Lesehighlight: spannend, emotional, tiefgründig
Wenn wir wieder Schwestern sindBerlin, 1901: die 21-jährige Sofie sucht nach ihren Platz im Leben. Nur zögerlich folgt sie dem Ruf nach China zu reisen und dort einen Missionar zu heiraten. Als unerwartet eine 2. „Missionsbraut“ gesucht ...
Berlin, 1901: die 21-jährige Sofie sucht nach ihren Platz im Leben. Nur zögerlich folgt sie dem Ruf nach China zu reisen und dort einen Missionar zu heiraten. Als unerwartet eine 2. „Missionsbraut“ gesucht wird, meldet sich spontan ihre Schwester Grete und so fahren die beiden jungen Frauen gemeinsam in die deutsche Kolonie Tsingtau, um dort zwei, ihnen unbekannte Männer zu heiraten. Auf der langen Schiffsreise erkrankt Sofie schwer und Grete nutzt die Gelegenheit den Mann zu heiraten, der eigentlich für Sofie bestimmt war. So reist Grete mit Herrmann in die Berge zur Außenstation der Mission, während Sofie, im Herzen voller Groll, in der Stadt Tsingtau bleibt und dort ihren Weg suchen muss. Soll sie den 2. Bräutigam heiraten oder ihr Herz einem andern Mann schenken? Oder führt ihr Weg sie zurück nach Berlin?
„Wenn wir wieder Schwestern sind“ ist der neue Roman von Gertraud Schöpflin und die Fortsetzung von „Auf der anderen Seite des Sturms“. Der 1. Roman erzählte die Geschichte von Rebekka von Sassnitz und dem Berliner Pfarrer Friedrich Hoffmann. Beide sind früh verwitwet und heiraten, um ihren Kindern eine Familie zu geben. Im neuen Roman begleitet der Leser nun die Kinder der Familie. Grete ist die Tochter von Friedrich und Sofie und Jakob sind, die in China geborenen Kinder von Rebekka. Jeder der drei Hauptcharaktere bringt ein „Päckchen“ aus der Vergangenheit mit; sei es die Rebellion bei Jakob, der Versuch es immer allen recht zu machen bei Sofie oder auch Gretes Gefühl ständig zu kurz zu kommen. Während Jakob in Berlin seinen Weg finden muss, ist es für Sofie und Grete ungleich schwieriger, denn sie müssen sich zusätzlich in einer fremden Welt zurecht finden. Vieles ist nicht so wie erhofft und erwartet. Groll und Wut, Unsicherheit und Schuld beschwert ihre Herzen. Wie gut, dass es Christen an ihrer Seite gibt, zb. eine chinesische Bibelfrau, Schwester Käthe im Missionshaus, der Arzt im Lazarett und auch Johannes, der 2. Bräutigam, die ihnen mit Rat und biblischen Weisheiten zur Seite stehen. Wie gut, dass Vergebung möglich ist und Herzen heilen.
Das Cover des Buches ist wunderschön und passt sehr gut zum Inhalt. Über jedem Kapitel steht ein Bibelvers und eine Orts- und Zeitangabe, so dass man immer weiß, wo die Handlung gerade spielt. Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft und fesselnd. Der Roman hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen und viele Emotionen in mir ausgelöst. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. So habe gehofft und gebangt, habe mit Sofie und Grete geweint, hätte Jakob und manchmal auch Grete gern geschüttelt, hätte Sofie gern an die Hand genommen, sie getröstet und ermutigt... und am Ende habe ich große Erleichterung gespürt.
Gut recherchiert und sehr interessant waren die Einblicke in die damalige Zeit, in das Leben von Deutschen und Chinesen, in die Missionsarbeit, aber auch in den Stadt- und Eisenbahnbau. Historische Fotos aus der damaligen Zeit belegen dies.
Ich könnte noch vieles zu dem Roman schreiben und habe doch das Gefühl, dass meine Worte dieser großartigen Geschichte nicht gerecht werden. So kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Für mich ist es ein Lesehighlight und verdient klare 5 Sterne.