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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Bayrischer Krimikult

Bodenfrost
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‘Bodenfrost – Der Tod ist manchmal nicht die beste Lösung‘ ist bereits der zwölfte Teil einer Kriminalromanreihe mit Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner, seines Zeichens Leiter der Kripo Misbach und ...

‘Bodenfrost – Der Tod ist manchmal nicht die beste Lösung‘ ist bereits der zwölfte Teil einer Kriminalromanreihe mit Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner, seines Zeichens Leiter der Kripo Misbach und Polizeihauptmeister Leonardt Kreuthner, geschrieben von Andreas Föhr, erschienen im Knaur Verlag, ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knauer GmbH & Co. KG.
Während der stets korrekte KHK Wallner sich auch im Privaten führsorglich um seinen vierundneunzigjährigen Großvater Manfred kümmert, gerät der schräge, sich stets auf Abwegen bei der Ermittlungsarbeit befindliche PHM Kreuthner in Ungnade beim neuen Polizeipräsidenten. Als Wiedergutmachung muss er PR-Arbeit leisten und auf einem stillgelegten Bauernhof einen Kindernachmittag betreuen, bei dem Martha, die Tochter des Polizeipräsidenten, eine Leiche entdeckt. Wie sich in Folge herausstellt, handelt es sich dabei um den eher unbeliebten Chef einer örtlichen Brauerei, Vitus Zander. Auffällig an der Leiche ist eine Zeichnung, die einen Fisch mit einer Harpune darstellt und bereits vor Jahren bei einem ungeklärten Serienmord aufgetaucht war. Es stellt sich die Frage, ob ein Trittbrettfahrer mit diesem Symbol sich ins Rampenlicht rücken möchte oder ob der noch immer unbekannte Täter wieder sein Unwesen treibt.
Während die Spannung und damit der fesselnde Charakter bis zum Schluss der Geschichte erhalten bleibt, treibt ein spitzfindiger, bayrischer Humor das Lesevergnügen voran. Man steigt leicht ein in die Handlung, ohne vorherige Bände gelesen zu haben. Es besteht allerdings Suchtgefahr, diese im Anschluss auch lesen zu wollen.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Wege aus einer Lebenskrise

Crushing
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Ich mag Genevieve Novak in ihrer Art Geschichten zu erzählen sehr gern. Bereits mit ihrem Debütroman ‘No Hard Feelings‘ begeisterte sie mich in meiner Leselust. ‘Crushing‘, ihr aktueller Roman, erschienen ...

Ich mag Genevieve Novak in ihrer Art Geschichten zu erzählen sehr gern. Bereits mit ihrem Debütroman ‘No Hard Feelings‘ begeisterte sie mich in meiner Leselust. ‘Crushing‘, ihr aktueller Roman, erschienen beim Pola Verlag, ein Verlagsimprint aus dem Hause Bastei Lübbe, hat bei mir einmal mehr lebhaftes Interesse ausgelöst.
Wieder geht es um junge Frauen und ihr Lebenskonzept, um die Entwicklung ihrer ganz privaten Sicht auf ihre Lebensumstände, eine Reflexion ihrer Gedanken und Gefühle, um Chancen wahrzunehmen zur Steigerung des Selbstwertgefühls und gleichzeitig um das Finden und Ausfüllen des Platzes im Leben, der den Wohlfühlfaktor in den Mittelpunkt stellt.
Die Autorin überzeugt mich durch ihre witzige, unbekümmerte Art, aktuelle Themen wie die Möglichkeiten der Selbstliebe, Eigenwahrnehmung, positiver Umgang mit stark empfundener Einsamkeit, Nichtbeachtung, Zurückweisung, Co-Abhängigkeit und die schrittweise Entwicklung einer zukunftsorientierten, bewussten Gestaltung des eigenen Lebens für ein erfülltes Dasein, aufzugreifen, diese spannend und unterhaltend mit einer Portion Gesellschaftskritik zu verpacken. Sie lässt ihre achtundzwanzigjährige Protagonistin Marnie aus ihrer Krisenstimmung heraus erzählen, die sich seit Jahren immer wieder aus ihren gescheiterten Beziehungen heraus erklären lassen und deren Ursachen sie nicht zu erkennen vermag. Dabei scheint um sie herum, die Welt in Sachen gleichberechtigter Partnerschaft auch nicht unbedingt reibungslos zu funktionieren. Aber man arrangiert sich. Und nun fragt sie sich warum ihr dieses Kunststück nicht gelingt? Als sie den äußerst sympathischen, gutaussehenden Isaac auf einer Party kennenlernt, glaubt sie in freundschaftlicher Verbundenheit zu ihm, zumindest ihr Mitteilungsbedürfnis befriedigen zu können. Doch nichts ist wie es scheint, denn Isaac hat eine Freundin, die er nicht verschweigt. Sorgt er damit für Konfliktpotenzial?
Die Gegenwartsliteratur zeigt sich mit diesem Roman einmal mehr als Spiegel unserer Gesellschaft.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Verbindungen und Beziehungen

Weißes Licht
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Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die ...

Eric Puchner wählt den amerikanischen Bundesstaat Montana als landschaftlichen Background seines Romans ‘Weisses Licht‘. In dieser Abgeschiedenheit liegt das Ferienhaus von Charlies Eltern. Dort soll die Hochzeit mit seiner Freundin Cece stattfinden, die sich schon Wochen vorher um die Vorbereitungen des großen Festes kümmern will. Cece trifft hier auf Garrett, einen langjährigen Freund von Charlie. Die beiden Männer verbindet ein schrecklicher Vorfall aus vergangenen Zeiten.
Zwischen den drei Protagonisten entwickelt sich eine Beziehung, die nicht nur auf ihr eigenes Leben großen Einfluss nimmt, sondern auch entscheidende Auswirkungen auf die nachfolgende Generation, Lana und Jasper, nach sich ziehen.
Der Autor vermag es durch seinen epischen Schreibstil, den Leser in den Bann einer großartigen Geschichte zu ziehen, die Themen wie Liebe und Eifersucht anspricht, aber auch Vergebung von tiefer Schuld und Hoffnung. Seine klare Sprache angereichert mit tiefgreifenden Dialogen gibt den Erzählsträngen, gestaltet aus unterschiedlichen Sichtweisen der Hauptfiguren, eine faszinierende Perspektive, die schließlich zu einem schlüssigen Finale zusammengeführt werden. Begleitet wird die Geschichte neben großartigen Landschaftsbeschreibungen von den örtlichen Wetterphänomenen, die die drastischen Auswirkungen des Klimawandels, wie Gletscherschmelze, Austrocknung großer Seen und verheerende Waldbrände, zeigen.
In der Vielschichtigkeit dieser Geschichte werden auch Drogensucht und Demenz angesprochen, warmherzig und emotional zugleich verarbeitet, lebendig und authentisch dargestellt.
Mein beeindruckendes Leseerlebnis möchte ich sehr gern weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Belastende Familienverhältnisse

Das Flüstern der Marsch
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Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere ...

Katja Keweritsch präsentiert in ihrem Roman - Das Flüstern der Marsch -, erschienen im Verlag Hoffmann und Campe, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Einfühlsam und sehr bewegend lässt sie ihre Charaktere wachsen, verleiht ihnen immer mehr Tiefe und Lebendigkeit. Die Landschaftsbeschreibungen des Marschlandes in ihrer jahreszeitlichen Darstellung versetzen den Leser in eine ganz besondere atmosphärische Stimmung. Wechselnde Erzählstränge aus unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten aber auch aus verschiedenen zeitlichen Epochen beleben das Geschehen, bauen eine intensive Spannung auf und verleiten dazu, Zusammenhänge zu erkennen.
Der achtzigste Geburtstag von Karl Hansen soll in einem würdigen Rahmen gefeiert werden. Der ehemalige Bürgermeister will sich da nichts nachsagen lassen. Doch seit Tagen ist seine Frau Annemie spurlos verschwunden. Auch polizeiliche Ermittlungen bleiben erfolglos. Während die Familienmitglieder mehr oder weniger in Sorge um die Großmutter, Mutter und auch Schwiegermutter sind, bleibt Karl unberührt von dieser Situation, was natürlich Fragen aufwirft. Während Janne, die völlig überforderte Schwiegertochter und Mutter von drei Kleinkindern, versucht die Geburtstagsfeier so gut wie nur möglich vorzubereiten, begibt sich Mona, die Enkeltochter auf eine abenteuerliche Suche nach Indizien, die den Verbleib von Annemie erklären. Und schließlich spielt auch Freya eine nicht unwesentliche Rolle in dieser dramatischen Familiengeschichte, die gesellschaftskritische Verhaltensweisen genauer unter die Lupe nimmt.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Portrait innerer Zerrissenheit

Liebesrausch
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In dem Roman ‘Liebesrausch‘ von Charlotte von Feyerabend folgen wir einer Frau, die sich ihr ganzes Leben lang nach Liebe und Geborgenheit sehnt und gleichzeitig den anregenden Austausch als Schriftstellerin ...

In dem Roman ‘Liebesrausch‘ von Charlotte von Feyerabend folgen wir einer Frau, die sich ihr ganzes Leben lang nach Liebe und Geborgenheit sehnt und gleichzeitig den anregenden Austausch als Schriftstellerin mit Gleichgesinnten sucht. Wir tauchen ein in das spannungsreiche Leben von Paris der dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, das geprägt ist durch die emotionale Befreiung aus dem strengen Korsett gesellschaftlicher Zwänge, dem Drang nach femininer Selbstbestimmung, dem Wunsch nach Selbstverwirklichung durch Selbsterkenntnis, dem Loslassen der Alltagssorgen auf ausgelassenen Feiern aber auch durch eine sich bedrohlich zuspitzende Politik mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten.
Die Autorin stellt Anaïs Nin in den Mittelpunkt einer aufregenden, intensiven, fesselnden Geschichte. Als Gattin eines Bankers versteht sie es zu repräsentieren, sich in Gesellschaften als intelligente, unterhaltsame Ehefrau zu präsentieren. Doch erst als sie auf den animalischen, derben Henry Miller trifft, mit dem sie eine leidenschaftliche Liebesbeziehung eingeht, erfüllen sich ihre Sehnsüchte nach wertschöpfendem Austausch zu schriftstellerischen Fragen. Sie stürzt sich in eine Affäre nach der anderem, um sich geliebt zu fühlen, den Verlust aus einsamen Kindertagen zu kompensieren. Zeit ihres Lebens schreibt Anaïs Tagebuch, dem sie ehrlich und schonungslos ihre Gefühle anvertraut, das offenbart in welcher Zerrissenheit sich ihr mentaler Zustand befand. Schließlich sieht sie in der Psychoanalyse, der sie sich intensiv widmet, eine Chance der Selbstreflexion.
Charlotte von Feyerabend versteht es vortrefflich, sprachlich gewandt, den Zwiespalt eines lebenslang suchenden Charakters in eine fesselnde Geschichte zu fassen. Dabei setzt sie sich mit moralischen Überzeugungen auseinander, ohne wertend einzugreifen.

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