtung internationaler Verwicklungen.
Stephan Schmidt spannt den Bogen von der (Vor-)wendezeit bis heute und packt dabei zwei zunächst völlig unabhängige Themen an.
Zum einen beschäftigt er sich mit dem Los der mosambikanischen Vertragsarbeiter in der DDR, die offensichtlich um einen Großteil ihres Lohns betrogen werden. Mit der Figur des Murandi schafft er dabei einen Protagonisten, der vom Betrogenen zum Betrüger wird.
Parallel wird in Shanghai um die Vergabe der Olympischen Spiele gekämpft. Europa oder Afrika? Die chinesische Regierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Geht es doch darum, um mittels Investitionen die Kontrolle über Afrika zu gewinnen. Glaubwürdig recherchiert werden die chinesischen Verhältnisse erzählt.
Beide Stränge sind für mich an sich schon absolut lesenswert. Verknüpft werden sie durch eine deutsche Botschaftsangestellte, einen abgehalfterten Journalisten und einen chinesischen Polizisten. Diese dritte Ebene ist absolut faszinierend. Stellt sich doch immer wieder die Frage, welche Interessen am Ende gewinnen. Persönliche? Politische? Wer zieht hier eigentlich welche Fäden?
Ein besonderes Highlight ist für mich, dass ehemalige Mitglieder der Regierung hervorragend charakterisiert und teilweise sogar namentlich benannt werden. Das macht das ganze Buch für mich noch einen Tick realistischer. Ich bin von dem Buch absolut fasziniert!

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Veröffentlicht am 26.12.2023

Gekonnt an Altfälle angeknüpft

Die Schuld, die man trägt
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Ein sehr persönlicher Fall für Sebastian Bergmann. Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, werden ermordet und der Mörder spielt scheinbar mit ihm. Alle Hinweise zeigen auf eine Verbindung zu ...

Ein sehr persönlicher Fall für Sebastian Bergmann. Menschen, die ihm in seinem Leben begegnet sind, werden ermordet und der Mörder spielt scheinbar mit ihm. Alle Hinweise zeigen auf eine Verbindung zu Sebastian. Das macht ihn – den Egozentriker und Zyniker – sehr nachdenklich.
Überhaupt wird’s persönlich. Ein ihm nahestehender Client stirbt und möchte unbedingt, dass Sebastian seine Tochter kennenlernt. Liegen die Hintergründe dafür im lange zurückliegenden Tsunami Unglück?
Gekonnt öffnen die Autoren verschieden Handlungsstränge. Man ahnt bei einigen schnell die Zusammenhänge. Andere bleiben lange offen und werden am Schluss elegant zusammengeführt. Ob Billy, der ehemalige Kollege aus der Reichsmordkommission so viel Raum brauchte, bleibt für mich fraglich. Die Charaktere – und somit auch Billy - sind jedoch allesamt sorgfältig ausgearbeitet. Sebastian wird in neuen Fassetten gezeigt und auch Vanja macht eine (am Ende sehr schmerzhafte) Entwicklung durch. Ich finde es großartig, wenn nach so vielen Bänden neue Personen Platz haben und die alten ganz langsam ausgephast werden.
Es ist sicher gut, schon mal einen Krimi aus der Sebastian Bergmann Reihe gelesen zu haben. Ein Muss ist es aber nicht, alle Bände zu kennen. Da einige Altfälle aufgegriffen werden, geht bei mir etwas der Reiz verloren, vorige Bände „nachzulesen“.
Der Schreibstil der Autoren ist absolut fesselnd. Trotz der kurzen Kapitel will man immer und immer weiterlesen. In der Hoffnung auf weitere Fälle bin ich wieder zum absoluten Hjorth & Rosenfeldt Fan geworden.

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Veröffentlicht am 09.12.2023

Interessanter Einblick in den Journalismus der 70er Jahre

Die Unbestechliche
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„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer ...

„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer Zeit, als es sich schickte, dass sich Frauen ausschließlich um die Familie kümmern. Doch sie findet ihren Weg, erst als Volontärin einer Lokalzeitung, später im Sportressort einer großen Münchner Zeitung und dann sogar im Hörfunk. Das Autorinnenduo begleitet Alice an den Scheidepunkten ihres Lebenswegs.
Und in diesem Begleiten liegt für mich auch die Schwäche des Buchs. Es wird fast wie in einem Sachbuch eine Geschichte über Alice erzählt. Die Protagonistin kommt mir nicht wirklich nah, zu distanziert und journalistisch ist der Erzählstil. Fast als würde ich einen Zeitungsartikel lesen.
Aber diese Liebe der Autorinnen zum Journalismus macht das Buch letztendlich doch zu etwas besonderem. Der Einstieg in jedes Kapitel mit historischen Zeitungsberichten gefällt mir richtig gut. Diese sind so ausgewählt, dass sie einerseits Erinnerungen wecken, andererseits perfekt zum Abschnitt passen. Auch der Einblick in die Pressearbeit ist sehr bereichernd. In den Redaktionsmeetings und im Umgang der Personen untereinander wird der Zeitgeist schön eingefangen.
Fast schon überfliegen musste ich dagegen die politische Einwertung der jeweiligen aktuellen Ereignisse. Die ewigen (Kneipen-)dialoge und ein bisschen zu viel Moralisieren mit dem Holzhammer haben mein Lesevergnügen getrübt. Zudem empfand ich das Buch auch stilistisch überfrachtet: die Zeitungsartikel als Einstieg, Haikus als haltgebende Lebensweisheiten und dann noch die Parallelgeschichte von Alice im Wunderland wegen der Namensgleichheit zur Protagonistin. Da hätte mir mehr Innenleben von Alice und das wirkliche Auserzählen der anderen Hauptfiguren viel besser gefallen. Diese sind immer nur punktuell da, wenn sie gerade gebraucht werden und verschwinden ansonsten für lange Zeit im Nichts. Das fand ich sehr schade, da in diesen Figuren auch jede Menge Potential liegt.

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