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Veröffentlicht am 27.01.2025

Tolles Setting, nicht mein Stil

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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“What the River Knows” ist der erste Band der Dilogie “Geheimnisse des Nil” von Isabel Ibañez, die im Ravensburger Verlag erscheint. Die Geschichte entführt ins Ägypten des späten 19. Jahrhunderts. Historisch-kulturell ...

“What the River Knows” ist der erste Band der Dilogie “Geheimnisse des Nil” von Isabel Ibañez, die im Ravensburger Verlag erscheint. Die Geschichte entführt ins Ägypten des späten 19. Jahrhunderts. Historisch-kulturell getreu den Fakten unserer Welt, webt Ibañez einen Hauch Magie mit ein.

Inez Olivera, eine junge Argentinierin aus gutem Hause, sieht sich gezwungen, alleine nach Ägypten zu reisen. Denn ihre Eltern sind dort gestorben und sie will Antworten. Dort aber ist sie nicht willkommen und Inez muss sich nicht nur gegen ihren Onkel behaupten, der eindeutig Geheimnisse vor ihr hat, sondern auch ihrem attraktiven Aufpasser Whit immer wieder ein Schnippchen schlagen. Denn ohne Antworten wird Inez nicht das Feld räumen.

Es gibt viele Aspekte, die mir an diesem Buch gefallen haben. Da ist ein historisches Ägypten, Kritik am Kolonialismus und der Bereicherung der weissen Herren an einer fremden Kultur und Einblicke in die noch ältere Kultur des antiken Ägyptens - alles frisch und unverbraucht als Fantasysetting. Dann gibt es eine Schatzsuche, Archäologie und ein Hauch von Abenteuer - ebenfalls originell im Zusammenhang mit Fantasy. Bei mir entstand der Eindruck, dass die Autorin weiss, worüber sie schreibt - die Fakten, die Atmosphäre, das ganze Setting fühlten sich für mich beim Lesen authentisch an. Und auch das Magiesystem klang bezaubernd und vielversprechend. Magie, die aus der Welt verschwunden ist und nur noch als Nachklang in Objekten besteht, die einst von ihr berührt wurden. Leider hat mir die Umsetzung im Text nicht so gefallen, da war wenig magische Atmosphäre, vieles schien sogar ein wenig lächerlich und vor allem wahllos.
Als Protagonistin haben wir eine junge Frau, scharfzüngig, einfallsreich und entschlossen - nicht gerade neu, aber oft gut inszeniert. In Kombination mit dem attraktiven aber etwas abgehalfterten Whit eigentlich vielversprechend. Theoretisch konnte ich auch durchaus nachvollziehen, weshalb sich die beiden verlieben. In der praktischen Umsetzung habe ich es allerdings nicht gefühlt. Obwohl es einige passable Szenen gibt, fehlte mir im Text die Chemie. Vielleicht auch, weil Inez dazu neigt, die Dinge zu zerdenken - und dann trotzdem von ihren Gefühlen überrascht wird.
Ines Zerdenken hat leider auch viel Spannung aus der Geschichte genommen. Durch die sich wiederholenden Gedanken und das ständige Thematisieren war mir beim Lesen schon früh klar, welche Wendungen da noch kommen werden - und wurde auch nicht enttäuscht. Schade, denn die Rahmenhandlung wäre eigentlich spannend angelegt - und wäre übrigens auch ohne die Romanze ausgekommen.

“What the River knows” hat mir von der Idee und dem Setting her gut gefallen. Die Umsetzung war für mich aber zu vorhersehbar und überladen. Einerseits mit Inez Gedanken, die hin und her springen und sich auch immer mal wiederholen. Andererseits mit Themen und (Sub-)Plots. Das Ende war so vollgestopft, dass ich den vorangegangen Teil und seine Themen schon fast wieder vergessen habe. Da die Endsituation aber so viele Fragen aufwirft und offen lässt, werde ich den zweiten Teil dann wahrscheinlich doch zur Hand nehmen.

Ich bedanke mich herzlichst beim Ravensburger Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Tolle Idee, schwache Umsetzung

Nell
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“Nell” von Tobias Heuer ist im Selfpublishing Verlag tredition erschienen. Das Buch lockt mit einer spannenden Prämisse, vielen Fragen und versprach in meinen Ohren eine tiefgründige, behutsame Geschichte ...

“Nell” von Tobias Heuer ist im Selfpublishing Verlag tredition erschienen. Das Buch lockt mit einer spannenden Prämisse, vielen Fragen und versprach in meinen Ohren eine tiefgründige, behutsame Geschichte in einer entrückten Realität. Bekommen habe ich allerdings etwas komplett anderes.

Sie sind da, die atmosphärischen Szenen, die gefühlvollen Momente, die wortschönen Stellen und die behutsamen Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Figuren. Aber sie sind vereinzelt, dichter am Anfang, immer seltener, je weiter die Geschichte fortschreitet. Plötzlich geht alles Schlag auf Schlag, die Stimmung zerreisst, neue Figuren werden mit dem Vorschlaghammer eingeführt, Wendungen erscheinen aus dem Nichts, Motive gehen flöten.
Der Schreibstil ist so wechselhaft, dass es mir mitunter vorkam, als würden da mindestens zwei verschiedene Personen schreiben. Das einzig Beständige schien mir die wirre Perspektive zu sein - der Autor betreibt durchgehend munteres Headhopping, manchmal Zeile um Zeile. Das machte es für mich äusserst schwierig, zu verstehen, wer gerade denkt, fühlt und beobachtet, liess mich oft verwirrt zurück und ich musste viele Stellen doppelt lesen. Oder mich einfach damit abfinden, dass ich es nicht weiss. Irgendwann wars mir dann auch egal. Durch die vielen, wechselnden Perspektiven wirkte der Text ausserdem überladen und unübersichtlich, es gab keine Geheimnisse und damit auch keine Spannung für mich. Vor allem aber keine Identifikationsfigur, mit der ich die Geschichte erleben konnte.
Für ein Buch, das die Oberflächlichkeit unserer Zeit thematisieren möchte, war es enttäuschend oberflächlich - ich habe sowohl im Prosatext als auch in den Dialogen Gedankenanstösse vermisst, die verschiedene Aspekte des Themas beleuchtet hätten. Aus mir unerfindlichen Gründen zieht es der Autor vor, seine Figuren ausgiebig über Nichtigkeiten reden und denken zu lassen, während philosophische Fragen lediglich mit Plattitüden abgefertigt und die dramatischen Wendungen trocken herunter erzählt werden. Die Allegorie von Geschichte und Thema ist für mich nicht geglückt. Das Potenzial des Themas, der Idee und der Prämisse wurde aus meiner Sicht nicht ausgereizt, sogar kaum angekratzt. Es gibt zwar einige vielversprechende Ansätze, aber die ergeben für mich kein zusammenhängendes Gesamtbild, keine strukturierte Diskussion und versanden so alle irgendwie in Bedeutungslosigkeit.

Nun habe ich mir vom Autor sagen lassen, dass viele meiner Kritikpunkte absichtlich als Stilmittel eingesetzt wurden. Das ändert für mich allerdings nichts am enttäuschenden Leseerlebnis. Und auch in der Nachbetrachtung wirkt das Werk aufgrund dieses Wissens nicht besser. Aber wer weiss, vielleicht ist es ja auch wie mit abstrakter Kunst und ich bin lediglich ein Banause. Jedenfalls trotzdem: Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt natürlich und diesmal auch offensichtlich, trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Überraschend packend

We hunt the Flame
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“We hunt the Flame” ist der erste Band von Hafzah Faizals Dilogie “Die Reiche von Arawiya”, die im Droemer Knaur Verlag erscheint und von Bastian Ludwig übersetzt wurde. Slowburn Romantasy, Enemies-to-Lovers, ...

“We hunt the Flame” ist der erste Band von Hafzah Faizals Dilogie “Die Reiche von Arawiya”, die im Droemer Knaur Verlag erscheint und von Bastian Ludwig übersetzt wurde. Slowburn Romantasy, Enemies-to-Lovers, in den USA ein grosser Erfolg, von TikTok gefeiert - meine Erwartungen waren bescheiden. Nicht nur wegen des Subgenres und der Marketingschlagworte, sondern weil mir “A Tempest of Tea” der Autorin so gar nicht zugesagt hatte. Wieso ich “We hunt the flame” dann doch gelesen habe? Weil ich Potenzial habe aufblitzen sehen - im Schreibstil, der Sprache, beim Worldbuilding, bei den Charakteren. Ich hatte die Hoffnung, dass dieses Potenzial in dieser Dilogie nicht Opfer der Struktur wurde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Faizal entführt ihre Leser:innen in ein arabisch anmutendes Setting, das einerseits authentisch, andererseits klar phantastisch wirkt. Es scheint (einem Laien wie mir), dass die Autorin die Begriffe und fremde Sprache, die sie gebraucht, beherrscht. Und ausserdem eine gute Balance gefunden hat, Ausdrücke sowohl fliessend im Text zu erläutern, als auch diese im Zusammenhang verständlich werden zu lassen. Dazu kommt ein blumiger, opulenter Stil, der die märchenhafte Atmosphäre von Arawiya wunderbar zum Leben erweckt. Mir hat auch das Pacing zugesagt - Faizal lässt sich Zeit, die Charaktere und ihre Lebenswelt einzuführen, zu zeigen, woher sie kommen und zieht das Tempo dann beständig an. Dabei bleiben sich die Figuren selbst treu, handeln aus ihrem Charakter heraus und formen so den Plot. Überhaupt waren es die Charaktere, die mich nicht nur in ihrem Entwurf, sondern auch in ihrer Entwicklung und im Zusammenspiel überzeugt haben. Die zwischenmenschlichen Konflikte und die Geheimnisse, die ich als Leserin nach und nach entdecken durfte, waren für ein Romantasybuch ausgesprochen vielschichtig und interessant. Die Romance hätte es, damit die Geschichte funktioniert, im Grunde gar nicht gebraucht - und das ist in diesem Genre doch eher aussergewöhnlich. Und sie war dann auch das einzige, was mich nicht vollends vom Buch überzeugen konnte. Obwohl relativ unaufdringlich und sogar einigermassen nachvollziehbar gemacht, hat mich die Liebesgeschichte zwischen Zafira und Nasir eher gestört und kam dann eben doch nicht ohne Klischees und Oberflächlichkeiten aus.

Wider Erwarten hat mir “We hunt the flame” ausgesprochen gut gefallen und hat mich vor allem durch ein lebendiges Setting, interessante Charaktere und einen aufregenden Plot überzeugt. Obwohl die grobe Struktur und einige Wendungen einfach durchschaubar waren, blieben genug Geheimnisse, Überraschungen und Konflikte, um die Spannung hoch zu halten - auch für den zweiten Band.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und natürlich bleibt meine Meinung, wie immer, trotzdem meine eigene!

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Spannend aber wenig atmosphärisch

Der Sternenstaubdieb
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“Der Sternenstaubdieb” von Chelsea Abdullah ist der erste Band der Sandsea Trilogie, die bei der Hobbit Presse von Klett-Cotta erscheint. Übersetzt aus dem Englischen wurde das Buch von Urban Hofstetter. ...

“Der Sternenstaubdieb” von Chelsea Abdullah ist der erste Band der Sandsea Trilogie, die bei der Hobbit Presse von Klett-Cotta erscheint. Übersetzt aus dem Englischen wurde das Buch von Urban Hofstetter. Gelockt hat mich das Buch durch das orientalische Setting und ein starkes Intro in der Leseprobe. Erwartet habe ich ein märchenhaftes High Fantasy Epos mit der Märchenatmosphäre von 1001 Nacht.

Nach einem starken ersten Kapitel kam für mich erst einmal die Ernüchterung - irgendetwas fühlte sich beim Lesen falsch an. Etwas fehlte, war nicht stimmig. Immer wieder habe ich mich beim Lesen über den Stil geärgert, die für mich unpassende Wortwahl. Da wollte bei mir einfach keine Stimmung aufkommen, der Stil war mir zu banal, fast schon holprig und wurde dem Setting einfach nicht gerecht. Der Text ist ausserdem mit auffallend viele (abgenutzte und kaum originelle) Redewendungen und Floskeln gespickt, die wenig Eindruck schinden. Die Charaktere blieben mir vorerst unzugänglich - sie wirkten auf mich flach und sogar einfältig, ihre Beweggründe schienen mir zufällig und kaum logisch und schon gar nicht zwingend. Die Dialoge waren statisch und geradezu kindisch - so redet doch niemand… Ich habe mich also innerlich darauf vorbereitet, mich durch 500 Seiten Belanglosigkeiten und in meinen Augen schlechte Schreibe zu mühen.
Doch dann ziehen Loulie und ihre Gefährten in die Wüste. Und es war, als hätte ich ein anderes Buch in der Hand. Die Autorin beweist im weiteren Verlauf grosses Geschick, das Tempo konstant hoch zu halten, ihre Figuren in absurd gefährliche Situationen zu bringen und diese auch extrem spannend zu erzählen. Mit mehr Handlung werden auch die Charaktere gleich viel spannender - denn nun müssen sie zeigen, wer sie sind und was sie können. Und das tun sie auf überzeugende Art und Weise. Die langsamen, reflexiven Szenen dazwischen - und insbesondere die Dialoge - wurden zwar nicht besser, aber durch die Isolation erträglicher. Ausserdem kamen allmählich Hintergrundinformationen ans Licht, die Handlungen und Haltungen der Figuren endlich etwas verständlich werden liessen. Der starke Spannungsbogen und die unerwarteten Wendungen haben mich ausserdem für den zähen Anfang und die eher lahmen Zwischenszenen mehr als entschädigt. Und irgendwann konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen.

“Der Sternenstaubdieb” war für mich eine Achterbahnerfahrung - je höher das Tempo, desto besser hat es mir gefallen. Inhaltlich und stilistisch. Wirklich schön zu lesen war es nicht - dafür spannend, überraschend und aufregend. Es ist nicht so ganz, was ich erwartet habe und hat mich im Fazit dennoch überzeugt und mich für die Folgebände gewinnen können. Ich bedanke mich beim Verlag und dem Team bei Vorablesen für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt - natürlich und wie immer - trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Lesenswert

So geht Verhütung heute
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Dr. med. Mirjam Wagners “So geht Verhütung heute - Finde die Methode, die am besten zu dir passt”, erschienen im herbig Verlag, ist eine übersichtliche und im Seitenumfang überschaubare Übersicht über ...

Dr. med. Mirjam Wagners “So geht Verhütung heute - Finde die Methode, die am besten zu dir passt”, erschienen im herbig Verlag, ist eine übersichtliche und im Seitenumfang überschaubare Übersicht über die gängigen und weniger bekannten Verhütungsmethoden, die der Markt heute zu bieten hat. Gegliedert wird dabei in hormonelle, nicht hormonelle Methoden, Notfallverhütung und - schon fast ein Tabubruch - Verhütung für Menschen mit Penis. Wagner stellt die einzelnen Methoden umfangreich vor, beleuchtet ihre Vor- und Nachteile, Funktionsweisen und betont spezifisch die korrekte Anwendung. Wissen ist eben Macht - in diesem Fall Macht über das eigene Leben und die eigene Gesundheit.
Vor diesem Hauptteil präsentiert die Autorin eine kurze Aufklärung zum weiblichen Zyklus - was ich in anderen Büchern schon anschaulicher und verständlicher gelesen habe - und führt kurz durch die Vergangenheit der Verhütung - was sich zwischen amüsant und interessant informativ bewegt. Im Anschluss an den Hauptteil folgt eine Übersicht über die verschiedenen Lebensstadien; spezifische Bedürfnisse und respektive Eignung der vorgängig besprochenen Methoden. Fazit bleibt aber, dass Verhütung eine persönliche Entscheidung ist und vorzugsweise mit den Gynäkologen des Vertrauens besprochen werden sollte.
Ein besonderes Extra für mich persönlich war der Anhang und dabei vor allem die darin empfohlenen Bücher zum Thema Aufklärung für (kleine) Kinder.

“So geht Verhütung heute” ist ein informatives und übersichtliches Nachschlagewerk, das sich unabhängig vom Geschlecht für alle Menschen zu lesen lohnt. Verhütung ist gemeinsame Verantwortung! Abgerundet wird es durch eine humorvolle und informative Einführung in die Thematik und mit einer Liste weiterführender Informationsquellen.

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