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Veröffentlicht am 15.03.2025

Familientragödie inmitten der faszinierenden Elblandschaft

Stromlinien
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Das war wieder einmal ein besonderer Lesegenuss. Ein Buch, das ich kaum weglegen wollte. In 'Stromlinien' bewegen wir uns entlang der Elbe kurz bevor sie in die Nordsee mündet. Der Fluss bewegt sich wie ...

Das war wieder einmal ein besonderer Lesegenuss. Ein Buch, das ich kaum weglegen wollte. In 'Stromlinien' bewegen wir uns entlang der Elbe kurz bevor sie in die Nordsee mündet. Der Fluss bewegt sich wie ein roter Faden durch die Zeiten und durch die Geschichte und enthüllt nach und nach eine große Familientragödie auf mehreren Ebenen.

Dabei verknüpft Rebekka Frank Fiktion mit realen Ereignissen und Gegebenheiten. Nach diesem Buch steht Bishorst nun weit oben auf meiner Kurztrip-Wunschliste. Und auch die (noch Gefängnis-)Insel Hahnöfersand übt eine Faszination auf mich aus. Die Tragödien, die ins Buch eingearbeitet wurden, waren mir vorher nicht bekannt, aber haben mich zutiefst getroffen. So nahbar und aktuell beschreibt Rebekka Frank die dramatischen Szenen.

Diese Mischung macht das Buch authentisch und lässt einen nur schwer los - im positiven Sinn. In mehreren Zeitsträngen aber in ihrer Erzählweise auf eine Art chronologisch erfahren wir von den Zwillingen Jale und Enna, die ohne Mutter bei Oma Ehmi aufwachsen. Alea, die Mutter, steht kurz vor ihrer Entlassung aus dem Gefängnis. Erst nach und nach erfahren wir, wie es dazu kam und warum sie uns auch Tochter Jale nach der Entlassung erst einmal verschwinden.

Viele lose Enden und interessante Biographien fügen sich auf 500 Seiten zusammen. Gunnar, Rudolf, Henri, Greetje, Alya, Luca, Niklas sind weitere Namen in diesem Buch, die alle ihren Teil zur Spannung beitragen. Und die ist gegeben, genau so wie die Emotionen, die mich beim Lesen begleitet haben.

Neben den zwischenmenschlichen Dramen, war es vor allem die Beschreibung der Natur rund um die Elbe und ihren Deichen. Ich spürte sofort eine Sehnsucht dort die Flussseeschwalben und Schwarzkopfmöwen zu beobachten und Nähe des letzten Schierlings-Wasserfenchel zu sitzen. Man merkt der Autorin die Liebe zu diesem Landstrich an, den ich nur allzu gut nachvollziehen kann.

Mein erstes Buch von Rebekka Frank, das mir nun direkt Lust auf 'Das Echo der Gezeiten' macht.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Nochmal 15 sein

Das Leben fing im Sommer an
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Ein Roman, in dem der Protagonist Chris heißt, von einer Karriere als Fußballprofi träumt und 2006 15 Jahre alt ist. Aber autobiographisch ist er nicht. Mit fiel es beim Lesen oft schwer das losgelöst ...

Ein Roman, in dem der Protagonist Chris heißt, von einer Karriere als Fußballprofi träumt und 2006 15 Jahre alt ist. Aber autobiographisch ist er nicht. Mit fiel es beim Lesen oft schwer das losgelöst von Christoph Kramer zu betrachten. Wenn nicht autobiographisch, warum dann der gleiche Name und diverse Parallelen zum realen Leben?
Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt. Ich habe mich beim Lesen sofort in meine eigene Teeniezeit zurück versetzt gefühlt, obwohl diese noch einiges länger zurück liegt. Kramer beschreibt diese Zeit sehr authentisch. Dieser Schwebezustand zwischen Kindsein und Erwachsenwerden. Die Unsicherheiten in allen Lebenslagen. Die Freiheit, die gefühlt vor einem liegt. Das alles hat ein wunderbares Gefühl beim Lesen erzeugt und ich wollte Teil dieser Gemeinschaft rund um Chris, Salvo und Johnny sein. Salvo und Johnny, die beiden müssen extra erwähnt werden, was für einzigartige Persönlichkeiten und was für wundervolle Freunde. Jeder Teenie braucht einen Johnny in seinem Leben.

Der Protagonist lässt uns umfangreich an seinen Gedanken teilhaben und schildert zwei ereignisreiche Tage, die für einen ganzen Sommer sprechen. Plätschert der Sommer erst schwer und diesig dahin, nimmt er am zweiten Tag soviel Fahrt auf, dass er sich fast ein ein Sommergewitter verwandelt. Plötzlich habe ich ein Roadmovie vor Augen.

Vielleicht ist das was jetzt geschieht, fern der Realität - mit 15 Auto fahren, in angesagte und fast geheime Clubs reinkommen, Alkohol, Razzia, Flucht - aber es macht diesen Buch genau dafür zu einem Roman, das man einfach immer weiterlesen möchte.

Ein Jugendroman, ein Coming-of-age Roman, ein Wohlfühl-Roman.

Und vielleicht erst der Anfang einer Schriftsteller-Karriere?

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Eine Gesellschaftskritik

Nie, nie, nie
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Als das Buch in Deutschland erschien, wollte ich es unbedingt lesen. Dann ließ ich mich von einer negativen Kritik beeinflussen und das Buch verschwand von meiner Wunschliste.
Dank einer Wanderbuchreise ...

Als das Buch in Deutschland erschien, wollte ich es unbedingt lesen. Dann ließ ich mich von einer negativen Kritik beeinflussen und das Buch verschwand von meiner Wunschliste.
Dank einer Wanderbuchreise bin ich wieder drauf aufmerksam geworden und was soll ich sagen, ich habe 'NIE NIE NIE' fast in einem Rutsch durchgelesen.
Dabei bin ich mir sicher, dass mich das Buch vor 15 Jahren noch nicht so angesprochen hätte. Im Gegensatz zur Protagonistin hatte ich immer einen Kinderwünsch, so stark, dass bei mir regelmäßig die biologische Uhr tickte. Und ich gehörte zu denjenigen, die fest der Meinung waren, das manch Kinderlose, die sich bewusst dafür entschieden hatten, es später vielleicht bereuen würden. Auch wenn ich es denjenigen nie direkt so gesagt habe.

Interessanterweise kann ich die Einstellung nach drei Kindern besser verstehen. Das klingt jetzt vielleicht hart, hat aber gar nichts mit fehlender Liebe zu tun oder damit, dass ich irgendwas bereue. Es hat eher mit inzwischen wiedergewinnen Freiheiten zu tun, mehr Reifen und dem Verständnis, dass man sich nicht einschränken möchte.

Daher hat die Protagonistin, die gleichzeitig die Erzählerin des Buches ist, mein vollstes Verständnis. Teilweise ist es fast schwer zu ertragen, was sie sich anhören muss und dass sie in ihrem Entschluss, keine Kinder zu wollen, selten ernst genommen wird. Immer sind andere der Meinung, besser zu wissen, was sie später in ihrem Leben brauchen könnte oder vermissen wird.

Den einzigen kritikpunkt, den ich bin nennen möchte, ist, dass das Kinder haben. Hier in diesem Buch ausschließlich als anstrengend und kräftezehrend dargestellt wird. Keine Frage, das ist es sicher auch hin und wieder manchmal öfter, aber eben doch nicht immer. Da fehlen mir ein bisschen. Die Facetten. Was mir auf jeden Fall gut gefällt, ist, dass ich die Protagonisten treu bleibt, dass sie auch klar ist in ihrem Wunsch und dass sie auch ihrem Partner von Anfang an damit konfrontiert hat. Sie hat also immer mit offenen Karten gespielt.
Das Ende ist authentisch und dennoch stört mich etwas daran, auch wenn ich nicht zu sagen vermag, was genau es ist. Insgesamt ist es aber ein sehr gutes Buch, dass ich leicht und schnell lesen lässt.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Graphic Novel trifft Philosophie

Die drei Leben der Hannah Arendt
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Am Internationalen Frauentag wollte ich etwas über eine berühmte weibliche Persönlichkeit lesen. Ken Krimsteins Graphic Novel über Hannah Arendt bot sich da direkt an.
Natürlich ist mir Hannah Arendt ...

Am Internationalen Frauentag wollte ich etwas über eine berühmte weibliche Persönlichkeit lesen. Ken Krimsteins Graphic Novel über Hannah Arendt bot sich da direkt an.
Natürlich ist mir Hannah Arendt ein Begriff, ebenso einiger ihrer philosophischen Ansätze, aber vor allem ihre 'Banalität des Bösen' nach dem Eichmann-Prozess. Und doch fehlte mir einiges aus ihrer Biographie. Die vorliegende Graphic Novel ist ein wunderbarer Einstieg in ihr Leben, ein Überblick in einzelnen Ausschnitten. Ich kann ich euch vorher sagen, nach dem Lesen dieser Lektüre wollt ihr mehr. Mehr von Hannah Arendt aber auch mehr von Ken Krimstein. Zu letzterem werde ich später im März noch etwas vorstellen

Nun zu Hannah Arendt. Ich fùhlte mich sofort mit ihr verbunden, allein der Tatsache Schuldendienst, dass sie ebenso aus Königsberg stammte, wie meine geliebte Omi Hilde.
Schon als junges Mädchen ist Hannah beeindruckend. Mit 14 hat sie alles von Kant gelesen, stellt selbst eine Theatergruppe mit sich selbst in (fast) allen Rollen auf die Beine und spielt auf Altgriechisch. Bereits vor dem ersten Ersten Weltkrieg erfährt sie antisemitische Äußerungen, wird aber von ihren Eltern aufgefangen. Ihre Mutter Martha beeindruckt mich sehr.

Wir erfahren von ihrer Zeit in Marburg und der Beziehung Zeitlebens zu Heidegger, ihrer Heirat mit Günter Stern, ihrer Fluchten nach Paris und später über Umwege nach New York. Ihre Heirat mit Heinrich Blücher, ihre Verhaftungen und ihre Begegnung mit den Größen ihrer Zeit sind ebenfalls Themen. Aber vor allem werden wir Teil ihres Denkens und ihres Diskutierens und Philosophierens mit anderen aber sehr umfangreich auch mit sich selbst.

Ken Krimstein zeigt wie perfekt Comic und Tiefe zueinander passen. Die hauptsächlich in schwarz weiß gehaltenen Zeichnungen (nur Hannah Arendt hebt sich in grün ab) unterstützen den Ernst, die Emotionen und den Intellekt dieser faszinierenden Frau.

Wer denkt, dass Literatur und Comic nicht zueinander passen, wird hier eines besseren belehrt.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Skurril, witzig, ehrlich

Moor Myrte und das Zaubergarn
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Durch den Jugendliteraturpreis 2024 bin ich auf Sid Sharps Buch 'Wolfspelz' aufmerksam geworden. Neben den Illustrationen und dem Comic-Stil hat mich vor allem die Botschaft der Geschichte begeistert.

Klar ...

Durch den Jugendliteraturpreis 2024 bin ich auf Sid Sharps Buch 'Wolfspelz' aufmerksam geworden. Neben den Illustrationen und dem Comic-Stil hat mich vor allem die Botschaft der Geschichte begeistert.

Klar also, dass ich auf das neue Buch sehr gespannt war. Moor Myrte klingt irgendwie geheimnisvoll, aber auch ein wenig gruselig. Aber unsere Lütte fand es in erster Linie lustig. Béatrice und Magnolia, zwei Schwestern wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Die eine grimmig und ständig schlecht gelaunt, die andere eine wahre Frohnatur, empathisch und warmherzig. Und weil letztere ihrer Schwester ein ganz besonderes Geschenk machen will, verschlägt es sie zur Moor Myrte.

Mehr möchte ich gar nicht verraten. Nur so viel, das die Lütte mit ihren knapp sieben Jahren total begeistert war, ob wohl es Stellen gab, an denen ich etwas geschluckt habe, weil ich sie doch etwas heftig fand. Aber ich stelle wieder einmal fest, dass Kinder Geschichten teilweise anders wahrnehmen, als wir Erwachsene.

Die Farben und der Stil konnten mich aber auch dieses Mal wieder absolut begeistern. Übrigens auch super geeignet für Kinder, die nicht ganz so gerne lesen.

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