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Veröffentlicht am 07.03.2025

Großartige Science Fiction - Vielschichtig, bewegend und erstaunlich überraschend

Lyneham
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In der Science Fiction begegnen einem ja häufig ähnliche Plots. Und so war auch „Lyneham“ zu Beginn eine recht klassische Geschichte in welcher die Menschheit einen fremden Planeten besiedeln möchte. Autor ...

In der Science Fiction begegnen einem ja häufig ähnliche Plots. Und so war auch „Lyneham“ zu Beginn eine recht klassische Geschichte in welcher die Menschheit einen fremden Planeten besiedeln möchte. Autor Nils Westerboer schafft allerdings darüber hinaus eine unfassbar packende und nachdenklich machende Erzählung. Obwohl alles weit von unserer heutigen Lebensrealität entfernt ist, gelingt es ihm essentielle moralische Fragen über das Menschsein, die Natur und unser Zusammenleben aufzugreifen. Besonders eindrucksvoll waren darüber hinaus die zahlreichen überraschenden und doch auch klugen Wendungen der Handlung für mich. Auch auf Action und Spannung verzichtet Nils Westerboer nicht und so kam zudem ein flottes Tempo auf. Und auch der Schreibstil lag mir sehr und sorgte dafür, dass ich vollends ins Buch abtauchen konnte. Gerade Henrys kindliche und überaus sympathische Perspektive machte mir das Mitfühlen leicht. Er und seine Geschwister stehen im Mittelpunkt des Geschehens was trotz der schwierigen Situation für eine gewisse Leichtigkeit sorgt. Mit ihnen gemeinsam die fremde neue Welt auf Perm zu entdecken machte großen Spaß. Insgesamt kann ich „Lyneham“ uneingeschränkt weiterempfehlen, der Roman ist gerade auch für Neulinge im Genre überaus interessant und gut lesbar.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Die erste große Reise

Onnis große Reise
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„Onnis große Reise“ eignet sich wunderbar um Kleinkinder auf eine eigene Reise vorzubereiten. Die einzelnen Seiten hängen inhaltlich zwar zusammen, stehen aber auch gut für sich allein und bieten durch ...

„Onnis große Reise“ eignet sich wunderbar um Kleinkinder auf eine eigene Reise vorzubereiten. Die einzelnen Seiten hängen inhaltlich zwar zusammen, stehen aber auch gut für sich allein und bieten durch die beispielhaften Situationen, gelungene Gesprächsanlässe. So begleiten wir Onni etwa beim Kofferpacken, auf dem Flughafen, im Zug, oder beim Eisessen und natürlich kommt Onni am Ende auch wieder gut Zuhause an. Die Illustrationen sind einfach gehalten und erinnern stilistisch fast schon an Kinderzeichnungen. Trotzdem ist alles ohne Probleme erkennbar und die fröhlichen bunten Farben sind toll. Der Text ist altersgemäß kurz und prägnant und passt zu den jeweiligen Illustrationen. Einzig die dünnen Seiten sind für die empfohlene Altersgruppe (ab 24 Monaten) ein echter Nachteil. Bereits nach wenigen Tagen hat unser Buch einige Knicke und auch die Gefahr des Einreißens ist vorhanden. Auch wenn dies in Finnland (woher die Geschichte stammt) wohl üblich ist, hätte ich mir die gewohnten Pappseiten, oder zumindest dickeres Papier gewünscht. Davon abgesehen können wir das Buch aber für alle reiselustigen Entdecker:innen empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Starker Beginn, dann leider schwächer werdend

Ginsterburg
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Die Idee hinter „Ginsterburg“ von Arno Frank gefiel mir zunächst richtig gut. Ein fiktives Städtchen, stellvertretend für so viele in Deutschland und die Biografien jeder Menge einzelner Figuren. So sollte ...

Die Idee hinter „Ginsterburg“ von Arno Frank gefiel mir zunächst richtig gut. Ein fiktives Städtchen, stellvertretend für so viele in Deutschland und die Biografien jeder Menge einzelner Figuren. So sollte vermittelt werden wie "ganz normale" Menschen zur NS-Zeit gelebt haben. Los geht die Erzählung im Jahr 1935, anschließend springen wir nach 1940 und 1945. Zunächst konnte mich die Handlung durch ihre subtile Spannung und die zahlreichen Perspektiven noch gefangen nehmen. Der weitschweifige und detailreiche Schreibstil las sich allerdings von der ersten Seite an schwerfällig und nur sehr langsam. Im Handlungsverlauf störte mich dann aber zunehmend der gewählte Fokus des Autors. Wirklich alle Figuren schaffen es grandios wegzuschauen, erlebtes schönzureden und wirklich nichts vom Holocaust und weiteren Grauen des Regimes zu wissen. Sich selbst bereichern, etwa wenn es um Aufträge oder den zurückgelassenen Besitz jüdischer Familien geht, können sich hingegen alle Protagonisten wunderbar. Insgesamt bleibt mir die Geschichte in weiten Teilen einfach zu subtil, während die alltäglichen Sorgen der Charaktere einfach zu viel Raum einnehmen. In meinen Augen braucht es nicht noch einen Roman darüber, wie sehr die deutsche Bevölkerung im selbstverschuldeten Krieg gelitten hat. Ein weiteres Problem waren für mich außerdem die dargestellten Charaktere, besonders die Frauen sind bis auf eine Ausnahme überaus kaltherzig und überzeichnet dargestellt. Und auch wenn die Männer facettenreicher daherkamen, fehlte mir oft ein Gefühl der Authentizität. Erzählerisch hat der Autor viel gewollt, genau dieses Bemühen merkt man dem Text leider auch an. Alles in allem konnte mich „Ginsterburg“ nicht überzeugen, weshalb ich nach dem starken Beginn leider nur 3 Sterne vergeben kann.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schwere Entscheidungen einer engagierten Strafverteidigerin

Dunkle Momente
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„Dunkle Momente“ von Elisa Hoven ist inhaltlich und stilistisch mal etwas ganz anderes und konnte mich gerade deshalb sehr begeistern. In jedem Kapitel geht es um einen zurückliegenden Fall der Protagonistin ...

„Dunkle Momente“ von Elisa Hoven ist inhaltlich und stilistisch mal etwas ganz anderes und konnte mich gerade deshalb sehr begeistern. In jedem Kapitel geht es um einen zurückliegenden Fall der Protagonistin Eva. Die einzelnen Kapiteln lesen sich dabei fast schon wie Kurzgeschichten und sind wirklich toll auf den Punkt erzählt. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Rahmenhandlung, welche sich hauptsächlich um die persönliche Entwicklung der Hauptfigur dreht. Der Titel ist in diesem Fall außergewöhnlich treffend und hängt mit mehreren Entscheidungen der Strafverteidigerin zusammen. Voller Grautöne ist Eva eine Figur welche ich zwar faszinierend, aber nicht durchgehend sympathisch fand. Letztlich ist sie immer auf der Seite ihrer Mandant:innen und überschreitet wiederholt (moralische) Grenzen. Gerade deshalb löst die Erzählung aber einen regelrechten Sog aus und ich musste unbedingt weiterlesen. Vorhersehbar ist hier wirklich nichts. Der Schreibstil ist trotz fachlicher Begriffe eingängig und liest sich flüssig. Und auch über unser deutsches Justizsystem lernt man nebenbei so manches. Alles in allem ist der Autorin mit „Dunkle Momente“ eine wirklich großartige Mischung gelungen. Gerade da es nicht immer einfach ist klar in Gut und Böse zu unterteilen, regt das Buch zum Nachdenken an. Gerne vergebe ich begeisterte 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schmerzhafte Coming-of-Age-Geschichte

Chopin in Kentucky
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Eindrucksvoll erzählt Autorin Elizabeth Heichelbech in ihrem Roman „Chopin in Kentucky“ von den ersten Lebensjahren bis zur Jugend ihrer Protagonistin Marie. Deren Aufwachsen im Kentucky der 1970er Jahre ...

Eindrucksvoll erzählt Autorin Elizabeth Heichelbech in ihrem Roman „Chopin in Kentucky“ von den ersten Lebensjahren bis zur Jugend ihrer Protagonistin Marie. Deren Aufwachsen im Kentucky der 1970er Jahre ist geprägt von Armut, Vernachlässigung und Gewalt. Marie zeichnet allerdings ein enormer Überlebenswille aus und ihre Liebe zum Balletttanz rettet sie gewissermaßen. Dennoch ist die Stimmung der Geschichte hauptsächlich niederdrückend und depressiv. Viele Szenen waren für mich nur schwer auszuhalten und auch insgesamt war die Lektüre eher unbequem, was ich gar nicht negativ meine. Dabei schätzte ich die authentisch wirkende Lebensgeschichte durchaus und auch zeitgeschichtlich bietet das Buch interessante Einblicke. Der Schreibstil erschien mir hingegen sperrig und auch dadurch war mein Lesetempo eher langsam. Dennoch liest sich die Handlung interessant und durchaus originell. Wer schwierige Themen nicht scheut und erkennbare Entwicklung bei Charakteren mag, sollte auf jeden Fall einen Blick auf „Chopin in Kentucky“ riskieren. Aufgrund meiner Kritikpunkte und da mich andere Coming-of-Age-Geschichten schon mehr abgeholt haben, vergebe ich persönlich 3 1/2 Sterne.

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