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Veröffentlicht am 11.03.2026

Spannender Einblick in die Erschaffungsgeschichte des Dreikönigenschreins

Der Schrein der Könige
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Sabine Weiss nimmt ihre Leser in ihrem neuesten historischen Roman „Der Schrein der Könige“ mit nach Köln ins ausgehende 12. Jahrhundert. Zunächst jedoch sind wir in Mailand, als Erzbischof Rainald von ...

Sabine Weiss nimmt ihre Leser in ihrem neuesten historischen Roman „Der Schrein der Könige“ mit nach Köln ins ausgehende 12. Jahrhundert. Zunächst jedoch sind wir in Mailand, als Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige an sich bringt, um diese dann nach Köln zu schaffen. Und hier ist es der Goldschmied Nicolaus von Verdun, der den Auftrag für den Dreikönigenschrein erhält.

Die Autorin versteht es, historisch Verbürgtes mit fiktiven Elementen anzureichern. Das Historische schwingt in ihrer Geschichte um Nicolaus von Verdun immer mit, wobei wir viel von der Goldschmiedekunst an sich erfahren. Auch sind es die Anfänge der Zunft der Goldschmiede, die sich in jener Zeit in Bruderschaften zusammenfinden. Der Lothringer Goldschmied und Emailmaler Nicolaus hatte dabei einen schweren Stand, galt er doch als Zugezogener und einer, der den Kölnern die Arbeit wegnimmt. Ihm werden neben dem Dreikönigenschrein etliche andere Werke zugeordnet wie etwa dem Marienschrein in Tournai (Belgien), der hier auch Erwähnung findet.

Die Goldschmiedekunst an sich mit all den edlen Materialien wie Gold, Silber, Edelsteine und mehr und die Erschaffung der filigranen, sehr lebendigen Figuren wird anschaulich beschrieben, daneben ist es die historische Figur Nicolaus und seine fiktive Familie mitsamt mehr oder weniger Gleichgesinnten, denen ich gespannt folge. Mit seiner früh verstorbenen Frau hatte er fünf Kinder, zwei davon sind ebenfalls schon gegangen. Mit Louis, Anne und Bastien zieht er des Auftrags wegen nach Köln, auch spielt sein Bruder Charles eine ziemlich finstere Rolle. Wir verfolgen den Weg von jedem einzelnen Mitglied der Familie, jeder hat auf seine ureigene Weise mit sich und so manch Unwägbarkeiten zu kämpfen. Wobei Louis eher dem leichtlebigen Charles gleicht, sich gerne mit halbseidenen Gestalten einlässt, Bastien dagegen hat schon in ganz jungen Jahren gesundheitliche Probleme und Anne ist es, die die Familie zusammenhält. Auch weiß sie viel über Kräuter und deren Heilwirkung, sie hat auch ein großes Herz für die Abgehängten, für diejenigen, die am Rande der Stadtgemeinschaft ihr kärgliches Dasein fristen. Durch diese fiktive Geschichte erfahren wir viel über das Leben anno dazumal, es ist ein kurzweiliger Einblick in die gesellschaftlichen Schichten und selbstredend dürfen die realen Begebenheiten und die damals lebenden Persönlichkeiten hier nicht fehlen.

Der historische Bezug ist stets gegeben, angefangen von Kaiser Friedrich I., als Barbarossa wohlbekannt, auf dessen Anweisung Rainald von Dassel, der auch Erzkanzler von Italien war und besagte Gebeine nach Köln holt über Nicolaus und seinem Entschluss, dem Kölner Domkapitel einen Entwurf für den Schrein zu präsentieren und seiner (fiktiv dargestellten) Reise nach Köln, bei dem er sich dem Tross eines Gewürzhändlers anschließt bis hin zur Ankunft und den anfänglichen Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden und später dann seine Werkstatt einzurichten. Der Thronstreit nach dem Tod Heinrich IV. zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto von Braunschweig mitsamt der Rolle, die Papst Innozenz III. dabei inne hat, ist ausreichend thematisiert. Wir begegnen noch so einigen historischen Persönlichkeiten, auch werden die Kinderkreuzzüge erwähnt bis hin zu Franz von Assisi, der hier aber eher als Randfigur fungiert. Dies ist lediglich ein kurzer Abriss dessen, was Sabine Weiss sehr eindrucksvoll in ihrem „Schrein der Könige“ beschreibt.

Das gut gegliederte Personenverzeichnis mit den historisch gekennzeichneten Figuren ist der perfekte Einstieg ins Buch, abgerundet durch das Glossar und die historischen Anmerkungen zum Schluss bildet der gut recherchierte Roman ein lesenswertes Gesamtbild um den goldenen Schrein, der auch heute noch in all seiner Pracht im Kölner Dom besichtigt werden kann.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt

Alt genug
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Irgendwann in letzter Zeit bin ich auf Ildikó von Kürthys Recherchen aufmerksam geworden, die sie auf Instagram mit ihren Leserinnen geteilt hat. Ihre geplante Bewerbung bei GNTM war Thema, auch ihr New ...

Irgendwann in letzter Zeit bin ich auf Ildikó von Kürthys Recherchen aufmerksam geworden, die sie auf Instagram mit ihren Leserinnen geteilt hat. Ihre geplante Bewerbung bei GNTM war Thema, auch ihr New York-Trip und noch so einiges mehr. Schon da war für mich klar, dass ich davon lesen möchte. Gelesen habe ich „Alt genug“, wie sie ihr neuestes Buch nennt, dann doch nicht, aber – ich habe es mir von ihr vorlesen lassen, was eine gute Entscheidung war.

Sehr offen lässt sie ihre Leser (ihre Hörer) daran teilhaben, wie sie nun, da sie alt genug für bequeme Unterwäsche ist, mit dem Alter umgeht. Dabei ist sie mit ihren nunmehr 58 Jahren nicht alt, wie ich finde. Sie ist im besten Alter, um ihr Leben mit allen Sinnen zu genießen, was auch heißt, dass sie nicht mehr alles braucht, nicht mehr alles mitmachen muss. Nicht unbeschadet, sogar ziemlich angeschlagen, hat sie die Lebensmitte überschritten, wie sie berichtet. Hat geliebte Menschen gehen lassen müssen, ist voller neuer Erkenntnisse, ist zuweilen gescheitert, hat gekämpft und nicht immer gesiegt. Und ist doch voller Zuversicht, hat endlich Mut zur Unvollkommenheit.

Selbstironisch erzählt sie etwa davon, wie sie daran scheitert, einen Tunnel zu durchfahren, auch sind Fahrstühle nicht unbedingt ihr bevorzugtes Transportmittel nach oben. Sie versteht es, all diese Anekdoten kurzweilig wiederzugeben, in diesen Szenen sprüht sie geradezu vor Witz und Charme, man hört ihr gerne zu.

Dies und noch so viel mehr erzählt sie in ihrem Buch „Alt genug“, das kein Roman ist. Ein Memoir, sehr ehrlich, sehr selbstreflektiert, sehr persönlich. Sie greift all die alltäglichen Themen auf, geht darüber hinaus und über ihre Grenzen, sie traut sich mehr zu. Ein kurzweiliges Hörvergnügen, sympathisch vorgetragen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Beste Krimi-Unterhaltung

Giftiger Grund
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Frisch aus dem Knast entlassen sitzt er nun hier, in der Wohnung seines Vaters, auch Georg Kutowski, der Mann, der ihm damals ins Messer gelaufen ist, wartet auf ihn, denn das Schmerzensgeld, das er ihm ...

Frisch aus dem Knast entlassen sitzt er nun hier, in der Wohnung seines Vaters, auch Georg Kutowski, der Mann, der ihm damals ins Messer gelaufen ist, wartet auf ihn, denn das Schmerzensgeld, das er ihm seitdem regelmäßig zahlt, sollte auch jetzt weiterlaufen.

Zu dritt waren sie damals, Jorans Kumpel Aras und Marvin haben ihre Jahre für schweren Raub schon länger abgesessen und nun ist auch er draußen. Vor sieben Jahren haben sie die Tankstelle überfallen, die Beute konnten sie gerade noch rechtzeitig im Kanalschacht verstecken und nun sucht Joran danach. Was er aber findet, ist die Leiche seines Freundes Aras.

Die Tankstelle ist schon lange verlassen. Ein Lost Place, der Charu wie magisch anzieht. Sie betreibt ihren Internetkanal, ihr Markenzeichen ist eine Glitzerkatze. Ihr Equipment ist in der ehemaligen Waschstraße platziert, als sie Joran bemerkt. Außerdem ist da noch ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Edda.

Die Tankstelle und deren verseuchter, giftiger Grund ist es, der diesem vielschichtigen, psychologischen Thriller seinen Namen gibt. Der morbide Charme der verfallenden Immobilie zeigt die Hoffnungslosigkeit, die auch jeder der drei Hauptakteure ausstrahlt: Jaron und seine Suche nach Halt und Arbeit, dazu der Fund der Leiche. Charu, die mit ihrer Schwester und deren Typen ständigen Trouble hat und Edda, die im Schlafanzug und Gummistiefel Nacht für Nacht hier auftaucht.

Rund um diesen Lost Place entwickelt sich eine Geschichte um (Über)Leben und Tod. Je mehr von den Protagonisten bekannt wird, desto undurchsichtiger und trostloser gestaltet sich gefühlt deren Dasein und auch wenn jeder von ihnen einen Rückzugsort hat, ist es dennoch für keinen ein Zuhause. Die Perspektiven wechseln von Joran zu Charu zu Edda, wobei Edda es ist, deren Hintergrund lange geheimnisumwoben bleibt, um dann doch deren Fassade Stück für Stück zum Einsturz zu bringen.

Alle drei sind sie verlorene Seelen, von der Welt im Stich gelassen. Vor allem Joran ist es, der es mit seiner kriminellen Vergangenheit schwer hat, Fuß zu fassen. Wird er wieder zum Täter, gleitet er erneut ab? Und was ist mit Charu, der nicht mal ihre eigene Schwester glaubt? Was hat das Leben den sowieso schon Abgehängten zu bieten? Mit Vorurteilen ist man schnell zur Hand, besonders dann, wenn das Vergangene gegen einen spricht.

Es dauert einige Zeit, bis sie für mich greifbar werden. Je weiter ich jedoch lese, desto mehr fiebere ich mit ihnen und ihrer vertrackten Situation, die ausweglos scheint, mit. Trotzdem fesselt mich der Krimi ab sofort, er treibt mich immer weiter. Nicht jedes kleine Detail wird geklärt, damit kann ich aber gut leben und der Schluss bietet dann nochmal ein Highlight der ganz besonderen Art.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Schaurig-mystisches Moor

Moorland. Die Zwillinge
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Alles beginnt am Nachmittag des 1. Februars 2026. „Am frühen Nachmittag war der Nebel aufgezogen, angekündigt von einem tiefroten Sonnenaufgang am Morgen. Dicht und wattig und weiß hüllte er die Landschaft ...

Alles beginnt am Nachmittag des 1. Februars 2026. „Am frühen Nachmittag war der Nebel aufgezogen, angekündigt von einem tiefroten Sonnenaufgang am Morgen. Dicht und wattig und weiß hüllte er die Landschaft um das Namenlose Moor ein und befeuchtete alles…“ Und dann diese Schreie, die Toma hört. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, stoppt – aber nein, da war nichts, auch wenn sein Gefühl ihm etwas anderes sagt…

Andreas Winkelmann hat schon nach diesen ersten Seiten meine volle Aufmerksamkeit. „Die Zwillinge“ ist der absolut gelungene Auftaktband seiner neuen Thriller-Reihe „Moorland“. Schon der erste, visuelle Eindruck zieht einen förmlich an und die Story dann hält, was das Cover verspricht.

Die 18jährigen Zwillinge Nike und Jana beitreiben ihren TikTok-Kanal „Moormaid“ und wie der Name schon sagt, sind sie dafür im Moor unterwegs. Ihr Vater erscheint aufgeregt bei der Polizei, da die beiden seit zwei Stunden überfällig, eigentlich aber sehr zuverlässig sind. Losgefahren sind sie, bevor der Nebel aufzog, um Bilder zu machen und nun ist es schon ne Weile dunkel. Mit ihren Rädern waren sie unterwegs, sie wollten zu einem Hochsitz. An diesem Fleckchen im Moor sind sie oft, er eignet sich hervorragend für ihre Zwecke.

Die Kommissarin Malia Gold hat sich hierher versetzten lassen und kaum angekommen, wird sie mit diesem Fall konfrontiert. Sie ist hier aufgewachsen, war aber seit fünfzehn Jahren nicht mehr hier, was den schwierigen Familienverhältnissen geschuldet ist. Und nun trifft sie unweigerlich auf ihre Mutter. Ruth Sichler. Die das Moor kennt wie sonst niemand, sie ist die Fährtenleserin schlechthin und somit unverzichtbar bei der Suche nach den Zwillingen.

Andreas Winkelmann beschreibt das Moor in seiner ganzen Unheimlichkeit, das dennoch eine gewisse Faszination ausübt. Um diese angst- und auch respekteinflößende Kulisse rankt sich die Suche nach Nike und Jana. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken, denn es ist bitterkalt, zudem weiß man nicht, ob die beiden verletzt sind, ob sie gefangen gehalten werden und wenn ja, unter welchen Bedingungen und vor allem – wo sind sie? Es gibt mehrere Verdächtige, die sich ziemlich auffällig verhalten. Jeder könnte der Übeltäter sein, alle scheinen sich in Widersprüche zu verstricken.

Man spürt diese beklemmende Atmosphäre, die das Moor ausstrahlt. Und da sind die ganz eigenen Charaktere, von kauzig und exzentrisch bis geheimnisvoll, jeder für sich ist authentisch, jedem einzelnen nehme ich seine Eigenheiten ab.

Und wiederum weiß ich, warum ich zu Winkelmanns Büchern immer wieder greife. Er schafft ein Szenario – hier ist es die Moorlandschaft – das für sich schon allein dieses Bedrohliche, dieses Schaurig-mystische ausstrahlt. Dazu die spannende Story, die bis zuletzt fesselt. Der Auftakt von „Moorland“ verlangt nach mehr, nach sehr viel mehr. Ich bin dabei. Unbedingt.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein hochbrisanter Agententhriller

Dunkelmann
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Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln in ihrem ersten Fall. Sie ist Führungsoffizierin, er Analyst beim dänischen Geheimdienst, beide sind sie liiert, ihr Job erfordert jedoch Stillschweigen über ihre ...

Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln in ihrem ersten Fall. Sie ist Führungsoffizierin, er Analyst beim dänischen Geheimdienst, beide sind sie liiert, ihr Job erfordert jedoch Stillschweigen über ihre Einsätze, was ihren jeweiligen Partnerschaften nicht unbedingt zuträglich ist. Dieses Private schwingt immer wieder durch, der Focus aber liegt schon auf ihrer Arbeit.

„Dunkelmann“ ist in drei Teile gegliedert. Zunächst folgen wir Maja und Ramin, ihrem Informanten, zu einem gefährlichen Einsatz in die Türkei, den Maja gerade mal so übersteht. Was mit Ramin geschieht, weiß sie lange nicht. Der zweite Teil dann führt zurück nach Dänemark und beim letzten, finalen Abschnitt spitzt sich die Lage nochmal dramatisch zu.

Es gilt, eine chinesische Delegation unter die Lupe zu nehmen. Ein hochbrisantes, äußerst vielschichtiges Unterfangen, wie sich schon nach den ersten Seiten herausstellt. Es geht um falsche Identitäten - nicht nur ihre Gegner arbeiten damit. Und um die Umsetzung einer neuen Seidenstraße - die sogenannte Belt-and-Road-Initiative zielt darauf ab, China mit den einzelnen Kontinenten zu verbinden. Was auch die Arktis und damit Grönland mit einschließt.

Grönland weckt Begehrlichkeiten, wir wissen es. Nicht nur die USA wollen sich diese an Rohstoffen so reiche Insel einverleiben, auch andere Nationen sind durchaus interessiert, auch wegen der strategisch günstigen Lage.

Lars Findsen, der frühere Chef des dänischen Geheimdienstes, hat zusammen mit Jacob Weinreich diesen rasanten Agententhriller vorgelegt, der nicht nur mit Brisanz und Aktualität punktet, der auch dank des einnehmenden Schreibstils seine Leser nicht loslassen will. „Dunkelmann“ verlangt jedoch ein konzentriertes Lesen, auch der vielen Namen und der wechselnden Identitäten wegen. Die einzelnen Figuren sind anschaulich dargeboten, angefangen von den Hauptakteuren und den in Abstufungen vorkommenden Nebencharakteren, die mir bisweilen dann doch zu viele waren. Abgesehen davon hat mich dieser hochaktuelle Thriller bestens unterhalten und – ich bin gespannt auf weitere Fälle für Maja und Daniel im Agentenmilieu.

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