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Veröffentlicht am 11.12.2025

Gelungener Abschluss der O`Brian-Familien-Trilogie

Grünes Feuer
1

Mit dem Abschlussband „Grünes Feuer“ endet die fulminante O’Brian-Familien-Trilogie aus der Feder des Autorenpaares Rüdiger und Sonja Lehmann. „Zwei Federn“ und „Schattenbrüder“ sind die absolut lesenswerten ...

Mit dem Abschlussband „Grünes Feuer“ endet die fulminante O’Brian-Familien-Trilogie aus der Feder des Autorenpaares Rüdiger und Sonja Lehmann. „Zwei Federn“ und „Schattenbrüder“ sind die absolut lesenswerten Vorgängerbände. Man solle sie schon allein des besseren Überblicks wegen kennen.

Zunächst sind wir mit Bridget O’Brian und Allen „Dakota“ Harris unterwegs nach Bologna. Hier treffen sie auf Julie Farrell. Sie erforscht die Familiengeschichte und teilt nun ihr Wissen mit den beiden. In angenehmer Atmosphäre verbringen sie Zeit in Julies Atelier, schlendern durch Bologna… Schon allein diese ersten Eindrücke sind es, die mich förmlich ins Geschehen ziehen. Die Erkenntnis, dass ihre Väter – Davy Farrell und Liam O’Brian - Zwillingsbrüder waren, ist das erste von so einigen Geheimnissen, die im Laufe der Erzählung aufgedeckt werden.

Danach reisen Bridget und Dakota weiter nach Rom. Der Notar eröffnet Bridget, dass Dr. Mauritia Albioni sie als Alleinerbin ihres beachtlichen Vermögens eingesetzt hat. Wird sie das Erbe annehmen? Noch ist sie am Überlegen. Unterschwellige Warnungen von Seiten des Erzbischofs machen sie vorsichtig.

Es ist aber noch so viel mehr, von dem ich lese. Von der weitreichenden Familiengeschichte über mehrere Generationen hinweg, die auch von Irland erzählt. Von der großen Hungersnot, beginnend mit der Kartoffelfäule bis hin zum Nordirlandkonflikt spannt sich der Erzählbogen. Auch ist von Bodhi Bai, dem angeblich unsterblichen Meister der Schatten-Brüder, die Rede mitsamt dem geheimnisvollen Babel-Projekt. Spuren führen direkt zur Mafia – alles scheint mit allem zusammenzuhängen.

Beginnend in Bologna im Jahre 2024 wechseln Zeiten und Orte mehrmals, wir gehen hier zurück bis 1798, dabei sind den einzelnen Kapiteln die notwendigen Infos, die handelnden Personen mit Orts- und Zeitangaben, vorangestellt. Man hat also stets den Überblick und kann sich voll und ganz auf die Handlung einlassen. Der Roman besticht durch seine gründliche Recherchearbeit und auch der einnehmende Schreibstil hält einen direkt im Buch gefangen. Er basiert auf historischen Ereignissen, verwebt diese mit realen und mit den fiktiven Personen, die mir mittlerweile sehr vertraut sind.

Erwähnt sei noch das der Geschichte vorangestellte Namensverzeichnis, gegliedert nach den Familien in Irland, Indien und Kanada sowie noch einige Personen mehr. Die Autoren verstehen es, Geschichten zu erzählen, die viel historisch Interessantes vermitteln, indem sie fiktive und auch reale Personen zum Leben erwecken, diese gekonnt vermengen und gut lesbar aufbereiten.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Vom Krieg, von Freundschaft und von der Liebe - intensiv erzählt

Die Welt in unseren Händen
1

Die Erinnerungen ihrer Großmutter Jean sind es, die Emily Walton inspirieren, ihre Geschichte zu erzählen. June Johnson ist dabei ihre Protagonistin, die schon auch ein Eigenleben entwickelt, wie die Autorin ...

Die Erinnerungen ihrer Großmutter Jean sind es, die Emily Walton inspirieren, ihre Geschichte zu erzählen. June Johnson ist dabei ihre Protagonistin, die schon auch ein Eigenleben entwickelt, wie die Autorin im Nachwort verrät.

„Die Welt in unseren Händen“ erzählt von June, die während des Zweiten Weltkrieges ihren eigenen Weg geht. „Versprich mir, dass du etwas aus deinem Leben machst, Junebug.“ Sie erinnert sich an ihre zu früh verstorbene Mutter, die sie darin bestärkt hat.

June nimmt all ihren Mut zusammen, fährt nach London, bewirbt sich bei der WAAF, der Women´s Auxiliary Air Force, der Frauenhilfsluftwaffe. Schon bald lernt sie Dotty und Peggy kennen, die ihr zu guten Freundinnen werden, die sich während der Ausbildung gegenseitig stützen. Peggy wird abkommandiert, während Dotty und June als Schreibkräfte gefordert sind. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, den Angehörigen schlimmste Nachrichten zu übermitteln. Danach geht es für June mit der Royal Navy weiter, ihre Stationen sind Kairo, Ägypten und später dann Italien, ihr Dienst fordert sie enorm, sie lernt neue Freunde kennen, allen voran ist es Ken, der ihr Herz erobert.

Das Buch hat mich sofort gefesselt, es hat mich regelrecht ins Geschehen gezogen und mir eine total fremde Welt nähergebracht. Ich war mit June in der Wüste, habe den Sand zwischen den Zehen und auch zwischen den Zähnen gespürt und die hier kriechenden Skorpione weit weg gewünscht. Habe bei ihrer Arbeit, bei ihrem ganz persönlichen Einsatz mitgefühlt, als sie persönliche Worte fand, entgegen des Befehls, Formbriefe an die Hinterbliebenen zu senden. Habe gelernt, was Sperrballons sind und wie diese eingesetzt wurden und noch so vieles mehr.

Es waren gar nicht so wenige Frauen (250.000), die bei der WAAF gedient haben. Mutige Frauen, die bis Kriegsende in achtzig unterschiedlichen Bereichen eingesetzt waren. Emily Waltons Nana hat dies hautnah erlebt, ihr ledergebundenes Büchlein, das sie nun mit ihrer Enkelin durchblättert, birgt so manch Geheimnis. Es waren schöne, tieftraurige und auch angenehme Zeiten, nicht alles wendet sich zum Guten - so wie das Leben eben spielt.

Ein großartiges Buch ist ausgelesen, der so intensive Schreibstil und die Geschichte um June, einer jungen, mutigen Frau unter vielen anderen, machen es zu etwas ganz Besonderem. Zwei sehr persönliche Fotos am Ende runden diese lesenswerte Erzählung dann perfekt ab.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Kurzweiliger Erzählstil, überladene Story

Flutrache
4

Der vierte Fall für den Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff ist für mich der erste Fall dieser Ostfriesland-Krimi-Reihe von Heike van Hoorn.

Schon der Prolog ...

Der vierte Fall für den Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff ist für mich der erste Fall dieser Ostfriesland-Krimi-Reihe von Heike van Hoorn.

Schon der Prolog lässt darauf schießen, dass es sich bei diesem noch Unbekannten um einen ganz fiesen Charakter handelt. Die Story dann beginnt einige Tage zuvor, als einer Briefe mit verdächtigem Inhalt verschickt. Was dies mit dem Toten zu tun hat, der am Fuße einer übergroßen Lenin-Statue gefunden wird, ist unklar.

Nun, Lars Kröger, der Tote, war Chef einer deutschen Sicherheitsfirma. Möllenkamp und sein Team ermitteln zusammen mit ihren niederländischen Kollegen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit klappt sowohl im beruflichen als auch im Zwischenmenschlichen, das viel Raum einnimmt. Auch von Möllenkamp und seiner Meike bekomme ich viel mit, nicht zu vergessen von der Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff.

All dies liest sich kurzweilig, wenngleich ich mich des Öfteren frage, was denn einzelne Einschübe mit der Aufklärung zu tun haben, wie etwa die einer Reisegruppe, die auf den Toten aufmerksam wurde. Auch warte ich gespannt, was es mit diesen Briefen auf sich hat. Mittlerweile weiß ich, dass eine Spur direkt zu einem Reichsbürger führt, andere Erzählstränge berichten von Waffenschmuggel, gehen zurück in die damalige DDR bis hin ins KZ. Auch von Offshore-Konten und von noch so einigem mehr lese ich. Die Frage wie dies alles zusammenhängt, wird schon geklärt, trotzdem mutet es abenteuerlich an, die Story ist heillos überfrachtet. Und genau dieses Vollgepackte ist es, dass mir diese FLUTRACHE zunehmend suspekt anmutet.

Gut finde ich die Endnotes zum Schluss, welche die niederländischen Einschübe im Text übersetzen, allerdings hab ich, trotzdem ich die Sprache nicht beherrsche, alles verstanden. Auch der flotte Schreibstil der Autorin sei erwähnt, die viele Akteure ins Rennen schickt. Für meinen Geschmack sind es zu viele, grundsätzlich ist dieser Krimi zu überladen. Daher mein Fazit: Weniger wäre hier wesentlich mehr gewesen, auch hätte ich so einige mutige Aktionen nicht gebraucht, die schon am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Kurzweiliger Krimi

Wem du traust
2

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen ...

Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen sich super, sind doch ihre Mütter Eva und Susanne allerbeste Freundinnen, die heute davon ausgehen, dass Sofia bei Eva übernachtet. Doch Sofia hat andere Pläne, sie will nach Hause. Es ist schon weit nach Mitternacht, als Eva und Daniel heimkommen und da Eva etwas Wein getrunken hat ist es Daniel, der Sofia bis fast vor ihre Haustür fährt. Am nächsten Morgen dann ist die Panik groß, als ihnen allen bewusst wird, dass von Sofia jede Spur fehlt.

Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal übernimmt den Fall, sie befragt Sofias Mutter und Axel, ihren Lebensgefährten, recherchiert zu Sofias Heimweg, forscht bei ihren Mitschülern nach und auch bei der etwas älteren Nele, der Chefredakteurin der Schülerzeitung, bei der auch Sofia Artikel verfasst. Momentan schreiben sie über den fünfzehn Jahre zurückliegenden Discomord. Bis heute ist der Mörder der damals 18jährigen Jennifer Mann nicht gefasst – hat Sofias Verschwinden damit zu tun? Ist dieser Unbekannte wieder aktiv?

Es sind ganz und gar unterschiedliche Typen, die hier aufeinanderprallen. Eva und Daniel sind das Vorzeigepaar schlechthin, sie harmonieren perfekt, gehen liebevoll miteinander um, während Susanne mit ihrem neuen Lover, dem erfolgreichen Architekten Axel, eher mondän daherkommt. Meine Sympathien sind bald verteilt, nicht jeder kommt dabei gut weg. Es tauchen noch einige Randfiguren auf wie etwa Heidi Westphals Ex, der eine steile Karriere bei der Polizei hingelegt hat, der mir trotzdem nicht ganz geheuer ist. Und auch Heidis Ermittlungen, die sich mehr und mehr auf Daniel konzentrieren, sind mir schon auch suspekt. Warum dieser Tunnelblick? Das frage ich mich nicht nur einmal, bin auch leicht genervt, weil anderes, für mich doch Relevantes, übersehen wird.

Trotzdem ich mit Heidis Vorgehen nicht immer einverstanden bin, so bin ich doch voll dabei, möchte dringend wissen, wo Sofia ist, wer für ihr Verschwinden verantwortlich ist und auch, ob sie noch lebt. Denn ein blutiges Teil spricht dagegen. Auch lese ich zwischendurch von jemandem, der große Angst hat. Könnte es Sofia sein? Und – es wird gelogen, und das nicht zu knapp. Warum?

Der Krimi ist durchgehend rasant, er beleuchtet menschliche Abgründe, ist kurzweilig bis zum Schluss, der noch so einiges offenbart. Die Auflösung dann hat mich ein wenig ernüchtert, dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt und vergebe sehr gerne vier verdiente Sterne.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Spannender Reihenauftakt

Die weiße Nacht
1

An diesem 14. Dezember 1946 ist es bitterkalt in Berlin, das in Trümmern liegt. Die Fotografin Lou Faber ist auf Motivsuche, dabei findet sie eine Tote, die mit wie zum Gebet gefalteten Händen im Schnee ...

An diesem 14. Dezember 1946 ist es bitterkalt in Berlin, das in Trümmern liegt. Die Fotografin Lou Faber ist auf Motivsuche, dabei findet sie eine Tote, die mit wie zum Gebet gefalteten Händen im Schnee liegt. Kriminalkommissar Alfred König bearbeitet diesen Todesfall und als dann eine zweite Leiche entdeckt wird, ist von einem Ruinenmörder die Rede.

„Die weiße Nacht“ ist der Auftaktband der Lou & König-Kriminalreihe. Den Kriminalkommissar und die junge Fotografin bringt eher der Zufall zueinander, ist doch dem Polizeifotografen bei der Entwicklung der Bilder von der Toten im Schnee ein Missgeschick passiert. Nur gut, dass Lou ebenfalls einige Bilder gemacht hat, die König sich holt. Der Aufklärung der Morde scheint ziemlich aussichtslos zu sein, zudem wird König von seinem Vorgesetzten ausgebremst, was ihn allerdings nicht daran hindert, jeder Spur nachzugehen. Auch bleibt es nicht bei den beiden Toten, weitere Opfer sind zu beklagen.

Der Krieg ist vorbei und doch hungern und frieren sie nach wie vor, es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, es gibt viele Versehrte, sofern sie den Krieg überhaupt überlebt haben. Auch König ist nicht ungeschoren davongekommen, trotzdem verrichtet er seinen Dienst gewissenhaft. Seine Wege führen zurück in die Nazizeit, die gewisse Personen nur zu gerne hinter sich lassen. Die einen reden nicht, weil sie zu viel zu verbergen haben und die anderen haben Angst vor Repressalien. Auch Lou hat es nicht leicht, ihr Ehemann ist verschollen, ihre Bilder kann sie nicht so gut verkaufen, wie sie es müsste. Ihre Fotos jedoch sind für König hilfreich, ihr geschultes Auge sieht so manch Detail, das anderen entgeht.

Anne Stern ist ein rundum gelungener Kriminalroman gelungen. Wir sind wie gesagt im Nachkriegswinter 1946 und begleiten König und auch Lou bis zum Jahresende, denn bis dahin zeichnet sich das Motiv um die Morde glasklar ab. Angefangen von der Story an sich und die gut nachvollziehbaren Wege hin zur Aufklärung passt auch das gut recherchierte Historische perfekt zum Geschehen. Die Charaktere sind glaubhaft angelegt, allen voran Lou und König, aber auch so manch andere Personen wie etwa Justus und Gerti und ihre Rolle inmitten des Schwarzmarktes, der zwar verboten, aber doch notwendig fürs Überleben ist. Der Krimi ist noch sehr viel komplexer, dabei stets verständlich, ich bin restlos überzeugt davon und werde dieser neuen Reihe treu bleiben.

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