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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2025

Warm, bissig und humorvoll

Fischtage
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Fischtage ist der Debütroman von Charlotte Brandi, in dem Ella, die Hauptfigur, ihren verschwundenen Bruder Luis sucht. Sie ist ein chaotischer und gefühlsgeladener Mensch, zielstrebig in ihrem ...

Fischtage ist der Debütroman von Charlotte Brandi, in dem Ella, die Hauptfigur, ihren verschwundenen Bruder Luis sucht. Sie ist ein chaotischer und gefühlsgeladener Mensch, zielstrebig in ihrem Tun. Mit 16 hat sie ein Alter erreicht, dass ihr das Leben alles andere als leicht macht. Und dann kommen auch noch die äußeren Umstände dazu. Begleitet wird sie bei ihrer Suche von einem singenden und sprechenden Plastikfisch, was ziemlich schräg ist, aber auch sehr unterhaltsam. Außerdem trifft sie auf eine Menge unterschiedlicher und außergewöhnlicher Menschen, die die Autorin authentisch und oft sympathisch darstellt.
Fischtage ist nicht nur ein Buch, in dem es um die Suche nach Ellas Bruder geht, sondern auch ein Buch über die Suche nach der eigenen Identität und Wirklichkeit. Die Sprache und der Schreibstil sind ehrlich und bissig, eben typisch Ruhrpott. Denn dort spielt die Geschichte mitten in Dortmund. Ungeschönt und ehrlich.
Ella erkennt, versteht und lernt im Laufe der Geschichte aus den Erfahrungen, die sie macht, und es war schön, sie dabei zu begleiten. Ein warmes und humorvolles Debüt.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Unerfüllte Erwartungen

Die Garnett Girls
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Ein interessanter und ansprechender Klappentext. Der Debütroman „Die Garnett Girls“ von Georgina Moore könnte mir gut gefallen, so meine erste Vermutung, denn die Geschichte um die drei Schwestern ...

Ein interessanter und ansprechender Klappentext. Der Debütroman „Die Garnett Girls“ von Georgina Moore könnte mir gut gefallen, so meine erste Vermutung, denn die Geschichte um die drei Schwestern Sasha, Imogen und Rachel sowie ihre Mutter Margo klang vielversprechend. Die dramatische Liebesgeschichte von Margo und Richard überschatten die Leben der mittlerweile erwachsenen drei Töchter. Warum ist unklar und das bleibt es während der Lektüre auch lange Zeit. Zu lange für meinen Geschmack. Es gibt schon aufgrund der vielen Figuren mehrere Handlungsstränge, die an manchen Stellen zusammengeführt werden, an anderen nicht. Immer drehen sie sich jedoch um die Liebesgeschichte zwischen Margo und Richard, der seine Familien vor vielen Jahren verlassen hat. Keine der Töchter weiß allerdings, was genau passiert und aus Richard geworden ist. Darunter leiden müssen sie allerdings bis heute.
Die Autorin skizziert hier eine dysfunktionale Familie par excellence, die mit gleich mehreren Baustellen zu kämpfen hat. Nicht nur, was die Beziehungen der Figuren zueinander angeht, sondern auch, was den Konsum von Alkohol betrifft. Dieser spielt nämlich eine zentrale, für mich allerdings viel zu wenig reflektierte Rolle. Denn was kaum passiert, ist dass der Umgang damit aufgrund der Tatsache, dass Vater Richard schwerer Alkoholiker war, kritisch hinterfragt wird. Diesen Punkt hätte die Autorin deutlich stärker und kritischer herausarbeiten können. So bleiben mir u. a. Aufgrund dessen auch die meisten Figuren unsympathisch. Sie wirken zum großen Teil oberflächlich und flach. Das bleibt auch durchweg so, was den Roman zum Teil sehr zäh hat werden lassen, denn ich konnte nicht wirklich mitfiebern, wenn es darum ging, das Familiengeheimnis zu lüften. Einige Längen sowie für mein Empfinden unnötige Dialoge und Szenen taten ihr Übriges. Damit sind die Garnett-Girls leider zu einem Buch geworden, das meine Erwartungen absolut nicht erfüllt hat, obwohl die Story an sich sicherlich das Potenzial dazu gehabt hätte.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Schönes Nachschlagewerk

Zehn wirklich wichtige Gespräche, die Kinder und Eltern wachsen lassen
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Zehn wirklich wichtige Gespräche, die Kinder und Eltern wachsen lassen von Nicola Schmidt ist ein Sachbuch, das, wie der Titel schon verrät, von Gesprächen zwischen Eltern und ihren Kindern handelt. ...

Zehn wirklich wichtige Gespräche, die Kinder und Eltern wachsen lassen von Nicola Schmidt ist ein Sachbuch, das, wie der Titel schon verrät, von Gesprächen zwischen Eltern und ihren Kindern handelt. Obwohl mich das Buch sofort angesprochen hat, muss ich doch sagen, dass ich den Titel etwas sperrig und das Cover nicht 100%ig ansprechend finde. Trotzdem ist es ein Buch, das ich empfehlen möchte, denn es vermittelt wertvolles Wissen. Angefangen damit, wie Kinder überhaupt sprechen und zuhören lernen, welche Aufnahmefähigkeit sie in welchem Alter haben und wie wir Gespräche als Eltern und Erziehungsberechtigte am besten angehen können. Das macht Erwachsenen vieles leichter und nachvollziehbarer. So werden beispielsweise allgemeine Grundlagen eines Gesprächs zwischen Erwachsenen und Kindern verschiedener Altersgruppen erläutert. Dazu gibt die Autorin in jedem Kapitel Tipps, wie man mit Säuglingen und Babys, Kleinkindern, Schulkindern und auch Teenager sprechen kann und worauf man jeweils achten sollte. Das fand ich sehr gut, denn in ähnlichen Ratgebern, die ich in der Vergangenheit gelesen hatte, richteten sich die Tipps häufig nur an eine Altersgruppe von Kindern. Dieses Buch schafft es, umfassende Hilfestellungen zu bieten, sodass es von langem Nutzen sein kann.
Zwar ist die Fülle der vermittelten Vorschläge sehr groß und sicher nicht komplett umsetzbar, aber Schritt für Schritt lässt sich davon sicher einiges anwenden und für die eigenen Kinder adaptieren.
Damit wird das Buch zu einem schönen Nachschlagewerk für alle, die die Gesprächsqualität mit ihren Kindern vertiefen oder verbessern wollen. Aber auch für diejenigen, die Hilfe bei dem Umgang mit anspruchsvollen oder schwierigen Themen wünschen wie zum Beispiel den Themen Lügen, Geld oder auch Gespräche über den Tod.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Eigene Träume brauchen Raum

Ein Raum zum Schreiben
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Wenn dich ein Satz über Jahre hinweg nicht loslässt, wird es irgendwann Zeit, ihm die nötige Beachtung zu schenken. Und genau das hat Kristin Valla in ihrem Buch Ein Raum zum Schreiben getan. ...

Wenn dich ein Satz über Jahre hinweg nicht loslässt, wird es irgendwann Zeit, ihm die nötige Beachtung zu schenken. Und genau das hat Kristin Valla in ihrem Buch Ein Raum zum Schreiben getan. Virginia Woolf war es, die sagte: »Eine Frau, die schreiben will, braucht ein Zimmer für sich allein.« Davon angetrieben beginnt sich Valla auf eine Reise und zwar im doppelten Sinne: auf die Reise nach der Schriftstellerin, die sie einmal war sowie auf die Reise nach einem passenden Raum für sich und ihr Schreiben.

Als Leserin dieses erzählenden Sachbuchs fühle ich mich, als wäre ich mit ihr gereist und auf dieser Reise habe ich einiges über sie, viele andere weibliche Autorinnen und sogar Hausrenovierungen erfahren. Sowohl ihre als auch die Sehnsüchte der anderen Frauen konnte ich gut nachempfinden. Gerade was deren kreative Schaffensprozesse angeht. Besonders zu früheren Zeiten, als der Mann das Geld und das Sagen hatte, aber auch heutzutage inmitten des Familienlebens.

Es war interessant zu erfahren, was die Schriftstellerinnen, die Valla erwähnt, zum Schreiben brauchen, wie sie sich einrichten und was ihnen jeweils wichtig ist. Diese Beispiele haben sich sehr schön in ihre eigene Geschichte eingeflochten. Die von mehr handelt als nur einem Raum zum Schreiben. Sie handelt von dem Raum, den Frauen sich nehmen sollten, um sie selbst sein zu können. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Mit der Lektüre ermuntert sie auf eine großartige Weise dazu und zeigt, dass dies für alle ein Gewinn sein kann, auch mit Ehemann und Kindern. Sehr empfehlenswert und locker zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Zwischen Schein und Sein

Hier draußen
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Mit Hier draußen hat Martina Behm einen Debütroman vorgelegt, der die Vorstellung einer vermeintlichen Dorfromantik mal genauer unter die Lupe nimmt. Und das, soviel darf ich vorwegnehmen, ist ...

Mit Hier draußen hat Martina Behm einen Debütroman vorgelegt, der die Vorstellung einer vermeintlichen Dorfromantik mal genauer unter die Lupe nimmt. Und das, soviel darf ich vorwegnehmen, ist ihr hervorragend gelungen.
Ingo und Lara haben Schwierigkeiten, sich in Fehrdorf einzuleben, während die Dorfgemeinschaft fest in ihren Rollen verankert scheint. Doch als Ingo eine weiße Hirschkuh anfährt, sorgt der Aberglaube um ihren Tod für Unruhe und bringt auch die anderen Dorfbewohner zum Nachdenken über ihr Leben auf dem Land.
Martina Behm nimmt uns mit ins Dorfleben und lässt uns hinter die Fassaden verschiedener Höfe, Landwirte, Familien und Ehepaare blicken. Dabei wird deutlich, dass nicht alles so rosig und idyllisch ist, wie es scheint, und dass so mancher Städter das Landleben wohl stärker romantisiert, als es den Tatsachen entspricht. Starre Strukturen, die Angst zu versagen, Sorgen um die Hof-Nachfolge und die Frage nach der eigenen Identität machen den Bewohner:innen das Leben oft schwerer als nötig.
Mit ihren detailgenauen Beschreibungen und dem eindrucksvollen Wissen über Landwirtschaft und Jagd und mit der Skizzierung der einzelnen Figuren fesselt Martina Behm die Leserinnen und Leser auf knapp 500 Seiten und lässt sie das Dorfleben aus einer ganz neuen Perspektive betrachten. Mit all seinem Für und Wider.

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