Profilbild von Lise_liest

Lise_liest

Lesejury Profi
offline

Lise_liest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lise_liest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2025

Eindrucksvolles Debüt

Im Leben nebenan
0

„Im Leben nebenan“ war für mich ein Wechselbad der Gefühle. In Anne Sauers Romandebüt erwacht die kinderlose Toni plötzlich in einem alternativen Leben. Eins, in dem sie sich vor Jahren, als ...

„Im Leben nebenan“ war für mich ein Wechselbad der Gefühle. In Anne Sauers Romandebüt erwacht die kinderlose Toni plötzlich in einem alternativen Leben. Eins, in dem sie sich vor Jahren, als sie noch Antonia war, anders entschieden hat und nun Mutter ist.
In der “Was-wäre-gewesen-wenn“-Geschichte betrachtet Anne Sauer die unterschiedlichen Facetten einer Frau, wenn sie auf einmal nicht mehr die Frau ist, die sie vorher war, sondern als Mutter Verantwortung für ein neues Leben trägt, während sie sich von ihrem alten Leben innerlich sowie äußerlich immer weiter entfernt.
Zunächst spürte ich beim Lesen eine gewisse Distanz, denn Anne Sauer spart nicht mit den Ambivalenzen der Mutterschaft, und manches davon wirkte aufrüttelnd und unbequem. Doch mit jeder Seite wurde klarer: Diese Schonungslosigkeit ist notwendig, um die inneren Spannungen und Zerreißproben ihrer Figuren Toni/Antonia greifbar zu machen. Erreicht hat sie dies mit ihrer starken Ausdrucksweise und den damit erzeugten Bildern.
So bleibt „Im Leben nebenan“ nicht nur ein eindrucksvolles Debüt und Gedankenspiel, sondern stellt auch im eigenen Inneren die leise Frage nach dem „Was-wäre-gewesen-wenn…?“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2025

Hitzige Mörderjagd mit unerwartetem Ende

Aschesommer
0

In Benjamin Cors neuem Thriller Aschesommer ermittelt zum zweiten Mal das Ermittlerteam der Gruppe 4. Nach den grausamen Krähenmorden steht es erneut vor einem rätselhaften Fall: Zwei Leichen ...

In Benjamin Cors neuem Thriller Aschesommer ermittelt zum zweiten Mal das Ermittlerteam der Gruppe 4. Nach den grausamen Krähenmorden steht es erneut vor einem rätselhaften Fall: Zwei Leichen werden umschlungen und tiefgefroren in einem alten Bauernhof entdeckt, begleitet von der unheilvollen, mit Asche geschriebenen Botschaft »Das Sterben hat begonnen«. In der sengenden Sommerhitze beginnt eine gnadenlose Jagd auf einen hochintelligenten Mörder, der der Polizei stets einen Schritt voraus ist und selbst ihre tiefsten Geheimnisse zu kennen scheint. Die Ermittlungen spitzen sich zu, als sich herausstellt, dass der Hauptverdächtige ausgerechnet in einer geschlossenen Psychiatrie einsitzt. Allein das gibt den Ermittler:innen und Leser:innen schon Rätsel auf, sorgt allerdings auch für die nötige Spannung. Das Team um Mila Weiss und Jakob Krogh mag ich und ich fand es hochspannend, sie bei der Lösung des Falls zu begleiten. Mit der Geschichte ist dem Autor ein echter Pageturner gelungen, der am Ende noch mit einem unvorhergesehenen Twist überrascht. Dieser Fall gefiel mir deutlich besser als sein Vorgänger Krähenmorde, deshalb bin ich gespannt auf den nächsten Einsatz für das Ermittlerteam der Gruppe 4.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2025

Packender Thriller vor traumhafter Kulisse

The Island - Auf der Flucht
0

The Island von Nicola Martin habe ich verschlungen, denn es ist nicht nur ein äußerst spannender Thriller, sondern auch noch einer, der in einem traumhaften Umfeld spielt, den britischen Jungferninseln. ...

The Island von Nicola Martin habe ich verschlungen, denn es ist nicht nur ein äußerst spannender Thriller, sondern auch noch einer, der in einem traumhaften Umfeld spielt, den britischen Jungferninseln. Dort stellt er das Leben in einem Luxusresort nach. Ein Ort, der eine gute Zeit versprechen kann, zumindest so lang, bis der erste Mord geschieht. Kaum hat die Hauptfigur Lola ihren neuen Job als stellvertretende Managerin begonnen, nachdem sie aus zunächst unbekannten Gründen aus Hongkong flüchten musste, steckt sie schon im nächsten Drama. Ihr Freund und Chef Mike Moxham wurde tot aufgefunden. Danach überschlagen sich die Ereignisse auf Keeper Island und es stellt sich immer wieder die Frage: Wer ist Freund und wer Feind?. Das Buch war nicht nur spannend, was die Handlung betrifft, sondern auch, was die Einblicke in das Leben und Arbeiten in einem Luxusresort angeht, insbesondere die Vorlieben der exklusiven Gäste. All das macht The Island zu einem perfekten Urlaubsbegleiter, wenn die Urlaubslektüre mal wieder vor Spannung knistern soll.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2025

Warm, bissig und humorvoll

Fischtage
0

Fischtage ist der Debütroman von Charlotte Brandi, in dem Ella, die Hauptfigur, ihren verschwundenen Bruder Luis sucht. Sie ist ein chaotischer und gefühlsgeladener Mensch, zielstrebig in ihrem ...

Fischtage ist der Debütroman von Charlotte Brandi, in dem Ella, die Hauptfigur, ihren verschwundenen Bruder Luis sucht. Sie ist ein chaotischer und gefühlsgeladener Mensch, zielstrebig in ihrem Tun. Mit 16 hat sie ein Alter erreicht, dass ihr das Leben alles andere als leicht macht. Und dann kommen auch noch die äußeren Umstände dazu. Begleitet wird sie bei ihrer Suche von einem singenden und sprechenden Plastikfisch, was ziemlich schräg ist, aber auch sehr unterhaltsam. Außerdem trifft sie auf eine Menge unterschiedlicher und außergewöhnlicher Menschen, die die Autorin authentisch und oft sympathisch darstellt.
Fischtage ist nicht nur ein Buch, in dem es um die Suche nach Ellas Bruder geht, sondern auch ein Buch über die Suche nach der eigenen Identität und Wirklichkeit. Die Sprache und der Schreibstil sind ehrlich und bissig, eben typisch Ruhrpott. Denn dort spielt die Geschichte mitten in Dortmund. Ungeschönt und ehrlich.
Ella erkennt, versteht und lernt im Laufe der Geschichte aus den Erfahrungen, die sie macht, und es war schön, sie dabei zu begleiten. Ein warmes und humorvolles Debüt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2025

Unerfüllte Erwartungen

Die Garnett Girls
0

Ein interessanter und ansprechender Klappentext. Der Debütroman „Die Garnett Girls“ von Georgina Moore könnte mir gut gefallen, so meine erste Vermutung, denn die Geschichte um die drei Schwestern ...

Ein interessanter und ansprechender Klappentext. Der Debütroman „Die Garnett Girls“ von Georgina Moore könnte mir gut gefallen, so meine erste Vermutung, denn die Geschichte um die drei Schwestern Sasha, Imogen und Rachel sowie ihre Mutter Margo klang vielversprechend. Die dramatische Liebesgeschichte von Margo und Richard überschatten die Leben der mittlerweile erwachsenen drei Töchter. Warum ist unklar und das bleibt es während der Lektüre auch lange Zeit. Zu lange für meinen Geschmack. Es gibt schon aufgrund der vielen Figuren mehrere Handlungsstränge, die an manchen Stellen zusammengeführt werden, an anderen nicht. Immer drehen sie sich jedoch um die Liebesgeschichte zwischen Margo und Richard, der seine Familien vor vielen Jahren verlassen hat. Keine der Töchter weiß allerdings, was genau passiert und aus Richard geworden ist. Darunter leiden müssen sie allerdings bis heute.
Die Autorin skizziert hier eine dysfunktionale Familie par excellence, die mit gleich mehreren Baustellen zu kämpfen hat. Nicht nur, was die Beziehungen der Figuren zueinander angeht, sondern auch, was den Konsum von Alkohol betrifft. Dieser spielt nämlich eine zentrale, für mich allerdings viel zu wenig reflektierte Rolle. Denn was kaum passiert, ist dass der Umgang damit aufgrund der Tatsache, dass Vater Richard schwerer Alkoholiker war, kritisch hinterfragt wird. Diesen Punkt hätte die Autorin deutlich stärker und kritischer herausarbeiten können. So bleiben mir u. a. Aufgrund dessen auch die meisten Figuren unsympathisch. Sie wirken zum großen Teil oberflächlich und flach. Das bleibt auch durchweg so, was den Roman zum Teil sehr zäh hat werden lassen, denn ich konnte nicht wirklich mitfiebern, wenn es darum ging, das Familiengeheimnis zu lüften. Einige Längen sowie für mein Empfinden unnötige Dialoge und Szenen taten ihr Übriges. Damit sind die Garnett-Girls leider zu einem Buch geworden, das meine Erwartungen absolut nicht erfüllt hat, obwohl die Story an sich sicherlich das Potenzial dazu gehabt hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere