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Veröffentlicht am 01.02.2022

Charmanter Cosy Crime – ein amüsantes Hörvergnügen

The Maid
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Ein Cosy Crime der besonderen Art ist Nita Prose mit „The Maid“ gelungen. Molly Gray ist Zimmermädchen mit Leib und Seele, ihr entgeht kein Staubkörnchen. Fingerabdrücke findet man niemals, nachdem Molly ...

Ein Cosy Crime der besonderen Art ist Nita Prose mit „The Maid“ gelungen. Molly Gray ist Zimmermädchen mit Leib und Seele, ihr entgeht kein Staubkörnchen. Fingerabdrücke findet man niemals, nachdem Molly all die Zimmer und die eleganten Suiten wieder in den Zustand der Perfektion versetzt hat. Ihr Leben ist das Regency Grand Hotel, mit ihrer Großmutter lebt sie zurückgezogen in der gemeinsamen Wohnung. Als diese verstirbt, bleiben ihr einige ihr wohlgesinnte Kollegen und in Giselle Black findet sie sowas wie eine Freundin, nachdem Mr. Black von Molly tot in seinem Zimmer aufgefunden wurde. Bald stellt sich heraus, dass hier jemand nachgeholfen hat. Aber wer? Molly gerät in Verdacht.

Mit Molly hat Nita Prose eine liebenswert naive Protagonistin erschaffen, die niemandem etwas Böses will. Alles, aber wirklich alles, glaubt sie. Ihre Arglosigkeit wird von einigen ziemlich dreist ausgenutzt, denn auf Molly ist einfach Verlass und kritisch hinterfragen ist nicht ihr Ding. Die Lebensweisheiten ihrer Großmutter fließen mit ein, diese sind für Molly Stütze und Halt, sie sieht in jedem das Gute, ist unkritisch und allzu gutgläubig. An sich selbst hingegen stellt sie hohe Ansprüche, sie lässt nur das Vollkommene gelten.

Dem Hörbuch von „The Maid“ habe ich habe ich gelauscht, eingesprochen von der wunderbaren Anna Thalbach. Ihr muss man einfach zuhören, mit ihrer ausdrucksstarken Stimme ist sie zurecht eine der gefragtesten Hörbuchsprecherinnen, sie haucht Molly ganz viel Leben ein. Man spürt direkt deren unbedarfte, viel zu vertrauensselige Art. Anna Thalbach gibt jeder Figur seinen unverkennbaren Charakter, passt die Stimmlage sowohl den Protagonisten als auch der Stimmung an. All die schon etwas schrullig anmutenden Szenen hatte ich vor Augen, Molly hat mich in ihre Welt mitgenommen, ich hab sie sofort ins Herz geschlossen.

Das Cover ist perfekt abgestimmt auf Molly – das so typische Türschild mit der nötigen Info, das Zimmermädchen - und ein wenig Blut darf natürlich auch nicht fehlen.

Ein Zimmermädchen ermittelt: Ein unterhaltsamer Cosy Crime mit exzellentem Roomservice, kurzweiligen Dialogen und nicht immer reizenden Charakteren. Vorgetragen von Anna Thalbach, vertont vom Argon Verlag. Ein kriminalistisches, aber doch amüsantes Hörvergnügen.

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Veröffentlicht am 27.01.2022

Zwei Frauenschicksale, sehr bewegend erzählt

Das Leben in unseren Händen
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Mit einem der letzten Schiffe gelingt Hannah und Ada Rosenbaum 1939 die Ausreise aus dem für Juden nicht mehr sicheren Deutschland. Was auf den ersten Blick idyllisch erscheint, entpuppt sich – kaum angekommen ...

Mit einem der letzten Schiffe gelingt Hannah und Ada Rosenbaum 1939 die Ausreise aus dem für Juden nicht mehr sicheren Deutschland. Was auf den ersten Blick idyllisch erscheint, entpuppt sich – kaum angekommen - bald als sehr beengte Unterkunft: Ellis Island, die Insel der Tränen wird sie genannt. Die Passagiere der dritten Klasse werden direkt hierher gebracht. „Willkommen in Niemandsland“ – dieser bittere Gedanke schleicht sich in Hannas Kopf.

Der erste Eindruck ist neben dem Kurztext immer das Cover. Zwei Frauen vor der Kulisse New Yorks, direkt davor die Brooklyn Bridge, eine der ältesten Hängebrücken, die den East River überspannt und Manhatten mit Brooklyn verbindet. Ihr Kleidungsstil lässt die damalige Zeit erahnen, in die man sofort abtauchen möchte – ein sehr aussagekräftiges Titelbild.

Eva Neiss schreibt so einnehmend, dem konnte ich mich ab der ersten Seite nicht entziehen. Sie verwebt sehr gekonnt ihre fiktive Geschichte um die beiden Schwestern mit historisch Verbürgtem.

Hannahs Weg war ein ganz anderer als der ihrer Schwester, deren Kind als Frühchen kaum lebensfähig war. Während Ada sich von der Geburt erholt, setzt Hannah alle Hebel in Bewegung, um das kleine Wesen zu retten. Und hier lerne ich Dr. Martin A. Couney kennen, eine faszinierende Persönlichkeit und Pionier der Frühgeborenentechnologie, der so manchem dieser kaum lebensfähigen Babys dank seiner Inkubatoren ins Leben half. Viel habe ich erfahren über diesen Mann, der seine Arbeit damit finanzierte, Eintritt für die Show der Winzlinge zu nehmen. Die „Wundersäuglinge“ wurden regelrecht ausgestellt, was aus heutiger Sicht schon ein wenig makaber anmutet. Beim Lesen spürt man so richtig, wie das Team um Couney hinter ihm steht. Der herzliche Umgang miteinander und das unbedingte Verständnis dafür, was diesen kleinen Wesen gut tut, was sie brauchen, um ins Leben zu finden, ist so nah und Hannah mittendrin. Sie findet in Couney und Nathan Green, der als Arzt hier arbeitet, zwei Förderer. Ob sie sich mit deren Unterstützung doch noch ihren lang gehegten Wunsch, eines Tages als Ärztin zu arbeiten, erfüllen wird?

Auch die Irrfahrt der St. Louis, mit der deutsche Juden dem NS-Regime zu entkommen suchten, ist hier Thema. Kuba verweigerte ihnen das Anlegen, das Schiff musste umkehren, nachdem es weder in den USA noch in Kanada eine Anlegeerlaubnis bekam, um schließlich in Antwerpen vor Anker zu gehen.

Neben dem gut recherchierten geschichtlichen Hintergrund kommt das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Der Zusammenhalt innerhalb einer Familie ist wichtig, auch wenn einer gern mal ausschert. Hier spüre ich ganz viel Normalität, die Charaktere sind jeder für sich glaubhaft und gut nachvollziehbar dargestellt. Wie im richtigen Leben eben. Sie bauen sich in der Neuen Welt ein Leben auf, bangen um die Zurückgebliebenen und kämpfen mit so manchem Schicksalsschlag.

Vor dem Hintergrund des NS-Regimes und deren Judenverfolgung erzählt Eva Neiss von Dr. Couney, dem Incubator Doctor, gewährt Einblicke darüber, wie schwierig sich der Neuanfang im gelobten Land der unbegrenzten Möglichkeiten gestalten kann. Von tiefer Freundschaft und Liebe, durchlebten Schicksalsschlägen, Diskriminierung und Sprachlosigkeit lese ich genauso wie von Trauer und Freude und noch so vielem mehr.

„Das vollkommen unvollkommene Leben…“ - wie die Autorin schreibt - hat mich sehr berührt. Gerne bin ich mitgegangen, habe ihnen allen zugesehen und war mittendrin, hab mich ihnen zugehörig gefühlt. Viel habe ich erfahren über die ersten Schritte der neonatologischen Technologie, was mir bis dahin gänzlich unbekannt war. Ich danke Eva Neiss für dieses wundervolle Buch und möchte es jedem ans Herz legen. Einfach lesen, es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Undurchschaubar und nervenzerrend

Ich bin der Abgrund
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Donato Carrisi ist Spezialist auf den Gebieten der Kriminologie und der Verhaltensforschung, so lese ich über ihn. Inspiriert zu seinem neuesten Thriller „Ich bin der Abgrund“ wurde er vom Monster von ...

Donato Carrisi ist Spezialist auf den Gebieten der Kriminologie und der Verhaltensforschung, so lese ich über ihn. Inspiriert zu seinem neuesten Thriller „Ich bin der Abgrund“ wurde er vom Monster von Foligno, so hatten die Medien den Serienmörder Luigi Chiatti genannt.

Der 5jährige Junge geht mit der auffallend hübschen Vera am Grand Hotel vorbei, das große Abenteuer wartet auf sie beide. Das Schwimmen will sie ihm beibringen, keine Schmeißfliegen stören, denn heute gehört sie nur ihm alleine. So beginnt die Geschichte und bald spürt man das Unsägliche, der Abgrund ist ganz nah.

Dann begegnen wir dem Müllmann, lernen ihn immer besser kennen. Er liebt seine Arbeit, den Abfall der anderen entsorgt er gewissenhaft. Und da ist noch die Fliegenjägerin – nicht nur sie sieht es als ihre Pflicht an, ganz tief im Abgrund zu wühlen. Auch das Mädchen mit der lila Strähne taucht auf, sie alle werden umschrieben, man braucht keine Namen.

„Ich bin der Abgrund“. Wer reißt wen mit in den Abgrund? Wenn ich mir den Klappentext nochmal durchlese, erwartet mich viel Düsternis, der ich mich, einmal angefangen zu lesen, nicht mehr entziehen kann. Es ist eine traurige Geschichte, die der Autor hier erzählt. Es geht um Gewalt und Vernachlässigung, um Hörigkeit und Einsamkeit. Eine breite Palette inmitten menschlicher Abgründe wird hier dargeboten.

Das Buch ist wie ein Sog, es wird immer gerade so viel erzählt, dass man nicht recht weiß, was genau dahinter steckt. Geschickt bringt der Autor Charaktere ins Spiel, die irgendwie dazugehören, deren Hintergrund aber so gar nicht durchschaubar ist. Die Jägerin ist hier ein gutes Beispiel. Von ihr wissen wir ganz lange nicht, was sie eigentlich antreibt. Eher unterschwellig und bedrückend klingen all diese Abgründe an, die Ausweglosigkeit ist hautnah spürbar.

Donato Carrisi setzt mit seinem meisterlich erzählten Thriller viele Gefühle frei. Neben der Spannung ist ganz viel Abscheu und die Empörung über all die Gewalt und Gefühlskälte dabei. Vieles ist auserzählt, in sich in seiner ganzen Schwärze und Düsternis schlüssig, es bleiben aber Fragen offen. Undurchschaubar bis zum Schluss! Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 24.01.2022

Berührend und warmherzig

Der Club der Lebensmutigen
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Aus der Reisejournalistin aus Leidenschaft ist eine Berichterstatterin in der lokalen Stadtzeitung über alltägliche Nichtigkeiten geworden. Kein Vergleich zu früher. Seit zwei Jahren hat sie ihre Träume ...

Aus der Reisejournalistin aus Leidenschaft ist eine Berichterstatterin in der lokalen Stadtzeitung über alltägliche Nichtigkeiten geworden. Kein Vergleich zu früher. Seit zwei Jahren hat sie ihre Träume verloren, seit damals in Norwegen. Von der munteren, dem Leben zugewandten Maleen ist nichts mehr übrig. Ihre Therapeutin schickt sie zu dem Haus mit dem roten Tor. Ein rotes Tor, das sie einlädt, hindurchzugehen - sie steht nach einigem Suchen in einem Hof, mitten im Grünen. Richtig verwunschen sieht es hier aus, Blumen und Efeu überranken sich um die Wette. Etwas ungeordnet, beileibe nicht perfekt. Und doch strahlt der Ort sehr viel Wärme und Geborgenheit aus.

Als ich das Buch angefangen habe zu lesen, dachte ich …naja, ab und zu eine Liebesgeschichte, schadet ja nicht. Weit gefehlt! „Der Club der Lebensmutigen“ ist so viel mehr. Mutig sind sie alle, obwohl oder gerade weil sie wissen, dass ihre Zeit begrenzt ist. Sie stützen sich, lachen viel und weinen ab und zu, sie necken sich, lassen das Leben an sich heran. Schon das Cover strahlt diesen Zusammenhalt aus, das Miteinander, füreinander da sein.

Es sind ganz unterschiedliche Charaktere, denen ich hier begegne und jeder hat seine Geschichte. Josefine Weiss lädt ihre Leser ein, sich auf das Leben einzulassen. Und Leben bedeutet auch, den Tod nicht auszusperren. Mit ganz viel Herzenswärme gelingt es ihr, das Tabuthema nicht außen vor zu lassen und ihm doch seine bittere Seite zu nehmen.

Maleen trifft in Hannes eine verwandte Seele. Sie verbietet es sich geradezu, glücklich zu sein, alles in ihr sträubt sich dagegen. Die Geschichte der beiden ist anfangs geprägt von Zweifeln – darf man das? In so einer Situation? Glücklich sein? Behutsam und sehr ehrlich findet die Autorin die richtigen Worte, so gar nicht bedrückend.

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen. Albert Schweitzer.“ Und sie haben Spuren hinterlassen. Sie alle. Wir alle hinterlassen Spuren und leben in den Herzen derer weiter, die uns lieben, die wir lieben.

„Der Club der Lebensmutigen“ - ihre Gemeinschaft ist voller Lebensfreude, Rückschläge schweißen sie noch mehr zusammen. Eine ganz besondere Geschichte, die Mut macht, sich nicht abzukapseln, nicht Trübsal zu blasen, sondern sich einzulassen auf die Unzulänglichkeiten des Lebens.

Zum Schluss ein ganz besonderer Satz aus dem Buch, der mich sehr berührt hat: „Nichts, was aus dem Herzen kommt, kann man wirklich besitzen. Aber man kann es teilen.“

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Veröffentlicht am 21.01.2022

Eine Woche im Juni 1945

Heul doch nicht, du lebst ja noch
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Eine Woche im Juni des Jahres 1945 zwischen den Ruinen Hamburgs und mittendrin drei Jugendliche – Jakob, Hermann und Traute. Keiner kommt ungeschoren aus den Wirren des Krieges, der familiäre Hintergrund ...

Eine Woche im Juni des Jahres 1945 zwischen den Ruinen Hamburgs und mittendrin drei Jugendliche – Jakob, Hermann und Traute. Keiner kommt ungeschoren aus den Wirren des Krieges, der familiäre Hintergrund mag zwar für jeden anders sein und doch müssen sie nach vorne schauen, der Krieg ist endgültig vorbei. Für den 14jährigen Jakob stellt sich dieses Ende ganz anders dar, ist er doch Jude und als solcher musste er lange im Verborgenen leben.

Aus Sicht von Jakob, Hermann und Traute erfahre ich von deren Lebensweise und all den Entbehrungen. Sie mussten zurechtkommen – irgendwie. Der Hunger war ein zentrales Thema, die Wohnsituation brachte Einquartierungen mit sich. Viele Straßenzüge waren zerbombt, die einstigen Wohnungen nur noch Schutt und Asche. Die Kriegsversehrten waren auf Hilfe angewiesen, so manche Lebensträume zerplatzten wie Seifenblasen. War es für die Deutschen schon schwer genug, musste ein Jude erst recht auf der Hut sein.

Kirsten Boie hat gut recherchiert, Jakobs Geschichte lag ihr dabei besonders am Herzen. Sein Vater galt als Deutscher als jüdisch versippt und Jakob war ob seiner jüdischen Mutter ein jüdischer Mischling. Als dieser bleibt er verschont von Deportation und doch ist er in seinen jungen Jahren ganz auf sich alleine gestellt, muss sich verstecken. Die letzte Verbindung, die ihn am Leben hielt, ist weg. Er weiß nicht, dass der Krieg vorbei ist aber eines weiß er ganz genau – er hat Hunger, muss irgendwie überleben.

Hermanns Schicksal ist so ganz anders angelegt, er scheint der harte Bursche zu sein inmitten des Elends, das auch seine Familie heimsucht. Er ist ein starker Charakter, hat Wünsche und Träume wie jeder – endlich in Frieden leben können, vorwärts schauen. Ist es so einfach?

Die Autorin verrät am Ende des Buches, dass diese Trümmerfelder ihr Spielplatz waren. Als Nachkriegskind war das zerbombte Hamburg ihre gewohnte Umgebung. Ihr Ton ist warmherzig, die Kinder nehmen der Trostlosigkeit seine allzu bittere Seite. Sie bringt die damaligen Lebensumstände wie die Rationierungen und die Lebensmittelkarten oder den blühenden Schwarzmarkt gut ins Geschehen ein.

Das stimmige Cover sei noch erwähnt. Das Trümmerfeld, davor der Schatten des Jungen, in sich zusammengesunken. Die Worte „Heul doch nicht, du lebst ja noch“. Alleingelassen. Nur noch schemenhaft nimmt er sich wahr. Schon vor der Lektüre fand ich dieses Titelbild passend und danach ist es perfekt gewählt für diese Geschichte.

Drei Jugendliche erleben ihr Hamburg in Trümmern – ein Buch, das mich berührt hat, mich nachdenklich zurücklässt. Ein Buch für Jung und Alt, das ich gerne weiterempfehle.

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