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Veröffentlicht am 03.11.2025

Herausragendes Porträt vom Japan der Nachkriegszeit

RAINBOW 01
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„Auf Wahrscheinlichkeiten und gute Chancen bauen nur verwöhnte Glückspilze. Wir als Abschaum der Gesellschaft müssen noch auf die kleinste Chance unser Leben setzen, sonst sind wir verloren. Deswegen ist ...

„Auf Wahrscheinlichkeiten und gute Chancen bauen nur verwöhnte Glückspilze. Wir als Abschaum der Gesellschaft müssen noch auf die kleinste Chance unser Leben setzen, sonst sind wir verloren. Deswegen ist unser letzter Rettungsanker unser Mut.“

Der Regenbogen hat sieben Farben - Sieben Jugendliche sind für unterschiedliche Delikte in einer Jugendstrafanstalt inhaftiert. Es ist 1955, Japan hat den 2. Weltkrieg verloren und es herrscht Armut vor allem unter den Schwächsten der Gesellschaft. In der Jugendstrafanstalt sollte das Recht für Ordnung sorgen. Doch die Wahrheit sieht ganz anders aus: Sadistische Wärter, perverse Ärzte und gewalttätige Mithäftlinge splittern die Seele der Jugendlichen und verwandeln den Aufenthalt in die Hölle selbst. Doch es gibt auch Licht in all der Dunkelheit.

Der Autor ist Jahrgang 37 und hat den erbärmlichen Zustand Japans und dessen Bevölkerung in der Nackriegszeit hautnah miterlebt. Er thematisiert im Manga seine persönlichen Erfahrungen.

„Rainbow“ erzählt eine Geschichte über Gräultaten und Sadismus, darüber wie die Mächtigen ihre Macht missbrauchen um Schutzbefohlene zu misshandeln und zu drangsalieren - teilweise nach dem Motto „Ich gebe die Tritte, die ich von oben erhalte nach unten weiter“. Insbesondere die ersten Szenen, in denen die Jugendlichen in der Strafanstalt ankommen, gibt dem Lesenden einen grausigen Vorgeschmack auf die Brutalität des Manga. Bei der Leibesvisitation musste ich tief durchatmen. Aber auch die Ausgrenzung aus der Gesellschaft wird gleich zu Beginn sehr deutlich - durch die Sprache und Story von George Abe und durch die realistischen Zeichnungen von Masumi Kakizaki.

Der Manga ist voller Gewalt - psychischer wie physischer. Doch eines hat mich bei der Lektüre wirklich beeindruckt. Der Zusammenhalt der Jugendlichen, die unabdingbare Brüderlichkeit. Ihr Lachen im Angesicht der Dunkelheit. Mut und Freundschaft - das ist es, was das Licht in „Rainbow“ strahlen lässt und letztendlich auch die Umrisse der Figuren voneinander abhebt. In diesem ersten Band ist die Backstory von einigen aufgerollt worden, manchmal eng verknüpft mit den Kriegsgeschehnissen und ihre Einzelschicksale haben mich bewegt.

Der Artstyle ist wirklich herausragend - ich wurde so in die Geschichte herein gezogen, als würde ein Film vor meinem Auge ablaufen. Aber wirklich großartig fand ich die ganzseitigen Formate, auf denen die sieben Jugendlichen gemeinsam zu sehen waren. Diese Zeichnungen sind das Herz von „Rainbow“- denn genau darum geht es: Um den festen Zusammenhalt im Angesicht des Schreckens.

Der Auftakt ist ein Meisterwerk, das uns das Schicksal der Bevölkerung Japans in der Nachkriegszeit mit einer Mischung aus thematischer Dunkelheit und Hoffnung näher bringt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Actionfeuerwerk

MOBILE SUIT GUNDAM THE ORIGIN 02
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„Wirst du am Leben bleiben im Angesicht des Krieges?“

Der interstellare Konflikt zwischen dem Herzogtum Zeon und der Föderation geht mit unverminderter Härte weiter. Das Trojanische Pferd, das Raumschiff ...

„Wirst du am Leben bleiben im Angesicht des Krieges?“

Der interstellare Konflikt zwischen dem Herzogtum Zeon und der Föderation geht mit unverminderter Härte weiter. Das Trojanische Pferd, das Raumschiff mit den Gundams an Bord nimmt Kurs auf die Erde. Doch Char Aznable ist der Föderation dicht auf den Fersen und scheut keine Mittel.

Auch der zweite Doppelband der Gundam Origin Reihe wartet mit einem trollen Schutzumschlag, dem großen Format und der Wertingen Qualität auf. Ein besonderer Augenschmaus sind die zahlreichen Farbseiten über den Manga verteilt. Der Inhalt knüpft nahtlos an den ersten Band an - mit einer delikaten Mischung aus Aktion, Charakterentwicklung, Verrat und Strategie.

Mich hat insbesondere der Wechsel zwischen actiongeladenen Schlachten einerseits und dem Fokus auf Amuro, dem Gundampiloten, andererseits gefesselt. Die Actionszenen waren so detailliert ausgestaltet, dass es praktisch wie ein Actionfilm anmutete, teilweise habe ich es genossen, teilweise musste ich auch zwischen all den Explosionen und herumfliegenden Stahlschrott ganz schön puzzeln, welche Seite jetzt in die Luft geflogen ist.

Amuro hat mich besonders begeistert. Er ist kriegsmüde, überspielt das mit Ignoranz gegenüber seinen Freunden und stumpft so immer mehr ab. Seinen Plot habe ich mit dem größten Interesse verfolgt - und die Szenen mit seiner Mutter empfand ich als die Stärksten im gesamten Band.

Wie schon im ersten Teil bekommen wir hier nicht nur Einblick in die Geschehnisse bei der Föderation, sondern werfen auch einen Blick auf die Gegner.

Trotzdem - der Manga konnte mich nicht genauso fesseln wie der erste Band. 4 Sterne für die actiongeladenen Schlachten und die wohl dosierten Charakterentwicklung.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit

Das Lied des Dionysos
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„Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit.“

Der junge Krieger Phaidros rettet einem Baby das Leben, das ihn eigenartig fasziniert. Jahre später, er selbst ist Soldat, sammelt er auf der Schifffahrt nach Theben ...

„Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit.“

Der junge Krieger Phaidros rettet einem Baby das Leben, das ihn eigenartig fasziniert. Jahre später, er selbst ist Soldat, sammelt er auf der Schifffahrt nach Theben einen seltsam schönen Jüngling auf. Ihm droht das unweigerliche Schicksal als Skalve verkauft zu werden. Doch plötzlich sprießt längst totgeglaubtes Holz, Blumen erblühen auf dem Schiff - und es geht unter. Doch nicht genug. Über Theben breitet sich eine nie dagewesene Dürre aus. Die Einwohner werden wahnsinnig - und Phaidros begegnet der Mann, der eigentlich ein Gott ist, in mannigfacher Gestalt.

Ein neuer Roman von Natasha Pulley. Natürlich musste ich ihn früher oder später lesen. Und was für ein Roman. Zurück in antike Zeiten entführt uns Pulley diesmal. In eine Zeit, in der sich Götter und Menschen näher waren. Seltsam verwoben und durchtränkt von Legenden und Mythen - in eine solche Realität entlässt mich Pulley.

„Das Lied des Dionysos“ ist wie wir es schon von ihr kennen, sehr charakterbezogen. Im Mittelpunkt treffen sich der Krieger Phaidros und der Gott Dionysos immer wieder und üben aufeinander eine merkwürdige Anziehungskraft aus. Die Handlung an sich, die Intrigen und politischen Spielchen gruppieren sich darum herum, sind leise und treten nur dann in den Vordergrund, wenn sie gebraucht werden. Wie Statisten in einem griechischen Drama.

Die Beziehung selbst zwischen den beiden Protagonisten entsteht nur langsam und zwischen den Zeilen. Phaidros und Dionysos sind unglaublich gut ausgearbeitet. Der Krieger hat seiner Jugend zum Trotz viele Verluste erlitten, die Kriegsmüdigkeit zehrt an ihm und er fühlt sich vor seiner Zeit verbraucht. Der Gott des Weines ist ungestüm und wild, verrückt und überlegend und erscheint Phaidros in vielen Gestalten. Die Nähe der beiden baut sich langsam auf und hat genau das Tempo, das mir gefällt. Das Sehnen fällt insbesondere Phaidros schwer zuzugeben.

Natasha Pulley ist es gelungen, aus der Ich-Perspektive eine Erzählung zu schreiben, die mich mitgenommen hat. Die Fragen aufwirft. Die fragile Erzählkonstrukte erschafft und mit Emotionen und Leben füllt, die mich mitnehmen. Ihre Kunst ist es, die Zeilen schwer greifbar und unwirklich erscheinen zu lassen, mich aber trotzdem mitzunehmen.

Es sind die Gegensätze, die mich angezogen haben. Die ruhigen Gespräche an moosbewachsenen Brunnenrändern. Erinnerungen an geschlagene Schlachten, gefährlich-wilde Tänze rund politische Intrigen - und die Handlung bewegt sich immer zwischen Realität und Magie.

Ich hatte viel Spaß an dem Buch, doch irgendetwas hat mir gefehlt. Im Vergleich mit ihren anderen Büchern landet „Das Lied des Dionysos“ bei mir nur auf den hinteren Rängen unter den Pulley-Büchern.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wenn sich die Leben an verschiedenen Punkten treffen

Morgen, morgen und wieder morgen
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Wie ist es, wenn die Leben sich an verschiedenen Kreuzpunkten treffen, sich gegenseitig verändern und sich wieder in andere Bahnen drängen. So ist es mit dem Leben von Sam und Sadie. Sadie trifft Sam in ...

Wie ist es, wenn die Leben sich an verschiedenen Kreuzpunkten treffen, sich gegenseitig verändern und sich wieder in andere Bahnen drängen. So ist es mit dem Leben von Sam und Sadie. Sadie trifft Sam in der Kindheit und hilft ihm über eine schwere Zeit hinweg. Ihre gemeinsame Leidenschaft zu Videospielen schweißt sie zusammen. Jahre später treffen sie sich wieder, als Sam gerade mit einem Studium in Harvard beginnt. Gemeinsam arbeiten sie zusammen an einem PC-Spiel, an ihrer Freundschaft und ihrem Durchbruch als Videospiel-Designer.

Der Roman besticht durch die Verschränkung von Videospieldesign und einem Einblick in den kreativen Prozess der Entwicklung eines Spiels, inklusive schlafloser Nächte und schmerzenden Händen auf der einen Seite, und wunderbaren Figuren mit ihren ganz eigenen Abgründen.

Ich mag den Geist des Buches sehr gerne. In dieser nerdigen wundervollen Videospieldesignwelt fühle ich mich als Zelda-Fan wirklich wohl. Ich möchte Saddie, Sam und Marx knuddeln und eine Runde Ishigo zocken. Auf mich wirkt die Beziehung der drei so wirklich und ungekitscht.
Vor allen Dingen Marx ist der Kleber, der die beiden anderen kreativen Köpfe zusammenhält und sich um die wichtigen Dinge kümmert, damit der Traum der anderen wachsen kann. Für mich war er damit der stärkste Charakter im Buch. Er hat all die Dinge gesehen, die jenseits von Sams und Saddies Bildschirmen lagen. Großes Kino!

Ich bin ihnen gerne durch die Jahre gefolgt, an die Punkte, die sie verändert haben. Manche waren voller Pixelmagie, manche tragisch und dramatisch, doch alle authentisch. Die Autorin schafft es, trotz des sich entwickelnden sozialen Beziehungsgeflechts, die Gamerwelt nicht aus den Augen zu verlieren. Denn das ist das verbindende Element, worüber die Figuren immer wieder zusammenfinden und sich gegenseitig zeigen, dass sie nicht allein sind.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Eindringlicher Roman

Die Schrecken der anderen
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„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“

Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext ...

„Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um die richtigen Handlungsträger. Es braucht immer einen Helfer wie auch einen (…) Helden.“

Was sich auf den ersten Seiten (ohne den Klappentext zu beachten) als ein klassischer Kriminalfall darstellt, taucht bald tief in die Vergangenheit ein und fragt nach Schuld, versucht das Dunkel der Geschichte zu beleuchten und schlägt einen erschreckenden und wahren Bogen in unsere Zeit.

Ein Junge findet in einem Schweizer Örtchen einen Toten im Eis. Der eilig herbeigerufene Archivar, der die Echtheit der Leiche bestätigen soll, wird von den Ereignissen verschlungen. Rosa, eine Seniorin aus dem Wohnwagen in der Nähe, schließt sich mit ihm zusammen und ermittelt. Da ist Kern, der in einer gescheiterten Ehe lebt und obendrein seine beinahe 100jährige Mutter zuhause hat - bettlägerig und trotzdem die Spinne im Netz von weitreichenden Ereignissen.

Sobald man die erste Schicht des Krimis vom Roman abgekratzt hat, offenbart sich ein düsteres Stück der Vergangenheit - Clavadetscher hat über die Nazikonten geschrieben, über die Rolle der Schweiz in diesem Geldtransfer und über deren Nachfahren. Und über das Heute. Und darüber, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Das Duo aus dem unter Angstzuständen leidenden Archivar Schibig und Rosa muss man einfach gern haben. Sie sind ein schrulliges Duo, doch insbesondere hinter Rosa steckt mehr als der Lesende zunächst vermutet. Ich mochte die Kapitel mit den beiden sehr - werden sie doch von einem anfänglich geteiltem Kaffee zu Freunden über das Buch hinweg, was beide eigentlich schon lange gebraucht haben, aber besonders Schibig sich nie eingestehen wollte. Die Gespräche zwischen den beiden waren für mich ein Highlight des Buches - auch der Stil, in der zB. Rückblenden von ihm gehalten waren. Man merkt, dass die Autorin da einen besonderen Kunstgriff angewandt hat um, das Stück der Geschichte noch mal besonders hervorzuheben.

Kern habe ich immer als eine Figur am Rande des Abgrunds empfunden. Es war ein Drahtseilakt zwischen seiner psychotischen Mutter, dem unerfüllten Kinderwunsch von Hanna und ihm und der Traurigkeit, die anstelle ihrer Liebe getreten ist. Kern lieferte einen wichtigen Baustein - er hatte Zugang zur oberen Bevölkerungsschicht und die Erkenntnisse haben mir einen Schauer über den Rücken laufen lassen.

Ckavadetscher stellt immer die Frage in den Vordergrund, ob wir weiter Wegschauen wollen. Ob wir stumm dulden wollen, was vor unseren Augen geschieht. Ob wir nicht aus dem Schrecken der anderen gelernt haben - das ist die eindringlichste Frage, die „Die Schrecken der Anderen“ an uns stellt.

Dass man so ein Werk nicht ohne ein solides Konstrukt erzählen kann, ist mir klar. Trotzdem haben für mich die Verstrebungen und Anker an manchen Stellen zu sehr durchgeschimmert, insbesondere an den Punkten, an denen sich die beiden Erzählperspektiven verschränken, auch im Bezug auf die Vergangenheit.

Clavadetscher hat einen eindringlichen und besonderen sprachlichen Stil, den ich teilweise sehr gelungen fand, manchmal auch sehr passend zur jeweiligen Situation und Figur. Doch richtig gebrannt habe ich für ihren Stil nur an wenigen Stellen.

Ein eindringlicher Roman, der eine beklemmende Atmosphäre webt und uns immer wieder daran erinnert, das Wegschauen auch Schuld gebiert. Die Themen sind historisch und aktuell wie nie, auch wenn der Roman für mich kein Highlight war, nehme ich trotzdem einiges daraus mit.

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