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Veröffentlicht am 15.09.2016

Zwei Außenseiter

Eleanor & Park
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Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 3 (2. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3446247406
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
Originaltitel: ...

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 3 (2. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3446247406
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre
Originaltitel: Eleanor & Park

Zwei Außenseiter

Inhalt:

Die 16-jährige Eleanor ist neu in der Stadt. Ihr Stiefvater ist ein Ekel. Und die neuen Mitschüler sind auch nicht viel besser, einige von ihnen zumindest. Es gibt ja überall Kinder und Jugendliche, die sich über Schwächere lustig machen. Und die pummelige Eleanor ist mit ihren roten Haaren und ihrem seltsamen Outfit ein gefundenes Opfer. Auch Park, dessen Mutter Koreanerin ist, wird von den anderen nicht voll akzeptiert. Eigentlich ist es nur logisch, dass er Eleanor im Bus einen Platz anbietet, als alle anderen sich so abweisend verhalten. Die Unterdrückten müssen zusammenhalten. Dass sich daraus eine wundervolle Liebesgeschichte entwickelt, muss natürlich nicht sein. Wenn es aber passiert, so wie hier, ist es umso schöner.

Meine Meinung:
Rainbow Rowell hat hier einen ganz wundervollen Jugendroman vorgelegt, der den Leser mitten ins Herz trifft. Nach und nach werden die Mauern, die die Protagonisten umgeben, eingerissen, sodass man dahinterschauen kann und zwei wundervolle Menschen entdeckt. Genau so ergeht es auch Eleanor und Park selbst. Sie müssen auch erst das Gegenüber, von dem sie anfangs keine wirklich gut Meinung haben, entdecken und kennenlernen. Und die beiden beweisen, dass es sich lohnen kann, genau hinzuschauen und auf die kleinen Dinge zu achten und zu hinterfragen, warum sich jemand wohl so und nicht anders benimmt.

Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass diese Entwicklung ganz langsam, fast minutiös vor sich geht. Auch gibt es immer mal wieder Rückschläge und Umwege. Es ist keine kurze gerade Strecke, die die beiden zueinander führt. So erscheint die Geschichte sehr authentisch, denn auch im richtigen Leben verläuft ja nicht alles geradlinig.

Der Schreibstil ist einfach und locker zu lesen. Die kurzen Kapitel mit vielen Perspektivwechseln sorgen für Abwechslung und dafür, dass man beide Seiten gut kennenlernt. Ein personaler Erzähler führt einen ganz dicht an den Protagonisten durch die Handlung. So bekommt man die Gedanken und Gefühle, die Angst, die Wut, die Unsicherheit, die Freude, das Glück der beiden jungen Menschen intensiv und hautnah mit. Die Figuren haben eine enorme Tiefe, sie wirken richtig plastisch und real.

Der Roman bietet viel Raum zum Nachdenken. Auch nach der Lektüre lässt er einen noch eine ganze Weile nicht los. Zu Recht bekam Rainbow Rowell für dieses Buch u. a. den Boston Globe-Horn Book Award und den Printz Award.

★★★★★

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nicht so fesselnd wie der 1. Band

Der Seidenspinner
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Gebundene Ausgabe: 672 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (24. November 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3764505158
Originaltitel: The Silkworm (A Cormoran Strike Novel)
Preis: 19,99 €
auch als Taschenbuch, ...

Gebundene Ausgabe: 672 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (24. November 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3764505158
Originaltitel: The Silkworm (A Cormoran Strike Novel)
Preis: 19,99 €
auch als Taschenbuch, E-Book und als Hörbuch erhältlich

Nicht so fesselnd wie der 1. Band

Inhalt:

Nach dem tollen Aufklärungserfolg im „Kuckuck“ steht der Privatdetektiv Cormoran Strike nun finanziell besser da. Aufträge hat er genug, er muss nicht mehr im Büro wohnen, sondern kann sich eine Wohnung leisten. Seine Arbeit erschöpft sich aber leider meistens im Beschatten treuloser Ehemänner. Da kommt ihm die neue Klientin Leonora Quine gerade recht, auch wenn sie nicht so wirkt, als ob sie für Strikes Dienste bezahlen könnte. Ihr Mann, der Schriftsteller Owen Quine, ist seit Tagen verschwunden.

Meine Meinung:
Nachdem mir der 1. Band „Der Ruf des Kuckucks“ gut gefallen hatte, freute ich mich sehr auf das neue Buch von Robert Galbraith aka J. K. Rowling. Leider konnte es mich nicht in dem Maß wie der Vorgänger überzeugen.

Positiv zu erwähnen ist der glatte Schreibstil. Das Buch lässt sich so locker lesen, die Bilder entstehen im Kopf wie von allein. Die Atmosphäre von London, der Detektei, dem Verlagswesen usw. ist ganz wunderbar eingefangen. Die Protagonisten, der Kriegsveteran Cormoran Strike und seine Assistentin Robin Ellacott, entwickeln sich weiter, vor allem, was das Privatleben angeht. Dieses nimmt einen großen Raum ein.

Etwas genervt hat mich die ständige Erwähnung von Cormorans Knieschmerzen. Außerdem fiel es mir sehr schwer, mitzurätseln, wer der Täter ist. Es gibt eine Menge Verdächtige, einer unsympathischer als der andere. Ich war mir bis zum Schluss unsicher, wer es nun war und vor allem warum. Das kam mir etwas aus dem Hut gezaubert vor.

Ganz schlimm fand ich Owen Quines Machwerk „Bombyx Mori“ (der lat. Name für den Seidenspinner), von dem man Auszüge zu lesen bekommt. Es ist auf niedrigstem Niveau geschrieben und verunglimpft auf wirklich ekelerregende Weise die Angehörigen der Verlagswelt. Ich wollte einen charmanten Kriminalroman lesen, nicht so etwas Abstruses.

Das Buch weist viele Längen auf, man hätte es gut und gern um 200 Seiten kürzen können. Die Beschreibungen sind zum Teil schon etwas ausufernd. Leider leidet darunter auch die Spannung etwas.

Fazit:
Das Buch konnte mich zwar nicht so fesseln und begeistern wie der „Kuckuck“, doch lag das unter anderem am speziellen Thema. Daher werde ich der Reihe noch eine Chance geben, denn die Protagonisten mag ich sehr und möchte auch gerne erfahren, wie es ihnen weiterhin ergeht.

Die Reihe:
1. Der Ruf des Kuckucks
2. Der Seidenspinner
3. Die Ernte des Bösen

★★★☆☆

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein undurchdringliches Netz aus Lügen und Halbwahrheiten

Nun ruhet sanft
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Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: List Taschenbuch (8. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3548612270
Reihe: Dühnfort, Band 7

Ein undurchdringliches Netz aus Lügen und Halbwahrheiten

Inhalt:
Eine Frau ...

Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: List Taschenbuch (8. Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3548612270
Reihe: Dühnfort, Band 7

Ein undurchdringliches Netz aus Lügen und Halbwahrheiten

Inhalt:
Eine Frau und ihre zwei Kinder werden in ihrem Haus eiskalt erschossen. Ein Familiendrama? Am nächsten Morgen kommt der Ehemann nach Hause und läuft der Polizei in die Arme. Ist sein Schock nur gespielt? Er soll am Vorabend Streit mit seiner Frau gehabt haben.

Kommissar Dühnfort beißt sich an dem Fall fast die Zähne aus. Dabei berührt ihn vor allem der Tod der Kinder sehr, hat er doch gerade erfahren, dass Gina schwanger ist und er selbst Vater wird.

Meine Meinung:
Wieder einmal konnte mich Inge Löhnig restlos begeistern. Die Balance zwischen polizeilicher Ermittlungsarbeit und zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten ist ihr wieder gut gelungen. Mir ist der Kommissar, Tino Dühnfort, ja sehr sympathisch. Und auch seine Lebensgefährtin Gina, die ihm immer wieder Paroli gibt, mag ich sehr. Doch nicht nur diese beiden, sonders das gesamte Team der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie auch der Verdächtige Thomas Sassen und sein Umfeld, sind so plastisch dargestellt, dass man meint, sie schon ewig zu kennen. Jeder hat einen detaillierten Hintergrund und ist damit unverwechselbar.

Die Autorin hat einen von Anfang bis Ende hochspannenden Roman geschrieben, da könnte sich manch ein „Thriller“ eine Scheibe abschneiden. Als Leser tappt man genauso wie die Polizei lange Zeit im Dunkeln. Da helfen auch die Einschübe aus Tätersicht nicht, sie geben zunächst wenig Hinweise auf seine Identität. Dühnfort muss sich mit einem Geflecht aus Lügen und Halbwahrheiten herumschlagen. Immer wenn er meint, einen Schritt weiter zu sein, tut sich ein neuer Abgrund auf. So gelingt es Inge Löhnig immer wieder, den Leser zu überraschen. Zwar gibt es im Verlauf der Handlung einige Verdächtige, doch wer es letztendlich war, wird man erst ganz zum Schluss herausfinden, wenn alle Fäden zusammenlaufen und das letzte Puzzlestück eingesetzt ist.

„Nun ruhet sanft“ ist bereits der 7. Kriminalroman mit Hauptkommissar Tino Dühnfort. Der Fall an sich ist abgeschlossen, insofern kann man locker in die Reihe einsteigen. Aber natürlich entwickeln sich die Protagonisten und ihre Beziehungen zueinander immer weiter. Wer dies alles nachverfolgen will, sollte daher die ganze Reihe in chronologischer Folge lesen.

Die Reihe:
1. Der Sünde Sold
2. In weißer Stille
3. So unselig schön
4. Schuld währt ewig
5. Verflucht seist du
6. Deiner Seele Grab
7. Nun ruhet sanft

★★★★★

Veröffentlicht am 15.09.2016

Anspruchsvoller Jugendroman – ganz großes Kino

Sommer unter schwarzen Flügeln
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Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Oetinger (20. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3789142970
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 16 – 17 Jahre

Herzlichen Dank an den Autor Peer Martin, ...

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Oetinger (20. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3789142970
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 16 – 17 Jahre

Herzlichen Dank an den Autor Peer Martin, der mir ein Exemplar des Buches zur Verfügung gestellt hat.

Anspruchsvoller Jugendroman – ganz großes Kino

Ich weiß gar nicht, wie ich diesem großartigen Buch mit meinen Worten gerecht werden soll. Am besten lest ihr meine nachfolgende Rezension gar nicht – lest einfach gleich das Buch!

Inhalt:
Nuri und Calvin sind beide gerade mal 18 Jahre alt. Sie ist aus dem vom Krieg zerstörten Syrien nach Deutschland geflüchtet und wohnt im Asylbewerberheim. Er ist Mitglied einer rechten Jugendclique und lebt mit seiner Mutter und seinen zwei kleinen Halbbrüdern von Sozialhilfe. Sie begegnen sich zum ersten Mal bei Frau Silbermann, die Calvins Brüdern und Nuri Nachhilfeunterricht gibt. Es ist der Beginn einer ganz großen Liebesgeschichte – gegen alle Vernunft und gegen alle Vorurteile.

Meine Meinung:
Peer Martin behauptet, dieses sei der erste Roman, den er veröffentlicht hat. Ich kann es fast nicht glauben. Die Sprache ist so ausgefeilt, genau der jeweiligen Situation angepasst. Die Handlung ist perfekt durchdacht, die Dramaturgie genial. Besser geht es nicht, und das bekommt ein Autor quasi ohne Übung hin? Hut ab!

Martin hat sich auch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zum Einen sind jedem Kapitel zwei aussagekräftige Zitate vorangestellt, zum anderen wird der Leser am Ende jedes Kapitels angeregt, bestimmte Begriffe im Internet selbst zu suchen und dadurch das Gelesene noch zu vertiefen und zu erweitern. Das ist eine tolle Sache, die außerdem zeigt, wie hervorragend der Autor für das Buch recherchiert hat. Die eigene Internetsuche ist allerdings kein Muss, es geht auch ohne, wenn man das nicht mag.

Martin hat hier ein (leider immer noch) brandaktuelles Thema bearbeitet: den Krieg in Syrien, der schon so viele Opfer gefordert und so viele Leben und Städte zerstört hat. Doch Syrien ist weit weg von Deutschland.

»Da sah ich in den Himmel, an dem der Morgen sich rot und violett und gelb abzeichnete. Die Berge waren so hoch wie immer, und die Wolken zogen über Tall Achmar, als wäre nichts geschehen.
Was war schon ein kleines Dorf.« (S. 484)


Wir sehen die schrecklichen Bilder in den Nachrichten und gehen anschließend wieder zu unserem eigenen Alltag über. Doch immer mehr Menschen bleibt gar nichts anderes übrig, als zu fliehen und darauf zu hoffen, in fremden Ländern unterzukommen. Auch Deutschland nimmt viele Flüchtlinge aus Syrien auf, und es werden noch mehr werden. Heißen wir sie willkommen, geben wir ihnen hier bei uns ein Stück Heimat!

Nuri ist eine faszinierende Person. Sie erkennt sofort, dass dieser Junge in dem Kapuzensweatshirt mit einer schwarzen Sonne auf dem Rücken und Springerstiefeln an den Füßen nicht nur schlecht ist. Wie schon in ihrer Heimat, wo sie ihre Familie mehrere Male durch ihre Vorahnung gerettet hat, hat sie auch bei Calvin den richtigen Riecher.

Und Calvin kann sich nicht gegen Nuris dunkle, große Augen wehren, gegen dieses unsagbar schöne Mädchen, das ihm Geschichten erzählt, Geschichten wie aus 1001 Nacht, von einem Land voller exotischer Gerüche, voller leuchtender Farben und fröhlicher Menschen. Doch die Geschichten, die Nuri erzählt – eigentlich ist es ja nur eine Geschichte, die immer wieder durch die Ereignisse in der Gegenwart unterbrochen wird -, nehmen immer düsterere Züge an. Wir erfahren immer mehr von Übergriffen, Folter und Krieg. Nuri nimmt Calvin und den Leser – denn auch als Leser kann man sich ihrer Erzählung nicht entziehen – mit in das zerbombte Syrien, lässt uns an ihrer Angst teilhaben, an den vielen Toten und Vermissten. Das ist teilweise wirklich harter Tobak, schwer zu ertragen. Aber das Schlimmste ist, dass es realistisch ist.

Nuri und Calvin werden ein Paar – doch wie soll das gehen? Calvin muss ganz langsam umdenken, sich von seinen Ausländer-raus-Parolen distanzieren, sich von seiner Clique abwenden. Aussteigen. Doch das ist alles andere als einfach – es ist gefährlich, lebensgefährlich. Wen die Rechten mal in ihren Fängen haben, den lassen sie nicht einfach wieder los. Doch die Liebe der beiden ist so fest und dabei doch so zart, einfach wunderbar beschrieben.

»„Wir haben uns eine Woche lang nicht geküsst, weißt du das?“
„Schande über uns“, sagte Calvin und fühlte die Schwere dieser Woche mit den Wolken davonziehen. „Wir sollten es nachholen.“
Sie hatten es nicht verlernt.« (S. 336)


Die Charaktere erhalten im Laufe der Erzählung eine immense Tiefe, ihre Entwicklung geht langsam aber stetig voran und wirkt absolut glaubwürdig. Überhaupt macht die ganze Geschichte einen sehr realistischen Eindruck, was sicher auch dadurch hervorgerufen wird, dass immer wieder auf wahre Begebenheiten eingegangen wird.

Peer Martin hat eine unvergleichliche Art zu schreiben, voller Gefühle, voller Spannung. Seine Worte lassen das Gelesene wie einen Film im Kopf ablaufen. Man taucht ganz tief in die Handlung ein, wird ein Teil davon und kann vieles davon in die Realität mitnehmen.

Ob es für Nuri und Calvin ein Happy End geben kann, müsst ihr selbst lesen. Es lohnt sich!

★★★★★

EDIT (31.10.2015): Ich freue mich, dass dieses wundervolle Buch mit einem Preis ausgezeichnet wurde und gratuliere dem Autor Peer Martin ganz herzlich dazu.

Stiftung Weltethos Friedolin-Verleihung

EDIT (27.12.2015): Und noch ein Preis geht an „Sommer unter schwarzen Flügeln: das Eselsohr

Veröffentlicht am 15.09.2016

Fesselnd und düster

Herz in Scherben
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Gebundene Ausgabe: 377 Seiten
Verlag: Arena (9. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3401600055
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

Fesselnd und düster

ACHTUNG: 2. Teil einer Trilogie. ...

Gebundene Ausgabe: 377 Seiten
Verlag: Arena (9. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3401600055
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

Fesselnd und düster

ACHTUNG: 2. Teil einer Trilogie. Es können SPOILER zum 1. Band enthalten sein.

Inhalt:
Nach den schrecklichen Ereignissen auf Martha’s Vineyard im Winter wollten Juli und David eigentlich nie wieder auf diese Insel. Doch der Einladung zum 50. Geburtstag seines Vaters kann David sich nicht verweigern. Doch ihn zieht auch noch etwas anderes nach Sorrow zurück. Juli folgt ihm natürlich, denn sie weiß, dass das alte Herrenhaus und die Insel nicht gut für David sind. Schnell werden die beiden von der düsteren Stimmung dort eingeholt. David versucht mit aller Gewalt, sich zu erinnern, was damals auf den Klippen wirklich passiert ist. Hat er womöglich selbst seine Verlobte Charlie getötet?

Meine Meinung:
Mir hat der erste Band dieser Trilogie schon gut gefallen, aber der zweite konnte mich noch mehr begeistern. Oft fristet der Mittelband ja ein Schattendasein – das kann man hier wirklich nicht behaupten. Die Handlung des ersten Teils wird konsequent fortgeführt, frühere Ereignisse beiläufig eingestreut, sodass man schnell wieder den Anschluss finden kann, auch wenn der erste Band schon ein Jahr zurückliegt.

Wie schon im Vorgängerband erzählt Juli in der Ich-Form, sodass man vor allem ihre Gedanken und Gefühle hautnah mitbekommt. Juli war mir nach wie vor sympathisch, obwohl mich ihre Eifersuchtsanfälle ein wenig genervt haben. Aber ich fand diese Eifersucht absolut nachvollziehbar – von daher alles gut. Der Grund der Eifersucht ist Lizz, die sich schamlos an David ranschmeißt. Herrlich, dass die Autorin uns ein solches Hassobjekt gegeben hat. Davids Entwicklung ist zeitweise beängstigend, auch hier konnte ich Julis Unsicherheit absolut gut verstehen. Und obwohl er sich einige üble Dinge leistet, tat David mir eigentlich nur leid, denn der Arme kann sich selbst nicht mehr über den Weg trauen.

„Ich muss dir das Herz brechen, damit du nicht stirbst.“ (S. 353)

Juli und David und mit ihnen der Leser befinden sich auf einer emotionalen Achterbahn. Zwischen kaltschnäuziger Abfuhr und liebevoller Nähe ist so ziemlich alles möglich. So weiß man nie, was einen auf der nächsten Seite oder im nächsten Kapitel erwartet.

Über allem hängt nach wie vor der Fluch von Madeleine Bowers, die Haushälterin Grace punktet wieder mit gruseligen Ansagen, und Juli hat immer wieder schreckliche Albträume und meint, einen Geist zu sehen. Ob es diesen Geist tatsächlich gibt, kann ich euch leider nicht verraten, das muss jeder selbst herausfinden.

Kathrin Lange versteht es hervorragend, immer wieder falsche Fährten zu legen, harmlose Bürger verdächtig aussehen zu lassen und eine leicht gruselige Atmosphäre zu schaffen. Sie lässt dem Leser viel Spielraum für eigene Spekulationen, von denen sich am Ende nur ein Bruchteil bewahrheiten kann.

Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung von „Herz aus Glas“, die dem ersten Band in nichts nachsteht. Gefühle und Spannung in einem ausgewogenen Verhältnis. Sehr zu empfehlen!

Die Reihe:
1. Herz aus Glas
2. Herz in Scherben
3. Herz zu Asche (voraussichtlicher Erscheinungstermin: 1. August 2015)

Spin-off: Herz in Flammen (kostenloser Download auf der Homepage der Autorin: http://www.kathrin-lange.de/wp-content/uploads/2015/05/Kathrin-Lange_Herz-in-Flammen.pdf)

★★★★★