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Veröffentlicht am 10.03.2025

Eine Gesellschaftskritik

Nie, nie, nie
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Als das Buch in Deutschland erschien, wollte ich es unbedingt lesen. Dann ließ ich mich von einer negativen Kritik beeinflussen und das Buch verschwand von meiner Wunschliste.
Dank einer Wanderbuchreise ...

Als das Buch in Deutschland erschien, wollte ich es unbedingt lesen. Dann ließ ich mich von einer negativen Kritik beeinflussen und das Buch verschwand von meiner Wunschliste.
Dank einer Wanderbuchreise bin ich wieder drauf aufmerksam geworden und was soll ich sagen, ich habe 'NIE NIE NIE' fast in einem Rutsch durchgelesen.
Dabei bin ich mir sicher, dass mich das Buch vor 15 Jahren noch nicht so angesprochen hätte. Im Gegensatz zur Protagonistin hatte ich immer einen Kinderwünsch, so stark, dass bei mir regelmäßig die biologische Uhr tickte. Und ich gehörte zu denjenigen, die fest der Meinung waren, das manch Kinderlose, die sich bewusst dafür entschieden hatten, es später vielleicht bereuen würden. Auch wenn ich es denjenigen nie direkt so gesagt habe.

Interessanterweise kann ich die Einstellung nach drei Kindern besser verstehen. Das klingt jetzt vielleicht hart, hat aber gar nichts mit fehlender Liebe zu tun oder damit, dass ich irgendwas bereue. Es hat eher mit inzwischen wiedergewinnen Freiheiten zu tun, mehr Reifen und dem Verständnis, dass man sich nicht einschränken möchte.

Daher hat die Protagonistin, die gleichzeitig die Erzählerin des Buches ist, mein vollstes Verständnis. Teilweise ist es fast schwer zu ertragen, was sie sich anhören muss und dass sie in ihrem Entschluss, keine Kinder zu wollen, selten ernst genommen wird. Immer sind andere der Meinung, besser zu wissen, was sie später in ihrem Leben brauchen könnte oder vermissen wird.

Den einzigen kritikpunkt, den ich bin nennen möchte, ist, dass das Kinder haben. Hier in diesem Buch ausschließlich als anstrengend und kräftezehrend dargestellt wird. Keine Frage, das ist es sicher auch hin und wieder manchmal öfter, aber eben doch nicht immer. Da fehlen mir ein bisschen. Die Facetten. Was mir auf jeden Fall gut gefällt, ist, dass ich die Protagonisten treu bleibt, dass sie auch klar ist in ihrem Wunsch und dass sie auch ihrem Partner von Anfang an damit konfrontiert hat. Sie hat also immer mit offenen Karten gespielt.
Das Ende ist authentisch und dennoch stört mich etwas daran, auch wenn ich nicht zu sagen vermag, was genau es ist. Insgesamt ist es aber ein sehr gutes Buch, dass ich leicht und schnell lesen lässt.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Graphic Novel trifft Philosophie

Die drei Leben der Hannah Arendt
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Am Internationalen Frauentag wollte ich etwas über eine berühmte weibliche Persönlichkeit lesen. Ken Krimsteins Graphic Novel über Hannah Arendt bot sich da direkt an.
Natürlich ist mir Hannah Arendt ...

Am Internationalen Frauentag wollte ich etwas über eine berühmte weibliche Persönlichkeit lesen. Ken Krimsteins Graphic Novel über Hannah Arendt bot sich da direkt an.
Natürlich ist mir Hannah Arendt ein Begriff, ebenso einiger ihrer philosophischen Ansätze, aber vor allem ihre 'Banalität des Bösen' nach dem Eichmann-Prozess. Und doch fehlte mir einiges aus ihrer Biographie. Die vorliegende Graphic Novel ist ein wunderbarer Einstieg in ihr Leben, ein Überblick in einzelnen Ausschnitten. Ich kann ich euch vorher sagen, nach dem Lesen dieser Lektüre wollt ihr mehr. Mehr von Hannah Arendt aber auch mehr von Ken Krimstein. Zu letzterem werde ich später im März noch etwas vorstellen

Nun zu Hannah Arendt. Ich fùhlte mich sofort mit ihr verbunden, allein der Tatsache Schuldendienst, dass sie ebenso aus Königsberg stammte, wie meine geliebte Omi Hilde.
Schon als junges Mädchen ist Hannah beeindruckend. Mit 14 hat sie alles von Kant gelesen, stellt selbst eine Theatergruppe mit sich selbst in (fast) allen Rollen auf die Beine und spielt auf Altgriechisch. Bereits vor dem ersten Ersten Weltkrieg erfährt sie antisemitische Äußerungen, wird aber von ihren Eltern aufgefangen. Ihre Mutter Martha beeindruckt mich sehr.

Wir erfahren von ihrer Zeit in Marburg und der Beziehung Zeitlebens zu Heidegger, ihrer Heirat mit Günter Stern, ihrer Fluchten nach Paris und später über Umwege nach New York. Ihre Heirat mit Heinrich Blücher, ihre Verhaftungen und ihre Begegnung mit den Größen ihrer Zeit sind ebenfalls Themen. Aber vor allem werden wir Teil ihres Denkens und ihres Diskutierens und Philosophierens mit anderen aber sehr umfangreich auch mit sich selbst.

Ken Krimstein zeigt wie perfekt Comic und Tiefe zueinander passen. Die hauptsächlich in schwarz weiß gehaltenen Zeichnungen (nur Hannah Arendt hebt sich in grün ab) unterstützen den Ernst, die Emotionen und den Intellekt dieser faszinierenden Frau.

Wer denkt, dass Literatur und Comic nicht zueinander passen, wird hier eines besseren belehrt.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Skurril, witzig, ehrlich

Moor Myrte und das Zaubergarn
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Durch den Jugendliteraturpreis 2024 bin ich auf Sid Sharps Buch 'Wolfspelz' aufmerksam geworden. Neben den Illustrationen und dem Comic-Stil hat mich vor allem die Botschaft der Geschichte begeistert.

Klar ...

Durch den Jugendliteraturpreis 2024 bin ich auf Sid Sharps Buch 'Wolfspelz' aufmerksam geworden. Neben den Illustrationen und dem Comic-Stil hat mich vor allem die Botschaft der Geschichte begeistert.

Klar also, dass ich auf das neue Buch sehr gespannt war. Moor Myrte klingt irgendwie geheimnisvoll, aber auch ein wenig gruselig. Aber unsere Lütte fand es in erster Linie lustig. Béatrice und Magnolia, zwei Schwestern wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Die eine grimmig und ständig schlecht gelaunt, die andere eine wahre Frohnatur, empathisch und warmherzig. Und weil letztere ihrer Schwester ein ganz besonderes Geschenk machen will, verschlägt es sie zur Moor Myrte.

Mehr möchte ich gar nicht verraten. Nur so viel, das die Lütte mit ihren knapp sieben Jahren total begeistert war, ob wohl es Stellen gab, an denen ich etwas geschluckt habe, weil ich sie doch etwas heftig fand. Aber ich stelle wieder einmal fest, dass Kinder Geschichten teilweise anders wahrnehmen, als wir Erwachsene.

Die Farben und der Stil konnten mich aber auch dieses Mal wieder absolut begeistern. Übrigens auch super geeignet für Kinder, die nicht ganz so gerne lesen.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ich bewundere diese Frau

BECOMING
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"Seit meiner Kindheit glaubte ich fest daran, wie wichtig es war, sich Rüpeln entgegenzustellen, ohne sich dabei auf ihr Niveau zu begeben. Um es ganz klar zu sagen: Mit so einem Rüpel hatten wir es jetzt ...

"Seit meiner Kindheit glaubte ich fest daran, wie wichtig es war, sich Rüpeln entgegenzustellen, ohne sich dabei auf ihr Niveau zu begeben. Um es ganz klar zu sagen: Mit so einem Rüpel hatten wir es jetzt zu tun; ..." (Seite 520) Michelle Obama über Donald Trump vor den Wahlen 2016.

Nun ist Trump wieder im Amt und ich lesen Michelle Obamas Geschichte und damit auch die ihres Mannes mit einer leichten Wehmut.
Aber nun zum Anfang. Wir erfahren wie Michelle Robinson aufgewachsen ist, in einfachen Verhältnissen aber mit Eltern, die das Potenzial ihrer Kinder voll ausgeschöpft und sich für sie auf geopfert haben. Wir erleben eine junge Frau, die sich in einer Welt voller Männer und vieler Weißer gelernt hat, sich zu behaupten und ihren Weg zu gehen.

"Du musst doppelt so gut sein, um nur halb so weit zu kommen." (Seite 377) Maxime in der schwarzen Community.

Von Anfang an ist mir die Michelle, von der ich dort lese, zutiefst symphatisch und ich bewundere den ehrlichen, authentischen Schreibstil. Vor allem später, lange nachdem sie Barack Obama kennen und lieben gelernt hat und in die Politik quasi hinein geworden würde. Sie vergeht nie ihre Abneigung diesem ganzen Apparat gegenüber, lässt sich aber darauf ein und versucht auf ihre Weise die USA und auch die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Sie macht Fehler und wächst an Ihnen.

"Je beliebter man wird, desto mehr Leute können einen nicht leiden." (Seite 333)

Spannend finde ich die Einblicke in das Leben im Weißen Haus und was dies alles mit sich zieht. Wie sie trotz Secret Service, Regeln und Statuten versucht, ihren Kindern ein halbwegs normales Aufwachsen zu ermöglichen. Was natürlich schier unmöglich ist. Und wie sie sich dabei selbst immer treu bleibt.

Natürlich ist es nicht nur die Geschichte von Michelle Obama, es ist auch die Geschichte der Präsidentschaft unter Barack Obama. Eine Geschichte, die so viel Hoffnung in sich trägt und zeigt, wie wertschätzend eine Regierung sein kann. Hätte die Welt nur mehr Obamas. Dann wäre mir um die Zukunft nicht so bange.

"Wir haben uns an diesem Tag versammelt, sagte er weil wir die Hoffnung gewählt haben und nicht die Furcht. Die Einheit und entschlossenheit und nicht die Zwietracht und den Konflikt." Barack Obama bei seiner Amtseinführung im Capitol.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Gemeinsamkeiten sind das Entscheidende, trotz Unterschieden

9 kleine Menschen
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Manchmal kommt es mir vor wie ein wahnwitziger Traum. Da lese ich, dass Donald Trump Kinderbücher verbieten lässt. Bilderbücher, die in einfachen Worten zeigen, dass alle dazu gehören, das verschieden ...

Manchmal kommt es mir vor wie ein wahnwitziger Traum. Da lese ich, dass Donald Trump Kinderbücher verbieten lässt. Bilderbücher, die in einfachen Worten zeigen, dass alle dazu gehören, das verschieden sein etwas wunderbares ist. Und ich wache auf aus dem Traum und verstehe es nicht.

Umso wichtiger finde ich es, dass auch weiterhin Bücher entstehen und erscheinen, die genau das zum Thema machen, die zeigen, dass Unterschiede normal sind.

Genau so ein Buch ist 𝟵 𝗸𝗹𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻. Regina Feldmann hat und bereits mit der 'Kami & Mika' Reihe eine fantastische aber vor allem diverse Welt entdecken lassen. Nun wendet sie sich an die jüngsten. 𝟵 𝗸𝗹𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 ist ein Bilderbuch dass zum Vorlesen direkt einlädt. Kurze Texte in Reimform auf farbenprächtig bebilderten Seiten. Es ist ein fröhliches, lebensbejahendes Buch, dass Menschen und vor allem Kinder in deren deren ganzer Vielfalt zeigt. Der Fokus liegt auf den Kindern und ihren Gemeinsamkeiten. Die äußerlichen Unterschiede sind da und selbstverständlich, sie müssen nicht benannt werden, denn der Blick wird darauf gerichtet, was wichtig ist und was uns eint.

Ich wünsche mir, dass 𝟵 𝗸𝗹𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 in vielen Kitas Einzug hält. Es ist wertschätzend, liebevoll und schließt einfach alle ein.

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