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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2023

Verblüffend, Spannend, Gut!

Die Wahrheit
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Von Beginn an weiß der Leser, dass ein Mann und eine Frau tot in einem noblen Haus aufgefunden wurden. Wie es dazu kam? Dies wird in einem Zeitraum ab 10 Wochen zuvor erzählt.
Diese Erzählung findet jeweils ...

Von Beginn an weiß der Leser, dass ein Mann und eine Frau tot in einem noblen Haus aufgefunden wurden. Wie es dazu kam? Dies wird in einem Zeitraum ab 10 Wochen zuvor erzählt.
Diese Erzählung findet jeweils aus der Perspektive der zumindest Betroffenen statt. Ob sie am Geschehen auch beteiligt sind, bleibt lange offen. Überhaupt steigert sich die Spannung im Buch von Seite zu Seite und man fragt sich, wohin das alles führt. Licht ins Dunkel bringen die geschickt zwischen den Kapiteln platzierten Vernehmungsberichte. In diesen wird sich immer wieder stückweise der Wahrheit genähert.
Wir lernen die Figuren ganz harmlos kennen. Nach und nach werden sie gehäutet wie eine Zwiebel. Ihre Vergangenheit, ihre Ängste und ihre Geheimnisse kommen ans Tageslicht. Dabei sind sie alle miteinander verwoben. Bisweilen tut es richtig weh zu lesen, wie sich die teilweise sehr sympathischen Protagonisten immer tiefer in den Schlamassel bringen, wie sie die Augen vor dem Offensichtlichen verschließen. Die Geschichte könnte sich genau so zutragen und das macht meines Erachtens einen Teil ihrer Stärke aus.
„Die Wahrheit“ ist ein Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte, bis man weiß, wie alles endet. Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 30.04.2023

Regt zum Nachdenken an

Die spürst du nicht
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Der ungewohnte Schreibstil fesselt sofort. Daniel Glattauer erzählt die Geschichte wie ein neutraler Beobachter. Anonyme Pressetexte und Postings bilden eine weitere externe Erzählperspektive. Dadurch ...

Der ungewohnte Schreibstil fesselt sofort. Daniel Glattauer erzählt die Geschichte wie ein neutraler Beobachter. Anonyme Pressetexte und Postings bilden eine weitere externe Erzählperspektive. Dadurch kommt man den handelnden Personen nicht wirklich nah, ist aber um so mehr angeregt, über sie nachzudenken.
Da fahren zwei Familien in den Urlaub und nehmen (warum eigentlich?) eine Mitschülerin der Tochter mit. Diese ist ein somalisches Flüchtlingskind, bisher wenig integriert und sehr zurückhaltend, nicht spürbar geradezu. Es ist kein gemeinsamer Urlaub, sondern jeder lebt in seiner eigenen Welt. Schnell kommt es zur Katastrophe. Und wenn man denkt, diese wird nun gemeinsam verarbeitet, irrt man sich gewaltig. Auch hier bleibt jeder für sich allein. Die Erwachsenen quält überwiegend die Frage, wie man ungeschoren aus der Situation herauskommt. Die Kinder werden komplett sich selbst überlassen. Insbesondere die Tochter driftet ins Internet ab und sucht dort nach Trost und Verständnis. Daniel Glattauer zeichnet hier ein schonungsloses Gesellschaftsbild. Vordergründig muss alles picobello sein, im Hintergrund spielen sich die wahren Katastrophen ab. Im Netz wird dazu fleißig kommentiert, jeder traut sich ein Urteil über den anderen zu.
Es ist dem Autor ein Anliegen, die Geschichten dahinter zu erzählen. Das Ende des Buchs ist geprägt vom Leben der somalischen Flüchtlingsfamilie. Sie werden sichtbar und spürbar gemacht, entanonymisiert geradezu.
Während mich am Anfang der ungewöhnliche Stil gefesselt und das Handeln der Familien sehr zum Nachdenken über unser Leben im hier und jetzt gebracht hat, war mir das Ende des Buches zu sehr „mit dem Holzhammer“ erzählt. Da hätte ich mir mehr von der Feinsinnigkeit des Beginns gewünscht, denn die Botschaft ist ohnehin mehr als deutlich.

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Veröffentlicht am 02.04.2023

Zu viel gewollt

Abschied auf Italienisch
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Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt ...

Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt er es sich mit allen: der geheimnisvollen Mitbewohnerin seines Vaters, den örtlichen Carabinieri, seiner engsten Kollegin. Nur zum Pathologen scheint er ein halbwegs normales Verhältnis aufzubauen. Dies braucht er auch bei seinen eigenwilligen Ermittlungen. Denn schließlich hat er gleich zwei Fälle zu lösen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Mich packt das Buch leider nicht. Die Charaktere sind mir zu stereotyp (warum kann Grassi nur grob sein oder sich leise entschuldigen?), die Geschichte zu gefüllt mit Nebenschauplätzen. Die Beziehung zum Vater nimmt recht viel Raum ein, auch Grassis Verhältnis zur in Rom gebliebenen Frau und der in Berlin studierenden Tochter (warum muss sie nun auch noch verletzt sein?) wird ausgiebig thematisiert. Und dann ist da noch Toni, die scheinbar eine wichtige Rolle im Leben seines Vaters gespielt hat und nun wohl auch in seinem spielen wird. Dazu kommen umfangreiche Buch- und Liedzitate.
Das Buch ist wunderbar gestaltet. Man spürt sowohl im Cover als auch den schönen Landschaftsstimmungen im Buch die Liebe des Autors zu Italien und der Cinque Terre.

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Veröffentlicht am 29.03.2023

Die unfassbaren Folgen eines richtig schlechten Tags

Institut für gute Mütter
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Ja, Frida hat einen Fehler gemacht. An ihrem richtig schlechten Tag war das. Als ihr alles zu viel wurde. Sie hat ihre kleine Tochter unbeaufsichtigt gelassen.
Und dies bleibt nicht unbeobachtet. In einer ...

Ja, Frida hat einen Fehler gemacht. An ihrem richtig schlechten Tag war das. Als ihr alles zu viel wurde. Sie hat ihre kleine Tochter unbeaufsichtigt gelassen.
Und dies bleibt nicht unbeobachtet. In einer Stadt, in der Menschen andere anzeigen, weil sie in ihren Augen Fehler machen. Oh, wie nah ist das an der Realität!
Auch Frida wird angezeigt. Und was dann passiert, ist so grausam, so unvorstellbar und doch phasenweise gar nicht so weit weg von der heutigen Welt. Nur konsequent zu Ende gedacht, was passiert, wenn die einen die Regeln machen und die anderen sie um jeden Preis einhalten müssen, so sinnfrei sie auch manchmal sind.
Frida kommt in das Institut der guten Mütter. Hier soll sie mit einer KI-Puppe lernen, wie sich gute Mütter verhalten. Und wenn das nicht klappt? Dann gibt es Entzug des letzten Bindeglieds zu den eigenen Kindern. Man darf nicht einmal mehr mit Ihnen telefonieren. Damit hat die Schule das größtmögliche Druckmittel überhaupt.
Die Beobachtungen in dieser Dystopie sind auf den Punkt. Fridas Gefühle und Gedanken, ihre Erinnerungen an ihre Tochter, ihre Sehnsucht, ihre Verzweiflung und Hoffnung sind sehr greifbar beschrieben. Teilweise hat man das Gefühl, mitten in dieser abstrusen Schule zu sein. Für mich wird dieses Gefühl durch das Schreiben in der Gegenwart verstärkt. Manchmal bleibt mir fast die Luft weg, so bedrückend sind die Szenen.
Ein paar Längen hat das Buch. Vielleicht hätte ich nicht jede Lerneinheit des „Instituts der guten Mütter“ so ausführlich gebraucht. Andererseits spürt man dadurch die Grausamkeit dieses einen Prüfungsjahrs für die Mutter um so mehr.

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Veröffentlicht am 26.11.2022

Ein Dorf voller Geheimnisse

Wintersterben
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Ja, es fängt spannend an das Buch. Ein vermisstes Mädchen, ein grausam zugerichtetes Mordopfer und alles deutet auf Steinberg hin, ein einsames Dorf in den Schweizer Bergen.
Die Stimmung im Dorf ist vom ...

Ja, es fängt spannend an das Buch. Ein vermisstes Mädchen, ein grausam zugerichtetes Mordopfer und alles deutet auf Steinberg hin, ein einsames Dorf in den Schweizer Bergen.
Die Stimmung im Dorf ist vom Autor hervorragend gezeichnet. All die verschlossenen Türen, die Andeutungen, die offensichtlichen Lügen. Man kann das Unbehagen von Valeria Ravelli, ihres Zeichens Ermittlerin bei Interpol, fast körperlich spüren. Dennoch versucht sie unerschrocken und auf sich allein gestellt, die Fälle zu lösen. Ihr Mantra: „Du kannst niemandem trauen“.
So spannend dieses Buch beginnt, so sehr hat es auch seine Schwächen. Mich stören die vielen Bezugnahmen auf Teil 1 der Reihe, den ich nicht kenne. Valeria scheint etwas Grausames erlebt zu haben, oft angedeutet wird. Entweder wünsche ich mir eine kurze Aufklärung oder mir reicht die einmalige Erwähnung, dass ihr letzter Fall sie an ihre Grenzen gebracht hat und sie deswegen dunkle, enge Keller und Räume fürchtet. Ich empfinde auch ihr Handeln häufig unlogisch. Entscheidende Telefonate außerhalb Steinbergs führt sie ausgerechnet in einem Haus, in das sie gelockt wurde. Ihre Waffe hat sie immer genau dann nicht dabei, wenn es brenzlig wird. Sie fährt unvorbereitet und spontan zu ihrem Hauptverdächtigen.
Ich finde das so schade, denn die Grundidee des Buches ist fesselnd und faszinierend zugleich. Und Martin Krüger schafft es, Unbehagen und das Gefühl der Eiseskälte durch Beschreibungen von Verhaltensweisen und Situationen zu erzeugen. Die Szenen im Dorf und später auch auf dem Gelände ihres Hauptverdächtigen fand ich sehr spannend.
Leider kommt dann der Cliffhänger am Ende. Es ist ok, den nächsten Band einer Reihe anzuteasern. Aber so viele offene Fäden sind mir dann doch zu viel.

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