Profilbild von LizzyCurse

LizzyCurse

Lesejury Star
offline

LizzyCurse ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LizzyCurse über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2025

Spannender Historischer Roman

Rabenthron
6

Endlich wieder ein Helmsby unter den Protagonisten von Rebecca Gablés neuem Roman! Mit den ersten zwei Helmsbys hatte ich meine helle Freude - Rabenthron spielt zeitlich vor den anderen beiden Romanen ...

Endlich wieder ein Helmsby unter den Protagonisten von Rebecca Gablés neuem Roman! Mit den ersten zwei Helmsbys hatte ich meine helle Freude - Rabenthron spielt zeitlich vor den anderen beiden Romanen - 1013. Eine Epoche voller Unruhen, denn das Reich wird von ständigen Wikingerüberfällen heimgesucht, und dem schwachen König gelingt es nicht, sein Reich zu schützen.

Mittendrin reitet der junge Engländer Aelfric of Helmsby nach London, um einen dänischen Gefangen abzuliefern. Hakon ist jedoch nicht das dänische Raubein, das Aelfric zunächst hinter dem jungen Mann vermutet hat. A seiner Seite reist sein kleiner Sohn Penda und auf dem Weg nach London treffen sie auf den lebenslustigen Mönch Eilmer of Malmesbury - Sie werden Freunde. Und am Hof angekommen, steigen sie bald zu den engsten Vertrauten von Königin Emma auf. Die Geschichte von Aelfric und seinen Freunden erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte im Buch und beleuchtet den Streit um den englischen Thron zwischen englischen Anwärtern und dänischen Eroberungen sowie die normannischen Einflüsse.

📖 Genau mit dieser engen Freundschaft zwischen Aelfric, Hakon und Eilmer wird das Buch beworben - und ich habe mich gefreut, dass scheinbar auch viel Wert auf die Beziehung zwischen den drei Männern und Aelfrics Sohn gelegt wird. So waren mir die ersten Abschnitte die liebsten, gemeinsam mit den letzten zweihundert Seiten, die unglaublich spannend erzählt waren. Im Mittelteil trat die Freundschaft zugunsten von diversen romantischen Beziehungen in den Hintergrund - was ich persönlich sehr schade fand. Gerade bei den drei oben erwähnten Figuren hätte es viel Konfliktpotential gegeben, genauso wie in Pendas Generation, der eine enge Freundschaft mit Emmas Söhnen im normannischen Exil pflegte. Davon hätte ich so gerne mehr gelesen. Nun bin ich kein Freund von sonderlich groß angelegter Romanzen. Natürlich müssen Heiraten einen gewissen Raum in historischen Romanen einnehmen, allein schon aufgrund des politischen Kalküls dahinter. In diesem historischen Roman nahm es für mich im Mittelteil vor allem Überhand. Gefühlt jedes Ereignis wird durch eine Heirat ausgelöst oder bedingt.

Mit Aelfric hat Gablé einen Charakter geschaffen, der sich stark und schlau durch die Jahre geschlagen hat und Emma immer einen klugen Rat geben konnte. Manchmal empfand ich ihn als ein bisschen zu edelmütig. Er ist jemand, der in jedem Menschen immer nur das Gute sieht. Manchmal bringt ihn das auch nahe an den Abgrund. Penda sehen wir am Aelfrics Seite aufwachsen. Vom Kind zum Mann - ich habe seine Entwicklung sehr genossen.

Die stärkste Frau in diesem Buch ist eindeutig Königin Emma. So eine starke und authentische Figur. Sie wird von Rebecca Gablé in vielen Facetten dargestellt und mit vielen Schichten unterfüttert. Sie ist Politikerin, Ehefrau, Mutter, Liebende und Geliebte und Freundin. All das macht sie zu einer faszinierenden historischen Persönlichkeit.

Die geschichtlichen Hintergründe sind unglaublich faszinierend. Ich habe bisher noch nicht viel über die frühen dänischen Machtansprüche auf England gelesen und so war es für mich ein spannender Roman einerseits und das Schließen einer Wissenslücke auf der anderen Seite. Der Stil von Rebecca Gablé ist wie ein guter Wein - ich habe gar nicht gemerkt, wie ich durch die Seiten geflogen bin und wie die Jahre im Buch vergingen, so nah war ich an Aelfric und später an Penda, und die beiden Protagonisten an den wichtigen historischen Persönlichkeiten.

Ein erhellender historischer Roman über eine unruhige Zeit in England, die geprägt war von Machtansprüchen auf die Krone. Die Protagonisten waren immer nahe, genauso wie sie den historischen Figuren mit Wort und Schwert zur Seite standen. Ich persönlich hätte mir einen stärkeren Fokus auf die Freundschaft gewünscht. Gute vier Sterne für einen historischen Roman, der mich viel über Englands Beziehungen zu Skandinavien und der Normandie gelehrt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 27.08.2025

Wunderbare düstere Fantasy

Moonstone
0

Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das solche Vibes ausstrahlt. Viktorianische Zeit, irgendwie gefangen zwischen Camilles elitärer Erziehung und der Lebensrealität bei ihrer Tante, versetzt mit einem ...

Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das solche Vibes ausstrahlt. Viktorianische Zeit, irgendwie gefangen zwischen Camilles elitärer Erziehung und der Lebensrealität bei ihrer Tante, versetzt mit einem gruseligen Geheimnis, dem sie auf die Spur kommen muss.

Camille ist nach einem Ball ein gefallenes Mädchen, deshalb Wird sie zu ihrer Patentante und deren Tochter Lucy aufs Land geschickt. Lucy ist an einer merkwürdigen Krankheit erkrankt - und obendrein will sie Camille schnellstmöglich wieder aus dem verfallenen Jägerhaus vertreiben. Zudem birgt der Wald ein schreckliches Geheimnis …

Wir lernen Camille auf den ersten Seiten verändert und nach den Ereignissen in Feldwood kennen. Sie ist manisch, krank und hungrig - und wird von ihrer Familie gepflegt. Der Einstieg hat mich schon von den ersten Seiten an gefesselt. Ich wollte hinter das Geheimnis kommen, wie Camille von dem unbedarften Mädchen zu einer solchen Kreatur werden konnte. Unbedarft? Nun, ja - sie ist behütet aufgewachsen und wurde auf Heirat, Hausführung und Kinder vorbereitet. Sie tanzt vor Fellwood auf Bällen und lässt sich einen Kuss stehlen. Ihr Lebensinhalt drehte sich nur auf dieser Fläche - deshalb unbedarft. Dass hinter dem Kuss und hinter dem Mann mehr steckt, als Camille zunächst vermutet, war mir von Beginn an klar. Wir treffen im Verlauf des Buches mehrere Male auf Collin Rendell - Camilles Beziehung zu ihm bleibt zwar schwärmerisch, sie hinterfragt aber auch seine Absichten. Sie fliegt ihm also nicht blind in die Arme - worüber ich sehr froh war!

Moonstone hat natürlich Schauerelemente - und ich habe sie gefeiert. Herrlich traditionell kommen sie daher - ein Heulen in der Nacht, verdächtige Kräuter auf dem Küchentisch, mysteriöse Kratzspuren in den Türen und verbotene Orte. Über ganz Fellwood lag eine Atmosphäre, die mir wohlige Schauer über den Rücken hat laufen lassen. Befeuert wurde diese Atmosphäre noch durch Purcells Stil - er war so bildhaft, dass ich die schwarze Erde schmecken und die Anstrengung, die es erforderte, den Handkarren durch den Wald ins Dorf voller misstrauischer Bewohner zu ziehen, spüren konnte. Es ist wie Abtauchen in eine vergangene Welt.

Die aufblühende Freundschaft zwischen Camille und Lucy empfand ich als sehr schön. Die beiden waren nicht gleich beste Freundinnen - viel mehr musste Camille die Schale aus Einsamkeit und Vorsicht, die Lucy im Laufe der Jahre um sich herum errichtet hatte, aufmeißeln - dass dabei viel Characterbuilding mit einfließt ist selbstverständlich - das spielt mir in die Karten.

Auch ihre Patentante und Bridget, die versuchen, das schreckliche Geheimnis zu hüten und gleichzeitig für Lucy da zu sein, haben mir gut gefallen.

Eine Logiklücke gab es trotzdem noch - aber die war wohl für den Spannungsaufbau notwendig und hat mich kaum gestört. Der Fokus liegt in diesem schaurigen Roman auf der Freundschaft der beiden Mädchen und der wunderbar erschaffenen Atmosphäre von feuchten Blättern, Mondlicht und Wolfsgeheul.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2025

Bewegend durch leise Töne

Das Geschenk des Meeres
0

„Joseph weiß, der Sturm kommt. Er sieht den gelben Hof um den Mond und das eisige Glitzern des Winterhimmels, als er vom Strand hinaufgeht und ein paar Mal innehält um seinen schmerzenden Knien eine Pause ...

„Joseph weiß, der Sturm kommt. Er sieht den gelben Hof um den Mond und das eisige Glitzern des Winterhimmels, als er vom Strand hinaufgeht und ein paar Mal innehält um seinen schmerzenden Knien eine Pause zu gönnen.“

Das Geschenk des Meeres hat mir beim zweiten Anlauf mein Herz gestohlen. Es ist eine Geschichte über Verlust und Sehnen, über Anschuldigungen und die Wahrheit im Nicht-Gesagten. Über Liebe und Neid - und über die langsame Akzeptanz.

Schottland im Winter 1900 - ein Junge wird an den Strand eines Fischdörfchens gespült - auf Umwegen gelangt er zu Dorothy, die sich um ihn kümmert - er sieht Dorothys Sohn ähnlich, den sie vor vielen Jahren an die See verloren hat. Was ist in jener stürmischen Nacht wirklich passiert?

Ich hatte das Buch zuerst auf den Ohren - und hatte gleichzeitig meine Schwierigkeiten damit. Aber etwas an der Geschichte hat mich nicht losgelassen - und so fand es seinen Weg als Buch zu mir - und hat mich aufgewühlt wie die stürmische See in Schottland!

Es ist Dorothys Geschichte, die in ein kleines Fischerdorf kommt um dort zu unterrichten und sich ein Leben aufzubauen. Es ist die Geschichte von ihrer Beziehung zu Joseph, dem Fischer, vom Verhältnis zu William, ihrem späteren Ehemann und zu ihrem kleinen Sohn, dessen Tragödie ihr gesamtes späteres Leben überschattet.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Das Damals und das Jetzt, zu dem Zeitpunkt, an dem der Junge gefunden wurde, der Moses unheimlich ähnelt.

Es hat mich stark berührt, wie Dorothy ihr Trauma ausgelöst durch den Verlust ihres Sohnes weggeschlossen und all die Jahre nicht mehr angerührt hat. Sie hat weiter gelebt, weiter unterrichtet - aber die harte Schale, die sie um die Wunde gelegt hat, hat erst der verlorene Junge angerührt, den sie Jahre später aufgenommen hat - die Darstellung hat mich wirklich geschmerzt.

Generell stellt Kelly Schottlands raue Schönheit in einer klaren prägnanten Sprache dar. Ich konnte den Schnee unter meinen Füßen Knirschen hören oder den starken Tee auf meiner Zunge schmecken. Die Autorin hat einfach eine so starke Sprache - sie spricht schwierige Themen wie Trauer oder Verlust metaphorisch an - und wir wissen alle um welche Thematik es geht.

Das Dorfleben - das Leben einer verschworenen Gemeinschaft, in die eine Fremde eindringt, war eindringlich skizziert. Ich hätte mir an manchen Stellen gewünscht, dass man es Dorothy leichter gemacht hätte, sich zu integrieren. Das Buch entblätterte sich auf mehreren Zeitebenen in kurzen Kapiteln - sodass ich immer wissen wollte wie es weiter geht.

Ein Buch, das mich das Rauschen des Meeres hören und die Salzluft hat schmecken lassen! Ich empfehle es für alle, die leise dramatische Geschichte lieben und das Leben Anfang des 20, Jahrhunderts erleben möchten. Ich persönlich präferiere in diesem Fall das Buch, weil mich der rasche Zeitsprung immer wieder aus dem Hörbuch rausgeworfen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2025

Teufelsspirale

The Echo before Dawn
0

„Ich will fort von hier, zurück zu dem Tag, an dem ich die Zukunft noch ändern kann.“

Dieser Songtext verbindet die beiden Protagonisten des Manhuas und ist das Gleichnis der Oneshot, das immer wiederkehrende ...

„Ich will fort von hier, zurück zu dem Tag, an dem ich die Zukunft noch ändern kann.“

Dieser Songtext verbindet die beiden Protagonisten des Manhuas und ist das Gleichnis der Oneshot, das immer wiederkehrende Motiv, das uns durch die Freundschaft, die Ausgrenzung, die Drogenhölle leitet. Die Geschichte der beiden jungen Männer, die eine tiefe Freundschaft verbindet, ist in drei zeitlich abgestufte Kapitel unterteilt, in dem uns die Geschichte der beiden Freunde näher gebracht wird. Bei mir wurde der Manhua nur wenige Minute alt, bevor ich ihn förmlich verschlungen habe. Er ist spannend, schockierend und leider nur allzu wahr. Die Abwärtsspirale, die Drogensucht, die differenzierten Gründe für den Griff zur Droge sind in „Echo before dawn“ subtil dargestellt, doch gleichzeitig auch ziemlich ungeschönt.

Youjie kommt aus einem schwierigen Elternhaus und hat mit der Überforderung zu kämpfen, seine Schwester großzuziehen und auf seine Großmutter zu achten, während seine Mutter immer wieder rückfällig wird und er in Grenzsituationen gerät. Seine Zuflucht findet er bei einer Dealerbande - und rutscht selbst ab. Yichen ist eigentlich das genaue Gegenteil - doch auch ihn treiben Leistungsdruck und Kameradschaft in die Sucht - die Suche nach einer (gefährlichen) Gemeinschaft ist hier ein ziemlich starkes Motiv.

Was für eine starke Oneshot - wir wissen alle, was Drogen mit einem Menschen machen können und was für Abgründe sie öffnen. Aber hier erleben wir sie in einem anderen Medium. Die Geschichte beleuchtet die Freundschaft der zwei Protagonisten - und ihre unterschiedlichen Wege in und aus der Sucht heraus.

Mich persönlich haben die verschiedenen Komponenten sehr gefesselt. Es ist kein einfaches Manhua, vieles ist verknappt und zwischen den Zeilen erzählt. Ich habe die beiden Hauptfiguren sehr lieb gewonnen und mit ihnen gefiebert.

Das Artwork hat mich allein schon auf dem Cover begeistert - und die Zeichnungen im Manhua sind ebenso detailliert wie schonungslos und passen zum Thema und zur Geschichte.

Von mir eine klare Empfehlung. Die Thematik ist hart und sehr real.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2025

Starker Manga über Ausgrenzung und Zusammenhalt

Die Narben, die uns einen 01
0

„Wir wollten, dass dieser Moment ewig dauert. Aber nichts hält für die Ewigkeit.“

Der Manga ist keine einfache Kost - es geht um zwei Jugendliche. Der eine für sein Leben durch einen Autounfall gezeichnet, ...

„Wir wollten, dass dieser Moment ewig dauert. Aber nichts hält für die Ewigkeit.“

Der Manga ist keine einfache Kost - es geht um zwei Jugendliche. Der eine für sein Leben durch einen Autounfall gezeichnet, er wird für sein Aussehen gemobbt. Die andere ist ein trans Mädchen, die für ihre sexuelle Identität Schläge kassiert. In der Schule treffen sie aufeinander, lernen sich lieben und beschließen ihrem toxischen Umfeld zu entkommen.

Schon auf dem Cover - zart, fast schüchtern gezeichnet - wird klar, dass es im Manga um das Anderssein geht. Um das akzeptiert werden, darum, sich einen Platz in der Welt zu erkämpfen - und darum, dass man lernt, dass man ein recht darauf hat, glücklich zu sein und geliebt zu werden. So schüchtern das Cover auch daher kommt, merkt man schon nach wenigen Seiten, wie hart und gnadenlos die Geschichte ist. Das Mobbing eskaliert - es wird systematisch geprügelt und verbal missbraucht. Gerade dieser Gegensatz zwischen Zeichenstil und Inhalt macht für mich den Reiz des Mangas aus - und die beiden Protagonisten. Kyonosuke, der versucht mutig zu sein und seinen Eltern keinen Grund zur Sorge zu geben, und Akira, die versucht, ihre sexuelle Identität zu leben und gleichzeitig ihren Eltern keinen Grund zu geben, zornig zu sein.

Die Situation ist herzzerreißend und schockierend zugleich - insbesondere da alle Seiten gezeigt werden. Die Darstellung hat mich einige Male schlucken lassen, insbesondere da es nur wenige Szenen gab, in denen das Pärchen wirklich glücklich sein durfte.

Ich persönlich hätte mir vielleicht ein paar mehr Seiten für den Aufbau der Story gewünscht - so war mir das Tempo zu hastig. Aber das ist Geschmackssache

Ein eindringlicher Manga mit einem sehr aktuellen und sehr ernstem Thema. Unbedingt empfehlenswert, trotz des für mich etwas überhasteten Tempos.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere