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Veröffentlicht am 16.07.2023

Berührender Nachkriegsroman mit einigen Mängeln

Das Leben, das uns bleibt
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Breslau Januar 1944. Die Russen kommen näher und es bleibt nur noch die Flucht, auch für Ruth und ihre Familie. Zurück bleibt die kranke Großmutter und Ilan, Ruths große Liebe.

Nach dem Krieg soll in ...

Breslau Januar 1944. Die Russen kommen näher und es bleibt nur noch die Flucht, auch für Ruth und ihre Familie. Zurück bleibt die kranke Großmutter und Ilan, Ruths große Liebe.

Nach dem Krieg soll in Freiburg ein Neuanfang gelingen. Doch in den Köpfen der Menschen ist der Krieg noch präsent. Ruths Bruder Jo engagiert sich in der Hilfe für displaced people, voller Wut darüber, dass die Täter von damals unbehelligt weiter leben.

Die jüngere Schwester Gili beginnt als Schauspielerin zu arbeiten, geht ihren eigenen steinigen Weg und scherrt sich nicht um Konventionen. Ruths Mutter glaubt, dass sie ein neues Leben beginnen kann, wenn sie die Vergangenheit leugnet - ihre jüdischen Wurzeln, den Tod des ältesten Sohnes und das Zurücklassen der eigenen Mutter.

Ruth hofft lange auf Ilans Rückkehr zu ihr, aber vergebens. Schließlich heiratet sie den Juwelierssohn Albert. Als sich herausstellt, dass Ruths Schwiegereltern Kriegsgewinnler sind, bekommt die heile Welt Risse.

Der Einstieg in Ruths Geschichte ist sehr emotional. Ihre Liebe zu Ilan und die erzwungene Trennung wird in sehr bewegenden Bildern geschildert. Ich konnte den Schmerz gut nachempfinden. Auch die Schwierigkeiten des Neustarts in Freiburg waren realistisch dargestellt und die verschiedenen Bewältigungsstrategien nachvollziehbar.

Jo war zurecht wütend, weil es den Opfern des Krieges oft schlechter ging als den Tätern, die ihr altes Leben wieder aufnehmen konnten und einfach nur vergessen wollten. Gili will ihre Jugend nachholen , frei von Zwängen sein und den Krieg hinter sich lassen. Ruth wartet lange vergeblich auf Ilan. Dass sie dann einen anderen heiratet, habe ich gut nachempfinden können. was mich gestört hat, war die Haltung von Ruths Mutter, die weiterhin ihr jüdisches Erbe leugnet.

Bis zu diesem Punkt konnte mich der Roman fesseln. Die weiteren Geschehnisse nach Ruths Heirat waren für mich oft unrealistisch. Nichts gestaltet sich in dieser Ehe ,wie erhofft . Ruth lässt sich treiben, wird nicht selbst aktiv. Die Familie wird angefeindet wegen der Umtriebe während des Krieges. Ruth bleibt passiv. Dann stirbt Ruths Mutter und Jo ist verschwunden. Und plötzlich nimmt Ruth ihr Schicksal selbst in die Hand. Auch das lässt sich noch mit gutem Willen erklären. Was mich nicht überzeugen konnte, war die geradezu märchenhafte Lösung aller Probleme. Das passte für mich nicht zu den vorher glaubwürdig dargestellten Charakteren.

Trotzdem bietet der Roman gute Unterhaltung mit großen Emotionen. Und Ruth hatte sich auf jeden Fall ein Happyend verdient.

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Veröffentlicht am 15.07.2023

Abwechslungsreich, unterhaltsam, manchmal verstörend

Das rote Tuch
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Die vorliegende Anthologie ist ein bunter Strauß von Geschichten aus unterschiedlichen Genres. Verbindendes Element ist das Rote Tuch, das jedes Mal eine mehr oder minder bedeutende Rolle spielt.

Ich ...

Die vorliegende Anthologie ist ein bunter Strauß von Geschichten aus unterschiedlichen Genres. Verbindendes Element ist das Rote Tuch, das jedes Mal eine mehr oder minder bedeutende Rolle spielt.

Ich habe mich völlig unvorbereitet in das Leseabenteuer gestürzt , da ich nur die Autorin Fondraz kannte, deren Bücher ich sehr mag. So ist es nicht überraschend, dass einige Geschichten mich fesseln konnten, andere nicht so meinen Lesegewohnheiten entsprachen. Aber das ist auch das spannende an einer Anthologie, man wird "gezwungen "Neuland zu betreten und seinen Horizont zu erweitern.

Wenn ich nun einige Geschichten hervor hebe, dann entspricht es meinem Geschmack und bedeutet nicht, dass die anderen nicht lesenswert sind.

Ich mag Märchen, deshalb hat mir " Das nasse Grab " gut gefallen. Hier wird viel Seemannsgarn gesponnen. "Das rote Tuch " lässt Erinnerungen an die Hochzeit der Pandemie wach werden und in einigen Sätzen habe ich mich wieder erkannt.

Auch die letzte Geschichte " Morgen ist auch noch ein Tag " , die in der Zukunft spielt, hat mich durch ihren hoffnungsvollen Tenor angesprochen.

Mir hat die Anthologie insgesamt sehr gut gefallen und mir die Möglichkeit gegeben, mir bisher unbekannte Autorinnen, zu entdecken.

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Veröffentlicht am 15.07.2023

Frank Schmidt und der 1. FC Heidenheim

Unkaputtbar
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In dieser Biographie kommt Trainer Frank Schmidt selbst zu Wort.

Im ersten Teil des Buches erzählt er von seiner Jugend, seinen ersten Erfolgen im Fußball und wie er den Weg zurück in seine alte Heimat ...

In dieser Biographie kommt Trainer Frank Schmidt selbst zu Wort.

Im ersten Teil des Buches erzählt er von seiner Jugend, seinen ersten Erfolgen im Fußball und wie er den Weg zurück in seine alte Heimat auf der Ostalb gefunden hat. Das wird unterhaltsam und oft auch mit einem Augenzwinkern erzählt. Mir war nicht bekannt, dass er eine verheißungsvolle Profilaufbahn vor sich hatte und fand die dadurch geschilderten Eindrücke sehr interessant und informativ.

Dieser Abschnitt erklärt auch, wie Schmidt zu dem Menschen und Trainer wurde, der heute eine erfolgreiche Karriere als Coach vorweisen kann. Empathie, der klare Wille zu führen und eine unverbrüchliche Liebe zur Heimat und zum Verein sind in meinen Augen die prägenden Eigenschaften.

Gut gefallen hat mir auch, dass Wegbegleiter und seine Ehefrau zu Wort kommen.

Der zweite Teil widmet sich dem ganz dem spannenden Aufstiegskampf in die 1. Bundesliga. Das liest sich stellenweise packend wie ein Krimi. Gleichzeitig gibt es Einblicke in die Seelenlage des Trainers, der nie den Glauben an seine Mannschaft verliert.

Die Biographie ist in meinen Augen sehr kurzweilig und ich lerne einen Trainer kennen, der für sein Team und den Fußball brennt, dabei aber Mensch bleibt und auch den Spieler als kompletten Menschen sieht. Ich finde das achtenswert in einer Zeit, in der man oft den Eindruck hat, es ginge nur um Geld und Titel.

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Veröffentlicht am 12.07.2023

Wer tötet eine Alkoholikerin ?

Preißnmörder
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Das ist meine erste Begegnung mit der resoluten Kommissarin Maria, die alle nur Mary nennen und die das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Sie steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit Hauptkommissar ...

Das ist meine erste Begegnung mit der resoluten Kommissarin Maria, die alle nur Mary nennen und die das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Sie steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit Hauptkommissar Toni, als die dorfbekannte Alkoholikerin Betti tot aufgefunden wird. Leider bestätigt sich der Verdacht eines Unfalls nicht und Mary steckt mitten in einer Mordermittlung. Da die Tote nicht gerade beliebt war, gibt es Verdächtige zuhauf, nur ein Motiv drängt sich nicht auf. Dabei hat die Dorfgemeinschaft den Täter bereits ausgemacht - der zugereiste Nachbar der Toten und macht mächtig Stimmung gegen ihn. Zu Marys Leidwesen mischt ihr Schwiegervater kräftig mit. Als auch noch Marys Schwester mit dem 5 Monate alten Nepomuk auftaucht, rückt die Hochzeit endgültig in den Hintergrund. Und wäre das nicht genug, sitz ihr der Staatsanwalt im Genick und lässt wenig Wertschätzung erkennen.

Der Krimi bietet beste Unterhaltung und bietet eine gelungene Mischung aus Krimihandlung, Lokalkolorit und privaten Problemen.

Mary verkörpert für mich die Idealfigur eines ländlichen Ermittlers. Sie bearbeitet den Fall mit der nötigen Sorgfalt und Vehemenz. Dabei zeigt sie Empathie und lässt die Kirche im Dorf, als die Dorfbewohner über das Ziel hinaus schießen.

Die übrigen Personen ergänzen das Umfeld perfekt. Angefangen bei dem behäbigen Kollegen Bär, über den grantigen Schwiegervater bis hin zu der in meinen Augen nervigen Schwester.

Höhepunkt der Ermittlung ist eine filmreife Verfolgungsjagd. Gelungen fand ich auch die Sprache des Krimis. Die Autorin nutzt eine gehörige Portion Dialekt, der zum Lokalkolorit beiträgt, aber so dass auch ein "Zugereister" es versteht.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber natürlich gehört auch eine gute Portion Humor und Romantik dazu.

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Veröffentlicht am 11.07.2023

Virginia und Vita

Die Liebenden von Bloomsbury – Vita und der Garten der Liebe
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Im Zentrum dieses Bandes stehen Virginia Woolf und ihre besondere Beziehung zu Vita Sackville-West.

1922 hat Virginia auch materielle Erfolge mit ihren Werken. Ihre Gesundheit ist weiterhin fragil und ...

Im Zentrum dieses Bandes stehen Virginia Woolf und ihre besondere Beziehung zu Vita Sackville-West.

1922 hat Virginia auch materielle Erfolge mit ihren Werken. Ihre Gesundheit ist weiterhin fragil und ihr Mann Leonard wacht wie eine Zerberus darüber, dass sie einen strikten Tagesablauf einhält.

Vita Sackville-West , eine reiche Adlige, feiert Erfolge im eher konservativen Literaturbetrieb. Beide beäugen sich aus der Ferne eher misstrauisch. Vita hält Virginia für intellektuell überlegen und fürchtet deren Spott und Arroganz. Virginia glaubt, dass Vita aufgrund ihrer Herkunft eher versnobt ist und hält deren Werke für mittelmäßig. Als sie sich bei einem arrangierten Treffen kennenlernen, fühlen sich beide von einander angezogen. Es beginnt ein reger Briefverkehr, der zu einer tiefen Freundschaft und Liebesbeziehung führt.

Für Virginia ist die Liebesbeziehung eine Befreiung von Minderwertigkeitskomplexen. Ihre Gesundheit stabilisiert sich und führt zu vermehrten Schreiben. Und das wichtigste, Virginia erlebt sich als vollwertige Frau, was auch dazu führt, dass sie sich von Leonard mehr emanzipiert.

Vita ist geprägt durch die Zurückweisungen ihrer exzentrischen Mutter und immer auf der Suche nach Anerkennung, die sie glaubt, in sexuellen Beziehungen zu finden. Auch Virginia kann diesen Hunger nicht vollständig stillen und so hat sie weiterhin wechselnde Liebschaften mit anderen Frauen. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass sie Virginia aufrichtig liebt und sie so etwas wie ein Anker in ihrem unsteten Leben ist.

Mich hat der Roman gefesselt und auf eine emotionale Reise geschickt und dabei auf das beste unterhalten. Allein mitzuerleben, wie die beiden Frauen sich näher kennenlernen und ihr Innerstes offenbaren, war berührend - auch weil die Autorin sie durch ihre Briefe selbst zu Wort kommen lässt. Ich habe gelitten, wenn die beiden sich gegenseitig mit Worten verletzt haben - manchmal mit Absicht, manchmal aus Gedankenlosigkeit. Gleichzeitig war es eine Freude zu lesen, wie Virginia aufblüht und mehr Vertrauen in sich selbst entwickelt.

Vita war mir als Person näher trotz ihrer Herkunft. Sie lebt mehr im hier und jetzt, ist nicht so abstrakt und theoretisch. Ich habe auch ihre manische Suche nach Liebe und Anerkennung verstanden und habe mir gewünscht, die beiden Frauen hätten eine lebbare Liebe gefunden.

Für mich ist der Roman eine wunderbares Buch über die Liebe und hat mir zwei starke und bedeutende Frauen näher gebracht.

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