Spannender Historischer Roman
RabenthronEndlich wieder ein Helmsby unter den Protagonisten von Rebecca Gablés neuem Roman! Mit den ersten zwei Helmsbys hatte ich meine helle Freude - Rabenthron spielt zeitlich vor den anderen beiden Romanen ...
Endlich wieder ein Helmsby unter den Protagonisten von Rebecca Gablés neuem Roman! Mit den ersten zwei Helmsbys hatte ich meine helle Freude - Rabenthron spielt zeitlich vor den anderen beiden Romanen - 1013. Eine Epoche voller Unruhen, denn das Reich wird von ständigen Wikingerüberfällen heimgesucht, und dem schwachen König gelingt es nicht, sein Reich zu schützen.
Mittendrin reitet der junge Engländer Aelfric of Helmsby nach London, um einen dänischen Gefangen abzuliefern. Hakon ist jedoch nicht das dänische Raubein, das Aelfric zunächst hinter dem jungen Mann vermutet hat. A seiner Seite reist sein kleiner Sohn Penda und auf dem Weg nach London treffen sie auf den lebenslustigen Mönch Eilmer of Malmesbury - Sie werden Freunde. Und am Hof angekommen, steigen sie bald zu den engsten Vertrauten von Königin Emma auf. Die Geschichte von Aelfric und seinen Freunden erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte im Buch und beleuchtet den Streit um den englischen Thron zwischen englischen Anwärtern und dänischen Eroberungen sowie die normannischen Einflüsse.
📖 Genau mit dieser engen Freundschaft zwischen Aelfric, Hakon und Eilmer wird das Buch beworben - und ich habe mich gefreut, dass scheinbar auch viel Wert auf die Beziehung zwischen den drei Männern und Aelfrics Sohn gelegt wird. So waren mir die ersten Abschnitte die liebsten, gemeinsam mit den letzten zweihundert Seiten, die unglaublich spannend erzählt waren. Im Mittelteil trat die Freundschaft zugunsten von diversen romantischen Beziehungen in den Hintergrund - was ich persönlich sehr schade fand. Gerade bei den drei oben erwähnten Figuren hätte es viel Konfliktpotential gegeben, genauso wie in Pendas Generation, der eine enge Freundschaft mit Emmas Söhnen im normannischen Exil pflegte. Davon hätte ich so gerne mehr gelesen. Nun bin ich kein Freund von sonderlich groß angelegter Romanzen. Natürlich müssen Heiraten einen gewissen Raum in historischen Romanen einnehmen, allein schon aufgrund des politischen Kalküls dahinter. In diesem historischen Roman nahm es für mich im Mittelteil vor allem Überhand. Gefühlt jedes Ereignis wird durch eine Heirat ausgelöst oder bedingt.
Mit Aelfric hat Gablé einen Charakter geschaffen, der sich stark und schlau durch die Jahre geschlagen hat und Emma immer einen klugen Rat geben konnte. Manchmal empfand ich ihn als ein bisschen zu edelmütig. Er ist jemand, der in jedem Menschen immer nur das Gute sieht. Manchmal bringt ihn das auch nahe an den Abgrund. Penda sehen wir am Aelfrics Seite aufwachsen. Vom Kind zum Mann - ich habe seine Entwicklung sehr genossen.
Die stärkste Frau in diesem Buch ist eindeutig Königin Emma. So eine starke und authentische Figur. Sie wird von Rebecca Gablé in vielen Facetten dargestellt und mit vielen Schichten unterfüttert. Sie ist Politikerin, Ehefrau, Mutter, Liebende und Geliebte und Freundin. All das macht sie zu einer faszinierenden historischen Persönlichkeit.
Die geschichtlichen Hintergründe sind unglaublich faszinierend. Ich habe bisher noch nicht viel über die frühen dänischen Machtansprüche auf England gelesen und so war es für mich ein spannender Roman einerseits und das Schließen einer Wissenslücke auf der anderen Seite. Der Stil von Rebecca Gablé ist wie ein guter Wein - ich habe gar nicht gemerkt, wie ich durch die Seiten geflogen bin und wie die Jahre im Buch vergingen, so nah war ich an Aelfric und später an Penda, und die beiden Protagonisten an den wichtigen historischen Persönlichkeiten.
Ein erhellender historischer Roman über eine unruhige Zeit in England, die geprägt war von Machtansprüchen auf die Krone. Die Protagonisten waren immer nahe, genauso wie sie den historischen Figuren mit Wort und Schwert zur Seite standen. Ich persönlich hätte mir einen stärkeren Fokus auf die Freundschaft gewünscht. Gute vier Sterne für einen historischen Roman, der mich viel über Englands Beziehungen zu Skandinavien und der Normandie gelehrt hat.