Koreanischer Histo-Roman
Das Schweigen der KnochenKorea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf ...
Korea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf den Grund gehen, entwickelt sich eine Freundschaft zu dem Inspektor - die jedoch auf eine harte Probe gestellt wird, als der Inspektor selbst zum Hauptverdächtigen wird. Seol muss nun alles daran setzen, herauszufinden, was in der Mordnacht wirklich geschah. Doch ihre Neugier kann tödlich sein.
Das Buch lebt von den Ermittlungen und den damit verbundenen tiefen Einblick in die Seele Koreas, in die Straßen, Frauenquartiere und geheimen Plätze, in den Palast und in Schubladen, die eigentlich hätten geschlossen bleiben sollen. Das ist das Blut der Geschichte. June Hur hat die Gabe mit wenigen Worten eine Szenerie zu beschreiben, sodass sich der Lesende, sodass ich mich gefühlt habe, als wäre ich Seols Schatten, die mit ihr auf Holzböden kniet oder sich durchs Unterholz schlägt oder oder oder. Diese farbenprächtige Schilderungen machen Laune und bereichern das Buch ungemein.
Ganz nebenbei erfährt man auch wie es um 1800 in Korea aussah und wie die Verhältnisse der damaligen Zeit waren. Schweigen, Gehorsam, keine Neugierde - das war das Credo für die Frauen, Männer durften Frauen nicht berühren, die nicht zur Familie gehörten oder mit denen sie verheiratet waren - so kommt Seol auch zu ihrem Beruf bei der Polizei. Sie muss die Leichen anstatt des Polizisten berühren, damit sie untersucht werden können. Eine grausige Arbeit, die zudem schonungslos geschildert wird. Generell beschönigt das Buch nichts - grausame Folterungen, schaurige Legenden und Erzählungen und verrenkte Leichname sind an der Tagesordnung und sorgen für Spannung im Buch. Die Geschichte ist ein klassischer Kriminalfall, in dem Seol den Mörder einer jungen Adligen sucht. Manchmal kam sie mir zu überhastet in ihren Schlussfolgerungen vor, zu schnell mit ihrem Urteil - dabei muss man aber auch bedenken, dass sie erst 16 Jahre alt ist. Wir erfahren zudem noch viel über ihre Vergangenheit, in der ein Geheimnis verborgen liegt. Seol als Figur blieb mir jedoch ein bisschen fern. Ganz in ihre Haut schlüpfen konnte ich nie.
Eine spannende Thematik, die in dem Buch behandelt wird, ist der im verborgen ausgeübte Katholizismus und die blutige Verfolgung der Gläubigen - das war sehr interessant und erhellend zu lesen!
Eine spannender, stellenweiser brutaler historischer Roman mit einer jungen Protagonistin, die mir nicht so recht ans Herz wachsen wollte.