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Veröffentlicht am 19.01.2025

Koreanischer Histo-Roman

Das Schweigen der Knochen
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Korea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf ...

Korea, 1800: Die verwaiste Seol ist bei der Polizei angestellt und soll einen hochrangigen Inspektor bei den Ermittlungen in einem brisanten Mordfall Unterstützung leisten. Während sie dem Geheimnis auf den Grund gehen, entwickelt sich eine Freundschaft zu dem Inspektor - die jedoch auf eine harte Probe gestellt wird, als der Inspektor selbst zum Hauptverdächtigen wird. Seol muss nun alles daran setzen, herauszufinden, was in der Mordnacht wirklich geschah. Doch ihre Neugier kann tödlich sein.

Das Buch lebt von den Ermittlungen und den damit verbundenen tiefen Einblick in die Seele Koreas, in die Straßen, Frauenquartiere und geheimen Plätze, in den Palast und in Schubladen, die eigentlich hätten geschlossen bleiben sollen. Das ist das Blut der Geschichte. June Hur hat die Gabe mit wenigen Worten eine Szenerie zu beschreiben, sodass sich der Lesende, sodass ich mich gefühlt habe, als wäre ich Seols Schatten, die mit ihr auf Holzböden kniet oder sich durchs Unterholz schlägt oder oder oder. Diese farbenprächtige Schilderungen machen Laune und bereichern das Buch ungemein.

Ganz nebenbei erfährt man auch wie es um 1800 in Korea aussah und wie die Verhältnisse der damaligen Zeit waren. Schweigen, Gehorsam, keine Neugierde - das war das Credo für die Frauen, Männer durften Frauen nicht berühren, die nicht zur Familie gehörten oder mit denen sie verheiratet waren - so kommt Seol auch zu ihrem Beruf bei der Polizei. Sie muss die Leichen anstatt des Polizisten berühren, damit sie untersucht werden können. Eine grausige Arbeit, die zudem schonungslos geschildert wird. Generell beschönigt das Buch nichts - grausame Folterungen, schaurige Legenden und Erzählungen und verrenkte Leichname sind an der Tagesordnung und sorgen für Spannung im Buch. Die Geschichte ist ein klassischer Kriminalfall, in dem Seol den Mörder einer jungen Adligen sucht. Manchmal kam sie mir zu überhastet in ihren Schlussfolgerungen vor, zu schnell mit ihrem Urteil - dabei muss man aber auch bedenken, dass sie erst 16 Jahre alt ist. Wir erfahren zudem noch viel über ihre Vergangenheit, in der ein Geheimnis verborgen liegt. Seol als Figur blieb mir jedoch ein bisschen fern. Ganz in ihre Haut schlüpfen konnte ich nie.

Eine spannende Thematik, die in dem Buch behandelt wird, ist der im verborgen ausgeübte Katholizismus und die blutige Verfolgung der Gläubigen - das war sehr interessant und erhellend zu lesen!

Eine spannender, stellenweiser brutaler historischer Roman mit einer jungen Protagonistin, die mir nicht so recht ans Herz wachsen wollte.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Süße Lovestory

Unintentional Love Story 2
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Der zweite Band beginnt nahtlos an der Stelle, an der der der erste endet - Won-young behält in dem kleinen Küstenstädten, in das er sich nach seiner Kündigung geflüchtet hat, den Töpfer Yoon Tae-jun im ...

Der zweite Band beginnt nahtlos an der Stelle, an der der der erste endet - Won-young behält in dem kleinen Küstenstädten, in das er sich nach seiner Kündigung geflüchtet hat, den Töpfer Yoon Tae-jun im Auge - im Auftrag seines ehemaligen Chefs. Denn der junge Künstler steht hoch im Kurs bei dem großen Chef des Unternehmens, hat jedoch schon seit langer Zeit keine neuen Arbeiten mehr präsentiert. Won-young soll ihn im Auge behalten - doch er strauchelt in seiner Mission, sobald sich die Schmetterlinge regen.

Die Zeichnungen sind einfach wunderbar detailliert und zart - und sie passen auch perfekt zur Geschichte, die ebenso unaufgeregt daherkommt wie im ersten Band. Pibi legt viel Wert auf die inneren Monologe der beiden Protagonisten Won und Yoon - so dass ich die beiden gut nachvollziehen konnte. Won musste sich seinen Gefühle in diesem Band stellen und aufhören, sie zu verleugnen - da war der junge Töpfer schon weiter. Das langsame sich annähern war irgendwie wirklich schön zu verfolgen, vor allen Dingen da es nicht die typische Boys Love Story ist. Störend empfand ich allerdings, dass die beiden bei wichtigen Gesprächen unterbrochen wurden - und das mehrfach. Ein Telefonanruf hier, das plötzliche Auftauchen eines Freundes dort. Das hat für das ein oder andere Augenrollen meinerseits gesorgt.

Transportiert durch die Nebencharaktere werden einige Gedankengänge bei Won angestoßen. So viel Raum für die Entwicklung wie im ersten Band bekommen sie jedoch nicht. Schade - ich mochte ihre Auftritte sehr gerne im Band davor und hoffe auf mehr Stagetime im dritten.

Alles in allem hat mir die Geschichte wieder viel Spaß gemacht und bekommt vier Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Eindringliche Vorgeschichte

Fractal Noise
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Eine (lose) Vorgeschichte zu Paolinis „Infinitum“? Sein zweiter Ausflug in das SciFi Genre? Das musste ich einfach lesen.

Die Crew des Raumschiffes Adamura macht auf dem scheinbar unbewohnten Planeten ...

Eine (lose) Vorgeschichte zu Paolinis „Infinitum“? Sein zweiter Ausflug in das SciFi Genre? Das musste ich einfach lesen.

Die Crew des Raumschiffes Adamura macht auf dem scheinbar unbewohnten Planeten Talos VII eine unglaubliche Entdeckung. Sie finden einen gigantischen kreisförmigen Abgrund, der so perfekt ist, dass er nur künstlich angelegt sein kann. Eine kleine Forschungstruppe landet auf dem Planeten und macht sich zu Fuß auf den Weg zum Abgrund, um mehr über den Grund und den Erbauer an sich herauszufinden. Doch je näher sie ihrem Ziel kommen, desto mehr gerät ihr Leben in Gefahr.

Der Protagonist - Alex Chrichton - wuchs mir schon nach wenigen Seiten ans Herz. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und der Leser erhält Einblicke in sein nicht so eindimensionales Seelenleben. Er hat einen großen Verlust zu verarbeiten, und dieser Verlust bleibt das gesamte Buch über präsent und gibt ihm auch viele Male den Anstoß um weiterzumachen oder um Entscheidungen zu treffen. Christopher Paolini behandelt in dem Buch also nicht nur einen potentiellen Erstkontakt zu einer außerirdischen Lebensform, sein Roman hat auch eine starke psychologische Komponente. Wir lernen ihn wie auch seine Freundin Layla sehr gut kennen (und nein, dass ist kein Spoiler, wir erfahren von Laylas Schicksal schon nach wenigen Seiten im Buch). Er hat mit Schuldgefühlen und Trauer zu kämpfen und stürzt sich in die Arbeit - sowohl auf der Mission, als auch später auf der Expedition auf Talos.

Er ist Mitglied eines Teams, dass ziemlich viel Zündstoff bietet - die unterschiedlichen Charaktere kommen in Ausnahmesituationen besonders stark zur Geltung - und das bietet viel Konfliktpotential, das die Abende im Hub oder die Wanderungen durch die Ödnis nicht langweilig werden lässt.

Ich fand es ziemlich spannend, wie Paolini die Spannungskreise immer enger zirkelt. Da ist etwas. Sie wissen nicht genau was. Spüren nur ein undeutliches „Whump“ - und es wird immer stärker, je weiter sie kommen. Und je stärker es wird, desto mehr kommt die Crew an psychische Grenzen. Und ich als Leserin habe es gespürt. Wo Paolinis Sprache und Art zu schreiben Anfangs noch klar und getragen daher kam, würde sie mit jeder Seite wahnhafter und schneller. Erinnerungsfetzen wechselten am Ende staccatoartig mit dramatischen Ereignissen innerhalb des kleinen Mikrokosmos der Expeditionscrew - am Schluss ging es auch ums nackte Überleben.

Das Buch an sich hatte eher den Charakter einer Sozialen Studie in einem SciFi-Setting, als dass er groß auf Technik und auf breite Erklärungen setzt. Mir gefiel es, da ich ein ziemlich charakterbasierter Leser bin und bei Science Fiction Büchern auch nicht alles unterfüttert haben muss, insbesondere bei zusätzlichen Büchern, die neben der eigentlichen Hauptgeschichte erscheinen. Das Ende kam für meinen Geschmack zu hastig - obwohl Paolini wohl genau diesen Denkanstoß bei seinen Lesern setzen wollte. Wer „Infinitum“ schon gelesen hat, der hat nun noch ein bisschen mehr aus dieser Welt. Und wer zuerst zu „Fractal Noise“ gegriffen hat, für den gibt es in „Infinitum“ ein breites SciFi Epos, in dem all eure Fragen beantwortet werden.

Ich vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Mystischer Kriminalfall im Graphischen Viertel

Das Haus der Bücher und Schatten
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Wieder geht es in das Graphische Viertel von Leipzig, das Viertel voller Bücher, Buchdruckereien, Verlagen und Buchläden - die größte Ansammlung literarischen Lebens, von dem heute nichts mehr übrig ist. ...

Wieder geht es in das Graphische Viertel von Leipzig, das Viertel voller Bücher, Buchdruckereien, Verlagen und Buchläden - die größte Ansammlung literarischen Lebens, von dem heute nichts mehr übrig ist. Meyer entführt uns in dieses Leipziger Viertel, und vorab - er kann die Straßen, den Nebel, der eigentlich der Smog der Druckereien ist, und die Bücherstapel so gut beschreiben, dass ich immer das Gefühl habe, mit dem Protagonisten durch die Gassen zu wandeln, Geheimnissen auf die Spur zu kommen und Kriminalfälle aufzuklären.

„Das Haus der Bücher und Schatten“ spielt auf zwei Zeitebenen. 1913 fährt eine junge Lektorin mit ihrem Verlobten (auch Lektor) von Leipzig ins osteuropäische Livland um einem Autor ein Manuskript aus den Rippen zu leiern, das er schon lange versprochen hat. Doch als sie im alten Herrenhaus, Hundsheide, ankommen, findet sich Paula inmitten eines Hauses wieder, das mehr zu bieten hat, als knarrende Dielen und einen verschrobenen Autor. 1933 ermittelt der wieder eingesetzte Kommissar Cornelius Frey in einem Mordfall an einem jungen Mädchen, das er eine Nacht zuvor noch vor dem Selbstmord bewahrt hat. Er findet sich in einem Netz aus Okkultismus, Geheimbünden und Brutalität wieder - und findet merkwürdige Zusammenhänge zu einem Haus im Baltikum.

Diesmal verstrickt uns Kai also in einen Kriminalfall, zu Zeiten der erstarkenden Naziherrschaft bzw. zu deren Hochzeiten. Und man spürt es - vor allen Dingen 1933 zeichnet Kai ein düsteres Bild von Leipzig, in dem man dem Nachbarn nicht trauen kann und lieber in dem Laden einkauft, der nicht das frischeste Obst, aber eine regimetreue Ansicht hat. Und inmitten dieses Hexenkessels ermittelt Cornelius in einem Mordfall, der ihn in eine andere Richtung führt, als eigentlich von der Polizei gewollt ist.
Cornelius als Charakter mochte ich - er war eine Marke, man ist gerne mit ihm auf die Straße gegangen und hat seine Ermittlungsarbeit verfolgt. Er war rasch mit den Fäusten bei der Hand, wenn ihm etwas gegen den Strich ging und geriet öfter mal in die Bredouille - was natürlich zu Spannungsspitzen in seinem Plot führte. Ich fand die Themen ziemlich spannend. Der Hang zum Okkulten gepaart mit dem Naziregime war explosiv.

Während wir in Leipzig einen historischen Kriminalfall haben, schlägt uns draußen in Livland nicht nur der eisige Frost entgegen, sondern auch die Mysterien eines Herrenhauses. Den Plot fand ich richtig gut und ich habe immer darauf gefiebert, zu Paula und dem Manuskript, den Stimmen in der Dunkelheit und dem Keller ohne Treppe zurückzukehren. Kai spielt eine dunkle Melodie zwischen Realität und Traum, zwischen übernatürlichen Mysterien und einem düsteren Geheimnis. Diese Erkundungen haben mich wirklich fasziniert und mitgenommen!

Und natürlich sind Bücher und Manuskripte allgegenwärtig - ich glaubte fast, diesen ganz speziellen Geruch aufgeschlagener Seiten wahrnehmen zu können. Einen kleinen Ausflug gab es auch noch in eine Buchhandlung, die den Lesern seiner vorherigen zwei Bücher, die im graphischen Viertel spielen, wohlbekannt sein dürfte.

Das Ende war brutal und rasant, mir hat jedoch irgendetwas gefehlt (vielleicht war es die Druckerschwärze, die zu dünn auf die Walzen aufgetragen wurde, wer weiß?), damit es für mich zum Highlight wurde.
4,5 Sterne für das „Das Haus der Bücher und Schatten“

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Coole Portalfantasy mit Gruselelementen

The Hollow Places
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Als Kara vor dem Nichts steht und nur noch die Möglichkeit hat, in ihr eigenes Kinderzimmer zurückzukehren nach ihrer Scheidung, kommt ihr Onkel Earl mit seinem Vorschlag doch ins Wundermuseum zu ziehen, ...

Als Kara vor dem Nichts steht und nur noch die Möglichkeit hat, in ihr eigenes Kinderzimmer zurückzukehren nach ihrer Scheidung, kommt ihr Onkel Earl mit seinem Vorschlag doch ins Wundermuseum zu ziehen, da er nicht mehr gut zu Fuß ist und Hilfe gebrauchen könnte, wie ein Wink des Schicksals vor. Dort gibt es genug ausgestopfte Tierpräparate, skurrile Skelette und anderen Kram, um sie für drei Leben beschäftigt zu halten. Der Kaffee aus dem Café nebenan ist auch klasse - was will sie also vorerst mehr? Doch dann entdeckt sie hinter einem Loch in der Wand mehr als Holz und Mäuseköttel.

Was habe ich über „The Hollow Places“ schon auf den ersten paar Seiten gelacht. Schon als Kara im Wundermuseum ankommt, wird klar, dass die literarische Reise eine von der skurrilen Sorte sein wird. Skurril, gruselig und zum Niederknien witzig. Kingfisher hat mit diesem Roman, mit dem Wundermuseum und allen voran den Figuren meinen Humor in den schwärzesten Winkel seiner Seele getroffen. Besonders zu Beginn musste ich so herzhaft lachen, dass bald alle Eisschollen aus dem Weg geräumt waren und ich mich ins Abenteuer stürzen konnte.

Kara muss die Scherben ihres Ehelebens zusammen sammeln und braucht wirklich guten Sekundenkleber, um es wieder zu einem unverzerrten Bild zusammenzukleben (na gut, die ein oder andere Schnur oder Kaugummi wären auch nicht schlecht!) - wir starten unter der Prämisse ins Buch. Kara ist Mitte 30 und bringt ein bisschen Lebenserfahrung mit - Danke, Kingfisher! Und sie hatte Sarkasmus wohl zu ihrem Nebenfach im Studium erklärt. Mit ihr entstauben wir die Präparate und finden uns langsam im Wundermuseum zurecht - und ich bin sehr gern mit ihr auf Erkundungstour durch die Gänge gegangen. Simon, der Cafébesitzer, versorgt Kara mit Kaffee und W-LAN und einer guten Portion Freundschaft, füttert ihren Sarkasmus und geht mit ihr im weiteren Verlauf auf ein gruseliges Abenteuer hinter der Vitrine - und das ist wirklich ein verrückter Trip! Voller Gehölz, Bunkern mit ziemlich heftigen Grusel- und Ekelmomenten.

Ein bisschen habe ich dem Wundermuseum nachgetrauert, da ich angenommen habe, dass die beiden die Zeit nach dem Übertritt nur noch in der Parallelwelt verbringen würden - dem war zum Glück nicht so. Die Geschichte entwickelte sich zu einem wahnhaften Trip zwischen Traum und Realität - und koffeingetränkten Nächten.

Ich flog durch die Seiten - der Schreibstil, das Setting war genau meins. Ich wusste bis zum Ende nicht wirklich genau, wohin die Reise gehen würde, bis sich dann schließlich doch noch alles gefügt hat. Vielleicht hätten an der Stelle ein paar Seiten mehr gut getan.

In der Summe hat mich „the Hollow Places“ wirklich gut unterhalten. Ich erfuhr auch erst ganz zum Schluss, dass das Buch von „Die Weiden“ von Algernon Blackwood inspiriert ist - ich hatte nochmal etwas von dem Werk gehört, geschweige denn auch nur ein Wort davon gelesen.

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