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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2021

Afrika hautnah

Löwenherzen
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„Löwenherzen“ ist nach „Frühstück mit Elefanten“ und „The Wonderful Wild“ das neueste Werk von Autorin, Rangerin und Ex-Fernsehredakteurin Gesa Neitzel. Mit Landrover Ellie geht es auf Tour durch Südafrika.

„Das ...

„Löwenherzen“ ist nach „Frühstück mit Elefanten“ und „The Wonderful Wild“ das neueste Werk von Autorin, Rangerin und Ex-Fernsehredakteurin Gesa Neitzel. Mit Landrover Ellie geht es auf Tour durch Südafrika.

„Das hatte mich schon während meiner Ausbildung so schwer beeindruckt: Mir war vorher nie klar gewesen, wie sehr alles miteinander zusammenhing und wie wir Menschen das Gleichgewicht dieser Welt vollkommen durcheinanderbrachten, indem wir in die Natur eingriffen.“

Das Buch umfasst einen Zeitraum von 2015 bis 2020 und wirkt größtenteils wie ein einziges, packendes Abenteuer. Die Ereignisse sind in der Ich-Perspektive aus Sicht von Gesa Neitzel erzählt. Ihr Freund Frank und sie haben die gleiche Ausbildung absolviert. Das Ziel von Beiden war der „Lead-Guide“. Gesas Erzählstil ist die Begeisterung für die atemberaubende Natur und Wildtiere anzumerken. Aufgrund ihrer Ranger-Kenntnisse kann sie vieles sehr anschaulich, detailliert und spannend beschreiben. Fesselnd geht es gleich im Prolog zu. Von seltsamen Geräuschen alarmiert, erkunden Gesa und Frank die Ursache und finden sich zusammen mit anderen Safari-Gästen in einer bedrohlichen Situation wieder. Auffällig ist die tolle Buchgestaltung mit der Reiseetappen-Illustration vor jedem Kapitel. Am Anfang und Ende des Buches lässt sich eine aufklappbare, farbenfrohe, tierreiche Südafrika-Karte finden. So lassen sich problemlos die Reiserouten samt Attraktionen mitverfolgen. In der Mitte des Buchs sind beschilderte Fotos passend zum Text zu entdecken. Leider fehlen ein paar der außergewöhnlichen Bilder, deren Szenen im Buch mitreißend erzählt werden. Was zählt zur Busch-Etikette? Welches Gewächs ist tödlich? Wie sieht das Drei-Schritte-Modell zum Elefantenspuren-Lesen aus? Die Abenteuer haben Lehrreiches parat und öffnen die Augen für die reiche, gefährdete Natur. Es kommt der Wunsch auf, bei den Busch-Walks dabei zu sein und alles life mitzuerleben. Wie nebenbei verraten die Abenteuer auch einige Reisetipps. Der Epilog bildet den krönenden Abschluss, erzählt mehr über Gesa, Frank und Ellie und ermutigt mit einer persönlichen Ansprache seinen eigenen Weg gegen alle Widerstände zu gehen.

Das Cover bezaubert mit besonderen Szenen und zwei Abenteurern, die sich für den Schutz von Natur und Tierwelt und gegen Wilderei einsetzen. Am Ende des Buches unter „Wie kann ich helfen?“ ist eine Liste von Organisationen aufgeführt, die man selbst unterstützen kann. „Löwenherzen“ toppt die hohen Erwartungen und lässt den Leser hautnah an den spannenden, teils brenzligen Abenteuern teilhaben. Ein tolles Buch für alle, die selbst die Welt entdecken oder per Buch auf Reise gehen wollen.

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Veröffentlicht am 28.07.2021

Rettungsanker contra Einsamkeit

Bevor ich dich sah
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„Bevor ich dich sah“ ist das Debüt von Autorin Emily Houghton. Ein Schicksalsschlag verändert das Leben von Alice. Der Weg in ein neues Leben ist weit.

Die 31jährige Alice Gunnersley kommt mit schweren ...

„Bevor ich dich sah“ ist das Debüt von Autorin Emily Houghton. Ein Schicksalsschlag verändert das Leben von Alice. Der Weg in ein neues Leben ist weit.

Die 31jährige Alice Gunnersley kommt mit schweren Verbrennungen ins St.-Francis-Hospital. Bald landet sie auf der Moira-Gladstone-Rehastation. Ihr Krankenhausbettnachbar ist ausgerechnet der 28jährige Alfie Mack. Er lässt nicht locker, um Alice nach einer langen Zeit des sturen Schweigens endlich zum Reden zu bringen.

Alice hadert mit ihrem Schicksal und schottet sich von allen ab. Sie verhindert sogar, dass ihr Notfallkontakt und beste Freundin Sarah von den schlimmen Ereignissen erfährt. Das Krankenhauspersonal stößt bei Alice auf eine Mauer, und es scheint niemanden zu geben, der diese einreißen kann. Der größte Teil der Geschichte spielt auf der Moira-Gladstone-Station und wird in zwei Perspektiven aus Sicht von Alice und Alfie erzählt. Der Fokus liegt auf Dialogen, gegensätzlichen Charakteren und Emotionen. Alfie ist der Sonnenschein auf der Rehastation und sorgt für Unterhaltung. Dabei hat er selbst mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen, der sein Leben verändert. Die langsame Annäherung zwischen Alice und Alfie berührt. Auf Wunsch von Alice darf niemand sie sehen. Immer ist sie von Vorhängen umgeben. Nur das Personal und der Arzt dürfen zu ihr. Während sie weiterhin schweigt, nimmt das Leben um sie herum seinen Lauf. Das Geplänkel und die gegenseitigen Neckereien der Zimmergenossen haben Unterhaltungswert. Die resolute und großherzige Krankenschwester Angles versucht alles, um die Genesung ihrer Patienten zu fördern. Ihre Schützlinge gehen durch sämtliche Emotionen wie Verzweiflung, Wut, Scham, Trauer, Schuld und kämpfen um Würde und Selbstwertgefühl. Jeder hat seine eigene Geschichte. Längst hat Alfie Freunde gewonnen und ist der Liebling der Station. Nicht alles mag sich nah an der Realität bewegen. Gibt es wirklich so große Krankenhauszimmer mit männlichen und weiblichen Patienten? Vorhänge sorgen für Privatsphäre. Auch drücken die Krankenschwestern oft ein Auge zu. Es geht um gegenseitige Verständnis, Aufmunterung, Freundschaft und Liebe. Manche Zimmergenossen kommen ab der Hälfte des Buches zu kurz. Wie geht es außerhalb des Krankenhauses weiter? Die Spannung steigt. Unnötige Verzögerungen inklusive nicht genutzter Kontaktmöglichkeiten stellen die Geduld auf die Probe. Das Ende kommt abrupt. Ein paar Seiten mehr wären schön gewesen.

Die kreative Gestaltung und Farbwahl setzt Hauptfigur und Titel perfekt in Szene. Das Cover hat viel Anziehungskraft und passt gut zur Geschichte. „Bevor ich dich sah“ macht Mut, sich trotz eines schweren Schicksalsschlags zurück in ein neues Leben voller Glück und Lebensfreude zu kämpfen. Jeder braucht Menschen, die ihn lieben und für einen da sind. Ein warmherziges und empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

Gute Ausgangsidee

Eskalation
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„Eskalation“ ist das Debüt von Nora Benrath. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich eine deutsche Journalistin und Redakteurin, die u.a. für den „Stern“ gearbeitet hat.

Warum hat es der Fremde auf sie abgesehen, ...

„Eskalation“ ist das Debüt von Nora Benrath. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich eine deutsche Journalistin und Redakteurin, die u.a. für den „Stern“ gearbeitet hat.

Warum hat es der Fremde auf sie abgesehen, und was hat er vor? Dina Martin wird von einem Unbekannten auf der Autobahn verfolgt. Er setzt sie auf perfide Weise psychisch unter Druck. Gibt es ein Entkommen?

Die Idee zum Thriller ist originell und befasst sich mit einem stets aktuellen Thema. Wir gehen zu sorglos mit unseren Daten um. Wie der Killer sich seine Opfer sucht ist ungewöhnlich. Der direkte Einstieg in die Geschichte ist gelungen. Innerhalb kürzester Zeit wird eine Grundspannung aufgebaut, die über lange Strecken anhält und durch geschickte Wendungen gesteigert wird. Nicht jedes Verhalten ist nachvollziehbar. Der Täter ist zu übermächtig. Dem gegenüber steht die oft unverständliche, zu ausgeprägte Hilflosigkeit der Opfer. Leichtsinn und Fehler häufen sich. Warum hat der Täter in vielen Fällen so leichtes Spiel? Das Verwirrspiel mit Verdächtigen gelingt nicht überzeugend. Zu wenig wird hinsichtlich Motiv und Motivation in die Irre geführt. Die Charaktere wirken abgedroschen, haben zu wenig Facetten und Persönlichkeit. Sie passen in Schubladen und sind austauschbar. Auch die Ermittler wirken wenig pfiffig. So manche vorschnelle Theorie erscheint viel zu weit hergeholt und hält zu lange an. Im Fokus steht der irre Mörder und sein Buhlen um Anerkennung. Der Erzählstil weist trotz anfänglicher, packender Szenen im Laufe der Geschichte immer mehr Schwächen auf. Die sich häufenden Grausamkeiten wirken überflüssig. Ein gutes Stilmittel sind die Perspektivwechsel. Aber auch hier wird nicht alles an Potential herausgeholt. Das Wettrennen mit der Zeit hätte für viel mehr Hochspannung sorgen können. Ein Schicksal wird zu schnell aufgeklärt. Mit ein paar geschickten Winkelzügen hätte der Leser über lange Strecken im Ungewissen gehalten werden können. Das letzte Buchdrittel ist das schwächste des Thrillers. Auflösung und Erklärungen überzeugen nicht. Besonders zum Schluss hapert es auffällig an Sprache und Erzählstil.

Das Cover setzt auf den Titel und eine nächtliche Schlüsselszene. Der Titel ist Programm. Von einer Sekunde auf die andere ändert sich alles, und es wird bezüglich Bedrohung eine Schippe drauf gelegt. „Eskalation“ hat eine sehr gute Ausgangsidee und ein paar fesselnde Szenen parat. Der ungewöhnliche Plan des Täters sorgt für Kopfkino. Insgesamt ein durchwachsener Eindruck. Spannungsmomente konkurrieren mit Schwächen und Enttäuschungen.

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Feinfühlige Erzählreise

Mein Sternzeichen ist der Regenbogen
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„Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ von Autor Rafik Schami versammelt mehr als zwei Dutzend Geschichten zu sechs emotionalen Themen.

„Themen wie Geburt, Lachen, Sehnsucht, Tiere, Reisen oder Geheimnisse ...

„Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ von Autor Rafik Schami versammelt mehr als zwei Dutzend Geschichten zu sechs emotionalen Themen.

„Themen wie Geburt, Lachen, Sehnsucht, Tiere, Reisen oder Geheimnisse durchziehen den größten Teil der Weltliteratur, und immer geht es dabei auch um die Liebe.“ Rafik Schami nimmt uns mit auf seine Erzählreise, durchstreift Kontinente und lässt uns teilhaben an wahren, tragischen und schicksalhaften Begebenheiten.

„Dass die Geschichten, bei aller Tragik, oft zum Lachen animieren, hängt damit zusammen, dass ich das Lachen für den besten Schmuggler von Gedanken halte.“ Gleich die erste Geschichte ist die titelgebende Geschichte und verströmt Humor. Die Suche nach den wahren Geburtsdaten erweist sich als schwierig. Kreativ und liebenswert ist die Antwort zum Schluss. Immer haben die Geschichten eine Wendung oder ein Augenzwinkern. Seitenhiebe, Sticheleien, Abrechnungen, Gehässigkeit, Rache, so manches Erlebnis entwickelt sich zum Alptraum. Nicht selten wartet die ein oder andere Überraschung, und die Fäden werden aus der Hand gerissen. In „Oskar, der kleine Prophet“ bringt Phantasie zum Staunen und ändert die Welt. Nicht nur „Ein Schmuggler namens Lachen“ hat charmante Weisheiten parat: „Lachen hilft mit seiner Leichtigkeit aus vielen Krisen heraus. Nicht selten verwandelt es eine vermeintliche Sackgasse in eine Kreuzung, die mehrere Möglichkeiten bietet.“ „Wie Herr Moritz die Welt bereiste“ befasst sich auf abenteuerliche und eindringliche Weise mit dem Thema Einsamkeit. Oft fällt es schwer, das ein oder andere traurige Ende zu akzeptieren. Der Wunsch nach Glück und Happy End wird übermächtig. „Die fliegenden Händler der Insel“ berührt mit einem täglichen Überlebenskampf und verändert die Perspektive. Rafik Schami erzählt immer wieder von eigenen Erlebnissen wie in „Die Augensprache der Hunde“. Manchmal fliegen ihm die Geschichten einfach zu. „Ein Klassentreffen“ oder „Die unglaubliche Nacht des Syrers Elias Schahin“ geht unter die Haut. Alle Geschichten faszinieren auf ihre eigene Art und Weise. Nicht selten nehmen aktuelle Themen Einzug, und die Aufmerksamkeit wird auf Schicksale gelenkt. Die Intensität der Geschichten ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein Buch mit großer Feinfühligkeit und einem eigenwilligen, sympathischen Erzähler.

Das Cover fällt gleich dreifach ins Auge, mit kunstvoller Gestaltung, Autorenname und kreativem Titel. Sehr gut gewählt sind die Farben, die die Erwartung auf ein intensives und interessantes Leseerlebnis schüren. „Mein Sternzeichen ist der Regenbogen“ spricht alle an, die gute Geschichten lieben. Schicksalhaft, erschütternd, dramatisch, eine Achterbahn der Gefühle ist garantiert. So manche Erzählung bleibt im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 08.07.2021

Späte Einsichten

Erben wollen sie alle
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„Erben wollen sie alle“ ist das neueste Werk von Autorin, Drehbuchschreiberin und Journalistin Tessa Hennig. Mit ihrem Debütroman „Mutti steigt aus“ eroberte sie ihre Fangemeinde.

Bianca freut sich auf ...

„Erben wollen sie alle“ ist das neueste Werk von Autorin, Drehbuchschreiberin und Journalistin Tessa Hennig. Mit ihrem Debütroman „Mutti steigt aus“ eroberte sie ihre Fangemeinde.

Bianca freut sich auf ihren 75zigsten Geburtstag, den sie frisch verliebt mit Wolfi feiern möchte. Die beiden planen eine Weltreise. Dafür möchte Bianca ihre Finca auf Mallorca verkaufen. Als ihre Kinder davon Wind bekommen, sind sie empört. Hat sich ein Heiratsschwindler Bianca geschnappt?

Im Alter will Bianca noch einmal durchstarten und die Welt entdecken. „Ab jetzt wird nur noch gelebt und nicht gesammelt.“ Sie ist eine sympathische Hauptfigur. Ihre Kinder haben sie bisher selten bis gar nicht auf Mallorca besucht. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Die Beziehung zu Enkelin Luisa ist dagegen herzlich. Die beiden sind auf einer Wellenlänge. Die Geschichte wird aus den verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder erzählt. Es geht um Missverständnisse, fehlende Kommunikation, Enttäuschungen, Wünsche, Hoffnungen und Liebe. Kommt wieder alles ins Lot? Mallorca als Handlungsort verströmt Atmosphäre. Es ist leicht, sich in die Insel und ihren urigen Charme zu verlieben. Welches Geheimnis verbirgt Bianca? Was ist damals geschehen? Das ist der rote Faden der Geschichte. Die Familienproblematiken stehen lange im Fokus und sind wenig unterhaltsam. Zwar entwickeln Bianca und Wolfi einen Plan, aber insgesamt kommt der Humor zu kurz. Gut integriert in die Geschichte ist das Thema „Alzheimer“. Wie mit dem Vergessen umgehen, und welche kreativen Ideen helfen? Luisa entdeckt neue Talente und geht ihren eigenen Weg. „Immer dem Herzen folgen. Geht nicht anders, wenn man glücklich sein will.“ Dieses Motto verlieren einige Akteure aus den Augen. Den Charakteren fehlt es an Tiefe und Persönlichkeit. Eine Auflösung zum Schluss kommt seltsam rüber. Fehlende Feinfühligkeit und Verständnis passen zu keinem, aber besonders nicht zur Hauptfigur. Das sensible Thema wird überraschend unmodern abgehandelt. Ein bisschen zu schnell geht es im Laufe der Geschichte bei dem einen oder anderen mit dem Sinneswandel zu. Das wirkt nicht sehr realistisch. Nicht jeder Winkelzug ist gelungen. Die temporeicheren Szenen zum Ende dagegen überzeugen.

Das Cover verströmt Humor und macht neugierig auf die Geschichte. Ein Hinweis auf den Handlungsort hätte noch mehr Aufmerksamkeit erregt. „Erben wollen sie alle“ ist nicht so unterhaltsam wie erwartet. Die Sehnsucht nach Mallorca, Sonne, Strand, Meer und eine eigene Finca wird geweckt. Eine kurzweilige Urlaubslektüre. So manches Missverständnis regt vielleicht zum Nachdenken an und bereitet den Weg für mehr gegenseitiges Verständnis.

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