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Veröffentlicht am 10.06.2025

Nellie Coker - Matriarchin und Königin von Soho

Nacht über Soho
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Im London der 20ziger Jahre beherrschen Clubs das Nachtleben im Vergnügungsviertel Soho. Dort treffen sich alle Schichten auf der Suche nach Ablenkung und spülen Geld in die Kassen der Betreiber. Nellie ...

Im London der 20ziger Jahre beherrschen Clubs das Nachtleben im Vergnügungsviertel Soho. Dort treffen sich alle Schichten auf der Suche nach Ablenkung und spülen Geld in die Kassen der Betreiber. Nellie Coker ist die Königin von Soho . Sie ist schon lange im Geschäft, hat ein Gespür für das , was Geld bringt und verfügt über die notwendige Skrupellosigkeit. Das ruft Neider auf den Plan und Nellie muss sich ihrer Haut wehren, wenn sie nicht alles verlieren will. Sie hat sechs Kinder, die sich um einzelne Bereiche des Unternehmens kümmern müssen. Die eine hat Talent, der andere weniger.

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn nicht sicher war, ob ich tatsächlich einen Krimi lese. Aber mit jeder Seite wuchs die Spannung und die Neugierde zu erfahren, was weiter passiert, um am Ende festzustellen, dass es um Mord, Betrug und Rache geht. Also doch ein Krimi !

Die Autorin erzählt die Ereignisse in mehreren Erzählsträngen, die die Sichtweise unterschiedlicher Personen zeigen. Dadurch lerne ich die Hauptfiguren sehr gut kennen, ohne zu Beginn zu wissen, wie sich alles zusammenfügt. Jedes einzelne Schicksal war packend und zeigte einen besonderen Aspekt der damaligen Zeit. Besonders beeindruckt haben mich die Frauen. Ich konnte Nellie nicht verdammen. Sie muss ihre Kinder alleine durchbringen und so ergreift sie die Chancen, die sich ihr bieten. Heute wäre sie sicher eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Damals bot die Vergnügungsszene die besten Möglichkeiten. Die Person, mit der ich gelitten und die mir ans Herz gewachsen ist, war Freda, ein junges Mädchen aus York. Sie möchte unbedingt als Tänzerin auf die Bühne. Als der Freund ihrer Mutter sie bedrängt, haut sie nach London ab. London ist ein Haifischbecken und ein oft tödliches Pflaster für mittellose Mädchen aus der Provinz.

Das weiß Inspector Frobisher nur zu gut, hat er es doch mit einer Serie verschwundener Mädchen zu tun, die all zu oft aus der Themse gefischt werden. Leider hat dieses Verbrechen nicht Frobishers Aufmerksamkeit, da er unbedingt Nellie hinter Gittern bringen will. Für ihn das personifizierte Böse. Zeitgleich soll er das Revier von korrupten Polizisten säubern. Das Bindeglied ist Gwendolen. Sie ist mit Fredas Schwester befreundet und macht sich aufgrund deren Bitte, in London auf die Suche nach dem Mädchen. Mich hat ihre Hartnäckigkeit und ihr Selbstvertrauen imponiert, aber so richtig sympathisch war sie mir nicht.

Wie bei einem Sternlauf enden alle Lebenswege bei Nellie. Ich war fasziniert, wie sich die Lebenswege der einzelnen kreuzen und das Geschehen beeinflussen. Am Ende wird es dann sehr kriminell. Es gibt Morde und Mordversuche und ich wusste nicht, ob alle mit dem Leben davon gekommen sind. Deshalb hat mir gut gefallen, dass die Autorin keine Fragen offen lässt und das weitere Schicksal jedes Einzelnen verrät. Ich kann mit großer Überzeugung sagen, dass ich vom Roman begeistert bin. Ich wurde geradezu von den Ereignissen eingesogen und fand mich im London der Zwanzigerjahre wieder, das durch die vielen Details vor meinem Augen lebendig wurde.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Auf der Straße zu neuen Erfolgserlebnissen

Englisch lernen mal anders für Fortgeschrittene - 1000 Vokabeln in 10 Stunden
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Nachdem mich der Grundkurs mit 3000 Vokabeln überzeugen konnte und mir einige Erfolgserlebnisse beschert hat, war die Überlegung , weiter zu machen, naheliegend.

Der Aufbau des Inhalts ist identisch ...

Nachdem mich der Grundkurs mit 3000 Vokabeln überzeugen konnte und mir einige Erfolgserlebnisse beschert hat, war die Überlegung , weiter zu machen, naheliegend.

Der Aufbau des Inhalts ist identisch mit dem anderen Band . Das fand ich hilfreich, da ich Lerntechniken auffrischen konnte - natürlich mit neuen Vokabeln. Beruhigt und ermutigt hat mich der Hinweis, dass es genügt jeden tag 3-4 Vokabeln im Gedächtnis zu behalten . Das hat den Druck, den ich mir leider selber mache, rausgenommen und die Motivation erhöht. Eine echte Hilfe waren für mich Wortgruppen wie z.B. suspicion, sneaking suspicion oder arouse suspicion und natürlich die Vokabeln, die ähnliche Begriffe im Deutschen haben. Das hat mir die Erfolgserlebnisse beschert, die mein Durchhaltevermögen befeuert haben. Ich bin mit der Reihe sehr zufrieden.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Bewegend, spannend, unterhaltsam - Lesefreude

Der Ruf des Horizonts
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Dies ist der 2. Band einer Trilogie, die die Geschichte von Sventje und ihrer Familie um 1780 auf der Insel Borkum erzählt. Ich kenne den 1. Band nicht, aber die Autorin macht mir den Einstieg leicht. ...

Dies ist der 2. Band einer Trilogie, die die Geschichte von Sventje und ihrer Familie um 1780 auf der Insel Borkum erzählt. Ich kenne den 1. Band nicht, aber die Autorin macht mir den Einstieg leicht. Dazu beigetragen haben ein ausführliches Personenverzeichnis und informative Rückblenden an den Stellen, wo es notwendig war.
Sventje ist mit dem Walfischfänger Lian , ihrer Jugendliebe, verheiratet. Das Leben ist hart und entbehrungsreich. Die Frauen müssen oft lange Zeit ohne ihre Männer, die auf See sind, zurecht kommen, nicht wissend, ob sie einander wiedersehen . So geht es auch Sventje und ihren 4 Kindern. Sie versucht sich mit dem Verkauf selbst gemachter Seifen und Kräutern über Wasser zu halten, was den Neid des Baders erregt. Sventje, als Hexe verleugnet, muss um ihr Leben und das ihrer Kinder fürchten. Ich konnte Sventje für ihr Gottvertrauen und ihre unerschütterliche Liebe zu Lian nur bewundern. Das bedeutet nicht, dass sie nicht auch Versuchungen ausgesetzt ist. Der Gutsbesitzer und ebenfalls Gefährte aus Kindertagen Valentin bedeutet ihr mehr , als er sollte . Es macht es nicht leichter, dass er stets zur Stelle ist, wenn sie Hilfe braucht. Valentin war mir sympathisch und er hat mir auch leid getan. Sventje ist seine große Liebe ohne Aussicht auf Erfüllung und dennoch würde er sein Leben für sie geben.
Lian liebt Sventje, seit sie ein Baby war. Sie muss diese Liebe mit der See teilen, die eine fordernde Geliebte ist. Zu meiner Freude schildert die Autorin auch einige Erlebnisse auf Lians Walfangreise, die ich als sehr spannend empfunden habe. Das gipfelt in der Gefangennahme durch die Briten, die sich im Krieg mit der Niederlande sind.
Diese bewegende Geschichte ist eingebettet in die damaligen gesellschaftlichen Gegebenheiten. Manches davon erscheint mir aus heutiger Sicht ungerecht und grausam. Was mir aber deutlich vor Augen geführt wurde, wie hart das Leben auf der Insel war und dies besonders für die zurück gebliebenen Frauen. Ich verlasse Sventje und ihre Familie an einem Scheideweg ihres Lebens und hoffe auf ein Wiedersehen im 3. Band.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Eine aufwühlende Frauengeschichte

Teddy
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Die Autorin lässt Teddy ihre Geschichte selbst erzählen. Teddy wird in ihrer Wohnung in Rom von zwei Männern aufgefordert, zu erzählen wie alles begann. Warum sie das tun und wer sie sind , bleibt lange ...

Die Autorin lässt Teddy ihre Geschichte selbst erzählen. Teddy wird in ihrer Wohnung in Rom von zwei Männern aufgefordert, zu erzählen wie alles begann. Warum sie das tun und wer sie sind , bleibt lange im Dunkeln und ich hatte Raum für wilde Spekulationen.
Teddy ist die einzige Tochter einer reichen , angesehenen, amerikanischen Familie. Und dies bedeutet für Frauen, man muss schön sein, möglichst nicht auffallen, Jungfrau bleiben bis zur herbeigesehnten Ehe , die natürlich für die Familie vorteilhaft sein muss. Diese Anforderungen - bis auf die Jungfräulichkeit - müssen auch während der Ehe erfüllt werden. Teddy ist in jeder Beziehung eine einzige Enttäuschung für ihre Mutter und dies lässt jene ihre Tochter permanent deutlich spüren. Und für jeden sichtbar, ist sie auch mit über 30 ohne Ehemann. Dann betritt David die Bühne. Er arbeitet an der amerikanischen Botschaft in Rom, scheint sie zu mögen und so nimmt Teddy schon nach kurzer Zeit seinen Heiratsantrag an. Nun kann sie in Rom einen Neuanfang wagen, kann endlich die an sie gestellten Erwartungen erfüllen und ihre Familie und ihren Ehemann glücklich machen. Je mehr sie sich bemüht, um so mehr verstrickt sie sich in alte Geheimnisse und trifft fatale Entscheidungen, die letzten Endes zur Anfangsszene führen.
Über weite Teile des Buches mochte ich Teddy nicht besonders. Das lag weniger an ihr, sondern am damaligen Zeitgeist und den damit verbunden Einschränkungen, denen Frauen unterworfen waren. Teddy will diesen Ansprüchen unbedingt genügen. auch auf die Gefahr sich selbst zu verlieren. Aus meiner Sicht war das demütigend . Mit unglaublicher Wut hat mich erfüllt, dass sie so gar kein Selbstbewusstsein hat und sich selber ständig klein macht. Sie macht ihren eigenen Wert nur an ihrem Aussehen fest und gibt sich ständig die Schuld, wenn sie den Anforderungen nicht genügt. Dabei sind ihre Entscheidungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. So kann sie über ihr eigenes Geld nicht verfügen und ist in vielem auf ihren Mann angewiesen. Manchmal hätte ich sie schütteln mögen, damit sie endlich die Augen aufmacht . Ich habe erst nach einigen Kapitel richtig erfasst, dass Teddys Verhalten das Ergebnis ihrer Erziehung und Sozialisierung ist. Danach habe ich angefangen, mit ihr zu leiden und habe ständig gehofft, jemand kommt ihr zu Hilfe, damit sie sich befreien kann.
Das Ende war in meinen Augen genial und zugleich schockierend. Mit so viel Niedertracht, Täuschungen und Lügen habe ich nicht gerechnet. Und das Ganze entsprach nicht meinen angestellten Vermutungen. Ich fand den Roman lesenswert, wenn er auch gelegentlich in meinen Augen Längen hat. Teddys Geschichte ist es wert, gelesen zu werden , zeigt sie doch wie schwer es Frauen hatten, ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Tödliche Modenschau

Provenzalisches Licht
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Dieser Fall gehört zu einer Serie rund um den Polizeibeamten Pierre Durand, der im malerischen Dorf Sainte-Valerie zuhause ist. Ich begleite ihn zum ersten Mal bei seinen Ermittlungen und er konnte mich ...

Dieser Fall gehört zu einer Serie rund um den Polizeibeamten Pierre Durand, der im malerischen Dorf Sainte-Valerie zuhause ist. Ich begleite ihn zum ersten Mal bei seinen Ermittlungen und er konnte mich von Beginn an mit seiner ruhigen und akribischen Polizeiarbeit überzeugen. Obwohl ich die anderen Fälle nicht kenne, konnte ich mich ohne Probleme einfinden.

Der Fall hat einiges an Brisanz, denn der Zeitdruck ist enorm und die bedrohte Person ist der über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannte Modeschöpfer Cyril Fontanel, den ich sofort nicht leiden konnte. Er war mir zu überheblich und von sich eingenommen. Cyril erhält Briefe, in denen er mit dem Tode bedroht wird. Verdächtige gibt es einige - Neider, Rache für Geschehnisse in der Vergangenheit Oder ist es nur ein Publicity - Gag ? Pierre muss viele Zeugen befragen und nicht nur er hat ständig das Gefühl , belogen zu werden und in einer Sackgasse zu landen. Die Spannung steigt in weitere Höhen, als ein Unfall aus dem persönlichen Umfeld Cyrils sich als Mord herausstellt. Die Auflösung war für mich stimmig. Obwohl der Auslöser für das Verbrechen tragisch war, konnte ich eine gewisse Genugtuung verspüren, als der Verantwortliche gefasst war.

Pierre war mir sympathisch. Er geht in seinem Beruf auf, hat ein starkes Gerechtigkeitsgefühl gepaart mit Empathie und logischem Denken. Dass auch private Probleme am Rand Thema waren, hat das Ganze positiv abgerundet. Zu meiner Überraschung und großer Freude gibt die Autorin interessante Einblicke in die Geschichte der provenzalischen Stoffherstellung und das heutige Modegeschäft. Das passt perfekt zum Umfeld der Ermittlungen. Und nicht zu vergessen, die stimmungsvolle Beschreibung der Landschaft und die Appetit anregende Darstellung ortsüblicher Gerichte , was Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Für mich war es ein rundum gelungener Krimi mit viel Spannung und hohem Unterhaltungswert.

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