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Veröffentlicht am 09.05.2026

Trügerische Illusion

Léon und die Frau im blauen Kleid
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Léon de Cavallier entstammt einem alten französischen Adelsgeschlecht, welches seit vielen Generationen an der Code d`Azur ansässig ist. Der enorme Reichtum seiner Familie, die in Valbonne ein ansehnliches ...

Léon de Cavallier entstammt einem alten französischen Adelsgeschlecht, welches seit vielen Generationen an der Code d`Azur ansässig ist. Der enorme Reichtum seiner Familie, die in Valbonne ein ansehnliches Chateau bewohnt in Mitten eines großzügigen Anwesens, könnte vermuten lassen, dass der junge äußerst attraktive und gepflegte Mann sich mit seinen neununddreißig Jahren ein genussvolles Leben gönnt, das einzig die Reize finanzieller Unbeschwertheit auskostet. Doch Léon steht in den Diensten des Staates Frankreich als Commissaire de Cavallier – Director de la Brigade. Er liebt es nach eigener Aussage, Rätsel zu lösen und begibt sich auf der Jagd nach kriminellen Verbrechern auch in persönliche Bedrängnis.
Nachdem sein langjähriger Kollege in den verdienten Ruhestand geht, bekommt Léon eine Kollegin aus Paris zugeteilt, mit der er sich einen bühnenreifen Schlagabtausch liefert. Sein nach außen gekehrtes, snobistisches Wesen ist in der Region bekannt, wovon sich Nadia Bentaleb allerdings nicht abschrecken lässt, ganz im Gegenteil. Als mitten in der High Saison die Leiche einer jungen Frau am Stand eines Nobelhotels angespült wird, beginnt für beide eine herausfordernde Zeit, im Kreise der Schönen und Reichen ihre Ermittlungsarbeit zu erledigen.
Alexander Oetker präsentiert im ersten Teil einer Fortsetzungsreihe mit dem Titel ‘Léon und die Frau im blauen Kleid‘ sehr eigenwillige, äußerst interessante Charaktere, die in einer wendungsreichen Geschichte die trügerische Illusion vermeintlicher Liebe in Zusammenhang mit Machenschaften tiefer menschlicher Abgründe in Szene setzt. Die wunderschönen Beschreibungen pittoresker Landschaften und Stadtbilder stehen dabei gekonnt im krassen Gegensatz zu Eitelkeit und Machtgehabe. Ein dramatischer Abschluss mit persönlichen Einblicken in die Vergangenheit der Protagonisten hält die Spannung auf Folgendes sehr hoch und erhöht die Vorfreude auf den im Frühjahr 2027 erscheinenden zweiten Teil um das Ermittlerduo de Cavallier und Bentaleb.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Entscheidungen und ihre Einflüsse

Die Namen
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Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten ...

Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten und seiner Familie, seiner Mitmenschen über einen Zeitraum von fünfunddreißig Jahre hinweg in zeitlichen Sprüngen von sieben Jahren verfolgen und das Ganze in drei sich grundsätzlich voneinander unterscheidenden Erzählsträngen.
Ausgangspunkt der Geschichte sind die Überlegungen der Mutter Cora, die sich mit ihrer neunjährigen Tochter Maia zur amtlichen Stelle begibt, um den Namen des Sohnes festzulegen und eintragen zu lassen. Für den Vater Gordon steht fest, dass entsprechend der Familientradition sein Name und der seiner Väter und Großväter weitergegeben wird. Cora hingegen wünscht sich einen Julian und Maia schwärmt von einem Bear. Was nun im Folgenden passiert, als Gordon davon erfährt, wie seinem Wunsch in zwei von drei Fällen nicht entsprochen wurde, ist eine äußerst spannende Reise in die Darstellung von Persönlichkeitsentwicklungen in Abhängigkeit von getroffenen Entscheidungen zur Namensgebung. Der gewaltbereite Ehemann wird zur unausstehlichen Bestie.
Emotional bewegend mit einer intensiven Auseinandersetzung menschlicher Verhaltensweisen gestaltet die Schriftstellerin ihren Roman. Zwischen den zeitlichen Verläufen braucht es ein konzentriertes Lesen, um die Zuordnung gedanklich richtig einzuordnen. Lebensnahe, lebendige Charaktere und ein moderner Sprachstil begeistern, erzeugen ein anregendes Lesevergnügen mit nachdenklichen Momenten.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Schöpferische Einsamkeit

Lass den Tag nicht vorübergehen
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Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit ...

Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit verdienen. Dabei lernt er einen überaus begüterten Mann kennen, der durch seine Kontakte und seinem Wohlwollen gegenüber der Kunst, die Theodor in steigender Perfektion schafft, ihm einem Weg in die Bekanntheit und damit finanziellen Erfolg ebnet. Doch Theodor bleibt bescheiden, kümmert sich aufopferungsvoll um einen alten, einsamen Mann und lebt für seine Kunst, scheu gegenüber fremden Kontaktversuchen.
Frank Wilmes stellt in seinem Roman ‘Lass den Tag nicht vorübergehen‘ einen weltfremden, dem Leben eher abgewandten Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Seine Werke entstehen nach einer inneren Inspiration und werden in ekstatischem Wirken geschaffen, fernab von Zeit und Raum. So habe ich auch den Schreibstil empfunden, eher distanziert, reduziert, sachlich. Der Mensch als Künstler, der in seiner Fantasie lebt und sich genügt, durch seine Bilder die notwendige Lebensenergie schöpft.


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Veröffentlicht am 03.05.2026

Dramatische Herausforderungen

Die Dinner Party
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Franca, die Protagonistin in Viola van de Sandts Roman ‘Die Dinner Party‘, ist eine junge Frau, die bereits mit zwölf Jahren nach dem Tod ihres Vaters, der stets ihre einzige Bezugsperson war, den Halt ...

Franca, die Protagonistin in Viola van de Sandts Roman ‘Die Dinner Party‘, ist eine junge Frau, die bereits mit zwölf Jahren nach dem Tod ihres Vaters, der stets ihre einzige Bezugsperson war, den Halt unter den Füßen verliert. Das Schwiegen der Mutter führt sie in eine Isolation, die sie erst während ihres Studiums in Utrecht teilweise überwinden kann, als sie Harry kennenlernt. Ihre Beziehung bleibt allerdings nicht unbelastet. Als sie sich viele Jahre später in England bei einer kleinen Dinner Party im Haus ihres Verlobten wieder treffen, kommt es zu dramatischen Auseinandersetzungen.
Die Schriftstellerin gibt uns einen Einblick in das Seelenleben von Franca, die ihre traumatischen Erlebnisse mit Hilfe einer Psychologin versucht aufzuarbeiten. Dabei gewährt sie uns Einsichten in die Vergangenheit, die sie mit der Verarbeitung in der Gegenwart koppelt. Die Geschichte entwickelt sich langsam und spitzt sich immer weiter zu. Themen wie häusliche Gewalt, Trauer, Entfremdung, Isolation aber auch Alkoholsucht und Depression sind starke Trigger, die ihre Wirkung auf den Leser durch die schonungslose Offenheit haben können.
Ein Romandebüt, das herausfordert in seiner Intensität der Handlung.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Klassiker im neunen farbenfrohen Gewand

Stolz und Vorurteil – die Graphic Novel nach Jane Austen
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Es hat schon sehr besonders einen Klassiker aus dem achtzehnten Jahrhundert mit Hilfe einer Graphic Novel zu neuem Leben zu erwecken und die Geschichte damit einer anderer, in der Regel jüngeren Leserschaft ...

Es hat schon sehr besonders einen Klassiker aus dem achtzehnten Jahrhundert mit Hilfe einer Graphic Novel zu neuem Leben zu erwecken und die Geschichte damit einer anderer, in der Regel jüngeren Leserschaft zugänglich zu machen. Ich habe den Roman ‘Stolz und Vorurteil‘ von Jane Austen vor vielen Jahren gelesen und mir auch die Verfilmungen angeschaut. Für mich ist die Schriftstellerin ausdrucksstark und sehr detailliert in der Darstellung ihrer Charaktere. Das bringt eine besondere Tiefe in ihre Geschichten, die den unterhaltenden Wert unterstreichen.
In der Graphic Novel von Anna Opel und Elias Linnekuhl zeigt sich einmal mehr, dass das Geschehen sehr gut in wunderschönen Grafiken und akzentuierten Sprechblasen wiedergegeben werden kann. Das Leben einer englischen Landadelsfamilie, deren Nachwuchs ausschließlich aus Töchtern besteht, die nicht erbberechtigt sind, ist im Besonderen durch den innigen Wunsch der Mutter geprägt, diese jungen Frauen gut und reich zu verheiraten. Jeder Junggeselle, der in der Nähe ihres Landsitzes wohnt oder vorübergehend sein Domizil dort aufgeschlagen hat, wird sehr genau unter die Lupe genommen und als potenzieller Heiratskandidat bestimmt. Doch Elisabeth, genannt Lizzy, kann sich zunächst überhaupt nicht damit anfreunden, den Werbungen dieses stolzen, sehr wohlhabenden Mr. Darcy Gehör zu schenken und sorgt damit für einige Verwirrung.

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