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Veröffentlicht am 01.06.2025

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt

Der Baum der verborgenen Erinnerungen
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Ein Buch über Erinnerungen und Andenken, über das Erwachsenwerden und das komplizierte Finden der eigenen Träume. Eines mag ich vorweg nehmen: Vielleicht war es ganz gut so, dass ich weder dem Titel noch ...

Ein Buch über Erinnerungen und Andenken, über das Erwachsenwerden und das komplizierte Finden der eigenen Träume. Eines mag ich vorweg nehmen: Vielleicht war es ganz gut so, dass ich weder dem Titel noch dem Klappentext große Beachtung geschenkt habe. „Kleine Wunder um Mitternacht“ hat mich verzaubert - und das hat den Ausschlag für meinen zweiten Higashino gegeben. Wenn ich genau darüber nachdenke, wird eigentlich im Titel schon zu viel verraten.

Reiko begeht eine Dummheit - um nicht im Gefängnis zu landen, geht er auf den Vorschlag seiner mysteriösen Tante ein, Schreinwächter zu werden und die Besuche beim Kampferbaum zu überwachen. Zunächst ist Reiko nicht so glücklich über seinen neuen Job - bis er mehr über die Menschen erfährt, die Andacht im Kampferbaum halten.

Es ist ein leises Buch, mit einem mystischen Element, um das sich die Charaktere sammeln und wie das Netz einer Spinne verweben. Die Art, wie Higashino seine Geschichte aufbaut, kann ich in „Kleine Wunder um Mitternacht“ wiederfinden. Junge Protagonisten, die auf die schiefe Bahn geraten und plötzlich und unverhofft in einen neuen Sinn hineingestoßen werden, ganz egal was sie davon halten. Ich persönlich mag Higashinos Protagonisten - und Reiko ist ein streitbarer junger Erwachsener, dessen einfache Herkunft sich auch in seiner Sprache niederschlägt und in seiner Haltung zu Anfang des Buches. Er ist kein Charakter, den ich auf Anhieb liebte und dessen Haltung ich in manchen Situationen kaum nachvollziehen konnte. Trotzdem war er spannend, gerade wegen seinem inneren Zwiespalt und seinem Entwicklungspotential. Ihm gegenüber hat Higashino Chifume, die Halbschwester seiner verstorbenen Mutter gesetzt, die welterfahren und wortgewandt ist. Eine spannende Mischung. Die Geschichte wird aus Reikos Perspektive erzählt - ich habe seine Unzufriedenheit und sein Straucheln oft gespürt.

Das Buch schlägt ein langsames Tempo an und erzählt mit leisen Tönen vom Alltag, vom Schreinleben, vom ständigen Fegen und von den mitternächtlichen Andachten, zu denen die verschiedensten Menschen kommen. Reiko ist faktisch gezwungen sich mit den Sichtweisen auseinanderzusetzen und andere Perspektiven einzunehmen. Und ich habe gesehen, wie er daran gewachsen ist, wie er Mut gefasst hat und einen anderen Blick auf sein eigenes Leben gewonnen hat. Wie Beziehungen sich vertieften - und das ist es eigentlich, was das Buch für mich so reich gemacht hat.

Ganz nebenbei werden solche Themen wie die harte Geschäfts- und Immobilienwelt in Japan aufgegriffen, der Umgang mit unehelicher Geburt oder ähnliches.

Die einzige kleine Kritik, mir störend aufgefallen ist, ist, dass Higashino bisweilen in einen Erzählmodus fällt, in dem er die Geschichte einer Figur über mehrere Seiten ausbreitet. Das war mir dann schon ein bisschen viel Info-Dump.

Eine Geschichte, die mich berührt hat.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Kraftvolles Buch

Das große Spiel
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„Das Wasser gehört niemandem. Das Wasser ist ein Niemansland. Es wird da sein, wann immer du es brauchst.“

Richard Powers hat mich in meiner Jugend tief beeindruckt. Mit einem Buch über Kraniche. Indem ...

„Das Wasser gehört niemandem. Das Wasser ist ein Niemansland. Es wird da sein, wann immer du es brauchst.“

Richard Powers hat mich in meiner Jugend tief beeindruckt. Mit einem Buch über Kraniche. Indem er über das Erinnern und das Vergessen schrieb. Als mir „Das große Spiel“ in die Hände fiel, kribbelte es mir wieder so in den Fingern wie damals.

Es geht um den Ozean. Und um vier Menschen. Eine mutige Meeresforscherin, eine Künstlerin, die auf einer entlegenen Insel um ihre Existenz bangt. Und um zwei Freunde, die ein Spiel verbindet und die ein Spiel erschaffen wollen, das die Menschheit verändert - doch mit diesem Vorgang zerbricht ihre Freundschaft.

Richard Powers tut in diesem Buch genau das, was mich auch in „Echo der Erinnerungen“ so stark fasziniert hat. Er schreibt über Menschen, über ihre Beziehungen zueinander, über ihre Wünsche, Träume, Sehnsüchte und ihre Verortung in dieser Welt. Das ist es, was ihm so unnachahmlich gelingt. Ich habe Rafi bei jedem Zug Go beobachtet und Evie bei ihren Streifzügen durch den Ozean, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Er schafft es, das Geflecht, zunächst zart und spinnwebartig, fest zu weben, sodass man nicht anders kann, als mit den Figuren zu fühlen - eine emotionale Bedingung zu ihnen aufzubauen.

Dabei thematisiert er solche wichtigen Bausteine wie die Gefahren und Chancen künstlicher Intelligenz, neuronale Erkrankungen und nicht zuletzt: Den Ozean, dieses tiefe weite Wasser, das über viele Jahrhunderte als unzerstörbar angesehen wurde und jetzt immer fragiler betrachtet wird. Ich oute mich jetzt: Mich hat das Leben unter Wasser nur marginal interessiert, schon als Kind. Ich hatte meinen Kopf immer lieber über der Wasseroberfläche (ja, ich bin eine Landratte!).
Und trotzdem haben mich Powers Beschreibungen auf eine eigentümliche Weise in den Bann gezogen. Über das tiefe Blau, über die Vielfalt und die unentdeckten Geheimnisse, die unter Wasser warten. Über die Stille und das Leben und die Beziehungen, die Evie so viel sinnvoller erschienen als das Leben über Wasser. Manchmal war sie meine Lieblingsfigur, manchmal wollte ich an ihrer Seite tauchen, bis mir einfiel, dass sie lieber für sich ist beim Tauchen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich das Buch über weite Strecken im Urlaub an der See gehört habe, dass mich die Abschnitte über den Ozean so fasziniert haben. Wer weiß.

Und trotzdem … hat mich das Buch nicht vollkommen gekriegt. Manchmal hat es mich auch verloren, in seinen ausschweifenden Diskussionen über kultur- und naturwissenschaftliche Themen, über Politik und Diskriminierung. Dann dauerte es ein bisschen, bis ich wieder in der Spur war.

Vier Sterne für ein wichtiges und aufrüttelndes Buch, das mich über weite Strecken begeistern konnte. Ich bleibe mit einem mulmigen Gefühl im Magen zurück.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Tiefgründiger Histo-Manga

Himmel der Träume 01
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„Ich bin Luft. Luft ist Paradies. Das Paradies bin ich.“

Mich hat das sehr ausdrucksstarke Cover auf den Comic aus Korea aufmerksam gemacht. Besonders, da die Blicke der beiden jungen Frauen nicht einander ...

„Ich bin Luft. Luft ist Paradies. Das Paradies bin ich.“

Mich hat das sehr ausdrucksstarke Cover auf den Comic aus Korea aufmerksam gemacht. Besonders, da die Blicke der beiden jungen Frauen nicht einander zugewandt sind, obwohl sie sich halten, sondern in die Ferne gerichtet sind, hat mich neugierig gemacht.

Zudem bin ich großer Fan historischer Romane - und hier geht es um ein höchst spannendes historisches Thema. Um Glaube und Wissenschaft und die Freiheit, das auszuleben, für das man brennt.

Die fromme Amelie ist mit Hans verheiratet, einem holländischen Kaufmann aus gutem Hause. Als solche hat sie in Demut zu leben und ihrem Gatten zu Willen zu sein. Doch sie hat einen starken Wissenshunger, wann immer sie Gelegenheit findet, betreibt sie wissenschaftliche Studien - über das Fliegen. Als Hans von einer seiner Reisen eine exotische Sklavin mit nach Hause bringt, wird sie jedoch mit ganz anderen Emotionen konfrontiert.

„Himmel der Träume“ ist stark auf den historischen Aspekt ausgelegt - was mir sehr gut gefallen hat. Man erfährt vieles über die holländische Geschichte und die Eigenarten der der dort lebenden Bevölkerung - was für mich diesen Histo-Comic einen besonderen Charme verleiht. Ich hatte teilweise wirklich das Gefühl, im 1600 Jahrhundert zu leben, zu Zeiten großer Umbrüche und neuer Entdeckungen.

Amelie, die Protagonistin, ist nicht glücklich in ihrer Ehe. Trotzdem ist sie bemüht, ihrem Mann zu Willen zu sein. Doch ich habe ihren Zwiespalt deutlich gespürt, vor allen Dingen, als sie in Berührung mit neuer Kultur und neuen Ideen kommt. Auf jeden Fall ist der Comic sehr spannend aufgebaut.
Die Liebesgeschichte, die sich auf dem Cover schon andeutet, baut sich langsam auf und fußt eher auf gegenseitigem Verständnis und Verständigung als auf erotischen Gedanken. Beide müssen sich erst mal mit den Emotionen und dem Mindset des jeweils anderen auseinandersetzen - und das benötigt Zeit.

Die Themen, mit denen der Comic spielt, sind Wissenschaft und Wissensdurst, tief verwurzelter Glauben und die Kluft dazwischen, denn Amelie lebt wie schon erwähnt in beiden Welten. Das kann in den nächsten Bänden noch spannend werden! Zudem wird im ersten Teil die oftmals tiefe gegenseitige Abhängigkeit thematisiert. Mann und Frau, Herrin und Untergebene, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Panels erscheinen ausdrucksstark und passen gut zur Thematik. Yudori geht auch bei expliziten Szenen nicht zu sehr ins Detail, verschweigt jedoch auch nichts.

Ein starker Auftakt! Ich bin auf den nächsten Band wirklich gespannt!

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Winterlich und wundervoll

Die Legende des Hakutaku
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… oder wie ich über diesen zuckersüßen Euromanga in Verzückung geriet!

Dieser Oneshot der spanischen Manga-Ka handelt von einem tauben Mädchen, das in einer fantastischen Welt in einem verschneiten Dorf ...

… oder wie ich über diesen zuckersüßen Euromanga in Verzückung geriet!

Dieser Oneshot der spanischen Manga-Ka handelt von einem tauben Mädchen, das in einer fantastischen Welt in einem verschneiten Dorf lebt, immer in Angst vor dem Dämon, der, wenn er ins Dorf kommt, der Legende nach, Zerstörung bringt. Yuki ist die Enkelin der Dorfvorsteherin, ihr Weg ist vorgezeichnet. Doch sie fühlt sich nicht als Anführerin - sondern unsicher und ausgesperrt aus einer Welt aus Worten.

Den Aspekt fand ich wirklich bemerkenswert umgesetzt. Er wird thematisiert, jedoch wird der Finger nicht auf das Handicap gelegt. Die Motive sind vorrangig Freundschaft und Mut, und neue Perspektiven schaffen und finden. Viel ist auch mit dem Aberglauben der Dorfbewohner verbunden. Wir begleiten Yuki auf ihrer Entwicklung - und ihrem Abenteuer - was Alba auf den wenigen Seiten die ihr zur Verfügung standen, wundervoll umgesetzt hat. Viel japanische Mythologie floss in das Buch - und ich hatte das Gefühl, dass mir auch die Legende des Hakutaku näher gebracht wurde. Ehrlich, ich habe diesen niedlichen Manga alleine wegen der Geschichte genossen (für jede Altersklasse geeignet!).

Das Artwork ist einfach nur phänomenal - zart und winterlich. Ich hatte beständig das Gefühl, ich stehe im Schnee in einer verschneiten Landschaft (Nur wenige Panels sind wirklich im Haus angesiedelt, was aber auch absolut zur Geschichte passt!). Die ersten paar Seiten sind koloriert, sodass wir eine Ahnung von der Stimmung im Manga bekommen. Aber auch die schwarz-weiß Zeichnungen lassen keine Wünsche offen. Die Atmosphäre, die durch die Verbindung aus Geschichte und Panels entsteht, ist einfach nur mystisch und zauberhaft und niedlich!

Ich habe unglaublich genossen, wie Yuki ihren Mut findet! Let’s es und lasst euch ebenso verzaubern von den Legenden und dem Winter.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Tolle Mischung aus Mythologie und Alltäglichkeit

Mein Nachbar Yokai 01
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Der Manga war zuckersüß und am Ende richtig spannend! Ich mochte das Miteinander eines modernen japanischen Dorfes mit Handy und Co. und den Yokai einfach sehr gerne.

In der Kleinstadt Fuchigamori existieren ...

Der Manga war zuckersüß und am Ende richtig spannend! Ich mochte das Miteinander eines modernen japanischen Dorfes mit Handy und Co. und den Yokai einfach sehr gerne.

In der Kleinstadt Fuchigamori existieren nämlich Menschen, Dämonen und Geister friedlich nebeneinander und helfen einander den Alltag zu bewältigen. Der erst neu zum Yokai gewordene Buchio muss sich mit seinem Kater-Yokai-Leben erst mal zurecht finden. Zum Glück hat er dazu tatkräftige Unterstützung. Doch nicht nur der kleine Yokai hat so seine Probleme. Auch die menschlichen Nachbarn schlagen sich mit einigen Problemen herum.

Sobald man den Manga aufschlägt, wird man von Mythen und Legenden begrüßt. Das hat mich zumindest schon mal sehr gefreut! Generell schafft es der Manga mit seiner Nähe und seiner Alltäglichkeit von Mythen und Legenden zu überzeugen. Wo sieht man sonst schon Yokai, die in alltägliche Rollen schlüpfen und Jobs nachgehen. Denen Zeit gelassen wird. Viel Fokus wird auf den Alltag der Figuren gelegt. Wir gehen mit Mu-chan zur Schule, wir erleben Sportfeste mit ihr, erste Verliebtheiten und schlecken Eis an der Seite ihrer Freunde - dämonischen und menschliche. Ich zumindest musste dabei Lächeln.

Oft begleiten wir auch Bushio, den Yokai in Ausbildung - und erleben dabei die Güte und das Verständnis, mit dem sich Menschen und Dämonen in diesem Manga begegnen. Ihm wird Zeit gegeben, seine Fähigkeiten zu entdecken und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Dass dabei die Familie wächst sowie der kleine Yokai hat mich berührt.

Ganz nebenbei lernen wir auch unglaublich viel über die japanische Kultur, die Mythen und Legendenwelt, gemeinsam mit Bushio. Zum Schluss wird’s noch mal richtig spannend!

Die Zeichnungen sind zart und einfühlsam, die Gesichter, egal ob dämonisch oder menschlich ausdrucksstark, ohne zu übertreiben. Das führt zu einem wunderschönen lebendigen Stil, der mich begeistert.

Ein toller Auftaktband, der Themen wie Mut und Freundschaft, Zusammenhalt und Akzeptanz in den Vordergrund stellt - ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil.

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