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Veröffentlicht am 16.11.2018

Nach holprigem Start eine wunderschöne Geschichte

The Ivy Years - Solange wir schweigen
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„In meinem Lieblingsfilmen merkt der Held immer, wenn ihm etwas Schlimmes bevorsteht. Er erkennt die Zeichen oder spürt eine Erschütterung der Macht. Aber im richtigen Leben passiert so was nicht. Und ...

„In meinem Lieblingsfilmen merkt der Held immer, wenn ihm etwas Schlimmes bevorsteht. Er erkennt die Zeichen oder spürt eine Erschütterung der Macht. Aber im richtigen Leben passiert so was nicht. Und da ich auch kein Actionheld bin, hatte ich wohl nie eine Chance, es kommen zu sehen.“

Liebesgeschichten, in denen sich ein Mann in einen anderen verliebt, habe ich schon häufiger gelesen. Sie bekommen in der Regel das Label „Gay Romance“ und werden nur von einer kleinen Lesergruppe gelesen. Dadurch werden sie stillschweigend zu etwas anderem gemacht und stehen nicht bei allen anderen Liebesromanen. Hier hat mir direkt gefallen, dass der dritte Teil einfach nur ein weiterer Band der Ivy Years Reihe ist. Er wurde nicht anderes beworben oder anders deklariert und das, obwohl sich hier ein junger Mann in einen anderen verliebt. Schön, dass hier auch die Gleichberechtigung angekommen ist.

Mit sehr positiven Gefühlen habe ich das Buch begonnen, jedoch hat diese Hochstimmung direkt auf den ersten Seiten einen Dämpfer bekommen. Der Start mit Graham ist mir sehr schwergefallen. Michael Graham ist seit seiner Jugend homosexuell. Bereits früh merkte er, dass er nicht nur freundschaftliche Gefühle für seinen besten Freund John hegt. Bis etwas Schlimmes geschieht und John die Stadt verlassen muss. Von dem Moment an versteckt sich Graham. Genau diese Charaktereigenschaft hat es mir schwer gemacht Graham direkt in mein Herz zu schließen. Er hat vor so vielen Dingen Angst, verwehrt sich dadurch so viel und verletzt sogar auch noch andere Menschen dadurch.

Da ist John genau das Gegenteil. Er ist einmal bildlich gesprochen gestürzt, um anschließend wieder aufzustehen und umso stärker zu sein. Nicht nur seine selbstbewusste Art mochte ich direkt, sondern auch seinen Humor, seine selbstironische Art und seine festen Überzeugungen. In den ersten etwa hundert Seiten war er eindeutig der Grund die Geschichte immer weiterzulesen.

Nach etwa der Hälfte mochte ich auch Graham wieder und das Buch hat mich von da an nicht mehr losgelassen. Es ist so gefühlvoll und bewegend. An einer Stelle hatte ich sogar Tränen in den Augen und war zutiefst berührt. Dieser Band ist somit genauso stark wie die anderen Teile der Reihe. Ich freue mich auch immer, wenn die alt bekannten Charaktere immer wieder auftauchen, da hätte in dieser Geschichte sogar noch mehr der Fall sein können.

Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht ans Ivy Years College zurückzukehren und ich kann es kaum erwarten im vierten Band Bellas Geschichte kennenzulernen. Sie ist mir jetzt schon ans Herz gewachsen.

Veröffentlicht am 12.11.2018

Spannend, fesselnd und kurzweilig

Trust
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„Der Drop Stop und alles, was damit in Verbindung stand, mussten aus meinem Kopf verschwinden. Das galt auch für John. Unsere einzige Gemeinsamkeit war eine Nacht voller Blut und Gewalt. Ende.“

Edie geht ...

„Der Drop Stop und alles, was damit in Verbindung stand, mussten aus meinem Kopf verschwinden. Das galt auch für John. Unsere einzige Gemeinsamkeit war eine Nacht voller Blut und Gewalt. Ende.“

Edie geht auf eine Privatschule, hat eine gute Freundin und ein tolles Leben. Bis zu dem Abend, als sie in einem Raubüberfall beteiligt ist. Von da an ist ihr alles andere egal, weil das Leben zu kurz und zu viel zu unwichtig ist. Lediglich John, der ihr während des Überfalls das Leben gerettet hat, kann sie verstehen. Sie sollte nicht mit ihm befreundet sein, aber dennoch kann sie nicht von ihm lassen.

Kylie Scott war mir als Autorin bis dato kein Begriff. Den Namen werde ich nun nicht mehr vergessen, da mich „Trust“ wirklich gut unterhalten hat. Mir hat besonders gut bei der Geschichte gefallen, dass sie direkt los geht. Es gibt keine lange Einführung oder große Erklärungen. Bereits mit wenigen Worten und Augenblicken wird deutlich, wie Edies Leben vor dem Raubüberfall aussieht. Die Autorin schafft es direkt, dass der Leser das Gefühl hat die Hauptperson etwas zu kennen. Dadurch wird der Kontrast zu ihrem Leben danach sehr deutlich. Die Entwicklung ist damit vollkommen nachvollziehbar.

Johns Leben ist ebenfalls nicht so einfach. Als ehemaliger Drogendealer ist der Raubüberfall für ihn ein Weckruf und ein Neustart. Er hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen und muss immer wieder seinen guten Willen beweisen. Seine Geschichte ist ebenso spannend, wie fesselnd. Durch die Vorgeschichten werden einige Emotionen vermittelt, die dafür sorgen, dass man das Buch nicht mehr beiseitelegen möchte. Man fühlt mit Edie und John mit.

Bei dem Buch habt mir so gut gefallen, dass so viele verschiedene Themen auf eine authentische Art und Weise angesprochen werden. Es geht um traumatische Erlebnisse, Neuanfänge, Drogen und Trauer. So ist die Handlung abwechslungsreich und keinesfalls langweilig. Obwohl ich durch die Lektüre sehr gut unterhalten wurde, ist es keine Geschichte, die mich zu tiefgründigen Gedankengängen animiert hat. Das heißt nicht, dass sie oberflächlich, sondern eher kurzweilig ist. Eine wunderschöne Liebesgeschichte mit ein bisschen Tiefgang.

Veröffentlicht am 23.10.2018

Ganz großes Kopfkino

Cinder & Ella
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Bei dem Buch hat mich von Anfang an mehreres begeistert: Als erstes war es das wunderschöne, farbenfrohe und dennoch minimalistisch gestaltetes Cover und danach der Titel selber. "Cinder & Ella" beziehungsweise ...

Bei dem Buch hat mich von Anfang an mehreres begeistert: Als erstes war es das wunderschöne, farbenfrohe und dennoch minimalistisch gestaltetes Cover und danach der Titel selber. "Cinder & Ella" beziehungsweise Cinderella, wie es zunächst aussah. Das klang märchenhaft. Dazu passte zunächst der Klappentext nicht, weil er so überhaupt nicht nach einem Märchen klingt. Aber es hörte sich nach einer gefühlvollen, tiefgründigen Liebesgeschichte an und damit nach einem Buch, das ich unbedingt lesen wollte.

Ella verliert bei einem Autounfall nicht nur ihre Mutter, sondern auch das Leben, wie sie es bisher kannte. Nach 8 Monaten Phytotherapie kann sie zwar wieder gehen, hat aber an der Hälfte ihres Körpers Narben. Sie muss nun bei ihrem Vater und seiner neuen Familie einziehen, die sie vorher gar nicht kannte. Die ganze Welt scheint gegen sie zu sein, bis auf ihren alten Chatfreund Cinder, zu dem sie wieder Kontakt aufnimmt. Cinder weiß nichts von ihren Problemen und Ella weiß nicht, dass Cinder ein berühmter Schauspieler ist.

Von der Thematik her mochte ich die Geschichte sehr. Ich kann mir nur vorstellen, wie schwer es ist, wenn sich das Leben von einen auf den anderen Tag ändert, wenn man wieder die kleinsten Bewegungen lernen muss und sich fremd im eigenen Körper fühlt. Das ist mit Sicherheit nicht immer leicht und das wird hier auch sehr nachvollziehbar beschrieben. Ella ist häufiger mal verzweifelt, am Boden zerstört und hoffnungslos. Das sind genau die Emotionen, die ich auch erwarten würde und die hier so gut dargestellt werden, dass man sie als Leser mitfühlt. So hatte ich auch in dem ein oder anderen Moment Tränen in den Augen.

Neben dem Inhalt war der Schreibstil ein wahrer Lesegenuss. Nicht nur die schweren, eher negativen Emotionen werden durchlebt, sondern auch der Spaß beim Chatten mit Cinder. Die ganzen E-Mails, Chatverläufe und SMS sind mit viel Witz geschrieben, vielen Anspielungen auf Filme oder Serien und lockern die Geschichte auf. Es ist nicht so, dass es ein E-Mail-Roman ist, aber an der ein oder anderen Stelle nehmen diese virtuellen Unterhaltungen auch mal mehrere Seiten ein. Die Sprache ist hier locker und für Jugendliche sehr angemessen ohne dass es überzogen wird. Der Ton wird hier perfekt getroffen.

Wenn ich das Buch kritisieren wollte, dann könnte ich nur sagen, dass ich am Anfang bei Cinders Geschichte das Gefühl hatte, dass seine Seite ein bisschen konstruiert ist. Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen, dass ein Leben wirklich so aussehen kann. Es hat sich daran eigentlich nicht so viel geändert, aber nach wenigen Kapiteln war es mir schlichtweg egal und es hat mich nicht mehr gestört. Alle anderen Aspekte waren so schön, dass sie diesen komplett überlagert und in den Hintergrund gedrängt haben.

Passend zum Titel tauchen machmal auch Parallelen zu Cinderella auf. Das war für mich dann noch ein weiteres, persönliches Highlight. Insgesamt war das Buch rundum ein Lesegenuss und ich hatte sehr viel Spaß Cinder und Ella in dem kurzen Lebensabschnitt zu begleiten.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Ein außergewöhnlicher Lesegenuss

Das Herz der Kämpferin
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Sie ist eine Kämpferin. Eelyn wurde von klein auf dazu erzogen gegen die verfeindeten Riki zu kämpfen. Ihre Welt wird aus den Fugen gerissen, als sie auf dem Schlachtfeld ihren tot geglaubten Bruder wiedersieht ...

Sie ist eine Kämpferin. Eelyn wurde von klein auf dazu erzogen gegen die verfeindeten Riki zu kämpfen. Ihre Welt wird aus den Fugen gerissen, als sie auf dem Schlachtfeld ihren tot geglaubten Bruder wiedersieht und dieser Seite an Seite mit dem Feind kämpft. Eelyn würde sich niemals mit dem Feind verbünden. Was ist also mit ihrem Bruder geschehen?

Bevor ich mit dem Buch begonnen habe, war ich nicht sonderlich motiviert. Natürlich wollte ich die Geschichte lesen und habe mir sie auch bewusst ausgesucht, aber irgendwie fühlte sich das Buch dann so komplex an. Es waren somit nicht die besten Voraussetzungen, als ich die ersten Seiten aufgeschlagen habe. Wie schön, dass sich das nach den ersten Kapiteln schon geändert hat.

Ohne Umschweife taucht der Leser in die Welt ein und landet direkt auf dem Schlachtfeld. So einen Start liebe ich. Es ist dann direkt vom ersten Moment spannend. Eelyn wird dem Leser so direkt als die Kämpferin präsentiert, die sie ist. Genau diesen Charakterzug mag ich besonders. Sie ist stark, selbstbewusst und voller Werte. Eine Person, zu der man auch als Leser aufschauen kann.

Besonders gut hat mir das Setting gefallen. Die Welt ist definitiv erfunden und nicht vergleichbar mit anderen. Es ist eine Art mittelalterliche Welt ohne Technik oder Strom, in der Menschen wieder zurück zu Feldarbeit und Handwerk gekehrt sind. Ich mochte sehr, dass das Große und Ganze beschrieben wird, aber dass auch kleine Details, wie wenn jemand einen Fisch ausnimmt erwähnt werden. Vor allem durch diese scheinbaren Banalitäten wird die gesamte Welt greifbarer.

Vielleicht bin ich besonders positiv überrascht worden, weil ich zunächst nicht so motiviert war das Buch zu lesen. Aber es hat mich vollkommen überzeugt und gefesselt. Es war mir ein wahrer Lesegenuss und ich bin heilfroh, dass ich es gelesen habe. Ein weiterer Zusatzpunkt ist, dass das Buch in sich abgeschlossen ist und der Leser keine Cliffhanger verdauen muss. Es ist ein Highlight auf voller Länge.

Veröffentlicht am 18.10.2018

Keine Klageweiber, keine Beerdigungen! (Hörbuch)

Das Gold der Krähen
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Nachdem ersten Teil der Dilogie war ich sehr zwiegespalten, ob ich die Geschichte weiterlesen oder aufhören sollte. Den Hype konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, da zwar das Setting interessant und ...

Nachdem ersten Teil der Dilogie war ich sehr zwiegespalten, ob ich die Geschichte weiterlesen oder aufhören sollte. Den Hype konnte ich nicht so ganz nachvollziehen, da zwar das Setting interessant und die Geschichte zeitweise überraschend war, aber mir die Charaktere zu ungreifbar waren. Ich habe so eine große Distanz empfunden, dass die Handlung mich nicht mitreißen konnte. Ich habe mich wie ein passiver Beobachter gefühlt. Da ich aktuell viel Zeit hatte, um Hörbücher zu hören, dachte ich mir jedoch, dass ich so der Reihe gerne noch eine Möglichkeit gebe, mich zu überzeugen. Und siehe da, ich wurde sehr positiv überrascht. Der zweite Teil ist in meinen Augen deutlich stärker als der erste.

Der Leser bzw. in diesem Fall der Hörer begleitet wieder Kaz Brekker und seine Krähen auf dem Rachefeldzug gegen Pekka Rollins. Nach dem tollkühnen Einbruch in die Eisfeste, haben sie nicht nur keine fürstliche Belohnung bekommen, sondern Inej gerät auch in Gefangenschaft. Die Krähen müssen einige Risiken eingehen, um Inej zu befreien.

Die Geschichte geht nahtlos weiter und auch wenn bei mir zwischen den Teilen ein ganzes Jahr lag, habe ich wieder sehr gut in die Welt hineingefunden. Was ich abgöttisch an dem Teil liebe, ist dass ich so häufig überrascht wurde. Wie bei Jay Kristof ist auch bei Leigh Bardugo einfach jedes Detail wichtig. So häufig dachte ich mir, dass ein Plan schief gehen muss und habe dabei die Genialität der Krähen unterschätzt. Es ist in keinem Fall vorhersehbar, sodass es sehr spannend ist.

Im Vergleich zum Auftakt sind nun auch die Figuren nicht mehr so distanziert, sondern viel greifbarer. Auch hier werden wieder die einzelnen Kapitel aus verschiedenen Sichten erzählt und durch Zeitsprünge erfährt der Hörer auch, wieso die Charakter so geworden sind. Die einzelnen Hintergrundgeschichten haben mir die Außenseiter noch viel sympathischer gemacht. Alles, was ich im ersten Teil vermisst habe, habe ich nun im zweiten Teil bekommen.

Gesprochen wird das Hörbuch von Frank Stieren. Er hat eine angenehme, ruhige Stimme und liest gut verständlich vor. Für mich war diese Stimme nur teilweise zu gleichklingend. Sie war immer ruhig und dadurch wenig aufbrausend oder verschieden klingend. So haben die weiblichen Stimmen ähnlich geklungen wie die männlichen. Matthias klingt teilweise wie Nina oder Inej wie Jasper. Das macht es in Gesprächen schwierig zu unterscheiden, wer gerade spricht. So musste ich mich deutlich stärker auf dieses Hörbuch konzentrieren, als es bei anderen Hörbüchern der Fall ist.

Insgesamt bin ich sehr glücklich, dass ich der Reihe noch eine Chance gegeben habe. Ich bin hier definitiv kein Klageweib, sondern eher ein Minnesänger, der ein Loblied auf die Krähen singt.