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Veröffentlicht am 28.09.2017

Wie Integration besser gelingen kann

Im Glashaus gefangen zwischen Welten
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Taschenbuch: 196 Seiten
Verlag: Nova MD (18. August 2017)
ISBN-13: 978-3961112609
Preis: 14,50€
auch als E-Book und als Hörbuch-Download erhältlich


Wie Integration besser gelingen kann

Devakumaran Manickavasagan ...

Taschenbuch: 196 Seiten
Verlag: Nova MD (18. August 2017)
ISBN-13: 978-3961112609
Preis: 14,50€
auch als E-Book und als Hörbuch-Download erhältlich


Wie Integration besser gelingen kann

Devakumaran Manickavasagan ist der Sohn tamilischer Einwanderer. Er selbst und seine jüngere Schwester sind bereits in Deutschland geboren, seine Eltern und seine beiden älteren Schwestern jedoch in Sri Lanka. In seinem stark autobiografisch geprägten Buch beschreibt der Autor, warum im Fall seiner und anderer ihm bekannter Familien die Integration nicht wirklich gelingen konnte. Zu stark sind die kulturellen Unterschiede zwischen Tamilen und Deutschen. Wenn jeder hundertprozentig auf seinen Traditionen und Gepflogenheiten besteht, kann es kaum eine Annäherung geben.

Gerade in der tamilischen Gesellschaft scheint Gewalt ein weit verbreitetes Mittel zu sein, um seinen Willen durchzusetzen. Männer schlagen ihre Frauen und Kinder. Diese lernen Gewalt als einen „Lösungsweg“ kennen und verhalten sich bei Problemen entsprechend.

Gerade Jugendliche haben es schwer, ihren Weg zwischen den zwei Welten zu finden, in denen sie leben. Einerseits sind sie an die kulturellen Gebräuche der Heimat ihrer Eltern gebunden und müssen sich hier unterordnen, andererseits wird in der Schule, im Beruf und unter Freunden ein ganz anderes Verhalten von ihnen erwartet.

Devakumaran Manickavasagan spricht hier Mut zu, sich notfalls von Ritualen, mit denen man sich nicht identifizieren kann oder will, zu lösen – auch gegen den Willen der Eltern. Nur so können die Jugendlichen ihren eigenen Weg in die neue Gesellschaft finden und sich integrieren. Hierbei sollte man auch gerne alle Hilfe annehmen, die angeboten wird.

Das Buch spricht aber nicht nur Exil-Tamilen an. Viele Erfahrungen können natürlich auch auf andere Nationalitäten übertragen werden.

Aber auch an die Deutschen richtet sich der Autor und wirbt um Verständnis für die Lage der Migranten. Integration muss von beiden Seiten erfolgen.

Mir fiel es nicht ganz leicht, dieses Buch zu lesen. Es gibt einige Wiederholungen, zwar oft in anderem Zusammenhang, aber eben doch Wiederholungen. Der Schreibstil wirkt sehr bemüht, zuweilen zu bemüht, sodass es schon wieder etwas holprig wird und manche Sätze nicht leicht zu verstehen sind. Das Lektorat hätte hier noch etwas Besseres bewirken können.

Fazit:
Devakumaran Manickavasagan wendet sich mit seinem stark autobiografisch angehauchten Buch an Exil-Tamilen, an andere Migranten sowie auch an Deutsche, um mehr gegenseitiges Verständnis und eine bessere Integration zu erreichen. Für Lesende, die gerne über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen wollen, ist dieses Buch sicher lesenswert.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 26.09.2017

Eine wunderbar berührende Geschichte - sprachlich herausragend

Alles Licht, das wir nicht sehen
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Gebundene Ausgabe: 519 Seiten
Verlag: C.H.Beck (27. April 2016)
ISBN-13: 978-3406680632
Originaltitel: All the Light We Cannot See
Preis: 19,95€
auch als Taschenbuch, als E-Book und als Hörbuch-Download ...

Gebundene Ausgabe: 519 Seiten
Verlag: C.H.Beck (27. April 2016)
ISBN-13: 978-3406680632
Originaltitel: All the Light We Cannot See
Preis: 19,95€
auch als Taschenbuch, als E-Book und als Hörbuch-Download erhältlich


Eine wunderbar berührende Geschichte – sprachlich herausragend

Inhalt:
Werner lebt im Ruhrgebiet mit seiner Schwester Jutta in einem Kinderhaus. Er möchte Ingenieur werden und versucht, sich alles Mögliche selbst beizubringen. Bald werden die Oberen auf ihn und seine Fähigkeiten aufmerksam, und er wird in der Eliteschule Schulpforta aufgenommen. Hier werden die Jungen zu Hitlers Rekruten herangezogen.

Marie-Laure ist blind. Mit ihrem Vater, einem Museumsangestellten, muss sie vor dem Krieg aus Paris nach Saint-Malo fliehen, wo ein Großonkel von ihr lebt. Ihr Vater soll den größten Schatz des Museums, einen sagenumwobenen Diamanten, vor den Besatzern in Sicherheit bringen.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt 1934 und endet 2014, wobei sich der größte Teil zwischen 1934 und 1944 abspielt. Doerr erzählt von Marie-Laures glücklicher Kindheit mit ihrem Vater, der sich rührend um seine blinde Tochter kümmert und sie trotz ihres Handicaps zu einer selbstständigen und aufgeweckten Person erzieht. Dabei haben mir vor allem die Einblicke in das Leben einer blinden Person gefallen. Das Leben ist so viel komplizierter, wenn der wichtigste Sinn wegfällt. Auch später, als der Krieg ausbricht, kann man sich gut vorstellen, welche Ängste dieses Mädchen ausstehen muss, weil sie ja gar nicht sehen kann, wo die Gefahren lauern.

Marie-Laure entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit, die ihrem Umfeld große Freude bereitet und im Kampf gegen die Deutschen eine gehörige Portion Mut beweist.

Immer abwechselnd mit den Erzählungen um Marie-Laure erfahren wir Details aus Werners Leben, das in vielerlei Hinsicht anders als das des Mädchens verläuft. Werner will lernen, will ein Wissenschaftler sein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sich mit den Nazis arrangieren. Dass er dabei nicht unbedingt ein gutes Gefühl hat, macht ihn nur sympathisch.

Die ganze Handlung läuft darauf hinaus, dass die beiden Protagonisten sich irgendwann begegnen. Zwei junge Menschen auf verschiedenen Seiten des Systems. Die Frage ist, wie sie sich begegnen werden, als Freunde oder als Feinde?

Als wären die Gräuel des Krieges nicht schon spannend genug, hat Doerr noch einen weiteren Handlungsstrang eingeflochten, in dem sich ein deutscher Offizier auf die Suche nach dem wertvollen Edelstein macht und Marie-Laure und ihre Familie dadurch noch mehr in Bedrängnis geraten.

Sprachlich ist Anthony Doerrs Roman hervorragend gelungen. Die Sprache passt ganz wunderbar in die vergangene Zeit. Sie ist gewählt, gehoben, teilweise leicht poetisch. Einfach sehr schön zu lesen.

Auch wenn die Erzählweise sehr ruhig ist und die Handlung nur langsam voranschreitet, konnte mich Doerr von der ersten bis zur letzen Seite nicht zuletzt durch wundervolle Beschreibungen fesseln.

Der Blick auf den 2. Weltkrieg aus der Sicht von Kindern bzw. Jugendlichen macht dieses Buch fast zu einem All-age-Roman.

Anthony Doerr wurde 2015 für diesen Roman mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet – meiner Meinung nach absolut zu Recht.

★★★★★

Veröffentlicht am 23.09.2017

Schwülstige Sprache, langweilige Handlung

Schlafen werden wir später
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Normalerweise bin ich jemand, die jedes Buch zu Ende liest, egal wie ätzend es ist. Wenn ich allerdings wie hier schon nach zwanzig Seiten ob der größtenteils belanglosen Handlung nur gähnen und ob der ...

Normalerweise bin ich jemand, die jedes Buch zu Ende liest, egal wie ätzend es ist. Wenn ich allerdings wie hier schon nach zwanzig Seiten ob der größtenteils belanglosen Handlung nur gähnen und ob der schwülstigen Sprache die Augen verdrehen kann und noch weitere 668 Seiten vor mir habe, schaffe ich es leider nicht, mich zum Weiterlesen zu motivieren. Dabei mag ich normalerweise so dicke Wälzer ganz gerne.

Ich habe mich bei diesem Buch vom Klappentext täuschen lassen, der einen interessanten E-Mail-Roman verspricht. Die E-Mails habe ich bekommen, aber mein Interesse konnte Zsuzsa Bánk absolut überhaupt nicht wecken.

Mit den Protagonistinnen, die die ganze Zeit nur rumjammern, konnte ich so gar nichts anfangen. Es gibt auch nicht wirklich eine Entwicklung in ihren Leben. Die knapp 700 Seiten sind mit ständigen Wiederholungen gefüllt - sprachliche und inhaltliche Wiederholungen.

Ich habe das Buch dann quergelesen, aber es ändert sich bis zur letzten Seite nichts.


Veröffentlicht am 22.09.2017

Dieser 3. Band hat mich etwas enttäuscht

Herz zu Asche
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Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
Verlag: Arena (13. Juli 2015)
ISBN-13: 978-3401600338
empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
Preis: 16,99€
auch als E-Book und als Taschenbuch erhältlich


ACHTUNG: Dies ist der ...

Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
Verlag: Arena (13. Juli 2015)
ISBN-13: 978-3401600338
empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
Preis: 16,99€
auch als E-Book und als Taschenbuch erhältlich


ACHTUNG: Dies ist der 3. Band einer Reihe. Meine Rezension kann daher SPOILER zu den ersten beiden Bänden enthalten.

Dieser 3. Band hat mich etwas enttäuscht

Inhalt:
Große Überraschung: Charlie lebt! Und sie macht Juli und David weiterhin das Leben schwer, denn sie möchte David zurückerobern. Dabei wirkt sie immer wieder ein wenig wahnsinnig. Auch Madeleine Bower treibt weiter ein mieses Spiel mit Juli. Mehr als ein Mal geraten Juli und David in Lebensgefahr.

Meine Meinung:
Man sollte die Vorgängerbände vorher unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, worum es geht. Es wird nicht sehr viel von der Handlung der ersten Bände wiederholt, sondern vorausgesetzt, dass man sie kennt.

Ich liebe Kathrin Langes lebhaften Schreibstil. Wie gewohnt ist Juli die Ich-Erzählerin. Toll finde ich, wie sie immer wieder zwischen Gegenwart und Zukunft bzw. Vergangenheit und Gegenwart hin und her springt, dass die erzählende Juli also schon weiß, was weiter passiert sein wird und den Lesenden immer wieder mal ein solches Häppchen hinwirft. Das macht mich persönlich immer sehr neugierig.

Was mir gar nicht gefiel, war, dass nach einem kurzen spannenden Einstieg, ca. 200 Seiten lang nicht viel passiert, außer dass Juli eifersüchtig auf Charlie ist, weil David sich um seine verwirrte Ex-Verlobte kümmert. Und ein paar Seiten weiter ist Juli dann wahnsinnig eifersüchtig. Und dann ist sie zur Abwechslung mal total eifersüchtig. Das war mir einfach zu viel, zumal ich Eifersucht eh doof finde. Ich frage mich da auch, wo denn Julis angebliche Liebe bleibt, wenn sie so gar kein Vertrauen zu David hat.

Spannend waren dann vor allem in der 2. Buchhälfte Davids Erinnerungen und Flashbacks und Julis Halluzinationen. Das treibt die beiden fast in den Wahnsinn bzw. in den Tod. Immer wieder versuchen sie, von den Klippen zu springen – ganz gemäß dem Fluch der Madeleine Bower, die sich Juli immer öfter zeigt.

Mit der Auflösung am Schluss konnte ich mich leider auch nicht ganz anfreunden. Sie schien mir irgendwie aus dem Ärmel gezaubert, ohne vorherige Hinweise, ohne großartiges Motiv. Insofern konnte mich Kathrin Lange damit wenigstens noch überraschen. Und spannend war es am Ende auch ?

Fazit:
Auch wenn der Abschlussband der Trilogie lange Zeit auf der Stelle tritt und auch der Schluss nicht ganz überzeugen kann, rundet er die Reihe doch ab. Die Trilogie insgesamt ist auf jeden Fall lesenswert, wenn man spannende, mystische und düster romantische Geschichten mag.

Die Trilogie:
1. Herz aus Glas
2. Herz in Scherben
3. Herz zu Asche

★★★☆☆

Veröffentlicht am 21.09.2017

Ein Roman zum Lachen und Weinen, so prall wie das Leben

Was man von hier aus sehen kann
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Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: DuMont (18. Juli 2017)
ISBN-13: 978-3832198398
Preis: 20,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein Roman zum Lachen und Weinen, so prall wie das Leben

Inhalt:
Luises ...

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: DuMont (18. Juli 2017)
ISBN-13: 978-3832198398
Preis: 20,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein Roman zum Lachen und Weinen, so prall wie das Leben

Inhalt:
Luises Großmutter Selma kann den Tod vorhersehen. Immer wenn ihr ein Okapi im Traum erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Wen wird es dieses Mal treffen? Die abergläubische Elsbeth? Den Optiker, der alles erklären kann? Die immer schlecht gelaunte Marlies? Oder den alten Bauer Häubel, der sowieso findet, dass seine Zeit gekommen ist? Wie auch immer, das ganze Dorf ist in Aufruhr. Es werden letzte Vorbereitungen getroffen, Geständnisse gemacht, Liebe erklärt. Mit dem, was dann passiert, hat aber keiner gerechnet …

Meine Meinung:
Ich habe mir dieses Buch aufgrund der vielen positiven Meinungen besorgt. Von Anfang an gefielen mir die Geschichte und vor allem auch Mariana Lekys Schreibstil sehr gut, aber ganz so euphorisch wie manch andere Rezensierende war ich auf den ersten hundert Seiten noch nicht. Doch dann schlug ein Ereignis wie eine Bombe bei mir ein und es war um mich geschehen. Mir wurde immer klarer, warum andere Lesende so begeistert von dem Roman sind.

Da ist zum einen der herrlich leichte und etwas poetische Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Erzählt wird aus der Sicht von Luise. Anfangs ist sie erst zehn Jahre alt, am Ende etwa dreißig. Hier hat mir auch der zu Beginn kindliche Blick auf die Geschehnisse gut gefallen.

Dazu kommen die ganz wunderbar vielschichtigen Charaktere dieser kleinen Dorfgemeinschaft im Westerwald. Jeder kennt jeden. Jeder weiß, wie er mit den Marotten der anderen umgehen muss. Man sorgt füreinander und kümmert sich.

Ich beschloss, Martin später zu heiraten, weil ich fand, der Richtige sei der, der einem das Hinsehen erspart, wenn die Welt ihren Lauf nimmt. (S. 52)

Und schließlich ist es die Handlung an sich, die mich berührt hat. Sie ist einerseits alltäglich, andererseits aber auch etwas Besonderes. Es gibt so viele schöne Momente, aber auch sehr traurige. Mariana Leky hat mich mit ihrem Roman auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt. Ich habe mit den Protagonisten gebangt, habe über sie gelacht und mit ihnen Rotz und Wasser geheult.

Selten habe ich ein so berührendes und tiefsinniges Buch mit einer solchen Leichtigkeit gelesen. Ich habe jede einzelne Figur in mein Herz geschlossen und werde sie in den nächsten Tagen ganz sicher vermissen. Denn sie wirken so lebendig, so authentisch, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, sie schon ewig zu kennen.

Fazit:
„Was man von hier aus sehen kann“ ist ein wunderbar berührender Roman, der einen lachen und weinen lässt, mit einer klugen und tiefgründigen Geschichte und herrlich verschrobenen Figuren, die man einfach gern haben muss.

★★★★★