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Veröffentlicht am 21.06.2021

Sehr lebendig und spannend

Die fremde Spionin
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Osterberlin, 1961
Die Staatssicherheit hat Ria im Alter von 10 Jahren aus ihrer Familie gerissen.
Ihre Eltern wurden inhaftiert und die Kinder wurden zu verschiedenen Pflegefamilien
gegeben. Als Ria eine ...

Osterberlin, 1961
Die Staatssicherheit hat Ria im Alter von 10 Jahren aus ihrer Familie gerissen.
Ihre Eltern wurden inhaftiert und die Kinder wurden zu verschiedenen Pflegefamilien
gegeben. Als Ria eine Stelle im Ministerium für Außenhandel antritt versucht der
BND sie anzuwerben. Ria will unbedingt wissen was mit ihrer Schwester passiert ist und
wo sie jetzt lebt. Deshalb lässt sie sich auf den Handel ein. Ein sehr gefährliches Unterfangen
wie sie bald bemerkt. Denn die Stasi und der KGB sind ihr sehr bald auf der Spur.

Eine sehr lebendige und auch spannende Geschichte die den Leser
in eine längst vergangene Zeit entführt. In das Jahr 1961. Der kalte Krieg
hielt jahrelang die Welt in Atem, forderte viele Opfer und teilte die Welt in zwei Hälften.
Deutschland war Hauptschauplatz dieses Kräftemessens, Berlin war sein Brennpunkt.
Die Geschehnisse sind sehr echt und packend beschrieben.
Kein Autor schafft es die Geschichte in der Geschichte so perfekt umzusetzen wie
Titus Müller. Das historisch belegte wird mit dem Erdachten perfekt verbunden.
Ein immer noch sehr schmerzhafter Teil der deutsch-deutschen Geschichte wird hier
gegenwärtig. Dadurch das in verschiedenen Erzählsträngen erzählt wird bleibt
es sehr lebendig und auch spannend.
Das Lebensgefühl dieser Zeit kommt wunderbar auf die Seiten.
Sehnsüchte und Sorgen einer längst vergangenen Epoche leben noch einmal auf.
Machen neugierig auf diese außergewöhnliche Frau.
Außerdem erhält dieser Roman sehr viel Lokalkolorit.
Die Orte sind sehr anschaulich und bildhaft beschrieben.
Überhaupt wird alles sehr detailliert dargestellt.
Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und sehr lebensnah.
Sie sprühen so vor Leben, dass man das Gefühl hat, sie wahrhaft zu kennen.
Als ob man alles mit ihnen gemeinsam erlebt.
Einfühlsam und intensiv – ein Leseerlebnis.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2021

Der schmale Grat zwischen Fiktion und Realität

Eine Geschichte, die uns verbindet
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New York: Carrie, die Tochter der bekannten Schriftstellerin Flora verschwindet spurlos aus der verschlossenen Wohnung.
Man kann die Verzweiflung der Mutter nachvollziehen, vor allem als sich bei der Befragung ...

New York: Carrie, die Tochter der bekannten Schriftstellerin Flora verschwindet spurlos aus der verschlossenen Wohnung.
Man kann die Verzweiflung der Mutter nachvollziehen, vor allem als sich bei der Befragung durch die Polizei der Verdacht aufdrängt, dass sie hinter der Geschichte steckt.
Paris:
Der zweite Handlungsstrang richtet sich ebenfalls auf einem verzweifelten Elternteil. Romain sieht sich seiner noch Ehefrau ausgeliefert, die geschickt
das öffentliche Image lenkt. Sie will ihn als gewalttätigen und aggressiven Ehemann und Vater darzustellen, um so den gemeinsamen Sohn ganz für sich zu haben.
Aus Romains Sicht stellt sich die Lage gänzlich anders dar. Leicht von außen zu beeinflussen; schwach und unter dem Einfluss zweifelhafter Radikaler sollte
Almine keinesfalls das Sorgerecht für Théo erhalten.

Von der Aufmachung und Gestaltung her ist es ein schönes Buch.
Der Titel ist schon recht vielsagend. Das wird einem aber erst viel später klar.
Jedes der Kapitel beginnt am Anfang mit einem wunderschönen Zitat eines bekannten Schriftstellers. Dazu kommt der wunderbare Schreibstil des Autors.
Die Charaktere sind alle so lebensecht beschrieben und man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen.
Erzählt wird in zwei verschiedenen Handlungssträngen mit wechselnden Sichtweisen,
die immer wieder zusammen laufen.
Von Anfang an hat diese Geschichte einen Spannungsbogen der bis zum Schluss anhält.
Immer wieder bestimmen überraschende Wendungen den Fortlauf der Suche.
Clever konstruiert bleiben lange Zeit Fragen offen, deren Beantwortung man mit Spannung
verfolgt und die sich schließlich glaubwürdig und restlos klären.
Der Autor führt den Leser durch einen sehr schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion,
zwischen dem Imaginären, das direkt aus dem Kopf des Romanschriftstellers kommt und der Realität, die ihn oft einholt.
Ein sehr schöner Roman voller überraschender Wendungen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2021

Eine Mischung aus Genuss, Spannung und wunderschöner Landschaft.

Mord au Vin (Claire Molinet ermittelt 1)
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Claire, die nicht nur einen Food-Blog für die französische Küche und die neuen Trends
in der Esskultur schreibt, sondern auch Privatdetektivin ist,
findet eine mumifizierte Leiche.
Diese wurde in der Düne ...

Claire, die nicht nur einen Food-Blog für die französische Küche und die neuen Trends
in der Esskultur schreibt, sondern auch Privatdetektivin ist,
findet eine mumifizierte Leiche.
Diese wurde in der Düne von Pilat, Arcachon verscharrt.
Schnell wird klar, dass es sich um eine Winzerin handelt. Einer Verfechterin des Bioanbaues.
Das erweckt Claires Spürnase. Zusätzlich wird sie beauftragt eine verschwundene Studentin
zu suchen. Claire vermutet, dass die beiden Fälle zusammenhängen könnten.
Sie fängt an zu ermitteln und schon bald ergänzt sie sich sehr gut mit dem
Commandanten Chénier. Gemeinsam entwirren sie die Fäden, die tief in die Welt
des Bordelaiser Weinbaus führen. Doch sie müssen sich beeilen,
denn der Täter hat bereits ein neues Opfer im Visier ...

Das wunderschöne Cover lässt schon ahnen, in welche Richtung dieser Krimi geht.
Die Autorin nimmt uns mit in die Welt des Bordelaiser Weinbaus.
Ihre Beschreibungen sind atmosphärisch dicht.
Die Landschaft wird wunderschön und sehr ausführlich beschrieben.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und es fällt schwer das Buch aus der Hand zulegen.
Atmosphärisch dicht und sehr authentisch wird die Ermittlung geführt.
Die eingestreuten französischer Wörter verstärken das ganze noch.
Auch sind alle Elemente, die für einen klassischen Kriminalroman wichtig sind vorhanden.
Rätselhafte Verbrechen, die psychologischen Momente, die den Verbrecher antreiben,
die sehr guten Milieubeschreibungen.
Die Charaktere sind bis in die Nebenrollen so liebevoll gezeichnet das man ganz schnell
Sympathien oder auch Antipathien hegt.
Die Art der Ermittlung ist erfrischend anders.
Dem Commandanten Raoul Chénier steht Claire Molinet, Bloggerin und Privatdetektivin zur Seite.
Die beiden sind sehr sympathische und eigenwillige Charaktere und ergänzen sich wunderbar.
Stück für Stück wird das Rätsel gelöst.
Ein sehr gutes Hintergrundwissen machen diesen Krimi zu einem Leseerlebnis.
Es geht nicht nur um Wein, es geht auch um Skandale betreffs des Weinanbaus.
Alles in allem handelt es sich hier um einen guten klassischen Kriminalroman.
Eine Mischung aus Genuss, Spannung und wunderschöner Landschaft.
Der Spannungsbogen steigt langsam bis zum überraschenden Ende.
Wer einen klassischen Kriminalroman ohne große Action erwartet wird nicht enttäuscht.
Mir hat dieser Ausflug nach Frankreich gut gefallen.
Das Ende lässt auf eine Fortsetzung hoffen!

Positiv zu erwähnen ist noch das Glossar und die Playliste am Ende des Buches.

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Veröffentlicht am 02.06.2021

Ein Wohlfühlroman

Der Himmel ist hier weiter als anderswo
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Die Geschichte einer Geigerin die eines Tages nicht mehr geigen kann.
Immer, wenn sie das Instrument in der Hand hält, überfällt sie eine
unbändige Traurigkeit. Sie fühlt sich an dem Tod ihres Mannes mit ...

Die Geschichte einer Geigerin die eines Tages nicht mehr geigen kann.
Immer, wenn sie das Instrument in der Hand hält, überfällt sie eine
unbändige Traurigkeit. Sie fühlt sich an dem Tod ihres Mannes mit schuldig.
Die junge Witwe verliert ihren Job als Musikerin und ihr wird die Wohnung gekündigt.
Das ist ein großer Schicksalsschlag, denn sie hat ja auch noch vier Kinder.
Aber es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer. Einen leerstehenden Gasthof im alten Land.

Das Cover ist sehr schön und macht große Lust auf die Natur, dem alten Land.
Auch der Titel ist sehr einnehmend. Er erweckt eine Sehnsucht nach Sommer, Kirschen
und heile Welt.
Die bildhaften und atmosphärischen Beschreibungen der Umgebung und der Charaktere
sind wunderbar gelungen. Das Gefühl direkt dabei zu sein stellt sich von der ersten
Seite ein. Der schöne Schreibstil mit den klaren Worten und die wunderschönen Bilder
die dadurch im Kopf entstehen.
Man sieht das alte Land förmlich vor sich. Den alten Gasthof, den wunderschönen
verwilderten Garten u.v.m.
Ihre vier Kinder die so unterschiedlich und vor allem so realistisch sind.
Sie geben der Geschichte etwas Leichtigkeit. Eine Geschichte über einen Neuanfang
der sich etwas schwierig gestaltet. Aber wie es meistens in einem Familienroman so ist,
werden nach und nach die Probleme gelöst. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz.
Dabei wird es nie kitschig.
Dieses Buch macht Mut und bringt Hoffnung das es im Leben immer weiter geht.
Man spürt richtig, wie Felicitas langsam wieder Freude am Leben bekommt.
Alles ist möglich, man muss es nur zulassen.
Ein richtiger Wohlfühlroman!

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Veröffentlicht am 28.05.2021

Die Vollendung

Blütenschatten
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Eve  ist eine schillernde, sehr widersprüchliche Charaktere.
Ihr folgt der Leser auf einem nächtlichen Spaziergang durch London.
Von ihrem alten Leben im gediegenen Westen bis zu ihrem Atelier in East ...

Eve  ist eine schillernde, sehr widersprüchliche Charaktere.
Ihr folgt der Leser auf einem nächtlichen Spaziergang durch London.
Von ihrem alten Leben im gediegenen Westen bis zu ihrem Atelier in East London.
Eve ist eine feste etablierte Größe in der Kunstszene. War früher die Muse eines bekannten Künstlers. Jetzt mit 60 Jahren ist Eve eine Künstlerin mit einer Passion für extravagante Blumengemälde und einem Hang zu jungen Männern.
Nach und nach bekommt man immer mehr Einblick in die Abläufe und zustände der zeitgenössischen Kunstszene und vor allen in Eves Seelenzustand.
Es ist die Geschichte einer seelenlosen, hartherzigen Frau die ihre Hingabe für die Kunst über alles stellt. 

Annalena McAfee ist ein großartiger Roman gelungen.
Ihre Sätze kommen so voller Liebe zur Kunst und Weisheit daher.
Jeder Satz ist voller Leben und trägt schwer.
Die Schreibweise ist wunderbar und ab Mitte des Buches entsteht eine große Spannung.
Es liest sich nicht leicht aber doch sehr flüssig.
Die Story, die Charaktere, die Ausdruckskraft einfach nur wunderbar.
Fließend, mit einem teilweise recht bissigen Unterton wird das Schicksal der Hauptcharaktere Eve wiedergegeben. Wie sie in einen Strudel der
Ereignisse gerät, um alles, was ihr lieb ist, kämpft und am Ende doch untergeht.
Ein Buch das zum Nachdenken veranlasst, voller Überraschungen steckt und lange nachklingt.

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