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Veröffentlicht am 30.03.2026

Eine Spurensuche

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der ...

Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der Familie über ihn und sein Leben eher geschwiegen denn gesprochen wurde. Dass er Mitglied der Gestapo und während des Zweiten Weltkriegs im polnischen Radom stationiert war, ist ihr bekannt, also begibt sie sich auf dessen Spuren, fährt in diese polnische Stadt, quartiert sich dort ein.

„In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.“

Aber - wie sollte das gelingen? Ein schier unmögliches Unterfangen, über einen zu schreiben, dem man selber nie begegnet ist. Von der verräterischen Tätowierung auf seinem linken Arm etwa weiß ihre Mutter zu berichten. Es sind spärliche Infos, die lediglich erkennen lassen, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Judith aber will mehr, in Radom liest sie Mitscherlich, liest von der wechselvollen Geschichte dieser Stadt und ja, sie findet ein Foto ihres Großvaters, der auf einem Motorrad der SS sitzt. Und sie lässt wissen, dass sie ihn in keinster Weise lieb hat, ihn eher feindselig bei sich trägt.

Irgendwann dann reist sie weiter über Krakau und Wien zu ihrer Schwester nach Napoli. Diese Tage muten direkt sonnendurchflutet an, fern der Schwere Radoms.

Es ist ein leises Buch, eine Geschichte über das Schweigen einer Familie. Eine Familie, wie es sie unendlich viele gibt. Sollte man dem Vergangenen nachspüren? Um damit abschließen zu können? Dabei sollte man bedenken, dass Leerstellen bleiben, anderes wäre gar nicht möglich.

Es ist Judith Hermanns Buch, sehr persönlich, vielleicht zu persönlich. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen – aber was hab ich mitgenommen? Diese Frage drängt sich mir unweigerlich auf, zumal ich über den Zweiten Weltkrieg, über die Nationalsozialisten, über die Täter und auch über die Mitläufer und über sie alle, die irgendwie dazwischen waren, viel gelesen habe und noch immer sehr viel darüber wissen möchte. Es ist ein nicht alltäglicher Blickwinkel auf eine Zeit, die nie vergessen werden darf, eine fast private Spurensuche.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zwischen Fiktion und Realität

Doppelspiel
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Die Spieleröffnung hat es gleich mal in sich. Nic Castillo befindet sich inmitten der Trauergäste. Schuldgefühle plagen ihn, da er den Visbybomber, der vor drei Wochen ein Massaker angerichtet hat, nicht ...

Die Spieleröffnung hat es gleich mal in sich. Nic Castillo befindet sich inmitten der Trauergäste. Schuldgefühle plagen ihn, da er den Visbybomber, der vor drei Wochen ein Massaker angerichtet hat, nicht hatte aufhalten können. Schlimm geht es weiter, ein Pfarrer tritt auf und da - Big Bang Blues ist im Kasten.

Meine Nerven! Dieses Szenario geht ganz schön an die Nieren. Bis ich dann begreife, was diese ersten Seiten mir sagen wollen, bin ich schon mittendrin im Geschehen, bin in Stockholm am 6. Juni, den Nationalfeiertag, bin unterwegs mit dem Krimiautor Tom Borg, dem trotz des einschlagenden Erfolges seines vorherigen Krimis partout nichts einfallen mag. Die Story will sich nach dem ersten Kapitel nicht weiter entwickeln, also streift er durch Stockholm, sucht in diversen Lokalitäten nach Inspiration. Und da – geschieht ein Mord, der ihn auf beängstigende Weise an seinen gerade angefangenen Krimi erinnert. Mehr noch, alles scheint sich zu verselbständigen, er ist mittendrin in einem tödlichen Spiel, dem er zu entrinnen sucht. Ein Wettlauf gegen einen unbekannten Gegner beginnt, ein gar unwirkliches Szenario nimmt seinen Lauf…

…in dem Tom als Verdächtiger durch Stockholms Straßen gejagt wird. Da er seine Unschuld nicht beweisen kann, ist er die ganze Zeit über auf der Flucht, was mir zuweilen so einiges an Kopfschütteln abverlangt. Die Handlung ist rasant und durchgehend spannend, das schon, logisch jedoch ist sie nicht unbedingt. Genau so die Charaktere, angefangen von dem schon erwähnten Tom, der zuweilen irrwitzige Entscheidungen trifft oder die Polizistin Olivia, der ich in ihrer rambomäßigen Art so gar nichts abgewinnen kann. Die geheimnisvolle Ronda und auch der gewitzte Lennart mischen neben so etlichen, sehr individuellen Gestalten, auch kräftig mit, so ziemlich alle Figuren sind sehr speziell, um es mal zurückhaltend auszudrücken.

Die Handlung beginnt mit „I. Spieleröffnung“ und endet ein Jahr später, ebenfalls am Nationalfeiertag, mit „X. Die Veröffentlichung“. Dazwischen spielt sich ein gar irrwitziges Szenario um die Schreibblockade des Krimiautors ab.

DOPPELSPIEL ist nicht mein erstes Buch von Arne Dahl, jedoch habe ich ihn und seinen Schreibstil anders in Erinnerung. Mag es am Zusammenspiel mit Jonas Moström liegen, dass hier so einiges nicht passen will? Moström kann ich nicht beurteilen, auch weiß ich um die Arbeitsteilung der beiden Autoren nichts, so ganz gelungen scheint es aber nicht zu sein, da sich so manche Passagen wie einzelne Versatzstücke lesen, die sich nicht vermengen wollen. Der Klimawandel etwa ist Thema, der sich allerdings so gar nicht ins Geschehen einfügen mag. Das Schachspiel und die Tattoos drumherum ranken sich durchs Buch, auch dieses Element finde ich weit hergeholt, das hätte man sehr viel eleganter in die Story einbauen können. So einige – ich nenn sie mal Flüchtigkeitsfehler – hätten vermieden werden können, wenn auf das Vorherige besser eingegangen, darauf aufgebaut und als homogenes Ganzes präsentiert worden wäre. Schade drum, das Buch hat mich schon unterhalten, durch diese Unstimmigkeiten jedoch geht so einiges verloren. „DOPPELSPIEL ist Band 1 der neuen Spannungs-Trilogie des Bestseller-Duos aus Schweden.“ Ob mich die nächsten beiden Bände reizen? Ich weiß es noch nicht, werde dann spontan entscheiden.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Vom Schweigen und Vertuschen, von Gräueltaten und alten Seilschaften

Wo der Wind die Namen trägt
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Gerne greife ich zu Anja Jonuleits Büchern, jedes einzelne kann ich wärmsten empfehlen. Wobei ich sie nicht alle gelesen habe. Noch nicht. Gerade habe ich ihren neuesten Roman „Wo der Wind die Namen trägt“ ...

Gerne greife ich zu Anja Jonuleits Büchern, jedes einzelne kann ich wärmsten empfehlen. Wobei ich sie nicht alle gelesen habe. Noch nicht. Gerade habe ich ihren neuesten Roman „Wo der Wind die Namen trägt“ zugeklappt, er erzählt in zwei Zeitebenen von Inge. Von der 8jährigen, dem Kind Inge und von der 85jährigen Inge Sundermann. Es ist das Jahr 1946, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und dann ist es das Jahr 2023, als sie eine Einladung zum Klassentreffen erhält.

Sie zögert, will an diese Zeit in der Lüneburger Heide nicht erinnert werden und nun, da ich den Roman gelesen habe, kann ich sie gut verstehen. Die Idylle dieser Landschaft ist schon auch beschrieben, man möchte sich direkt aufmachen, um durch die Heide zu streifen, all die Gerüche in sich aufnehmen und so manch verwunschenen Ort näher betrachten. Da ist aber auch das Andere, die unrühmliche Vergangenheit, die hier beschriebenen Nazi-Seilschaften, die auch im Nachkriegs-Deutschland allgegenwärtig sind.

Die achtjährige Inge ist mit ihrer Mutter, einer Celler Kinderärztin, in diese Gegend gezogen. Auch hier ist die Ärztin angesehen, sie wird gar als Heldin verehrt, hat sie doch viele Kinder aus dem brennenden Krankenhaus in Celle gerettet. Inges Erinnerungen sind die ihrer Kindheit. Nicht alles konnte sie verstehen, erst im Nachhinein musste sie mit Erschrecken feststellen, dass ihr damaliges Bild, ihre geliebte Heimat und die Menschen darin, ein verklärtes Bild war. Die kleine Inge trifft auf den Geigenmann, wie sie ihn nennt und zu ihrer großen Freude unterrichtet er sie im Geigenspiel. Der Weg zu ihm führt durch einen Wald, den sie zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt. Eines Tages dann beobachtet sie ein Verbrechen…

Und da ist Helga, die den Auftrag für eine Chronik der Kreisbauernschaft erhält und dafür viel mit den Menschen hier redet. Es sind viele Tagebücher zusammengekommen, die Inge Jahrzehnte später liest und spätestens da wird ihr idyllisches Bild irreversibel zurechtgerückt. Es sind schmerzhafte Wahrheiten, von denen viele hier wussten und geschwiegen haben.

Der Roman entspricht in weiten Teilen der Wirklichkeit, untermalt von fiktiven Elementen. Es ist ein historisch belegtes Zeitdokument, das von Euthanasie an behinderten Kindern berichtet. Von einem Kriegsverbrecher, einem SS-Mann an vorderster Front, der sich unter falschem Namen jahrelang in dieser Gegend versteckt hat. Wohlgemerkt mit Hilfe der hier Ansässigen, die vieles verdrängt, sehr vieles vertuscht haben. Es waren Mitläufer, vielfach aber waren es Täter, die sich auch später dann die gut dotierten Posten zugeschachert haben. Und ja, man weiß um das Vergangene, um die Gräueltaten während des Nazi-Regimes, die nie in Vergessenheit geraten dürfen. Und doch bleibt vieles im Verborgenen.

Anja Jonuleit hat einen aufwühlenden Roman vorgelegt, der in großen Teilen von der Vergangenheit erzählt - aus Sicht der jungen Inge und aus Sicht von Helga, der Chronistin. Sämtliche Personen, denn es sind doch so einige mehr als die oben genannten, sind aufs Beste charakterisiert, die einzelnen Erzählstränge durch die verschiedenen Schriftarten gut auseinanderzuhalten und auch ist es der am Ende näher beschriebene historische Hintergrund sowie die letzten Anmerkungen der Autorin, die diesen Roman abrunden. Ein Buch, das betroffen macht. Eine Geschichte – ein Teil unserer Geschichte - die gelesen werden will, die ich allen geschichtlich Interessierten gerne empfehle.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Leicht, seicht, vorhersehbar

39 Grad Mord
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Hannah Krause-Bendix, ihres Zeichens Schriftstellerin, hat eine Schreibblockade. Ihr erster Krimi war ein durchschlagender Erfolg, für den nächsten dieser Art hat sie den Vorschuss kassiert, ihn auch schon ...

Hannah Krause-Bendix, ihres Zeichens Schriftstellerin, hat eine Schreibblockade. Ihr erster Krimi war ein durchschlagender Erfolg, für den nächsten dieser Art hat sie den Vorschuss kassiert, ihn auch schon ausgegeben, aber ihr will nichts einfallen. Trotzdem sitzt ihr der Abgabetermin im Nacken. Was tun? Ihr Lektor hat einen Plan, dem sie sich zunächst widersetzt, ihn aber doch annimmt. Es hätte weniger luxuriös kommen können, denn er schickt sie nach Sizilien, direkt hinein in einen Traum von Haus. Dass diese Villa ihrem erfolgreichen Krimi-Kollegen gehört, weiß sie zunächst nicht. Denn ob sie dann hierher gefahren wäre, ist äußerst fraglich, kann sie doch diesen Typen so gar nicht leiden.

Dass Autoren zuweilen an einer Schreibblockade leiden, scheint momentan eine gängige Einstiegsmethode in einen Krimi zu sein. Nun gut, Hannah ist noch sehr viel mehr als nur die verhinderte Schreiberin eines schnöden Krimis, sie sieht sich vielmehr als diejenige, die nichts weniger als hochwertige Literatur verfasst. Sie leidet an Selbstüberschätzung, würde ich sagen, denn reihenweise Liebesromane sind eher seichte Kost. Sei´s drum. Sie ist auf Sizilien und kaum angekommen, sucht sie sich ein Lokal, schließlich muss sie etwas zu sich nehmen. Und ja, sie isst schon irgendwas, aber hauptsächlich ernährt sie sich nass. Sprich: sie ist dem Alkohol sehr zugetan. Und wie es der Zufall so will, findet sie in ihrem benebelten Zustand, zudem ist es dunkel geworden, nicht mehr in die Villa, also ruft sie ein Ehepaar, das sie in besagtem Lokal kennengelernt hat, an. Er holt sie ab, seine Frau Gemahlin hat gekocht, sie bechern munter weiter, also schläft sie hier. Am nächsten Tag findet sie irgendwie zu sich und, was noch beängstigender ist, sie findet die Frau des Hauses, Greta, mausetot am Küchenboden liegen.

Was ich hier etwas flapsig wiedergegeben habe, ist mein erstes und eigentlich durchgängiges Empfinden über diese Story. Die Hauptakteurin Hannah trinkt, um es mal geschönt auszudrücken. Sie ist von sich absolut überzeugt, andere sind in ihren Augen absolute Looser. Der Tod von Greta wird der örtlichen Polizei angezeigt, diese jedoch ist unfähig und selbstredend ermittelt Hannah heimlich. Und klar, nur sie hat den absoluten Spürsinn. Ihre Geliebte kommt ins Spiel, sie ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und genau deswegen kann und will sie ihr Leben nicht aufgeben. Hannah jedoch verlangt von ihr, zigtausend Kilometer zu ihr zu ziehen, sie jedoch denkt nicht im Traum daran, ihr Singledasein aufzugeben. So geht es munter weiter, sie nennt eine junge Polizistin „Kinderpolizistin“, da sie im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen eben kleiner und zarter ist. Die ganze Story ist krampfhaft bemüht, originell zu sein. Dabei wird die Figur Hannah in ihrer Respektlosigkeit als Heldin gesehen. Sie agiert dummdreist und frech, lügt, was das Zeug hält. Dem kann ich absolut nichts abgewinnen und auch wenn sich das Buch ganz flott liest, so dreht sich die Story um die Daueralkoholbenebelte Hannah. Neben der Kinderpolizistin kommen noch so einige verunglückte Wortungetüme vor, die nicht mal im Ansatz witzig sind.

„39 Grad Mord“ ist sehr leichte, seichte Kost, die man lesen kann, es aber nicht zwangsläufig muss. Wer sich an aneinandergereihten Klischees und an einer vorhersehbaren Story nicht stört, wird diesen Kriminalroman durchaus etwas abgewinnen können.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Charismatisch, manipulativ, toxisch

Ultramarin
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„Das Wasser tief unter uns, ein dunkles Blau, ultramarin. Vielleicht war das schon zu viel gewesen für meine Nerven.“

Es gibt sie, diese charismatischen Menschen, die dich festhalten, dich mit allen ...

„Das Wasser tief unter uns, ein dunkles Blau, ultramarin. Vielleicht war das schon zu viel gewesen für meine Nerven.“

Es gibt sie, diese charismatischen Menschen, die dich festhalten, dich mit allen Sinnen verführen, die dich innehalten lassen und dich von ihnen abhängig machen. Ann-Christin Kumm hat sich in ihrem Debüt ihrer angenommen, sie erzählt von ihrem manipulativen Spiel, von dem man hinterher weiß. Es eigentlich schon vorher weiß, es aber nicht wahrhaben will.

Alles beginnt mit einer Leichtigkeit, zumindest fast. Lou und Raf und Nora sind unterwegs zu dem alten Ferienhaus in Dänemark, das Rafs Familie gehört. Eigentlich sollte Sophie dabei sein, seine Schwester. Sie aber ist verhindert, deshalb schickt sie Nora mit. Sie freuen sich über unbeschwerte Tage, die vor ihnen liegen. Lou ist derjenige, der dafür sorgt, dass sie nicht hungern müssen. Und auch ansonsten ist er es, der sich kümmert.

Aus Lous Sicht wird dieses Spiel um Macht und Begehren sichtbar. Sein Blick geht zwischendurch zurück auf gemeinsam Erlebtes, auch auf Jakob, mit dem ihn viel an Intimität verband, kommt darin vor. Und immer wieder ist es Raf, der sie alle mitzieht, der sein Spiel perfekt auf seine ureigene, sehr manipulative Weise beherrscht.

Ann-Christin Kumm präsentiert ihre absolut authentisch beschriebenen Akteure in dieser sommerlichen Atmosphäre. Sie leben in den Tag hinein, genießen ihr Dasein, alles flirrt. Sie probieren sich aus, testen Grenzen aus, gehen weit darüber hinweg. Dieses Spiel um Erotik, Macht und Begehren ist hoch toxisch, die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen werden deutlich sichtbar, auch wenn man am liebsten die Augen davor verschließen möchte.

Die Autorin versteht es, ihre Leser direkt mit hineinzuziehen in dieses Machtgefüge. Zunächst war ich ob der Zeitsprünge etwas verwirrt, ihr ganz eigener Schreibstil war mit bald vertraut, sie hat mich in ihr meisterhaft konstruiertes Spiel hinein gesaugt und mich erst wieder losgelassen, als es vorbei war. Erst da wusste ich um die ganze Dramatik. Sie hat in mir eine Gefühlspalette entfacht, die nie ganz positiv war, die jedoch immer gehofft hat. Das Ende kommt abrupt, ist aber trotz der Düsternis in sich stimmig. „Ultramarin“ ist ein Buch, das ich nicht missen möchte, das mich noch lange gedanklich beschäftigen wird.

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