Profilbild von Lesefee2305

Lesefee2305

Lesejury Star
offline

Lesefee2305 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesefee2305 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2020

Man sieht sich immer zweimal im Leben

Flirting with Fire (Saving Chicago 1)
0

„Ich träume immer mal wieder von unserer Hochzeit – und er weiß nicht mal, wer ich bin.“

„Flirting with fire“ ist ein Liebesroman von Piper Rayne. Er erschien im November 2019 im Forever Verlag und ist ...

„Ich träume immer mal wieder von unserer Hochzeit – und er weiß nicht mal, wer ich bin.“

„Flirting with fire“ ist ein Liebesroman von Piper Rayne. Er erschien im November 2019 im Forever Verlag und ist der Auftaktband der „Saving Chicago“-Reihe. Die Handlung ist in sich abgeschlossen.
Madison schwärmte schon zu Schulzeiten für Mauro Bianco, den Quarterback des Schulfootballteams. Seitdem sind mittlerweile 9 Jahre vergangen und Maddie hätte nie gedacht, dass sie ihren Highschoolschwarm einmal wiedersehen würde. Als dieser jedoch auf einer Spendenaktion zu Ehren gefallener Soldaten als Junggeselle versteigert wird und ausgerechnet Maddies Freundin Lauren in ihrem Namen auf Mauro bietet und gewinnt, lässt Maddie sich widerwillig auf das gewonnene Date ein...

„Flirting with fire“ ist der Auftaktband der „Saving Chicago“-Reihe, in der es um die Bianco-Brüder geht. Als erstes lernen wir Mauro und Maddie kennen. Beide Hauptfiguren waren mir insgesamt sehr sympathisch und für waren für mein Empfinden ansprechend dargestellt und gestaltet, sodass mir der Einstieg in die Geschichte wirklich leicht viel.
Maddie ist eine junge Frau, die grundsätzlich weiß, was sie vom Leben will. Sie kauft leerstehende Häuser auf, modernisiert sie und verkauft sie weiter, um so jungen Familien ein neues Heim zu geben. Hierfür bedarf es einiges an Organisationstalent, aber auch Kreativität und eine gute Portion Vorstellungsvermögen. Sie ist freundlich und stets darauf bedacht, dass die Personen in ihrer Umgebung sich wohl fühlen. Dabei vergisst sie manchmal ihre eigenen Wünsche und macht sich teilweise kleiner als sie ist. Diese Charaktereigenschaften entstehen aus einem typischen Klischee, so hat Maddie sich vom „hässlichen Entlein“ zu Schulzeiten zu einem wunderschönen Schwan gewandelt, kann dies aber selber nur schwer glauben. Dies belastet dann auch die beginnende Beziehung zu Mauro, dem das Selbstbewusstsein seiner potentiellen Partnerinnen sehr wichtig ist. Nur schwer kann Maddie akzeptieren, dass Mauro wirklich an ihr interessiert sein könnte und zweifelt auch im Laufe der Handlung immer wieder an ihm. Obwohl dies ein typisches Klischee und keine neue Idee für den Plot war, ist dieser Aspekt gut aufgegriffen und umgesetzt worden, weshalb es mich zwar zum Schmunzeln brachte, aber nicht gestört hat.
Auch Mauro ist ein einziges Klischee, als attraktiver Italiener war er bislang, ebenso wie sein jüngerer Bruder, nicht wirklich an Beziehungen interessiert. Trotzdem hat er ein Herz aus Gold und hilft Freunden wo er nur kann. In Madison sieht er von Anfang an mehr, als eine Bettgeschichte, ihr Auftreten und ihr Charakter faszinieren ihn, ihr Aussehen spricht ihn an. Dass sie zusammen zur Highschool gingen, hat er allerdings vergessen.
Sehr gut gefallen hat mir die Kennenlern- (oder Wiedersehens-) Idee der beiden. Die Junggesellenversteigerung und das anschließende, zufällige erneute Aufeinandertreffen der beiden waren gut umgesetzt und definitiv mal etwas Neues.
Insgesamt glänzt der Roman mit einem unglaublich flüssigen und leichten Schreibstil mit viel Humor und ansprechenden Charakteren und Nebendarstellern. Der Hauptkonflikt wird gut umgesetzt und später aufgelöst, er wirkt zu keiner Zeit übertrieben oder anstrengend, obwohl die Handlung mit Klischees überladen ist. Ich habe den Roman an einem Tag verschlungen und mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Was mir ein wenig gefehlt hat, war der Tiefgang und ein stärkerer Einblick in die Handlungen und Gefühle von Mauro und Maddie. Zwar wurde versucht, die Perspektive vom Aussehen auf die inneren Werte zu lenken, trotzdem hätten ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und ein größerer Einblick gut getan. Insgesamt blieben Denken und Handeln eher oberflächlich beschrieben, was aber dem Lesespaß keinerlei Abbruch tut.
Gut gelöst wurde außerdem die Verknüpfung auf die folgenden Bände, in denen Mauros Brüder die Hauptrolle spielen werden. Wir haben beide bereits mit Vor- und Nachteilen kennengelernt und bekommen auch eine Idee, wer ihr jeweiliger Partner werden könnte. Hier wird auch bereits eine gewisse Spannung aufgebaut, da es rätselhaft bleibt, weshalb Lauren, Maddies beste Freundin, ein Date mit Luca vehement ausschließt, obwohl sie es ebenfalls ersteigert hat. Ich bin daher wirklich gespannt auf die nächsten Geschichten!
Auch das Buchcover und den –titel finde ich sehr gelungen, lediglich Klappentext und Handlung passen meiner Meinung nach nicht wirklich zusammen. Während der Klappentext von einem „Ehemaligentreffen mit Bachelor-Versteigerung“ die Rede ist, geht es im Roman um eine „Spendenaktion zu Ehren gefallener Soldaten“. Sicherlich ist das Resultat da selbe, trotzdem finde ich diese abweichende Darstellung unglücklich.

Mein Fazit: „Flirting with fire“ ist ein typischer Liebesroman, der mit einigen Klischees um die Ecke kommt. Er überzeugt aber mit einem faszinierenden und flüssigen Schreibstil und einer ansprechenden Handlung, die für ein paar schöne und unterhaltsame Lesestunden sorgt. Weil es mir ein wenig an Tiefgang gefehlt hat und ich die Geschichte insgesamt für gut und solide halte, nicht aber für überwältigend, vergebe ich 4 von 5 Sternen und bin sehr gespannt auf Mauros Brüder!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2020

Rettet die Bienen

Die Honigprinzessin
0

„Erst sterben die Bienen und vier Jahre später der Mensch.“ – Albert Einstein

„Die Honigprinzessin“ ist ein Liebesroman von einem Autorenpaar, welches ihre Bücher unter dem Namen Julia Drosten veröffentlicht. ...

„Erst sterben die Bienen und vier Jahre später der Mensch.“ – Albert Einstein

„Die Honigprinzessin“ ist ein Liebesroman von einem Autorenpaar, welches ihre Bücher unter dem Namen Julia Drosten veröffentlicht. Er erschien 2014 und wurde von den Autoren selbst publiziert.
Nachdem die erfolgreiche Marketingmanagerin Alina im Park einen Unfall mit einem älteren Herrn verursacht, bekommt sie unverhofft die Verantwortung für dessen Bienenstämme übertragen. Mehr und mehr lernt sie die kleinen Tiere kennen und lieben und scheut sich schließlich auch nicht für deren Wohl einzutreten. Gemeinsam mit dem Imker und dessen attraktivem Sohn Sven beginnt sie daher den Kampf gegen ein Insektengift und stürzt sich zudem in eine Romanze, die plötzlich mehr zu werden scheint als „nur Sex“.

Der recht reißerisch klingende Klappentext von „Die Honigprinzessin“ erinnerte mich beim Durchlesen ein wenig an einen oberflächlichen Groschenroman. Mit einer entsprechenden Erwartung begann ich daher das Buch und stellte mich auf eine Handlung mit viel Dramatik, aber wenig Tiefgang ein. Sehr schnell konnte der Roman mich aber vom Gegenteil überzeugen, denn Alinas Geschichte ist mit viel Liebe und Engagement geschrieben, ernste Themen kommen dabei nicht zu kurz und auch die Dramatik bewegt sich in einem durchaus normalen und angenehmen Rahmen.
Die Protagonistin Alina war mir von Anfang an sympathisch. Als Unfallverursacherin zögert sie nicht lange und übernimmt die Pflege der Bienenstöcke, obwohl sie mit dem Imkern keinerlei Erfahrungen hat. Sie ist eine engagierte, zuverlässige und freundliche junge Frau, die sich in ihrem bisherigen Leben hauptsächlich auf die Arbeit konzentriert hat. Erst langsam begreift sie, dass diese nicht die zentralste Rolle im eigenen Leben spielen sollte und erkennt durch ihren Unfall ebenso, dass die Beziehung zu ihrem Freund Marc nicht so stabil und innig ist, wie sie es sein sollte. Erstmalig hinterfragt sie ihren Lebensweg und im Laufe des Romans wird ihre persönliche Veränderung deutlich. Ihre Prioritäten erhalten einen anderen Fokus und es zeigt sich, dass für sie moralische Grundsätze wichtiger sind als finanzielle Aspekte. Obwohl Alina und Marc bisher im Büro ein grandioses Team abgeben, mangelt es Marc an Interesse für Alina, denn neben der Arbeit gibt es für ihn nur wenig. Für das Versorgen der Bienen hat er von Anfang an keinerlei Verständnis und drückt dieses auch klar und deutlich aus. Er wird dem Leser als arrogant und egoistisch präsentiert, der ruppige und desinteressierte Umgang mit Alina macht ihn ebenfalls nur wenig sympathisch. Am Beispiel dieser beiden Figuren wird deutlich, dass die Darstellung der Personen unglaublich gut gelungen ist. Schnell wird dem Leser klar wer in der Handlung welche Rolle spielen wird, wobei der Verlauf der Geschichte trotzdem nur wenig vorhersehbar ist, sodass eine gewisse Spannung während des gesamten Romans aufrecht erhalten bleibt.
Der Schreibstil der Autoren ist flüssig und klar – Humor, Dramatik und Ernsthaftigkeit halten sich die Waage. Durch die Erzählperspektive als personalem Erzähler, der die Handlung hauptsächlich aus Alinas Sicht berichtet, werden die Gedanken und Gefühle der Protagonistin eindeutig beschrieben und die Darstellung der Figuren unterstrichen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Handlung des Romans sich nicht nur auf die Liebesgeschichte und den Lebenswandel von Alina konzentriert, sondern nebenher ein für uns Menschen unglaublich wichtiges Thema anschneidet und eine klare Botschaft vermittelt. Durch die Übernahme der Bienenvölker lernt Alina nicht nur den interessanten Imkersohn Sven kennen, sondern beginnt auch den Nutzen und das Leben der Bienen besser kennenzulernen. Dadurch, dass sie beginnt die wichtige Rolle der Bienen für das Überleben der Menschen zu erkennen, wird auch der Leser zwangsläufig in das Thema involviert und für den Insektenschutz sensibilisiert. Der Kampf den Alina schließlich gegen das Insektengift eines großen Konzerns zu führen beginnt macht deutlich, was für Folgen das Bienensterben für uns Menschen haben kann. Ich fand diesen Aspekt des Romans unglaublich wertvoll und konnte durch ihn sehr viel über Bienen dazulernen. Dabei wurden die entsprechenden Informationen sowohl in die Handlung eingeflochten, als auch in kurzen Zitaten aus entsprechenden Zeitschriften oder Büchern zu Beginn jedes Kapitels.

Mein Fazit: Mit Spannung, Humor und Dramatik, aber auch einer guten Prise Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit sensibilisiert „Die Honigprinzessin“ den Leser für ein wirklich wichtiges Thema und präsentiert gleichzeitig eine mitreißende und emotionale Liebesgeschichte. Von mir gibt es eine definitive Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.12.2019

Liebe auf den ersten Blick

The One - Finde dein perfektes Match
0

„[…] man sollte sich vergewissern, dass man wirklich den Richtigen gefunden hat, bevor man vor den Altar tritt.“ - Sumaira

„The One – Finde dein perfektes Match“ ist ein Roman von John Marrs, übersetzt ...

„[…] man sollte sich vergewissern, dass man wirklich den Richtigen gefunden hat, bevor man vor den Altar tritt.“ - Sumaira

„The One – Finde dein perfektes Match“ ist ein Roman von John Marrs, übersetzt von Felix Mayer. Er erschien im Oktober 2019 im Wilhelm Heyne Verlag.
Ellie Ayling hat es geschafft. Sie hat eine Software entwickelt, die auf Basis der DNA eines Menschen den perfekten Partner findet. Mittlerweile vertrauen Millionen Menschen weltweit „Match your DNA“ und verlassen sich darauf, dass die schwierige Suche nach dem Partner fürs Leben endlich ein Ende hat. Doch ist es wirklich möglich, dass nicht gemeinesame Interessen und Gefühle die Basis für eine Beziehung ist, sondern genau diese Gefühle nur durch die Gene gesteuert sind und daher wissenschaftlich errechenbar? Sollten Paare, die ohne DNA-Test zueinander gefunden haben nicht auf Nummer sicher gehen und sich testen lassen? Oder ist das „perfekte Match“ nur eine Illusion, denn auch angebliche Seelenpartner haben Geheimnisse voreinander und die können sogar tödlich sein…

„The One“ war ein faszinierender Roman. Er beschäftigt sich mit dem allgegenwärtigen Thema der Partnersuche und verlagert diese auf die heutigen Medien und die immer größer werdende Digitalisierung. Warum sollte man in Zeiten, in denen eigentlich alles per Computer machbar ist, noch auf die Straße oder in einen Club gehen, um mühsam einen Partner zu finden, mit dem es am Ende doch nicht klappt? Warum Energie in etwas investieren, was vielleicht keine Zukunft hat? Da kommt „Match your DNA“ doch genau recht. Ein System, das eine Trefferquote von 99,9 % aufweist und für 98 % der Nutzer innerhalb von 6 Monaten einen passenden Partner findet. Einfacher geht es kaum. Zudem kann man sich das Kennenlernen erleichtern, denn das man zueinander passt, steht ja bereits fest. Vorbei also mit Sorgen und Überlegungen. Stattdessen Liebe auf den ersten Blick und Gefühle wie ein Feuerwerk.
Der Roman thematisiert mit dieser Software ein Thema, das meiner Meinung nach tatsächlich immer größer wird. Je schneller und digitaler die heutige Zeit wird, umso weniger Zeit verbringen wir mit den echten Menschen und desto weniger Möglichkeiten gibt es, einen Partner zufällig zu treffen. Dating-Plattformen boomen und daher ist es erstmal nur logisch, dass auch die Nachfrage nach einem System, dass den perfekten Partner ermitteln kann, unglaublich hoch ist. Auf den ersten Blick hat man also nur Vorteile: Gefühle sind garantiert, die Zukunft des Paares ist klar definiert, die Suche erleichtert. Doch kann die Liebe wirklich so einfach sein? Am Ende wohl doch nicht immer, denn was ist mit diesen Paaren, die sich ohne die Software gefunden haben? Können sie überhaupt sicher sein, dass sie wirklich zueinander passen? Und die Matches, ist es wirklich möglich, dass sie einander bedingungslos vertrauen können? Oder haben auch sie Geheimnisse voreinander, die manchmal größer sind als man glaubt? Was ist mit Matches, bei denen ein Partner schwer erkrankt ist? Können diese Menschen ihr Glück nie wieder bei jemand anderem finden? Sind Fehlmatches wirklich ausgeschlossen…?
John Marrs beleuchtet in seinem Roman alle diese Denkansätze und führt in Form von Unterhaltungen, Diskussionen und Gedanken Vor- und Nachteile der Software auf. Dabei verpackt er die Handlung in mehrere Einzelstränge, insgesamt begleitet der Leser fünf Matches parallel auf ihrem Weg. Die Protagonisten begegnen sich dabei untereinander nicht, dennoch lassen sich die Erlebnisse miteinander vergleichen, die Geschichten zeigen verschiedene Konflikte auf, die durch „Match your DNA“ ausgelöst wurden. Zu Beginn waren die unterschiedlichen Erzählstränge ein wenig durcheinander, nachdem man aber die Figuren kennengelernt hat, lichtet sich die Verwirrung vollständig. Die Erzählperspektive ist jeweils als personaler Erzähler aus Sicht des jeweiligen Protagonisten gewählt, Handlungen und Gedanken werden dadurch klar dargestellt. Ich fand jede der Figuren auf ihre Art interessant und durch die wechselnden Handlungsorte mit entsprechenden Cliffhangern an fast jedem Kapitelende wurde es nie langweilig. Im Gegenteil sogar. Indem der Autor neben den ethnischen Beziehungsfragen und den jeweiligen persönlichen Geschichten, spielt auch ein Serienmörder eine Rolle, der sich im Netz der Datingapps wunderbar zu verstecken weiß.
Der Schreibstil von John Marrs ist durchgängig flüssig und unkompliziert, die Handlung hat mich so fasziniert und mitgerissen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte…

Mein Fazit: Mich hat der Roman nachdenklich gestimmt und mich mehrfach darüber nachdenken lassen, was eine perfekte Partnerschaft ausmacht und ob sie wirklich auf Genetik beruhen kann und damit berechenbar wird. Für mich ist diese Vorstellung schrecklich, denn dann wären wir ja alle nur Marionetten und nur wenig selbst bestimmt lebensfähig. Der Roman hat mich mit seinem Thema aber gerade deswegen unglaublich fasziniert. Das Thema ist genauso aktuell, wie das Hauptthema der perfekten Beziehung zeitlos ist. Ich vergebe 5 von 5 Sternen für einen Liebesroman mit Thrillerpotential, der definitiv lesenswert ist!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2019

Insel der Schönheit

Weil ich von Dir träumte
0

„Vielleicht muss man wirklich manchmal verrückte Dinge tun, um im Leben weiterzukommen.“

„Weil ich von dir träumte“ ist ein Roman von Emma Wagner. Er erschien im September 2019 im Tinte und Feder Verlag ...

„Vielleicht muss man wirklich manchmal verrückte Dinge tun, um im Leben weiterzukommen.“

„Weil ich von dir träumte“ ist ein Roman von Emma Wagner. Er erschien im September 2019 im Tinte und Feder Verlag von Amazon Publishing und ist in sich abgeschlossen.
Zusammen mit ihrem Freund Dean, der ebenfalls Künstler ist, hat sich Justine ein sicheres Leben aufgebaut. Doch obwohl ihre Karriere als Künstlerin auf einem aufsteigenden Ast zu sein scheint und sie endlich ihre erste eigene Ausstellung hat, ist Justine nicht vollkommen glücklich. In ihren Bildern fehlt etwas, sie wird von einem immer wiederkehrenden Albtraum geplagt und sie hat das Gefühl auf der Suche nach etwas zu sein, kann sich aber nicht erklären, nach wem oder was sie eigentlich sucht. Als der unbekannte Raphael ihr Bilder von Korsika zeigt, steigt in Justine ein Gefühl des Erkennens auf und auch der fremde Mann interessiert sie ungewöhnlich stark. Trotz anfänglicher Skepsis begibt sie sich schließlich auf die Reise und beginnt mit einer Suche nach der Wahrheit, die letztlich ihr ganzes Leben verändern könnte….

„Weil ich von dir träumte“ war mein erster Roman von Emma Wagner, wird aber definitiv nicht der letzte sein. Er passt genau in mein „Buchbeuteschema“ und war einfach wunderschön zu lesen.
Die Protagonistin Justine ist zu Beginn des Romans eine eher unsichere, wenn auch selbstständige junge Frau. Ohne ihren Partner Dean wirkt sie aber unbeholfen und unsicher, nur mit ihm hat sie das Gefühl vor Kunstmäzenen und Galeristen kompetent aussehen zu können. Doch Dean ist meist eher uninteressiert an Justines Kunst und hat hauptsächlich seine eigene Karriere im Kopf. Er ist egoistisch, eingebildet und ignorant. Sein Auftreten Justine gegenüber ist unangenehm und missachtend. Er ignoriert ihre Ängste und Wünsche und gibt ihr dadurch das Gefühl undankbar und klein zu sein.
Erst im Laufe der Geschichte zeigt sich, dass in Justine mehr steckt als man auf den ersten Blick glaubt. Je mehr sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und der Ursache ihrer Albträume begibt, umso selbstständiger und selbstbewusster wird sie. Am Ende ist von der unsicheren jungen Frau nicht mehr viel übriggeblieben und eine starke Entwicklung der Protagonistin auszumachen. Justines Gedanken und Zweifel werden dem Leser durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive unglaublich gut nahegebracht und waren für mich mehr als nachvollziehbar und greifbar.
Neben Justine sind auch die anderen Figuren authentisch und eingehend beschrieben, sie sind interessant und realistisch dargestellt.
Auch der Wechsel der Zeitebene, durch den parallel zu Justines Suche in der Gegenwart, die Geschichte der jungen Letitzia 30 Jahre zuvor erzählt wird, ist gut gelungen und beide Handlungen zusammen ergeben schließlich ein wunderbar beschriebenes Gesamtbild. Insgesamt hat mir die Handlung in der Vergangenheit besser gefallen, da sie tragischer und emotionaler war als die gegenwärtige Erzählung. Trotzdem sind beide Zeitebenen gut gewählt und würden ohne einander nicht funktionieren. Durch entsprechende Kapitelüberschriften, unterschiedliche Erzählperspektiven und eindeutige Kapitelüberschriften werden Gegenwart und Vergangenheit eindeutig voneinander abgegrenzt, sodass man als Leser nicht durcheinanderkommt.
Neben der Haupthandlung werden immer wieder Einblicke in die korsische Lebensweise und Landschaft eingebunden. Das Land, die Bräuche und Sitten wurden dadurch von der Autorin unglaublich gut vermittelt und dargestellt. Dabei fügten sie sich so nahtlos in die Handlung ein, dass sie zu keinem Zeitpunkt störend oder zu dominant waren. Fast hatte man als Leser das Gefühl in Mitten der korsischen Landschaft zu stehen und ihre Gerüche einzuatmen.
Der Schreibstil von Emma Wagner ist im gesamten Roman flüssig und wortgewandt.
Durch die wechselnde Geschichte hält der Roman über lange Strecken eine gewisse Spannung aufrecht, wobei auch hier die Vergangenheit für mich mehr Spannungen und überraschende Wendungen bereithielt. Letitzias Schicksal hält einige Emotionen und unerwartete Momente bereit. Sie selbst hat mich als Charakter fasziniert, da sie eine starke und kämpferische Frau, eine „echte Korsin“ ist.
Durch die vielschichtige Handlung und den fließenden Schreibstil liest sich der „Weil ich von die träumte“ leicht und unkompliziert. Ich war gebannt von dem Schicksal der beiden Frauen und habe der Lösung des Geheimnisses bis zum Schluss entgegengefiebert. Vorhersehbar war das Ende dabei kaum, sicherlich waren manche Dinge schon zu Beginn recht eindeutig, trotzdem gab es bis zum Schluss überraschende Momente, die mir sehr gut gefallen haben.

Mein Fazit: Emma Wagner ist mit „Weil ich von dir träumte“ ein großartiger Roman gelungen, der auf wunderbare Art Vergangenheit und Gegenwart verknüpft und durch die parallele Erzählung eine greifbare und bewegende Geschichte erzeugt. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und bin fasziniert von der Landschaft und den Bräuchen Korsikas. Ich vergebe 5 von 5 Sternen für einen gelungenen Roman, der mit vergleichbaren Romanen großer Autorinnen wir Lucinda Riley mithalten kann!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

William Warwick

Schicksal und Gerechtigkeit
0

„Dies ist keine Polizeigeschichte, sondern eine Geschichte über einen Polizisten.“

„Schicksal und Gerechtigkeit“ ist der erste Band der „Warwick-Saga“ von Jeffrey Archer, übersetzt von Martin Ruf. Er ...

„Dies ist keine Polizeigeschichte, sondern eine Geschichte über einen Polizisten.“

„Schicksal und Gerechtigkeit“ ist der erste Band der „Warwick-Saga“ von Jeffrey Archer, übersetzt von Martin Ruf. Er erschien im September 2019 im Wilhelm Heyne Verlag.
Entgegen des ausdrücklichen Wunschs seines Vaters möchte William nicht Jurist, sondern Polizist werden und setzt diesen Kindheitstraum schließlich auch in die Tat um. In seinen ersten Berufsjahren lernt er dann nicht nur die echte Polizeiarbeit, sondern auch die wahre Liebe kennen. Dass jedoch nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, erfährt William ebenso recht bald, sodass er gezwungen ist, seine Fähigkeiten nicht nur im Dienst zu beweisen, sondern auch privat einem großen Geheimnis auf die Spur kommen muss…

Wer die Clifton-Saga von Jeffrey Archer kennt, wird auch den Namen William Warwick kennen, denn William ist der Polizist, um den sich die Krimis aus der Feder Harry Cliftons drehen. Nachdem die Clifton-Saga beendet war, bekam der Autor viele Leserzuschriften und entschied sich dazu, die Geschichten um William Warwick tatsächlich aufs Papier zu bringen und so dem Wunsch seiner Leser zu entsprechen. Aus wie vielen Bänden die Reihe am Ende bestehen wird, bleibt derzeit unklar, wie Jeffrey Archer in seinem sehr persönlichen Vorwort beschreibt. Er wünscht sich, Williams Lebensgeschichte zu schreiben, weiß aber nicht, ob seine eigene Lebenszeit dafür auseichen wird. Ich an dieser Stelle kann sagen, dass ich hoffe, noch viel über William lesen zu können, denn wie schon die Clifton-Saga hat mich Williams Geschichte fasziniert.
William selbst ist, obwohl er aus einem reichen Elternhaus stammt, erstaunlich bodenständig und überhaupt nicht arrogant. Er ist intelligent, hilfsbereit und sympathisch, dabei aber in manchen Momenten ebenso linkisch, in Bezug auf Menschen im Allgemeinen geradezu naiv und teilweise unbeholfen. William ist redegewandt und empathisch, er sieht das Gute in den Menschen und möchte die Welt ein bisschen besser machen. Diese Charakterzüge machen ihn interessant und authentisch. Es ist sympathisch, dass er nicht perfekt ist, sondern ihm, obwohl ihm die Polizeiarbeit wirklich liegt und er Zusammenhänge unglaublich schnell erfassen kann, typische Anfängerfehler und Missgeschicke passieren.
Neben William als unglaublich sympathischem Protagonisten treten zahlreiche weitere Figuren auf. Jede für sich ist toll dargestellt und überzeugt durch besondere Charaktereigenschaften und individuelles Auftreten. Williams Vater als knallharter und geachteter Jurist, Williams Schwester als angehende Anwältin mit einer gehörigen Portion Durchsetzungsvermögen und Mut. Dazu kämpft sie für die Emanzipation und weicht auch sonst von der typischen Frauenrolle ab, die man auch noch in den 80er-Jahren erwartet. Wie schon in der Clifton-Saga zeichnet der Autor eine moderne und starke junge Frau, die sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt. Dies hat mir sehr gut gefallen.
Jeffrey Archer bleibt in „Schicksal und Gerechtigkeit“ seinem typischen Schreibstil treu. Der teilweise nüchterne und geradlinige Stil mag nicht jedermanns Sache sein, passt aber zur Art des Romans und den überraschenden Wendungen, die der Autor immer wieder einflechtet. Die Spannung bleibt daher auch nicht auf der Strecke und durch die allwissende Erzählperspektive sind Handlungen und Gedanken der Figuren insgesamt gut nachvollziehbar. Mehrere parallellaufende Handlungsstränge und Ermittlungen sind zunächst ein wenig verwirrend, werden aber immer klarer, je tiefer man in die Geschichte eintaucht. Am Ende ist es dann auch gerade die Komplexität der Handlung, die die Bücher von Jeffrey Archer charakterisiert und interessant macht. Auch der Cliffhanger am Ende des Romans ist typisch für den Autoren und lässt auf weitere interessante Ermittlungen von William hoffen.
Insgesamt darf man von „Schicksal und Gerechtigkeit“ allerdings keinen historischen Krimi erwarten, denn obwohl William Polizist ist, stehen nicht die Ermittlungen im Vordergrund, sondern das Schicksal und das Leben des jungen Detectives. In diesem ersten Band der Warwick-Saga lernen wir den Protagonisten kennen und begleiten in seinen ersten Berufsjahren, eine Entwicklung des jungen Mannes ist bereits jetzt erkennbar und durch seine gemachten Fehler erlangt William an mehr und mehr Erfahrung, die ihn vermutlich einmal zu einem großen Ermittler machen wird.
Der Titel des Romans ist sehr passend gewählt, denn „Schicksal und Gerechtigkeit“ spiegelt genau das Thema des Buches wider. Manche Dinge lassen sich nicht ändern und sind nur durch das Schicksal bestimmt, während andere Dinge durchaus lenkbar sind und der Arm der Gerechtigkeit nicht immer zu kurz ist.

Mein Fazit: „Schicksal und Gerechtigkeit“ ist ein großartiger Auftakt einer neuen Romanreihe um einen Polizisten, der gerade mit seiner Karriere anfängt und den wir nun, hoffentlich noch lange, auf seinem Lebensweg begleiten dürfen. Williams Geschichte konnte mich von auf Grund von Jeffrey Archers einzigartigem Schreibstil direkt in ihren Bann ziehen, der Cliffhanger am Ende des Romans verlangt so schnell wie möglich nach Band 2 der Saga. Ich vergebe 4 von 5 Sternen und freue mich auf Williams weitere Entwicklung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere