Ein ganz besonderes Kleinod
Das GartenzimmerAndreas Schäfer erzählt über das Leben im und mit dem Haus, der Villa Rosen. Max Taubert entwirft für Adam und Elsa Rosen 1909 ihr Landhaus im neoklassizistischen Stil. Elsa macht dieses Haus zu einem ...
Andreas Schäfer erzählt über das Leben im und mit dem Haus, der Villa Rosen. Max Taubert entwirft für Adam und Elsa Rosen 1909 ihr Landhaus im neoklassizistischen Stil. Elsa macht dieses Haus zu einem Künstlertreffpunkt, sie ist strahlender Mittelpunkt und Max gern gesehener Gast. Jedoch bleibt das nicht so. Die Nationalsozialisten schätzen die abgeschiedene, nicht einsehbare Lage und nisten sich ein und das Gartenzimmer wird Schauplatz ihrer unsäglichen, ihrer menschenverachtenden Experimente.
Im Wechsel begleitet der Leser das Ehepaar Rosen, den später zu Weltruhm gelangten Architekten Max Taubert sowie Frieder und Hannah Lekebusch, die das Haus Mitte der neunziger Jahre erwerben. Mit großem Aufwand lassen sie den Originalzustand wieder herstellen, sie werden regelrecht in den Bann des Hauses gezogen, vor allen Dingen Hannah macht es zu einem Stelldichein von Künstlern, Journalisten und Taubert-Fans. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Denn wenn ich in ein Haus gehe, das muffig riecht, total verbaut ist, renne ich entweder sofort hinaus, weg von dem alten Gebäude. Oder ich komme ins Schwärmen, stelle mir die Glanzzeit dieses Hauses vor. Die ursprünglichen Bewohner, deren Leben. So muss es wohl gewesen sein.
Was hat dieses Haus an sich? Alles in dem Haus war neu und dennoch: Die ersten Bewohner waren körperlich zu spüren (Hannah). Irgendwann wollte sie nicht mehr alleine sein in diesem Haus. „…Das Böse war in diese Wände gezogen und ist nie wieder gegangen.“
Ein leises Buch, ein kluges Buch. Ganz schnell war ich gefangen in der Erzählkunst, war dem Haus und dem Schicksal derer, die darin wohnten, erlegen. Der Autor versteht es, den Leser zu unterhalten und gleichzeitig die schönen Momente, aber auch die schrecklichen Vorkommnisse so zu vermitteln, dass man sich mittendrin im Geschehen befindet. Auch als Leser möchte man das Haus mitsamt dem Gartenzimmer nicht mehr betreten, man hat Respekt vor dem Haus und deren jeweiligen Bewohnern.
Kann man dem Charme eines Hauses erliegen? Einfach nicht los kommen, sich nicht lösen können? Mich hat „Das Gartenzimmer“ nicht mehr losgelassen, bin seinem Flair erlegen. Ich musste einfach weiterkommen, weiterlesen. Musste das Leben der Bewohner gebannt mitverfolgen.
Ich würde das Buch immer wieder lesen und kann nur sagen: diese wundervolle, wunderschöne, zu Herzen gehende, aber auch tieftraurige Geschichte muss einfach gelesen werden.