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Veröffentlicht am 15.04.2025

Brutal und unerbittlich

Narbensommer #Thriller
4

Der zweite Davids- und Martin-Thriller ist nichts für Zartbesaitete, soviel gleich mal vorweg. Marc Davids und Zoé Martin haben es mit einer Bestie zu tun, denn die Opfer weisen nicht nur Bisswunden auf, ...

Der zweite Davids- und Martin-Thriller ist nichts für Zartbesaitete, soviel gleich mal vorweg. Marc Davids und Zoé Martin haben es mit einer Bestie zu tun, denn die Opfer weisen nicht nur Bisswunden auf, die von einem Wolf stammen könnten, sie sind daneben auch dermaßen schlimm zugerichtet, dass man sich beim Lesen direkt die Augen zuhalten möchte.

Alles beginnt vor zwanzig Jahren. Nach der Abi-Feier wird Michelle H. auf dem Heimweg überfallen und getötet, sie weist Bisswunden auf, die allem Anschein nach von einem Wolf stammen könnten.

Und nun, zwanzig Jahre danach, geht es wieder los. Die 23jährige Altea Mema, eine albanische Staatsbürgerin, wird tot aufgefunden. Sie wurde bestialisch ermordet, ihre Leiche dürfte schon sechs bis sieben Tage hier liegen. Der alte Lagerkomplex gehört den Albanern, er dient als Umschlageplatz für Kokain und dergleichen. Es folgen weitere Morde, allesamt waren sie Prostituierte, sie weisen Bisswunden auf und zudem wurden sie regelrecht ausgeweidet.

Das AS9 folgt einer Fährte aus Blut und Tod im Frankfurter Rotlichtmilieu, Marc und Zoé arbeiten mit der Abteilung Bandenkriminalität zusammen. Zum Team gehören Ayman Elmalah und die IT-Spezialistin Nicole Unger, unterstützt werden sie hier von dem Kriminaloberkommissar Bernd Konstantin, der sich mit Marc so manchen Schlagabtausch liefert. Die beiden scheinen so gar nicht miteinander auszukommen, bei ihren schon hart ausgeführten Dialogen musste ich so manches Mal schmunzeln, wenngleich ich dann wieder ziemlich erbost über diesen Konstantin war. Gerade diese halbprivaten Einschübe sind es, die das knallharte Prozedere um die Mordaufklärung und die gnadenlosen Machtkämpfe zwischen der albanischen Mafia und einer Rockergruppierung ein wenig auflockern.

Wie schon im ersten Buch um die beiden Ermittler spielt auch hier Social Media eine Rolle, was unserer realen Welt schon sehr nahe kommt. Hier kommt Leon ins Spiel, der während eines Video-Drehs für eine Band seine Drohne über das weitläufige Hafengelände kreisen lässt und dabei so manche Szene festhält, die für Marc und Zoés Arbeit von Bedeutung sein könnte.

Auch der zweite Davids- und Martin-Thriller hat mich ziemlich geschockt, ich war gefühlt direkt dabei, die detaillierte Beschreibung der Opfer hat mir schon einiges abverlangt, auch ging es hochexplosiv zur Sache, was mir dann doch etwas zu viel an Dramatik war. Nichtsdestotrotz empfehle ich jedem Thriller-Fan diesen „Narbensommer“ und nun bin ich auf Band drei gespannt, denn auch das nächste Buch von Chris Dominik will ich mir nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Astro-Business

Stars
1

Am Anfang war ein Stein. Ein Pflasterstein, der durch Carlas Fenster flog. Und viele Dollars, in einem müffeligen Karton. Sowohl Stein als auch Geld geben Rätsel auf, beides verwahrt sie erst mal sicher. ...

Am Anfang war ein Stein. Ein Pflasterstein, der durch Carlas Fenster flog. Und viele Dollars, in einem müffeligen Karton. Sowohl Stein als auch Geld geben Rätsel auf, beides verwahrt sie erst mal sicher.

Katja Kullmann, die Autorin von „Stars“, glaubt nicht an die Sterne, wie sie verrät - und ihre Heldin glaubt auch nicht daran. Carla Mittmann, eine ehemalige Philosophiestudentin, verdient ihre Brötchen als Sachbearbeiterin in einer Möbelfirma. Von ihren einstigen Plänen und ihrem Forschungsprojekt „Der Aberglaube im Spätkapitalismus“ ist nichts geblieben, zumindest hat explizit sie davon nicht profitiert und das, obwohl das Geschäft mit der Astrologie boomt. Man wird täglich damit konfrontiert und wie es das Schicksal so will – oder sind es die Sterne, die ihren weiteren Weg befördern?- ist Carla plötzlich mittendrin in diesem Metier. Ihre Horoskop-Website ist der Anfang ihrer Erfolgsgeschichte, sie steigt groß ein ins Astro-Business.

Obwohl auch ich nicht an die Sterne glaube, ich früher mal diese Zeitungshoroskope gelesen und dann gleich wieder vergessen habe, war ich auf diese „Stars“ dann doch neugierig, „der ultimative Hochstaplerinnenroman“ hat mich direkt angezogen.

In den 1970er Jahren war es Madame Teissier und ihre Astro-Show, die die Astrologie in die Wohnzimmer brachte und nun ist dies Carla Mittmann, die sich vor Aufträgen kaum retten kann.

Carlas Geschichte lese ich mit einem Augenzwinkern, ihr schier kometenhafter Aufstieg wird launig erzählt, so manch Konkurrenz entlarvt sich durch plumpe Plagiate selber, Zeitschriften, VHS-Kurse, Funk und Fernsehen springen auf den lukrativen Zug der Astrologie auf, Zulauf bekommen sie aus allen gesellschaftlichen Schichten und dafür wird so manch erkleckliches Sümmchen hingelegt. Wollen wir nicht alle dem Schicksal ein wenig in die Karten schauen und von dem vermeintlich schicksalhaften Einfluss der Gestirne auf uns Menschen nur das Positive glauben? Und sind diese Voraussagen auch und gerade in Lebenskrisen ein Stück weit tröstlich?

Alles steht in den Sternen – diese Aussage lässt sich beliebig interpretieren. Ich lass das mal, Carla, die Astrophilosophin, kann das viel besser. In diesem Sinne wünsche ich viel Freude mit diesem unterhaltsamen Roman.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

CHER – außergewöhnlich, in jeder Beziehung

CHER. Die Autobiografie, Teil eins
1

CHER - was für ein außergewöhnliches Buch, was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Schon immer hat sie mich mit ihrer charakteristischen Alt-Stimme fasziniert. In Teil eins ihrer Autobiographie erzählt ...

CHER - was für ein außergewöhnliches Buch, was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Schon immer hat sie mich mit ihrer charakteristischen Alt-Stimme fasziniert. In Teil eins ihrer Autobiographie erzählt sie von ihrer Kindheit, von ihrer Familie und später dann von Sonny, von ihrem Weg hin zur Weltkarriere. Dieser erste Band reicht bis ins Jahr 1981.

Mit ihrer Großmutter Lynda, 1926 geboren, die schon mit dreizehn Jahren Mutter wurde, beginnt sie ihre Erzählung, es war die Zeit der Großen Depression. „Sucht ist ein großes Thema in meiner Familie und hat immer wieder Leid gebracht.“ Von Großvaters Trunksucht und seinem unsoliden Lebenswandel ist zu lesen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, ist erschreckend offen. Und das nicht nur bei ihren Vorfahren, auch bei sich selber ist sie schonungslos ehrlich.

Ihre Mutter Georgia war Sängerin und Schauspielerin. Sie sah umwerfend aus, was Fotos, die im Buch zu finden sind, hinlänglich beweisen. Sie war mehrmals verheiratet, für sie gab es „nur Extreme. Sekt oder Selters.“ Ihr ganzes Leben war ein Auf und Ab, sie umgab sich mit schillernden Künstlern und ihre Kinder waren mittendrin, wechselnde „Väter“ waren für Cher nichts Ungewöhnliches. So lernte sie schon früh, sich in dieser Welt zu bewegen.

Und dann kam Sonny. Zunächst war sie Backgroundsängerin, sie beschreibt den Weg hin zu Sonny & Cher mit vielen Hochs und nicht gerade wenigen Tiefs. Ganz abgesehen von ihrer signifikanten Stimme ist es ihr unverwechselbarer Stil, der sich auch in ihrer Kleidung zeigt.

Das Buch lebt von den vielen Anekdoten, an die sie sich erinnert, die sie sehr unterhaltsam, mit Witz und Charme und einer Prise Selbstironie zu Besten gibt. Sie kennt sie alle, die Größen ihrer Zeit, seien es die Rolling Stones in ihren Anfängen, Tina Turner, Elton John und wie sie alle heißen. Sie bewegt sich in dieser glamourösen Glitzerwelt, aber immer gibt Sonny die Richtung vor. Er ist es, der ihre Finanzen verwaltet, der sie nicht nur einmal an den finanziellen Abgrund bringt und später dann, als die Ehe zerbricht, muss Cher feststellen, dass er sehr eigennützig agiert hat. Mit sechzehn hat sie ihn getroffen, sie gibt einen ungeschönten Einblick in ihre Beziehung, die leicht und wunderbar war, die aber auch ihre dunklen Seiten offenbart.

Cher ist ein Mulittalent, eine faszinierende Frau, deren facettenreicher Blick zurück bestens unterhält. Sie war dafür bekannt, sich und ihre Musik kontinuierlich neu zu erfinden - the Goodess of Pop, die Göttin der Popmusik.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Amore, amore...

Lieber solo als allein
1

Gabriele fährt mit dem Zug nach Perugia, als sie mit einer jungen Globetrotterin ins Gespräch kommt. Zur Hochzeit ihrer Enkelin Leonie sei sie unterwegs, erzählt sie der netten jungen Frau, als diese meint, ...

Gabriele fährt mit dem Zug nach Perugia, als sie mit einer jungen Globetrotterin ins Gespräch kommt. Zur Hochzeit ihrer Enkelin Leonie sei sie unterwegs, erzählt sie der netten jungen Frau, als diese meint, doch „lieber solo als allein“ zu sein, denn ihr Ex-Freund war eher mit sich selbst als mit ihr beschäftigt. Eine so wahre Aussage, denn oft merkt man gar nicht, wie man den Partner vernachlässigt.

Nun gut, auch Leonies Eltern Katrin und Oliver können ein Lied davon singen. Sie sind zwar noch verheiratet, aber schon ne ganze Weile getrennt. Mit Katrin, der Karrierefrau, konnte Oliver nicht mithalten. Dass sie zusammen im Flieger sitzen, war zwar nicht geplant, aber nun ist es nicht mehr zu ändern. Spätestens bei der Hochzeit wären sie sowieso aufeinandergetroffen.

Im Hotel von Lucas Eltern steht alles im Zeichen der bevorstehenden Hochzeit von Leonie und Luca. Oma Gabriele wartet schon, dass sie am Busbahnhof abgeholt wird, auch Katrin und Oliver werden bald erwartet – der ganz normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Es lässt sich gut an, alle Familienmitglieder einschließlich der Schwester von Luca trudeln so nach und nach ein und natürlich wird ausgiebig gefeiert, gespeist, sich kennengelernt. Ich wähne mich direkt unter ihnen, das italienische Lebensgefühl kommt gut durch. Auch die Landschaft, die Region Umbrien und der Charme der mittelalterlichen Stadt Perugia sind treffend beschrieben wie etwa auch die hügelige Gegend mitsamt den Olivenplantagen, den Wäldern, ein Abstecher nach Assisi darf dabei nicht fehlen.

Was war noch? Ach ja – Amore mit all seinen Unwägbarkeiten. Es ist gefühlt alles dabei von Liebe, Eifersucht, Frust und Seitensprung, vieles davon eher eingebildet, anderes wiederum entspricht zumindest ansatzweise der Realität, es ist schlichtweg verwirrend. Es geht rund, die Gefühle spielen Achterbahn.

Es ist ein unterhaltsamer, netter, aber zunehmend vorhersehbarer Wohlfühlroman vor herrlicher Kulisse, der sich zuweilen in Klischees verliert, aber dennoch mit Witz und Charme dargeboten wird.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Atemlose Spannung, Action pur

Last Line of Defense, Band 3 - Der Crash
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„Der Crash“ ist der finale dritte Band von Andreas Grubers Action-Thriller-Reihe „Last Line of Defence“. Und wieder war es Action pur, ich habe auch dieses Buch geradezu verschlungen.

Und nun heißt es ...

„Der Crash“ ist der finale dritte Band von Andreas Grubers Action-Thriller-Reihe „Last Line of Defence“. Und wieder war es Action pur, ich habe auch dieses Buch geradezu verschlungen.

Und nun heißt es Abschied nehmen von Jaden D. Knoxville, Erik Tuomi und Lenny Zarakis. Sie sind das Team Omega, sie sind die letzte Verteidigungslinie, eine streng geheime Organisation der britischen Regierung und sie sind immer dann zur Stelle, wenn alle anderen versagen. Dementsprechend hart und anspruchsvoll war ihre Ausbildung, nicht einmal der MI6 weiß von ihnen. Was natürlich zur Folge hat, dass immer dann, wenn ein Auftrag dank ihnen erfolgreich abgeschlossen ist, andere, nach außen hin bekannte Dienste, die Lorbeeren einheimsen.

Schon der Prolog endet besorgniserregend – was wird mich erwarten? Die Story ist in fünf Teile gegliedert, der erste davon geht 24 Stunden zurück an Bord des britischen Schlachtschiffes HMS Apokalypse. Jaden, Erik und Lenny werden undercover eingeschleust und bald schon wird es ziemlich ungemütlich. Finstere Gestalten treiben ihr Unwesen, die Crew wird angegriffen, die Terrororganisation MOEBIUS fackelt nicht lange, sie planen einen Anschlag auf den britischen Premierminister und nicht nur ihn wollen sie töten, auch die Last Line of Defence sollte endgültig ausgelöscht werden. Lenny bekommt es gleich mal mit Helios sieben zu tun, er bekommt den Auftrag „Eliminiere Groß O“ – wer auch immer das sein soll.

Dieser „Crash“ steht seinen beiden Vorgängerbänden in nichts nach. Gut, man kann mit diesem dritten Band starten, so man die Vorgeschichte der drei Hauptakteure nicht unbedingt im Detail wissen will. Denn jeder Fall, jeder Auftrag, ist in sich abgeschlossen. Im Laufe der Story flicht Andreas Gruber immer wieder einiges von den dreien ein, so kann man sich schon auch ein gutes Bild von ihnen machen. Allerdings würde ich jedem empfehlen, die Trilogie in ihrer Gänze zu lesen, denn man wird mit Spannung und actionreichen Szenen belohnt, es gibt keine Längen, das junge Team Omega ist abgehärtet, es ist zäh und ausdauernd, was auch ihrer gnadenlos harten Ausbildung geschuldet ist. Sie sind die Besten, schon bei der Teambildung waren die Auswahlkriterien extrem. Sie sind gewitzt, sie sind intelligent, sie sind tolle Typen und sie wissen genau, was sie tun. Ich könnte noch ewig fortfahren, noch mehr von ihnen schwärmen, aber ich lass das mal. Sie haben mir wiederum aufregende, abenteuerliche und auch dramatische Lesestunden bereitet, ich habe jede einzelne Minute davon genossen.

„Last Linde of Defence“ ist eine Jugendbuch-Reihe, die nicht nur Jugendliche verschlingen werden. Was ich mit Fug und Recht behaupten kann. Wer atemlose Spannung und Action pur sucht, ist hier genau richtig. Und nun bin ich gespannt, was Andreas Gruber - neben seiner Maarten S. Sneijder-Reihe – als nächstes zu bieten hat.

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